Das Judentum – ein ewiger Bund mit Jahwe

Das Judentum – ein ewiger Bund mit Jahwe Das Judentum ist die älteste der drei monotheistischen Weltreligionen und die beiden jüngeren, Christentum und Islam, beziehen sich teilweise auf die jüdische Religion. Ihre zentralen Inhalte sind die Erwartung des Messias sowie der Glaube an den Bund, den der eine Gott Jahwe mit den Nachkommen Abrahams schloss, als die sich die Juden begreifen. Die Grundlagen der jüdischen Religion gehen auf das 13. Jahrhundert v. Chr. zurück, als ihr Hauptbegründer gilt Mose. Aber erst im 5. Jahrhundert v. Chr. wurde sie zur Gesetzesreligion. Fixiert sind die Gesetze zum einen in der hebräischen Bibel, dem Alten Testament der Christen; die dazugehörigen fünf Bücher Mose heißen Tora. Weitere religiöse und zivilrechtliche Vorschriften, die unter anderem den Sabbat und die Fest- und Feiertage, die Ehe und die rituelle Reinigung betreffen, sind im Talmud (Lehre) schriftlich niedergelegt, der im 5. Jahrhundert n. Chr. als Ergebnis einer langen Entwicklung entstand. Eine lebendige Religion ist das Judentum bis heute; denn die immer wieder neue Diskussion und Auslegung der kanonischen Schriften durch Theologen und Rabbiner gehört zur Tradition. Sie ermöglichte auch die Entstehung verschiedener religiöser Bewegungen. So kam es etwa im 13. Jahrhundert in Südfrankreich und vor allem Spanien zur jüdischen Mystik der Kabbala, parallel dazu in Mittel- und Osteuropa zur Entwicklung des Chassidismus, einer spirituellen Gegenbewegung zum rabbinischen Dogmatismus. Bedeutende religiöse Richtungen sind heute das orthodoxe, das konservative und das Reformjudentum. Obwohl es erst seit dem Jahr 1948 wieder einen jüdischen Staat Israel gibt, die Juden seit rund 2000 Jahren zerstreut in der Diaspora leben, immer wieder Schikanen, Vertreibungen, Verfolgungen und schließlich den Holocaust erleiden mussten, haben sie sich ihre Identität als Volk erhalten, vereint durch die gemeinsame Religion im Glauben an den einen Gott und in der Erwartung des Messias. Die Patriarchen: Stammväter Israels Was versteht man unter der Patriarchenzeit? Die auch als Erzväterzeit bekannte Epoche umfasst die Lebenszeit der nomadischen Familienoberhäupter Abraham, Isaak und Jakob, wie sie im ersten Buch Mose erzählt wird. Am Beginn steht der Zug Abrahams – noch unter der Führung seines Vaters Terach – von Ur im südlichen Mesopotamien nach Haran im Norden des Zweistromlandes. Dort erreichte ihn die Berufung Gottes, mit seiner Familie nach Kanaan weiterzuziehen. Außerdem wurde ihm, dem kinderlosen Mann hohen Alters, eine reiche Nachkommenschaft verheißen. In Kanaan übermittelte Gott Abraham die zweite bedeutende Verheißung: Seine Nachkommen sollten dieses Land erhalten. Da Sara kinderlos und schon sehr alt war, legte sie Abraham nahe, mit ihrer Magd Hagar Nachkommen zu zeugen. Diese gebar Ismael, von dem sich später der Islam genealogisch herleiten wird. Jahre später wurde auch die alte Sara noch schwanger und gebar Isaak. Wie prüfte Gott Abrahams Glauben? Er befahl Abraham, ihm seinen Sohn Isaak zum Opfer zu bringen. Auf göttliches Geheiß fesselte er seinen Sohn und bereitete gehorsam dessen Opferung vor. Erst im allerletzten Augenblick gebot Gott Einhalt und auf wundersame Weise erschien ein Widder als Ersatzopfer. Isaak heiratet später Rebekka, als einzige Kinder des Paares wurden nach einer langen Kinderlosigkeit die Zwillingssöhne Esau und Jakob geboren. Was erzählt die Bibel über die Brüder? Jakob kaufte Esau für ein Linsengericht das Erstgeburtsrecht ab und erschwindelte sich später durch einen Trick und mithilfe seiner Mutter Rebekka den Erstgeburtssegen des alten und blinden Vaters Isaak. Danach musste Jakob vor der Wut seines Bruders fliehen und begab sich nach Mesopotamien, wo er seinem Onkel Laban zweimal sieben Jahre lang diente und auf seine große Liebe Rahel wartete, nachdem ihm zuerst ihre Schwester Lea zur Frau gegeben worden war. Erst nach zwanzig Jahren zog Jakob zusammen mit seinen Herden und seiner großen Familie zurück in die Heimat. Unterwegs wurde er am Fluss Jabbok zum nächtlichen Kampf mit einem Engel herausgefordert und erzwang von diesem einen Segen. Er erhielt dabei den neuen Namen »Israel«, der so viel bedeutet wie »Gottesstreiter«. Jakob hatte von vier Frauen zwölf Söhne und eine Tochter. Sein Lieblingssohn Josef wurde von seinen eifersüchtigen Brüdern nach Ägypten verkauft, wo er eine beispiellose Karriere am Hofe des Pharao machte. Als Jakob später während einer Hungersnot die Brüder nach Ägypten schickte, um Getreide einzukaufen, gab sich Josef, inzwischen Vizekönig, zu erkennen, woraufhin die Brüder den Vater holten: Es kam zum herzzerreißenden Wiedersehen. Welche Bedeutung haben die Patriarchen in der jüdischen Mythologie? Abraham, Isaak und Jakob sind Träger einer doppelten göttlichen Verheißung: Es wurde ihnen zuerst die Vermehrung ihrer Nachkommenschaft prophezeit, die schließlich das Volk Israel bilden sollte. Aus den zwölf Söhnen Jakobs gingen die zwölf Stämme Israels hervor. Zudem wurde ihnen das Land Kanaan verheißen, das sie dauerhaft in Besitz nehmen sollten. Daraus leiteten später die Flüchtlinge aus Ägypten die Legitimation für die Landnahme ab. Diese Beziehung zwischen Gott und den Patriarchen fand ihren besonderen Ausdruck in dem Bund, den Abraham mit Gott schloss, dessen äußeres Zeichen die Beschneidung war und der später in der Exodusgeschichte zwischen Mose und Gott bestätigt und verstärkt wurde. Die versuchte Opferung Isaaks gilt als die Probe der Gottestreue Abrahams. Abraham hat deshalb als Fürbitter das Recht, Gott um Gnade für die israelitischen Gebotsübertreter zu bitten. Was für ein Gottesbild hatten die Patriarchen? Der Gott der Patriarchen war ein familiärer Führergott, der auf ihren nomadischen Wanderungen mit ihnen zog und sie vor Gefahren beschützte. Das Verhältnis der Gläubigen zu ihrem Gott war sehr persönlich und direkt. Unter Mose wurde aus dem Familien- der Stammesgott Jahwe, der meist durch seinen Mittler Mose Verbindung zu seinem Volk aufnahm. Der nomadische Wüstengott trug schließlich im Lauf einer Jahrhunderte andauernden Geschichte religiöser Machtkämpfe den Sieg über die Göttervielfalt davon. Die Propheten schrieben ihm die vielfältigen Attribute der anderen Götter zu, Jahwe wurde zum Reichsgott Israels, aber auch zum Schöpfergott und Universalgott für alle Völker. Doch auch als dieser war und ist Jahwe seinem eigenen, dem auserwählten Volk besonders nahe, da er den Patriarchen versprochen hat, mit ihnen und ihren Nachkommen zu sein. Wussten Sie, dass … Jakob als der herausragendste der Erzväter gilt? Er kommt in der biblischen Hierarchie gleich nach den Engeln und gilt als Ideal von Tugendhaftigkeit und Wahrhaftigkeit. Deshalb fallen seine moralischen Verfehlungen wie die Erschleichung des Erstgeburtsrechts und des väterlichen Segens auch nicht ins Gewicht. die Ankunft im Gelobten Land nicht das Ende des Nomadentums bedeutete? Noch lange zog Abraham mit seiner Frau Sara und den Herden in Kanaan umher. Welche historischen Bezüge sind für die Patriarchen nachweisbar? Die Patriarchen selbst sind nicht historisch fassbar, dafür aber das Umfeld ihrer Erzählungen. Die Wanderung von Ur nach Haran muss historisch sein, da belegt ist, dass westsemitische Stämme Ur um 2000 v. Chr. zerstörten. Der Durchzug durch die mesopotamischen Kulturzentren wie Babylon und Mari wird durch den großen mesopotamischen Einfluss auf die Thora, besonders im Bereich der Gesetzesvorschriften, bestätigt. Archäologische und historische Quellen belegen für Kanaan, dass dort ab etwa 2000 v. Chr. semitische Nomaden aus dem Zweistromland einwanderten. Erst um das 12. Jahrhundert v. Chr. vereinigten sie sich mit weiteren Zuwanderungsgruppen, der so genannten Aramäerbewegung sowie der Exodusgruppe, die aus Ägypten einwanderte, zum Volk Israel. Der Auszug der Israeliten aus Ägypten: Exodus durchs Rote Meer Gab es den Religionsstifter Mose wirklich? Das ist nicht belegbar. Man kann aber annehmen, dass den ältesten Überlieferungen von Mose, die auf die Bücher Exodus und Numeri der hebräischen Bibel zurückgehen, ein wahrer Kern zugrunde liegt. In diesen Büchern geht es um die Unterdrückung eines Teils der späteren Israeliten in Ägypten. Die Rettung am Roten Meer bildet wohl das Zentrum der Erzählung. Sie wurde im Laufe ihrer Überlieferung so umgestaltet, dass sich die wesentlichen Bestandteile des jüdischen Glaubens durch ihn bekräftigen und begründen ließen. Welche Rolle spielte der Exodus in der jüdischen Religion? Er symbolisiert die Befreiung des Volkes Israel. Nach jüdischer Überlieferung gab Gott den Juden durch Mose die Anweisung, wie sie sich auf den Auszug aus ihrer Gefangenschaft in Ägypten, den Exodus, vorzubereiten hätten. Sie sollten mit ungesäuertem Brot und in Reisekleidung ein Fest feiern. Mit dem Blut eines Lammes sollten sie ihre Türpfosten bestreichen, damit sie von Plagen verschont blieben. Zur Erinnerung an diesen Aufbruch feiern die Juden jedes Jahr das Pessachfest. Die Israeliten verließen Ägypten in Richtung Sinai, doch der Pharao ließ sie von seinem Heer verfolgen. Am Ufer des Roten Meeres, das die Flucht der Israeliten aufhielt, streckte Mose auf Geheiß Gottes seinen Stab über das Wasser und das Meer teilte sich. Die Israeliten zogen so trockenen Fußes in die Freiheit, während hinter ihnen der Pharao mit seinem Heer von den sich wieder schließenden Fluten verschlungen wurde. Welche Position wurde dabei Mose zuteil? Mose war eine Art Mittler zwischen dem Volk Israel und Gott. Er wurde von Gott angewiesen, ihn den Israeliten als einzigen Gott zu offenbaren. Mose verkündete Gottes Willen, übergab ihnen die Zehn Gebote Gottes, die er selbst auf dem Berg Sinai durch einen Feuerstrahl in Stein gemeißelt von ihm erhalten hatte, und versuchte, ihre Einhaltung durchzusetzen. Doch Mose trat auch als Fürsprecher für die Menschen auf. Wofür steht die Geschichte vom »Goldenen Kalb«? In ihrem Drang nach der Verehrung einer figürlichen Gestalt schufen die Israeliten ein goldenes Kalb, das sie als ihren Gott verehrten. Nur durch Moses Fürsprache ließ sich der zürnende Gott zu einer milderen als der ursprünglich vorgesehenen Strafe bewegen. Diese Episode vom Goldenen Kalb ist charakteristisch für das Verhältnis zwischen Jahwe und den Israeliten. Trotz ihrer menschlichen Schwächen und Unzulänglichkeiten hielt Gott immer an seinem auserwählten Volk fest, mit dem er durch Mose einen ewigen Bund geschlossen hatte. Allerdings erlegte er seinem Volk immer wieder schwere Prüfungen auf. Dieses grundlegende religiöse Motiv bestimmte die gesamte Überlieferung der jüdischen Kultur. Seine besondere Stellung, seine Auserwähltheit unter den Völkern, gab dem Volk Israel zwar grenzenlose Zuversicht, verhieß ihm aber auch ungeheueres Leid. Zur Strafe für seine Blasphemie musste es unter der Führung des Mose noch 40 Jahre durch die Wüste irren, ehe es das von Gott versprochene »gelobte« Land am Jordan erreichen sollte. Wann kam es zur Niederschrift der fünf Bücher Mose? Im 5. Jahrhundert v. Chr. Das ist insofern interessant, als die historischen Ereignisse, die den Kern der Erzählung bilden, wohl weit vor dem 10. Jahrhundert v. Chr. stattgefunden haben. Erst mehrere Jahrhunderte später, zur Zeit des babylonischen Exils, verfasste man einen Bericht über das Leben und die Taten des großen Propheten. Der Grund ist wohl darin zu suchen, dass die Priesterschaft zur damaligen Zeit für von ihr angestrebte Reformen eine Autorität brauchte, auf die sie sich berufen konnte. Der Pentateuch, die fünf biblischen Bücher Moses, sieht folglich in ihm den herausragenden Propheten Jahwes, der eine Mittlerrolle zwischen Gott und den Israeliten einnahm. Indem man Mose die neu einzuführenden Gebote und Regeln zuschrieb, konnte man behaupten, sie kämen direkt von Gott. Historisch haben sich der extreme Monotheismus der jüdischen Religion und die strengen religiösen Gesetze erst seit dem 5. Jahrhundert als Reaktion auf die Babylonische Gefangenschaft herausgebildet. Ein möglicherweise historischer Mose, der als Gesetzgeber und Richter wirkte und dem die religiöse Gesetzgebung zugeschrieben wird, hat den jüdischen Glauben in diesem Umfang sicher nicht gestiftet. Wussten Sie, dass … dem gläubigen Juden die Aussprache des Namens »Jahwe« gänzlich verboten ist? Deshalb werden andere, umschreibende Gottesnamen verwendet, etwa »Adonai« (»Herr«) oder »Elohim« (»Götter«). die hebräische Schrift wie die anderen semitischen Sprachen ursprünglich keine Vokale kannte? Der Name Gottes, JHVH, erlaubt also verschiedene Vokalisierungen. Die mit den Vokalen aus »Adonai« wurde bei Nichtjuden als »Jehova« gelesen. Erlebte Mose den Erfolg seiner Mission noch? Nein. Mose erhielt zwar den Auftrag des Herrn und führte ihn aus, aber die Ankunft seines Volkes im Gelobten Land sollte er selbst nicht mehr erleben. »Und der Herr sprach zu ihm: Dies ist das Land, das ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen habe, und gesagt: Ich will es deinem Samen geben. Du hast es mit deinen Augen gesehen; aber du sollst nicht hinübergehen.« (Deut. 34, 4) Kurz vor Erreichen des ersehnten Ziels, in Sichtweite des Jordan, starb Mose. »Und es stand hinfort kein Prophet in Israel auf wie Mose, den der Herr erkannt hätte von Angesicht zu Angesicht.« (Deut. 34, 10) Die Thora: Gesetzbuch und Weltgeschichte Worauf bezieht sich der Begriff »Thora«? Die fünf Bücher Mose werden im Judentum »Thora« genannt. Sie bilden den ersten Teil der hebräischen Bibel und sind Grundlage der jüdischen Religion, da sie laut Überlieferung von Mose geschrieben wurden und das offenbarte Wort Gottes vom Sinai enthalten. Der hebräische Begriff »Thora« bedeutet übersetzt soviel wie »Weisung« oder »Lehre«. Gemeint sind damit im weiteren Sinne alle Offenbarungen Gottes, die Mose auf dem Sinai empfing. Sie bilden einerseits die »schriftliche Thora«, den Pentateuch, besser bekannt als die fünf Bücher Mose, andererseits die »mündliche Thora«. Letztere wurde erst viel später niedergeschrieben, als nämlich die Gebote der schriftlichen Thora der Aktualisierung bedurften. Nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n. Chr. hatte sich die Kultsituation für das Judentum grundlegend geändert und es bedurfte nun einer Anpassung. Deshalb entstand als Niederschrift der einst mündlichen Überlieferung im 2. und 3. Jahrhundert die Mischna, die von Rabbinern in den folgenden Jahrhunderten – in der Gemara – ausgiebig diskutiert wurde. Mischna und Gemara bilden den Talmud. Wovon berichten die fünf Bücher Mose? Sie enthalten eine Darstellung der Weltschöpfung, die Patriarchengeschichten, den Aufenthalt in und die dramatische Flucht aus Ägypten sowie die Wüstenwanderung, die Gesetzgebung am Sinai und das weitere Leben Moses. Zwischen diesen Teilen finden sich immer wieder umfangreiche Gesetzestexte. Der Zweck der Thora ist das Erkennen des göttlichen Willens und seine Verwirklichung im täglichen Leben. Die Thora gibt dem Alltagsleben Struktur, Sicherheit und Orientierung. Das Volk Israel hat sich durch den Bund, den Gott mit ihm geschlossen hat, dazu verpflichtet, die Thora zu leben, das heißt, die darin enthaltenen Ge- und Verbote einzuhalten. Ziel dieses Weges ist die Erlösung Israels sowie der übrigen Menschheit und somit die Durchsetzung der Gottesherrschaft auf Erden. Wer verfasste die Thora wirklich? Nach jüdischer wie nach frühchristlicher Überlieferung soll zwar Mose (13. Jh. v. Chr.) der Verfasser der fünf Bücher gewesen sein, doch schon im Altertum gab es Zweifel an dieser Auffassung. In der Zeit der Aufklärung widerlegte die moderne Bibelwissenschaft endgültig die Verfasserschaft Moses. Seit dem 19. Jahrhundert besteht als wissenschaftlicher Konsens die Annahme, dass dem Pentateuch vier Quellen zugrunde liegen: Die älteste ist der so genannte Jahwist, dessen Texte etwa im 10. Jahrhundert v. Chr. am Hofe König Salomos entstanden sind, dann folgt der Elohist mit einer Datierung um das 9. Jahrhundert v. Chr. Das Deuteronomium (5. Buch Mose) wurde im 7. Jahrhundert v. Chr. niedergeschrieben und schließlich entstand die Priesterschrift. Diese jüngste Quellenschrift des Pentateuch wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. im babylonischen Exil verfasst. Zu dieser Zeit wurden wohl auch die vier verschiedenen Quellen redaktionell zusammengeschaltet. Welche Funktion hat die Thora im jüdischen Ritus? Die Thora steht im Mittelpunkt des Gottesdienstes in der Synagoge. Sie besteht aus mehreren Pergamentblättern, die von Hand beschrieben, aneinandergenäht und auf zwei Holzstäbe gerollt sind. Dreimal wöchentlich wird aus ihr gelesen, wobei der gesamte Text abschnittweise innerhalb eines Jahres in 54 Wochenabschnitten verlesen wird. Im Reformjudentum gibt es einen dreijährigen Lesezyklus. Die Lesetage sind Samstag, Montag und Donnerstag. Bei der Thoralesung wirken reihum die Männer der Gemeinde mit, Voraussetzung ist einzig, dass ein minjan , das heißt eine Gruppe aus zehn jüdischen Männern, vollständig anwesend ist. Nachdem sich die Gemeinde erhoben hat, wird feierlich der Thoraschrein geöffnet und die Thorarolle »ausgehoben«. Auf dem Lesepult wird sie geöffnet, dann werden drei bis sieben Männer aufgerufen, je nach Rang des Feiertages. In großen Gemeinden lesen die Männer nicht selbst den Text, sondern sprechen nur vor und nach der Lesung des Kantors einen besonderen Segen. Es folgt das feierliche »Einheben« der Rolle in den Thoraschrein. Wussten Sie, dass … die Einteilung der Tage, an denen aus der Thora gelesen wird, auf die Zeiten des Propheten Esra zurückgeht? Dieser ließ nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil an den drei Markttagen in Jerusalem die Thora in der Öffentlichkeit verlesen. in jüdisch-orthodoxen Kreisen bis heute an der Verfasserschaft des Mose festgehalten wird? sich in jüngster Zeit wieder kritische Stimmen gegen die Datierung der einzelnen Quellen erheben? Einige Forscher zweifeln sogar insgesamt die Hypothese von den vier verschiedenen Quellen an. Warum wird die Thora so reich verziert? Weil man sich so besser dem Göttlichen zu nähern hofft. Der Thoraschrein ist meist aufwändig geschmückt. Fast immer hängt vor seinen Türen ein bestickter Vorhang, der an den Vorhang im Jerusalemer Tempel erinnern soll. Auch die Thora selbst erstrahlt häufig in prächtigem Schmuck. Die Thorakrone ist seit dem 12. Jahrhundert bezeugt. Der Thoramantel findet sich in der Regel in aschkenasischen (europäischen) Gemeinden, orientalische Gemeinden bewahren die Rollen in einem Gehäuse auf. Der Thorafinger ist meist aus Silber und dient beim Lesen als Zeigestab, um den heiligen Text nicht mit profanen Menschenfingern zu entweihen. Feste: Gedenktage an die Heilsgeschichte des Volkes Israel Was ist der Schabbat? Das ist der wöchentliche Ruhetag, der an die Schöpfung erinnern soll, als Gott nach sechs anstrengenden Tagen den siebten Tag zum Ruhetag erklärte. Am Freitagabend wird der Schabbat in der Synagoge begrüßt, äußeres Zeichen hierfür ist der Kiddusch, der Segen über den Wein. Die Begrüßungszeremonie setzt sich im häuslichen Rahmen fort. Nach dem Segnen der Kinder durch die Eltern spricht der Vater erneut den Segen über den Wein, segnet die geflochtenen Schabbatbrote und eröffnet das Festmahl. Am nächsten Vormittag steht der Synagogengottesdienst mit der Lesung aus der Thora auf dem Programm. Am Abend klingt der Schabbat schließlich mit einer feierlichen Zeremonie aus. Wie wird das Neujahrsfest gefeiert? Der »Kopf« oder »Anfang des Jahres«, das bedeutet der Name des Neujahrsfestes Rosch ha-Schana, findet am ersten und zweiten Tag des Monats Tischri im Herbst statt. Es beginnt mit dem Blasen des Schofar, eines Widderhorns, das an die versuchte Opferung Isaaks erinnern soll. Der Schall des Schofar ruft die Gläubigen zur Selbstprüfung auf. Die Tradition sagt, dass an Rosch ha-Schana drei Bücher geöffnet würden: das Buch des Lebens für die Gerechten, das Buch des Todes für die Gottlosen und das Buch für die Mittelmäßigen. In den zehn Bußtagen zwischen Rosch ha-Schana und Jom Kippur hat jeder die Möglichkeit, seinem Schicksal eine Wende zu geben. Welcher ist der höchste jüdische Feiertag? Das Versöhnungsfest Jom Kippur. Diesen strengen Fastentag am 10. Tischri, dem letzten der zehn Bußtage, verbringen fromme Juden in der Synagoge. Sie tragen weiße Trauerkleidung zum Gedenken an die Toten und legen ihre »irdische« Macht dem Schöpfergott zu Füßen. Man bittet um Vergebung der Sünden, die man gegen Gott, andere Menschen und auch sich selbst begangen hat. Durch das Kol-Nidre-Gebet wird der unvollkommene Mensch von Gelübden gegenüber Gott entbunden. Zum Ausklang des Jom Kippur wird erneut der Schofar geblasen und das Fasten beendet. Worauf bezieht sich das Laubhüttenfest Sukkot? Das fünf Tage nach Jom Kippur beginnende Fest Sukkot gedenkt der 40-jährigen Wanderschaft nach der Flucht aus Ägypten, als die Flüchtenden in provisorischen Hütten lebten. Man baut eine Hütte aus Brettern mit Palmblättern oder Weinlaub als Bedeckung. Dort werden eine Woche lang alle Mahlzeiten eingenommen. Der letzte Tag von Sukkot ist Simchat Tora, das Fest der Thorafreude, an dem Thorarollen in der Synagoge feierlich um das Lesepult getragen werden und der jährliche Zyklus der Thoralesung endet. Warum wird das Lichterfest begangen? Die acht Tage des Lichterfestes Chanukka erinnern an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels 164 v. Chr. durch die Makkabäer nach einer Zeit der Entheiligung und heidnischen Überfremdung durch die Seleukiden. Das tägliche Entzünden eines zusätzlichen Lichts am achtarmigen Leuchter (chanukkia) erinnert an das Lichtwunder, als nach der Befreiung von den Besatzern ein winziger Rest geweihten Öls den Tempelleuchter für acht Tage zum Erstrahlen brachte, bis neues Öl geweiht werden konnte. Was geschieht an Purim? Das Losfest Purim, das im ausgehenden Winter an zwei Tagen gefeiert wird, ähnelt dem europäischen Karneval. Die Kinder, aber auch viele Erwachsene, sind verkleidet, feiern ausgelassen und laut mit Rasseln und der Alkohol fließt in Strömen. Grundlage für Purim sind die Ereignisse des Buches Esther: Eine geplante Judenverfolgung im Persien des 5. Jahrhunderts v. Chr. konnte durch die Jüdin Esther vereitelt werden. Woran soll das Pessach-Fest erinnern? Am 14. Nissan, zur Zeit des ersten Frühlingsvollmonds, beginnt das einwöchige Pessach-Fest, das an den Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnern soll. Höhepunkt ist der Sederabend, an dem die Familie um eine große Tafel versammelt ist. Das Familienoberhaupt liest aus der Haggada, die auf volkstümliche Art die Exodusgeschichte wiedergibt. Neben einem Festmahl werden verschiedene rituelle Speisen verzehrt. So soll etwa das ungesäuerte Brot daran erinnern, dass beim übereilten Aufbruch aus Ägypten keine Zeit mehr zum Säuern der Brote blieb. Wie heißt das jüdische Erntefest? Es handelt sich dabei um das Schawuot-Fest. Der Name Wochenfest leitet sich vom siebenwöchigen Abstand zum Beginn des Pessach-Festes ab. Schawuot erinnert zudem an die göttliche Offenbarung auf dem Sinai, bei der das israelitische Volk die Thora erhielt. Fromme Juden verbringen die ganze Nacht des Festes mit dem Studium der Thora. Beim Morgengottesdienst in der Synagoge steht die Lesung der zehn Gebote im Mittelpunkt. Wussten Sie, dass … am Schabbat religiösen Juden »Arbeiten« wie das Feueranzünden, zu dem man heute das Autofahren und das Lichtanknipsen zählt, verboten sind? die Erschaffung der Welt der Beginn der jüdischen Zeitrechnung ist? Sie startet im Jahr 3761 vor der christlichen Zeitrechnung. Die Geschichte des auserwählten Volkes: Von Mose zur Diaspora Warum bezeichnen sich die Juden als das »auserwählte Volk«? Weil sie früh eine Art nationales Bewusstsein entwickelten und sich des Beistands ihres Gottes sicher waren. Als einzige monotheistische Religionsgemeinschaft grenzten sich die Israeliten scharf von ihrer Umgebung ab. Sie entwickelten eine völlig eigenständige Kultur und bauten phasenweise eine regionale Hegemonialmacht auf. Sie schufen so die Grundlagen für eine kulturelle Blüte. Nach dem Tod des Mose wanderten die Israeliten unter der Führung von Josua in Kanaan ein. Sie hatten in der Folge zahlreiche Kämpfe zu bestehen, in denen – so ihre religiöse Vorstellung – Gott ihnen zur Seite stand. Am bekanntesten ist der Fall Jerichos. Bei der Belagerung dieser wohlbefestigten Stadt durch die israelitischen Stämme ließ Gott die Mauern auf einen Posaunenschall hin einstürzen. Wie verlief die Geschichte des israelischen Reiches? Viele Auseinandersetzungen mit ihren Nachbarn prägten die frühe jüdische Geschichte. Berühmt geworden ist der Kampf gegen die Philister, besonders die Geschichte von David, der Goliath, einen Riesen und stärksten Krieger der Philister, mit einer Hirtenschleuder tötete. David wurde später als Nachfolger von Saul König und erweiterte die Grenzen des Reiches Israel. Er eroberte Jerusalem und machte die Stadt zum Zentrum seines Reiches. Davids Sohn Salomo erbaute dort den großen Tempel, in dem die Bundeslade aufbewahrt wurde. In ihr lagen der Überlieferung nach der Aronstab und die Steintafeln mit den zehn Geboten. So enstand ein zentrales Heiligtum, das bis zu seiner zweiten Zerstörung im Jahr 70 n. Chr. Dreh- und Angelpunkt des Judentums war. Salomo unterhielt vermutlich weitreichende diplomatische Beziehungen und wurde zum Inbegriff eines weisen Herrschers. Die Israeliten waren zur regionalen Hegemonialmacht geworden. Nach Salomos Tod im Jahr 926 v. Chr. zerfiel das Reich in das nördliche Königreich Israel und das südliche Königreich Juda. Wie wurde dieses Reich zerstört? Durch Assyrer und Babylonier. Israel hatte nach einer kurzen wirtschaftlichen und kulturellen Blütezeit der Königreiche in hohem Maße unter dem Aufkommen anderer orientalischer Reiche zu leiden. Die Assyrer eroberten um das Jahr 730 v. Chr. das Nordreich Israel und verschleppten in der Folge viele seiner Einwohner. Im Jahr 597 v.Chr. eroberten die Babylonier unter ihrem König Nebukadnezar Juda. Als Vergeltung für einen misslungenen Aufstand wurden im Jahr 586 v. Chr. Jerusalem und der Tempel zerstört und große Teile der jüdischen Führungsschicht nach Babylon deportiert. Die Babylonische Gefangenschaft stellte eine schwere Herausforderung dar. Mit dem Tempel hatte das Judentum sein kultisches Zentrum verloren, das jüdische Volk war ohne Heimat. Wie endete die Babylonische Gefangenschaft? Mit einem verlorenen Krieg der Babylonier. 539 v. Chr. unterlagen diese dem expandierenden Perserreich unter Kyros II. Kyros befreite die versklavten Juden und gewährte ihnen Religionsfreiheit. Die Juden konnten sich in der Überzeugung, Gottes auserwähltes Volk zu sein, bestätigt fühlen. Mit der Einweihung des zweiten Tempels 516 v. Chr. gilt das babylonische Exil als beendet. Von nun an regierte der jüdische Hohe Priester die Provinz Juda. Nach der Unterwerfung Persiens 331 v. Chr. wurde Judäa eine Provinz im Reich Alexanders des Großen. Der Pentateuch, die fünf Bücher Mose, wurde ins Griechische übersetzt. Wodurch entstanden die unterschiedlichen Auslegungen der Heiligen Schrift? Bereits Anfang des 2. Jahrhunderts v. Chr. sahen sich die Juden einer massiven Verfolgung durch die Seleukiden ausgesetzt, die ihren griechischen Staatskult als integrierende Maßnahme in ihrem riesigen Machtbereich durchsetzen wollten. 168 v. Chr. wurde der jüdische Glaube für gesetzeswidrig erklärt und der Tempel in Jerusalem dem Zeus geweiht. Zwei Jahre später brachte ein Aufstand unter dem Priester Judas Makkabäus und seinen Söhnen die Befreiung von der Okkupation. Sie ernannten sich zu Königen des unabhängigen jüdischen Staates und gründeten die Dynastie der Makkabäer oder Hasmonäer. In dieser Zeit versuchte das Judentum, sich von fremden Einflüssen zu reinigen. Es entstanden verschiedene Lehrrichtungen bezüglich der Interpretation der Heiligen Schrift. Die bekanntesten waren die der Sadduzäer, die der Pharisäer und die der Essener. Die Sadduzäer erkannten nur die geschriebene Thora als verbindlich an, nicht jedoch ihre Auslegung durch die Schriftgelehrten und die Fortentwicklung der jüdischen Reinheitsgebote. Sie lehnten den Glauben an die Auferstehung der Toten ab und schlossen die Unsterblichkeit der Seele sowie die Existenz von Engeln und Geistern aus. Die Pharisäer dagegen hofften auf die Vollendung der Geschichte durch Erfüllung der Thora, betonten daher die Einhaltung der dort formulierten Gebote und erweiterten sie um eine »mündliche« Thora, die Mischna genannt wurde. Von zentraler Bedeutung war für sie darüber hinaus der Erhalt ritueller Reinheit. Die Essener schließlich erwarteten in ihrer asketischen Mönchsgemeinschaft das baldige apokalyptische Ende der Welt und den Anbruch der Herrschaft Gottes. Wie erging es den Juden als römische Untertanen? Sie arrangierten sich mit den Machthabern. Im Zuge der römischen Expansion im Mittelmeerraum gerieten die Makkabäer unter den Einfluss des neuen Weltreiches. Die politische Macht der Juden verfiel; man verbündete sich mit Pompeius und wurde eine Provinz des Römischen Reiches. 37 v. Chr. wurde Herodes der Große Prokurator der Provinz. Herodes selbst war kein Jude, versicherte sich aber der Unterstützung der Priesterschaft und ließ diese unbehelligt. Er war zwar nicht beliebt, sorgte aber für einen anhaltenden Frieden und Wohlstand. Den Juden blieb eine gewisse Autonomie erhalten, solange sie die römische Herrschaft duldeten und nicht dagegen aufbegehrten. Warum kam es dann zum Aufstand? Weil die Juden, politisch ohnmächtig, immer stärkeren religiösen Eifer entwickelten. Ihre religiösen Gesetze führten immer wieder zu Konflikten mit der römischen Besatzung. Die Feldzeichen der römischen Truppen und vor allem die Standbilder des Kaisers liefen dem strengen Bilderverbot der Zehn Gebote zuwider und erbitterten die orthodoxen Juden zutiefst. Unter Kaiser Caligula kam es in den Jahren 39 und 40 n. Chr. zu einer erbitterten Konfrontation, bei der der Widerstand der jüdischen Bevölkerung aber noch gewaltlos blieb. Die Anführer der Juden zogen den anrückenden Legionen entgegen, fest entschlossen, sich eher von diesen niedermetzeln zu lassen, als die religiöse Schande der Errichtung des Kaiserstandbildes hinzunehmen. Durch die Besonnenheit des römischen Kommandeurs und den baldigen Tod Caligulas unterblieb das Äußerste. Claudius, der neue Kaiser, wandelte die Provinz Judäa wieder in ein autonomes Königreich um, das er seinem Freund Herodes Agrippa anvertraute. Unter Kaiser Nero kam es dann zum bewaffneten Aufstand der Juden. Mit großer Erbitterung kämpften sie unter der Aufbietung aller Mittel gegen die Legionen des Feldherren Vespasian. Sein Sohn Titus führte den jüdischen Krieg fort, eroberte schließlich Jerusalem, zerstörte die Festung Antonia in Jerusalem und ließ den in die Festung integrierten Tempel, das zentrale Heiligtum der Juden, schleifen. Dies beendete den Aufstand, der mit dem Fall der Festung Masada am Toten Meer und dem Selbstmord der letzten Verteidiger zum Erliegen kam. Was geschah nach dem misslungenen Aufstand? Jetzt begann die Zeit der Diaspora. Die Juden zerstreuten sich über das ganze Römische Reich und den Orient. Noch gab es aber ein intaktes jüdisches Leben in Palästina, wenn auch die religiösen Zentren zerstört waren. Im Jahr 132 kam es mit dem Bar-Kochba-Aufstand zu einer neuen Revolte, die einen eigenen jüdischen Staat nach dem Vorbild des Makkabäerreiches errichten wollte. Die Römer schlugen brutal zurück. Nachdem Hadrian den Aufstand 135 endgültig niedergeschlagen hatte, erlosch das jüdische Leben im Gelobten Land. Die Römer trugen die Spitze des Tempelberges ab und machten Jerusalem buchstäblich dem Erdboden gleich. Tausende Juden wurden versklavt und deportiert. Die meisten Übrigen flohen aus dem verwüsteten Landstrich. Die Diaspora, die Zerstreuung der Juden über die ganze Welt, hatte begonnen. Die Geschichte des europäischen Judentums begann. Nach der Zerstörung des Tempels mussten andere Inhalte der Religion dieses kultische Vakuum füllen. Opfer und Priesteramt waren ausgelöscht. Seither übt der Rabbi als Vorsteher der jüdischen Gemeinde keine Priesterschaft aus, sondern legt als Rechtsgelehrter das Gesetz aus. Äußere Zeichen des Judentums wie Beschneidung und die Einhaltung des Sabbats haben zusammen mit den Speise- und Reinheitsgeboten dazu beigetragen, die Juden von ihren Nachbarn abzugrenzen. Wie verlief die jüdische Geschichte bis zum babylonischen Exil? 13. Jh. v. Chr.: Exodus aus Ägypten unter Mose; Landnahme unter Josua 1180–1004 v. Chr.: Zeit der Richter (gewählte Stammesoberhäupter) 1004–965 v. Chr.: König David 965–926 v. Chr.: König Salomon 926 v. Chr.: Teilung des Reiches in Juda und Israel 722 v. Chr.: Das Nordreich Israel fällt an Assyrien; Zeit der Propheten Hosea und Jesaja 586 v. Chr.: Das Südreich Juda fällt an Babylon; erste Zerstörung des Tempels 586–536 v. Chr.: Entführung der Oberschichten ins babylonische Exil; Wirken der Propheten Jeremia und Ezechiel Wussten Sie, dass … die zwölf Stämme Israels anfangs tatsächlich verschiedene Kleinreiche bildeten? wesentliche Teile der Thora aus der Zeit des Exils stammen? Die Schriftgelehrten passten sich der neuen Situation an und ersetzten die ehemals politische Einheit durch eine religiöse. Der so genannte zweite Schöpfungsbericht formulierte eine explizite Gegenposition zu den Gottesvorstellungen der orientalischen Kulturen und half so, die jüdische Identität zu bewahren. Wie verlief die jüdische Geschichte nach dem baylonischen Exil? 516 v. Chr.: Einweihung des zweiten Tempels; Zeit der letzten Propheten Haggaj, Malachias und Sacharja 175 v. Chr.: Verfolgung unter Antiochos IV. und den Seleukiden 166 v. Chr.: Makkabäeraufstand; Herrschaft der Hasmonäer und Beginn rabbinischer Schriftgelehrsamkeit 63 v. Chr.: Judäa unter römischer Herrschaft 63–70 n. Chr.: Aufstand gegen Rom; Zerstörung des zweiten Tempels 70–135 n. Chr.: Akademie in Jaune; Patriarchatsverfassung; Durchsetzung der Pharisäer im rabbinischen Judentum 132–135 n. Chr.: Bar-Kochba-Aufstand 135–390 n. Chr.: Sammlung der mündlichen Tradition; Redaktion der Mischna (etwa 200 unter Rabbi Jehuda), des Jerusalemer Talmuds (etwa 390); Babylonien wird Mittelpunkt rabbinischer Schriftgelehrsamkeit etwa 500 n. Chr.: Redaktion des Babylonischen Talmuds Wussten Sie, dass … den Juden nach dem Bar-Kochba-Aufstand für viele Jahre das Betreten Jerusalems völlig verboten war? die Notwendigkeit, den Gottesdienst, in dessen Mittelpunkt die Lesung der Thora steht, mit zehn erwachsenen Männern abzuhalten, die Juden der Diaspora zwang, sich in Gemeinden zu organisieren? Dies wiederum war Garant dafür, dass die Geschlossenheit der jüdischen Kultur erhalten blieb. Juden in der islamischen Welt: Kulturträger als Bürger zweiter Klasse Wie verhielt es sich mit der Judenverfolgung in islamischen Gebieten? Sie wurde vor allem kurz nach Entstehung des Islams praktiziert. In allen islamischen Ländern bestanden jüdische Gemeinden lange vorher. Als Mohammed die neue monotheistische Religion gründete, versuchten er und seine Anhänger, die Juden und Christen Arabiens davon zu überzeugen, dass der Islam die Vollendung ihrer alten Religionen sei. Als die erhofften Konversionen aber ausblieben, kam es zu blutigen Verfolgungen der Juden und Christen. Erst mit der siegreichen Ausdehnung des Islams, der sich von Pakistan bis zu den Pyrenäen erstreckte, nahm die religiöse Intoleranz der Moslems deutlich ab. Vielfach wurden die islamischen Eroberer von den Juden sogar freudig begrüßt, weil sie nun ein Ende der persischen, byzantinischen und westgotischen Unterdrückung erwarteten. Was ermöglichte die friedliche Koexistenz? Die rechtliche Position der Juden und Christen in den islamischen Ländern wurde im Vertrag der Dhimma geregelt. Den »Dhimmi« wurden darin Glaubens- und Gottesdienstfreiheit, Autonomie in den Gemeindeangelegenheiten und die freie Berufsausübung gewährt. Sie mussten für diese Rechte jedoch eine Sondersteuer entrichten und bestimmte Kleidervorschriften beachten. Der Neubau von Synagogen, das Tragen von Waffen und das Reiten zu Pferde war ihnen untersagt. Die Dhimma machte die Juden zu Bürgern zweiter Klasse. Im Alltagsleben war jedoch die friedliche Koexistenz zwischen Muslimen und Juden möglich. Obwohl es keine Einschränkungen bei der Berufswahl gab, wählten Juden häufig jene Berufe, die für Muslime verboten waren. Lederverarbeitung, Weinherstellung und -verkauf sowie die Beschäftigung mit Edelmetallen wurden zu jüdischen Domänen. Auch Berufe, die unter den Muslimen unbeliebt waren, weil man dabei zu häufig mit Ungläubigen in Kontakt kam, wie zum Beispiel Diplomatie, Handel und Finanzwesen wurden jüdisch. Häufig lebten die Juden in eigenen Vierteln, meist freiwillig und aus religiösen Gründen, wie in den Juderías in Spanien. Welche Veränderung zog die islamische Eroberung Babyloniens nach sich? Nach der Eroberung verbesserte sich die Situation der unter der persischen Herrschaft unterdrückten Juden entscheidend. Der Kalif gewährte ihnen größtmögliche Freiheiten, weil ihm an stabilen Verhältnissen gelegen war. Sie wählten mit dem Exilarchen ihren eigenen politischen Führer. Die Rektoren der jüdischen Akademien galten als die höchste Autorität in den Fragen der Rechtsprechung und der Gesetzgebung und wurden von der gesamten jüdischen Diaspora anerkannt. Wie stieg Córdoba zum geistigen Zentrum des Judentums auf? Ab dem 8. Jahrhundert wurde die Iberische Halbinsel von den Omajjaden beherrscht. Unter dem Kalifat von Córdoba lebten viele Juden. Sie begründeten ein neues Gelehrtenzentrum und im 11. Jahrhundert wurde schließlich Babylonien als das bisherige große geistige Zentrum der jüdischen Diaspora von Spanien abgelöst. Neben den jüdischen Gelehrten der Religion arbeiteten hier auch jüdische Literaten und Philosophen. Von großer Bedeutung sind die Übersetzungen der Werke griechischer Philosophen und Denker, die die byzantinische Kirche als heidnisch verboten hatte und die nun durch die jüdisch-arabische Zusammenarbeit ins Arabische übertragen wurden. Kontakte zu Juden im christlichen Europa führten zu einer Weiterübersetzung ins Hebräische und Lateinische und damit zu einem neuen Zugang des mittelalterlichen Europa zur griechischen Antike. Im 12. Jahrhundert endete die Toleranz des jüdisch-arabischen Zusammenlebens in Spanien jedoch. Fanatische arabische Stämme verfolgten die Juden, so dass manche die Auswanderung in den christlichen Teil Spaniens oder nach Marokko vorzogen. Im marokkanischen Fez bildete sich bald ein neues Gelehrtenzentrum, das schließlich das jüdische Spanien als geistiges Zentrum der Diaspora ablöste. Was änderte sich nach der Reconquista für die jüdische Bevölkerung? Nach dem Kampf gegen den Islam richtete sich nun der Blick auf die Juden. In Spanien hatte die christliche Reconquista schon im 12. Jahrhundert begonnen, ihren Abschluss fand sie im Jahr 1492 mit der Eroberung von Granada. Die Verfolgung und Vertreibung der Muslime war das Vorbild für die Behandlung der jüdischen Bewohner des Landes. Die meisten Juden zogen die Flucht einem Übertritt zum Christentum vor, und das erstarkende Osmanische Reich hatte eine große Anziehungskraft für die sephardischen Juden der Iberischen Halbinsel. Die Toleranz gegenüber den Minderheiten war nie groß, die Einschränkungen der Dhimma wurden lax gehandhabt. Viele Juden zogen deshalb nach Konstantinopel, Saloniki und in andere Küstenstädte, aber auch nach Palästina, das seit Anfang des 16. Jahrhunderts osmanisch geworden war. Die kleine Stadt Safed in Galiläa entwickelte sich zum neuen Zentrum des Judentums in der islamischen Welt. Besonders die kabbalistische Mystik erlebte hier ihre Blüte. Warum musste der jüdische Gelehrte Maimonides immer wieder auswandern? Um der Verfolgung zu entgehen. Das Leben des großen jüdischen Gelehrten aus Córdoba ist typisch für das Verhältnis zwischen Islam und Judentum im Mittelalter. Als Kind floh Maimonides (1135–1204) mit seiner Familie vor dem fanatischen islamischen Stamm der Almohaden aus Córdoba ins christliche, damals noch tolerante Nordspanien. Als junger Mann fühlte er sich von den Gelehrtenstätten in Fez in Maro