Die antike Welt – Die Wiege der abendländischen Kultur
Die antike Welt – Die Wiege der abendländischen Kultur Im 1. Jahrtausend v. Chr. umfasste die griechische Kultur das heutige Griechenland und die Küstengebiete Kleinasiens. Es gab Kolonien in Italien, an der Schwarzmeerküste und in Nordafrika. Mit den Eroberungszügen Alexanders des Großen im 4. Jahrhundert v. Chr. begann die Zeit des Hellenismus, in dem die griechische Kultur bis nach Indien und Nubien wirkte, sich aber auch das Wissen des Orients aneignete. Das antike Griechenland (Hellas) wird als Wiege der europäisch-abendländischen Kultur angesehen: Das griechische Alphabet war die Grundlage des lateinischen Alphabets. Im griechischen Kulturkreis liegen die Anfänge unserer Geschichtsschreibung, Philosophie und Staatstheorie. Das griechische Theater ebenso wie die Olympischen Spiele sind bis heute von Bedeutung. Während im östlichen Mittelmeerraum zunächst Griechen und Perser, dann die hellenistischen Reiche um die Vorherrschaft stritten, sicherte sich Rom vom 5. bis zum 3. Jahrhundert v. Chr. die Herrschaft über Italien, bevor es 201 v. Chr. nach zwei Kriegen gegen Karthago die Nummer Eins im westlichen Mittelmeer wurde. In den folgenden Jahrhunderten errichtete Rom ein Reich, das den gesamten Mittelmeerraum umfasste und bis zur Iberischen Halbinsel, nach England, ans Kaspische Meer und an den Persischen Golf reichte. Die römische Herrschaft schuf einen einheitlichen Wirtschaftsraum vom Ärmelkanal bis nach Syrien und hinterließ in den eroberten Gebieten tiefe und vielfältige Spuren: Aus dem Lateinischen entwickelten sich die romanischen Sprachen. Römisches Recht beeinflusste die neuzeitlichen europäischen Rechtssysteme maßgeblich. Nicht zuletzt bereitete das Römische Reich der weiträumigen Christianisierung den Boden und wurde damit zur Brücke zwischen Antike und Mittelalter. Um 800 v. Chr. Beginn der griechischen Kolonisation 753 v. Chr. Sagenhafte Gründung Roms 431–404 v. Chr. Peloponnesischer Krieg zwischen Athen und Sparta 333 v. Chr. Alexander der Große schlägt die Perser bei Issos 146 v. Chr. Die Römer zerstören Karthago 375 n. Chr. Die Hunnen dringen nach Europa vor, Beginn der Völkerwanderung 476 n. Chr. Absetzung des Kaisers Romulus Augustulus, Ende des Weströmischen Reichs Die Frühzeit Griechenlands: Minoer und Mykener Was kennzeichnet die griechische Frühgeschichte? Zwei Faktoren, die sich aus der Geografie herleiten, prägten die griechische Geschichte für lange Zeit: Einerseits begünstigten die seit etwa 4000 v.Chr. bestehenden Verbindungen zwischen dem griechischen Festland, der Inselwelt der Ägäis und Kleinasien die Entstehung einer relativ einheitlichen Kultur. Andererseits führte diese nicht zu einer politischen Einigung, weil die durch Gebirgszüge zerklüftete Landschaft die Kontrolle über größere Gebiete erschwerte. So entstanden zahlreiche Kleinstaaten, die meist nur eine Stadt und ihr Umland umfassten. Wo lag die erste bedeutende Kultur Griechenlands? Auf der Insel Kreta. Dort entwickelte sich in der ersten Hälfte des 3. Jahrtausends v.Chr. die erste bedeutende Zivilisation, die minoische Kultur – benannt nach dem sagenhaften König Minos. Die Insel war auf dem Seeweg gleichermaßen gut von Griechenland, besonders der Halbinsel Peleponnes, und von Kleinasien aus zu erreichen und lag auch unweit der syrischen und nordafrikanischen Küste. Kreta stieg zu einem wichtigen Handelsplatz auf. Früher als im übrigen Europa begann auf der Insel und dem mit ihr in Verbindung stehenden griechischen Festland die Bronzezeit. Eine erste Blütezeit, aus der die charakteristischen Rundgräber (Tholoi) stammen, erlebte Kreta um 2200 v.Chr. In Knossos, Phaistos und Mallia entstanden Anfang des 2. Jahrtausends v.Chr. die ersten Paläste. Sie wurden im 17. Jahrhundert v.Chr. durch ein Erdbeben zerstört, dann wieder aufgebaut und im 16./15. Jahrhundert v.Chr. zu großartigen Anlagen erweitert. Wie sah der Palast von Knossos aus? Knossos war die mächtigste Stadt auf Kreta. Sie hatte Mitte des 16. Jahrhunderts v.Chr. vermutlich mehr als 50000 Einwohner. Die Palastanlage von Knossos erstreckte sich über mehr als 2 ha und war prunkvoll ausgestattet. Es gab fließendes Wasser und beheizte Baderäume. Doch waren die kretischen Paläste nicht nur repräsentativer königlicher Wohnsitz, sondern auch wirtschaftlicher Mittelpunkt. Große Speicherräume für Getreide, Öl und Wein zeugten von Reichtum und einer effektiven zentralen Verwaltung. Die zahlreichen Hallen, Lichthöfe, Werkstätten, Vorratsräume des Palastes von Knossos waren durch eine Vielzahl von Treppen und Gängen miteinander verbunden. Das Labyrinth, in dem König Minos den Minotauros, ein Ungeheuer mit Menschenleib und Stierkopf, gefangen gehalten haben soll, ist vermutlich eine Beschreibung dieser imposanten Anlage. Was war die mykenische Kultur? Auf dem griechischen Festland entwickelte sich im 16. Jahrhundert v.Chr. die mykenische Kultur. Sie basierte auf der helladischen Kultur, die seit dem 3. Jahrtausend bestand, und wird daher auch als späthelladisch bezeichnet. Sie nahm aber auch wichtige Elemente der minoischen Kultur auf, z. B. die Linearschrift. Getragen wurde die mykenische Kultur von den indogermanischen Achäern, die um 1900 v.Chr. nach Griechenland eingewandert waren. Die Eroberung Kretas um 1400 v.Chr., als die Insel durch Erdbeben oder innere Unruhen geschwächt war, markiert den Höhepunkt achäischer Macht. In dieser Zeit entstanden in Mykene, Tiryns, Theben, Pylos und anderen Städten Paläste nach minoischem Vorbild. Von Kreta übernahm Mykene die Position als herrschende Seemacht des östlichen Mittelmeers. Die Stadt, vom Dichter Homer als »goldreich« bezeichnet, häufte Reichtümer an, wovon ägyptische Kunstwerke und Königsgräber mit wertvollen Grabbeigaben zeugen. Mykene umgaben gewaltige Stadtmauern; Haupteingang war das berühmte Löwentor. Mit Troja in Kleinasien erwuchs der Stadt jedoch ein Konkurrent, gegen den im 13. und 12. Jahrhundert v.Chr. Kriege geführt wurden – von Homer als »Trojanischer Krieg« überliefert. Wie kam es zum Ende Mykenes? Im 12. Jahrhundert v.Chr. wurde Mykene durch die ebenfalls indogermanischen Dorier bedrängt. Ihre mit Eisenwaffen ausgerüsteten Reiterheere waren den achäischen Streitwagenkämpfern überlegen. Als Mykene trotz seiner starken Befestigung schließlich fiel und um 1100 v.Chr. zerstört wurde, flohen viele Achäer in den Norden der Peloponnes. Mit der mykenischen Kultur (einschließlich der Schrift) verschwand die erste Hochkultur des europäischen Festlandes und es begannen die »dunklen Jahrhunderte«, über die wir nur wenig wissen. Was bedeuten Linear A und B? Linear A ist eine seit etwa 1900 v.Chr. auf Kreta vor allem in der Verwaltung verwendete Schrift. Die Zeichen dieser Silbenschrift wurden wie bei unserer heutigen Schrift horizontal (»linear«) von links nach rechts geschrieben. Diese Linear-A-Schrift, welche die nichtindogermanische Sprache der minoischen Kultur wiedergibt, wurde bis heute nicht entziffert. Eine Abwandlung der Linear A, Linear B genannt, wurde in der mykenischen Kultur zwischen 1500 und 1100 v.Chr. verwendet. Im Jahr 1952 entzifferte der britische Architekt und Schriftenforscher Michael Ventris (1922 bis 1956) diese Schrift. Er erkannte, dass es sich bei der Sprache der Mykener um eine Frühform des Griechischen handelte, was bis dahin für unmöglich gehalten worden war. Nach dem Untergang Mykenes verschwand Linear-B. Wussten Sie, dass … Ortsnamen auf -ssos und -nthos, etwa Knossos, Korinth(os), Labyrinth(os), sprachliche Überreste aus vorindogermanischer Zeit sind? Die griechische Kolonisation: Griechenland wird größer Was löste die griechische Kolonisation aus? Die Einwanderung der aus dem dalmatinisch-albanischen Raum stammenden Dorier in Griechenland führte dazu, dass Flüchtlinge vor den Doriern den griechischen Kulturraum über das Festland und die ägäischen Inseln hinaus bis zur Küste Kleinasiens ausdehnten. Später wurden auch die Dorier selbst zu Trägern dieser frühen Kolonisation. Wie sah die frühe Kolonisation aus? Die Siedlungsgebiete der verschiedenen Stämme in Kleinasien spiegelten sich auch im Machtgefüge wider: Der von den Doriern besiedelte Süden Kleinasiens sowie die Inseln Rhodos und Kos bildeten den Dorischen Bund, der lange Zeit eng mit den dorischen Metropolen Korinth und Sparta verbunden war. Der Ionische Bund, dem das mittlere Kleinasien (Ionien) sowie die Inseln Chios und Samos angehörten, hatte wegen der attischen Herkunft der Ionier in der Regel Athen zum Bundesgenossen. Der Äolische Bund an der Nordküste Kleinasiens und auf der Insel Lesbos fühlte sich traditionell Thessalien und Böotien nahe, schloss sich aber auch zeitweise zum Schutz vor den Persern dem Attisch-Delischen Seebund an. Gab es eine geplante griechische Kolonisation? Ja. Im Unterschied zur frühen griechischen Besiedlung Kleinasiens, die Folge der Flucht vor den Doriern war, handelte es sich bei der späteren Kolonisation um eine bewusste Gründung von Tochterstädten. Während dieser großen Kolonisation von 750 bis 550 v. Chr. wurde die Mehrzahl der griechischen Kolonien gegründet, und zwar in einem Gebiet, das vom Schwarzen Meer bis zur nordspanischen Mittelmeerküste und nach Nordafrika reichte. In Süditalien und auf Sizilien entstanden so viele Städte, dass die Region später »Magna Graecia« (lateinisch für Großgriechenland) genannt wurde. Organisiert von der Mutterstadt, wanderte ein Teil der Bevölkerung, dem sich manchmal auch Siedler anderer Städte anschlossen, aus, um eine neue Stadt außerhalb des Machtbereichs der Mutterstadt zu gründen. In der Regel wurden dazu küstennahe Gebiete ausgewählt. Die Tochterstadt ( apoikia ) war politisch unabhängig, blieb jedoch oft über Jahrhunderte hinweg der Mutterstadt ( metropolis ) verbunden. Mit in die Kolonie brachten die Neuankömmlinge Maße und Gewichte, den vertrauten Dialekt und die Schrift. Auch praktizierten sie weiterhin die religiösen Kulte ihrer Heimat. Welche Ursachen hatte die große Kolonisation? Gründe für die Kolonisation waren das rasche Bevölkerungswachstum und die daraus resultierende Nahrungsmittelknappheit, aber auch innere Konflikte, die durch organisierte Auswanderung unzufriedener Bevölkerungsteile überwunden wurden. Doch nicht immer war die Gründung einer Tochterstadt die Reaktion auf einen Notstand: Handelsstädte setzten dieses Mittel gezielt ein, um Stützpunkte an strategisch wichtigen Plätzen zu gewinnen. Das ionische Milet an der Westküste Kleinasiens etwa, das im 7. und 6. Jahrhundert v.Chr. eine führende Seehandelsmacht war, gründete allein 90 Kolonien, die hauptsächlich am Hellespont (Dardanellen), am Marmarameer und Schwarzen Meer, aber auch im Nildelta angesiedelt waren. Eine weitere Form der Kolonisation war die Anlage von Militärkolonien, Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. vor allem von Athen praktiziert, das seine Bürger in eroberten Gebieten ansiedelte, um dort die politische Kontrolle auszuüben. In einer solchen Kolonie bekamen die zuvor meist besitzlosen Siedler, die ihr Bürgerrecht behielten, Grundstücke zugeteilt. Mit Militärkolonien sicherte später auch Rom seine eroberten Gebiete. Bildeten Mutterland und Kolonien eine Einheit? Bis zu einem gewissen Grad ja. Wahrscheinlich auch in Abgrenzung von den Nichtgriechen, mit denen man in engen Kontakt trat, entstand mit der Kolonisation ein Gemeinschaftsgefühl, das Städte und Regionen griechischer Kultur auch politisch aneinander band. Verstärkt wurde diese Bindung durch gemeinsame Kultstätten wie dem Orakel von Delphi und panhellenische (alle Griechen betreffende) Spiele, deren wichtigste die Olympischen Spiele waren. Wussten Sie, dass … Neapel und Marseille um 750 bzw. 600 v.Chr. im Zuge der griechischen Kolonisation gegründet wurden? die semitischen Phönizier neben den Griechen die zweite große See- und Handelsmacht des Mittelmeerraums waren? Sie hatten in einem heute weitgehend zum Libanon gehörenden Küstenstreifen ihre Heimat und erlebten ihre Blütezeit zwischen 1200 und 900 v. Chr. auch die Phönizier in großem Stil die Gründung von Kolonien betrieben? Diese entstanden hauptsächlich im westlichen Mittelmeer an der spanischen und nordafrikanischen Küste sowie auf den Inseln Sizilien, Sardinien, Korsika und den Balearen. Karthago eine phönizische Kolonie war? Es wurde um 800 v. Chr. vom phönizischen Tyros aus gegründet und war die wichtigste phönizische Kolonie. Die griechische Staatenwelt: Oligarchen, Tyrannen und Demokraten War das alte Griechenland ein einheitlicher Staat? Nein, das Griechenland der Antike war eine Ansammlung von Stadtstaaten. Zentrum des (politischen) Lebens als Gemeinschaft aller Bürger war die Polis. Regionen ohne beherrschendes Zentrum wie Phokis oder Thessalien hatten meist einen Rat, in dem die führenden Städte eine gemeinsame Politik verabredeten. Zunächst herrschte das Königtum vor, das aber vielerorts durch eine Herrschaft des Adels (Aristokratie) abgelöst wurde. Merkmale dieser Gesellschaftsform waren Kampfspiele und Wagenrennen, ebenso das »Symposion«, ein mit Unterhaltung und Trinkgelage verbundenes Gastmahl. Verwandtschaftliche und (gast-)freundschaftliche Beziehungen der Adelsführer gingen dabei über das Gebiet des Stadtstaates hinaus. Was ist eine Oligarchie? Wenn die Herrschaft von nur wenigen Adeligen bzw. Familien getragen wurde, spricht man von einer Oligarchie. Für die spätere politische Philosophie war sie ein Zerrbild der Adelsherrschaft (Aristoteles), in der Geldgier Antriebsfeder und Maßstab für die Ämterzuteilung war (Platon). Für die frühere Zeit dürften solche Urteile nur bedingt zutreffen. Macht gründete sich vielmehr auf Besitz, gewachsene Autorität und persönliche Verdienste, weniger auf öffentliche Ämter, die es in dieser Form häufig noch gar nicht gab. Wie funktionierte eine altgriechische Tyrannis? Der Tyrann war ein Alleinherrscher, der im Gegensatz zum König aus einer Oligarchie heraus an die Macht gelangt war und zur Absicherung seiner Herrschaft die Unterstützung einflussreicher Familien brauchte. Die erste bedeutende Tyrannis entstand in Korinth (657–583 v.Chr.): Kypselos, Periander und Psammettich machten die Stadt zur wichtigsten See- und Handelsmacht Griechenlands. Der Tyrann Kleisthenes von Sikyon (um 600–570 v.Chr.) war führend am 1. Heiligen Krieg (595–585 v.Chr.) beteiligt. Damals zerstörte die Amphiktyonie, ein Städte- und Staatenbündnis zum Schutz der Heiligtümer der Demeter in Anthela und des Apollon in Delphi, die Stadt Kirrha (Krisa), die von den Pilgern, die nach Delphi wollten, Abgaben erpresste. Eine dritte bedeutende Tyrannis war die der Peisistratiden 560–510 v. Chr. in Athen. Gestützt auf die arme Landbevölkerung, stabilisierte Peisistratos die sozialen Verhältnisse, förderte die Kunst und ließ bedeutende Bauwerke errichten. Wie kam es zur Entwicklung der Demokratie? Nach dem Sturz der Peisistratiden setzte der athenische Adlige Kleisthenes, Enkel des Kleisthenes von Sikyon, Verfassungsreformen durch; die Demokratie (Herrschaft des Volkes) nahm Gestalt an. Begonnen hatte diese Entwicklung bereits um 600 v. Chr., als vielerorts das zuvor nur mündlich überlieferte Recht schriftlich festgehalten wurde (in Athen durch Drakon um 624 v. Chr.). Damit wurde dem Kräftespiel der mächtigen Familien ein objektiv nachprüfbares Recht gegenübergestellt. Die Reformen Solons in Athen (594 v. Chr.) begrenzten die Macht der reichen Adelsgeschlechter und führten mit der Volksversammlung ein demokratisches Organ ein. Die politischen Ämter blieben aber weitgehend den oberen Schichten vorbehalten. Erst Kleisthenes brach die Macht der Adelsfamilien, indem die lokalen Abhängigkeiten zwischen Adel und Volk durch eine neue »Gemeindeordnung«, die allen Bürgern die gleichen Rechte gewährte, gesprengt wurden. Was war in Sparta anders? Sparta, das im 8. und 7. Jahrhundert zur Vormacht auf der Halbinsel Peloponnes aufgestiegen war, nahm eine Sonderentwicklung. Die spartanische Gesellschaft war von soldatischer Disziplin durchdrungen, der männliche Nachwuchs der kleinen Führungsschicht der Spartiaten wurde früh gedrillt. Vom 20. bis zum 60. Lebensjahr dienten die Männer als Hopliten (Fußsoldaten) und lebten in Kasernen. Gesellschaftlich unter den Spartiaten standen die Periöken (»Umwohner«) mit eingeschränkten Bürgerrechten und der Verpflichtung zum Kriegsdienst. Die Heloten waren rechtlos, tributpflichtig und konnten jederzeit getötet werden. Obwohl sie gegenüber den Spartiaten in der Überzahl waren, scheiterten sie mit mehreren Aufständen. Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. schuf sich Sparta durch Gründung des Peloponnesischen Bundes, dem mit Ausnahme des Erzfeindes Argos alle Staaten der Peloponnes angehörten, eine starke Machtbasis. Wer kämpfte gegen wen bei Marathon? In der Schlacht bei Marathon kämpften Perser gegen Griechen. 500 v. Chr. erhoben sich die griechischen Städte an der Westküste Kleinasiens gegen die persische Oberhoheit, unter der sie seit 546 v. Chr. standen. Der Ionische Aufstand erhielt allerdings aus Griechenland nur wenig Unterstützung und endete 494 v. Chr. mit der Zerstörung Milets. Der persische König Dareios I. nahm jedoch die Einmischung in sein Hoheitsgebiet nicht hin und wollte durch Unterwerfung des Mutterlandes, vor allem Athens, seine Herrschaft über die Griechenstädte Kleinasiens festigen. Nach einem ersten erfolglosen Flottenvorstoß bei Athos (492 v. Chr.) landete 490 v. Chr. ein persisches Heer bei Marathon, wurde aber von den Athenern geschlagen. Wer siegte in der Schlacht bei Salamis? In der Seeschlacht von Salamis brachten die kleinen wendigen Schiffe der Athener 480 v. Chr. der übermächtigen persischen Flotte eine vernichtende Niederlage bei. Das war vorausgegangen: Nach Dareios' Tod (486 v. Chr.) rüstete sein Sohn Xerxes I. zu einem neuen Krieg. Athen verstärkte daraufhin seine Flotte und wurde zur stärksten Seemacht Griechenlands. Gegen die Bedrohung durch die Perser schlossen sich der Peloponnesische Bund, Athen und andere Städte unter der Führung Spartas zusammen. Trotzdem gelang dem angeblich 100000 Soldaten starken persischen Heer 480 v. Chr. der Durchmarsch durch Griechenland und die Besetzung Athens, dessen Bevölkerung zuvor auf die nahe gelegene Insel Salamis evakuiert worden war. In der engen Bucht von Salamis kam es zur Schlacht. Was führte zum Ende der Perserkriege? Dem Ende der Auseinandersetzungen zwischen Griechen und Persern ging eine längere Entwicklung voraus. 479 v. Chr. schlug das vereinte griechische Heer unter dem spartanischen Feldherrn Pausanias die Perser bei Platää in Böotien entscheidend. Die kleinasiatischen Griechenstädte lösten sich erneut aus der persischen Oberhoheit und schlossen sich den Griechen an. Nun gingen die Griechen in die Offensive: 478 v. Chr. gelang Pausanias die Herauslösung der griechischen Städte auf Zypern und am Hellespont aus der persischen Herrschaft. Nachdem Sparta das gemeinsame Bündnis 462 v. Chr. verlassen hatte, banden sich die griechischen Städte Kleinasiens und Thrakiens sowie die meisten Inseln der Ägäis stärker an die Schutzmacht Athen. 478/77 v. Chr. wurde der 1. Attische Seebund (auch Attisch-Delischer Seebund genannt, da die Insel Delos Bundessitz war) gegründet. Nach anfänglichen militärischen Erfolgen nutzte Athen den Bund zunehmend als Instrument zur Steigerung der eigenen Macht. 448 v. Chr. endeten die Perserkriege mit dem Kalliasfrieden, der die griechischen Städte Kleinasiens und Zyperns unter Wahrung ihrer Autonomie im persischen Reich beließ und gegenseitige Einmischung und Angriffe untersagte. Worum ging es im Peloponnesischen Krieg? Der Kern des Peloponnesischen Krieges (431–404 v. Chr.) war die Rivalität zwischen Athen und Sparta. Athen war bereits nach den Siegen gegen die Perser als gleichberechtigte Kraft neben Sparta anerkannt und ging nun daran, seine Position auszubauen. Zwar schlossen Sparta und Athen 445 v. Chr. einen 30-jährigen Frieden, der die jeweiligen Einflusssphären anerkannte, doch beschwor das Vormachtstreben Athens neue Konflikte herauf. Innerhalb des Peloponnesischen Bundes drängte Korinth auf einen antiathenischen Kurs, weil es seine Handelsinteressen, besonders in Italien, bedroht sah. Schließlich führte das Eingreifen Athens in einen Konflikt Korinths mit seiner Kolonie Korkyra (Korfu) zum Krieg zwischen Athen und Sparta. Wie verlief der Krieg zwischen Athen und Sparta? Der Verlauf des über ein Vierteljahrhundert währenden Kriegs war wechselhaft. Zunächst fiel das überlegene spartanische Heer mehrmals ins athenische Hinterland ein, während die überlegene Flotte Athens die Küstengebiete der Peloponnes verwüstete. Nach zehn Jahren schlossen beide Seiten einen Friedensvertrag auf 50 Jahre (Nikiasfrieden). Die Lage blieb jedoch gespannt. In dieser Situation beschloss die athenische Volksversammlung 415 v. Chr., der Stadt Segesta auf Sizilien gegen die korinthische Tochterstadt Syrakus beizustehen, die daraufhin Unterstützung von Sparta erhielt. Die »Sizilische Expedition« der athenischen Flotte endete 413 v. Chr. mit einer vernichtenden Niederlage. Nun standen sich erneut Athen und Sparta direkt gegenüber. Athen musste den Abfall mehrerer Bundesgenossen verkraften. Außerdem unterstützte Persien nun Sparta. In dieser Lage gelangen der athenischen Flotte 411 und 410 v. Chr. drei Seesiege, die Sparta zu einem Friedensangebot bewogen, das Athen jedoch in Verkennung der Situation ablehnte. Der Peloponnesische Krieg endete 404 v. Chr. mit der totalen Niederlage und Entmachtung Athens. Blieb Sparta dauerhaft Vormacht? Nein, diese Position hielt es nur ca. drei Jahrzehnte. Zunächst versuchte Sparta, alle von Athen aufgegebenen Machtpositionen zu besetzen, und ging dabei mit großer Härte vor. Dabei verschreckte es alte Verbündete. Dies gab Athen die Gelegenheit zur Revanche: Im Korinthischen Krieg (395–386 v. Chr.) kämpften die Athener, unterstützt von Persien, an der Seite Korinths, Argos' und Thebens gegen Sparta. Im von Persien diktierten Königsfrieden fielen die Griechenstädte Kleinasiens und Zyperns wieder an Persien, das der eigentliche Gewinner des Machtkampfes zwischen Athen und Sparta war. Spartas Vormachtstellung in Griechenland endete 371 v. Chr. in der Schlacht bei Leuktra gegen Theben, als das thebanische Heer mit einer neuen Schlachtformation (»Schiefe Schlachtordnung«) das als unbesiegbar geltende spartanische Heer überwand. Waren die Kriege gegen die Perser ein Kampf um Kultur und Freiheit? Die Kriege gegen die Perser sind bereits in der Antike zum »Kampf für Griechenland«, gar für »Kultur und Freiheit« stilisiert worden. Dem ist entgegenzuhalten, dass nie alle oder auch nur die große Mehrheit der griechischen Staaten (also nicht »die« Griechen) gegen Persien kämpften. Auch Bündnisse zwischen griechischen Staaten und Persien hatten nichts Ungewöhnliches an sich, selbst während der Perserkriege. Weder waren alle griechischen Staaten ein »Hort von Freiheit und Demokratie«, noch herrschte in Persien eine unmenschliche Despotie. Vermutlich stammen sogar wichtige Gedanken zur Staatstheorie aus nichtgriechischen– auch persischen– Quellen, so dass die Wiege der abendländischen Demokratie wohl nicht allein in Griechenland stand. Wussten Sie, dass … die griechischen Götter und Göttinnen sich gemeinhin sehr »menschlich« gebärdeten? Ihre Bedeutung variierte regional und änderte sich auch im Lauf der Zeit. sich eine bekannte Marke biologisch erzeugter Lebensmittel von der griechischen Göttin Demeter herleitet? Als Erdgöttin war sie »zuständig« für Fruchtbarkeit, Wachstum, Getreide und die Ernte. Welche Rolle spielten die Griechen Kleinasiens? Die Griechen Kleinasiens, die mit dem Vorderen Orient in Berührung kamen, hatten maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der abendländischen Kultur: Mit Thales und Anaximander aus Milet nahm die griechische Philosophie ihren Anfang und mit Herodot aus Halikarnassos die Geschichtsschreibung. 546 v.Chr. fiel Kleinasien an die Perser. Der Aufstand der ionischen Städte gegen die persische Herrschaft (500–494 v.Chr.) löste die Perserkriege aus. Nach der Eroberung Kleinasiens durch Alexander den Großen und der Zugehörigkeit zum Seleukidenreich Ende des 4. Jahrhunderts wurde Pergamon im Nordwesten 241 v. Chr. Zentrum eines unabhängigen Königreichs, das für seine Bibliothek, Theater und Tempel (u. a. Pergamonaltar) berühmt war. 133 v. Chr. fiel Pergamon testamentarisch an Rom, das im 2. und 1. Jahrhundert v.Chr. seine Macht allmählich auf Kleinasien ausdehnte. Unter seiner Herrschaft florierten die Griechenstädte. Die griechische Besiedlung Kleinasiens endete erst 1923, als nach dem Frieden von Lausanne etwa eine Million Griechen aus der neu gegründeten Türkei vertrieben wurden. Die meisten Inseln der Ägais sind jedoch nach wie vor griechisch. Wussten Sie, dass … die ersten Olympischen Spiele auf das Jahr 776 v. Chr. datiert werden? Das wissen die Forscher aus erhalten gebliebenen Siegerlisten. der Begriff »Olympiade« ursprünglich den vierjährigen Zeitraum zwischen zwei Spielen bezeichnete? Schon in der Antike wurde der Begriff aber auch für die Spiele selbst gebraucht. Der Anfang der Geschichtsschreibung: Vom Gesang zum Buch Wer waren die ersten »Historiker«? Über vergangene Ereignisse und historische Personen berichteten lange Zeit Sänger und Dichter mündlich. Der historische Kern wurde dabei im Laufe der Zeit durch religiöse und mythische Stoffe angereichert, die die beschriebenen Vorgänge und das Handeln der Protagonisten erklären oder ihnen eine tiefere Bedeutung verleihen sollten. Die von griechischen oder keltischen Barden überlieferten Epen trugen zur Bildung einer gemeinsamen kulturellen Identität bei. Erstmals schriftlich überliefert sind im griechischen Kulturkreis die Epen Homers aus dem 8. Jahrhundert v.Chr. Neben dieser poetischen Form wurde historisches Wissen auch durch Erzählen weitergegeben. Diese Form der mündlichen Quelle, auf der die Werke der frühen Geschichtsschreiber zum Teil basieren, sind für die unmittelbare Vergangenheit vergleichsweise zuverlässig. Länger zurückliegende Ereignisse wurden jedoch nach mehrmaligem Weitererzählen schnell zu Legenden verklärt. Was war neu bei Herodot? Der Grieche Herodot (ca. 485–425 v. Chr.) und mit ihm Thukydides (ca. 460–399 v. Chr.) schrieben erstmals die Ereignisse ihrer Zeit und der nahen Vergangenheit als Prosaerzählung auf. Sie versuchten sich auf zuverlässige Quellen wie das eigene Erleben und auf Augenzeugenberichte zu stützen. Dabei bewerteten sie die benutzten Quellen kritisch und wogen die Glaubwürdigkeit unterschiedlich lautender Berichte gegeneinander ab. Was steht in Herodots »Forschungsbericht«? Herodot schildert in seinem »Forschungsbericht« zunächst die Geschichte und die Mythen zahlreicher Völker seiner Zeit, bevor er sich dann der Beschreibung der Perserkriege bis ins Jahr 479 v. Chr. widmet. Trotz häufig eingestreuter Mythen und Legenden betrieb Herodot im »Forschungsbericht« erstmals kritische Geschichtsschreibung. In seinem Bemühen, den überlieferten historischen Ereignissen eine zusammenhängende Deutung zu geben, sammelte er Fakten aus möglichst zuverlässigen Quellen. Dabei war er an der Wahrheit und nicht an der Bestätigung eines vorgefassten Geschichtsbildes interessiert. Wie entwickelte Thukydides die Methode Herodots weiter? Auch Thukydides bemühte sich um Objektivität und eine breite Quellenbasis. Für seine Beschreibung des Krieges zwischen Athen und Sparta stützte er sich auf Augenzeugenberichte, Urkunden und eigene Forschungen. Als erster Geschichtsschreiber stellte er in seinem Werk auch seine Forschungsmethoden vor. Seine ausführliche Analyse der Vorgeschichte des Peloponnesischen Krieges unterschied erstmals zwischen Ursache und Anlass. Damit gilt er als Begründer der wissenschaftlichen Geschichtsschreibung. In den acht Büchern seiner streng chronologisch aufgebauten »Geschichte des Peloponnesischen Krieges« legt Thukydides die Vorgeschichte und die Ursachen des Krieges dar und liefert eine detaillierte Beschreibung seines Verlaufs. Bei seiner Erzählung schöpfte er aus seinen eignenen Erfahrungen als athenischer Politiker und Kriegsherr. Kopierten die Römer die Griechen? Ja, zumindest orientierte sich die römische Geschichtsschreibung seit dem 1. Jahrhundert v.Chr. stark an den griechischen Vorgängern. Großen Anteil daran hatte Cicero (106–43 v.Chr.), der wesentlich zur Beschäftigung mit der griechischen Philosophie in Rom beitrug. Ciceros Gegner Sallust maß in seiner Schrift »Der Jugurthinische Krieg« der Vorgeschichte des Konflikts großen Wert zu, wie dies auch Thukydides beim Peloponnesischen Krieg getan hatte. Sallust, der die späte römische Geschichtsschreibung prägte, ging es um die Ursache für den Niedergang des römischen Staates, der seiner Meinung nach mit der Zerstörung Karthagos (146 v. Chr.) einsetzte. Beeinflusste Thukydides moderne Historiker? Ja, Historiker der Neuzeit waren von den Werken ihrer antiken Vorgänger, besonders der analytischen Methode Thukydides', beeinflusst. Leopold von Ranke (1795–1886) etwa wandte sich gegen die Geschichtswissenschaft seiner Zeit, die die Vergangenheit aus der Gegenwart heraus interpretierte. Stattdessen forderte er, dass Vergangenheit anhand von Quellenarbeit und Quellenkritik aus sich selbst heraus verstanden werden müsse. Damit wurde Ranke zum Begründer der modernen quellenkritischen Geschichtsschreibung. Warum wurde Herodot verbannt? Herodot wurde in Halikarnassos, einer Hafenstadt im Südwesten Kleinasiens, geboren. Wegen Beteiligung an einer Verschwörung gegen die persische Herrschaft wurde er um 457 v. Chr. verbannt und ging ins Exil auf die Insel Samos. Herodot bereiste in der Folgezeit Griechenland, Kleinasien, Ägypten und Babylonien. Nachdem er einige Jahre in Athen verbracht und die Bekanntschaft von Persönlichkeiten wie dem Staatsmann Perikles und dem Dramatiker Sophokles gemacht hatte, lebte er seit 443 v. Chr. in der athenischen Kolonie Thurioi (Süditalien), wo er vermutlich auch starb. Wussten Sie, dass … sich auch der Philosoph Aristoteles (384–322 v. Chr.) als Geschichtsschreiber betätigt hat? Für sein Werk »Der Staat der Athener« betrieb er jedoch kaum eigene Quellenforschung und folgte vorliegenden Berichten oft unkritisch. der Geschichtsschreiber Xenophon (um 426–355 v. Chr.) in seinem Werk »Hellenika« Thukydides' Geschichte des Peloponnesischen Krieges fortschreiben wollte? Er erreichte aber nicht die Qualität des Vorgängerwerks. Die attische Polis: Die Wiege der Demokratie Wie kam es zum Aufstieg Athens? Die Anfänge Athens reichen in die Bronzezeit zurück. Auf der Ägäishalbinsel Attika mit ihren reichen Vorkommen an Ton, Marmor, Blei und Silber war Athen zunächst eine Kleinstadt neben anderen. Nach der Eingemeindung des Umlands und des Hafens von Piräus im 9. Jahrhundert v.Chr. stieg die Stadt, gestützt auf das attische Hinterland, zu einer der Führungsmächte in Griechenland auf und erreichte ihre Blütezeit im 5. Jahrhundert v.Chr. Die herrschende Schicht war nach Abschaffung der Monarchie zunächst die Aristokratie, die jedoch nicht wie etwa in Rom aus einer überschaubaren Zahl großer Geschlechter bestand. Die politischen Akteure stammten vielmehr aus vielen Familien, die miteinander um die Sicherung bzw. Erhöhung ihres Ranges wetteiferten. Wer regierte die Polis in der Frühzeit? Politik und Gesellschaft Athens wurden im 7. Jahrhundert v.Chr. noch vom Adel bestimmt. An der Spitze des Stadtstaates, der Polis, standen die Archonten. Dieses Amt wurde ursprünglich auf Lebenszeit vergeben, später auf zehn Jahre besetzt, bevor man – der Überlieferung nach 683/82 v.Chr. – zur jährlichen Wahl überging. Nach dem höchsten, dem eponymen Archon, wurde das jeweilige Jahr benannt, der zweite Archon führte das Heer, der dritte war für religiöse Belange zuständig. Sechs weitere übten als Thesmotheten höchstrichterliche Gewalt aus. Nach Ablauf ihrer Amtszeit konnten die Archonten in den Areopag aufrücken, der aus dem Kreis der Reichsten und Vornehmsten wiederum die Archonten wählte und zugleich Gerichtshof war. Die Macht der Archonten war begrenzt, so dass die Aristokraten nicht vorrangig um Ämter rangen, sondern eher durch militärische Taten oder die Errichtung von Heiligtümern und Bauwerken wetteiferten. Was stürzte Athen in die Krise? Im Laufe des 7. Jahrhunderts geriet Athen in eine soziale Krise. Auslöser waren Veränderungen in der Kriegsführung, das heißt der Übergang vom adeligen Reiterheer zu schwer bewaffneten Fußsoldaten, die in geschlossener Formation (Phalanx) kämpften. Viele Kleinbauern konnten die ihnen auferlegten militärischen Verpflichtungen nur tragen, indem sie sich bei den aristokratischen Großgrundbesitzern verschuldeten. Unterdessen steigerten die Großgrundbesitzer durch Export von Weizen, Öl und Wein ihren Reichtum. Der Handel ließ in der Stadt eine wohlhabende Schicht aus Handwerkern und Kaufleuten entstehen, die sich durchaus mit den Adeligen messen konnten, aber mangels Grundbesitz keine politischen Rechte besaßen. Beide Gruppen forderten eine ihrem materiellen Stand angemessene politische Mitwirkung. Die Maßnahmen des Gesetzesreformers Drakon zur Schaffung höherer Rechtssicherheit konnten die Unzufriedenheit mit der bestehenden Ordnung nicht wirklich eindämmen. Die verschiedenen Interessengruppen standen sich unversöhnlich gegenüber, so dass Solon 594 v.Chr. einen besonderen Auftrag erhielt: Als Archon mit umfassenden Vollmachten ausgestattet, sollte er als Schiedsrichter und Versöhner den athenischen Staat reformieren. Worin bestanden Solons Reformen? Solons erste Maßnahme war die Bauernbefreiung. Er hob Grundschulden und Leibeigenschaft auf. Forderungen nach einer Neuverteilung von Grund und Boden kam Solon jedoch nicht nach. Stattdessen stufte er die Bürger nach ihrem jährlichen Ertrag in vier Klassen ein, von den Großgrundbesitzern und Großkaufleuten (1. Klasse) bis zu den Kleinbauern und Lohnarbeitern. Damit begründete er die Herrschaft der Besitzenden (Timokratie); die politischen Rechte hingen nun statt von der Geburt von der veränderbaren Größe des Vermögens ab. Auch die ärmeren Bürger erhielten erstmals Möglichkeiten zur politischen Mitwirkung. Die vom Archon einberufene und geleitete Volksversammlung entschied über außenpolitische Fragen. Ferner wählte sie jedes Jahr neun Archonten (aus der 1. Klasse) sowie (aus den ersten drei Klassen) den Rat der 400. Dieser nahm Anträge für die Volksversammlung entgegen, führte die Regierungsgeschäfte und war Berufungsinstanz gegen die Urteile der Thesmotheten. Solons Reformen änderten die Machtverhältnisse kaum, aber sie schufen die Voraussetzung zur Teilhabe weiter Personenkreise an der Politik und zur Beendigung der aristokratischen Vorherrschaft. Was geschah nach Solons Abschied? Nach Vollendung seines Reformwerks trat Solon von der politischen Bühne ab. Die neue Ordnung geriet bald durch Machtkämpfe zwischen den mächtigsten Familien in Gefahr. In Auseinandersetzungen mit seinen Kontrahenten Megakles und Lykurgos gelang es Peisistratos (um 600–527 v.Chr.), die Landbevölkerung hinter sich zu bringen und die alleinige Macht zu erringen (um 560). Zweimal wurde er vertrieben, bis er in den 540er Jahren endgültig seine Alleinherrschaft festigen konnte. Peisistratos war zwar Tyrann, allgemein wird ihm aber ein maßvolles Regieren bescheinigt. Seine Macht war nicht absolut; sie war weniger durch die solonische Ordnung eingeschränkt als durch die Notwendigkeit, die Gunst des Volkes zu erhalten und zugleich die in der Stadt gebliebenen adeligen Rivalen einzubinden. Dies gelang ihm u. a. dadurch, dass er Adelige zur Bekleidung hoher Ämter aufforderte bzw. sie in einem solchen Ansinnen unterstützte. Unter Peisistratos, der selbst kein Staatsamt innehatte, erlebte Athen einen wirtschaftlichen Aufschwung und die sozialen Verhältnisse stabilisierten sich. Peisistratos förderte die Kleinbauern durch Kredite und verteilte unter ihnen die Güter seiner geflohenen Gegner. Er ließ prachtvolle Bauten errichten, förderte die Künste und pflegte die religiösen Kulte. Zu Ehren der Stadtgöttin Athene stiftete er die Wettkampfspiele der Panathenäen; im Rahmen eines ebenfalls neuen Festes, der Großen Dionysien, wurde 534 v.Chr. die erste griechische Tragödie aufgeführt. Mit der Gründung einer Kolonie am Hellespont sicherte Peisistratos die Versorgung Athens mit Getreide von der Schwarzmeerküste. Als der Tyrann 527 starb, setzten seine Söhne Hippias und Hipparchos die Politik ihres Vaters fort. Erst nach der Ermordung Hipparchos' 514 machte sich Hippias durch harte Maßnahmen verhasst und wurde 510 gestürzt. Was bewirkte Kleisthenes? Die grundlegenden Reformen des Staatswesens durch Kleisthenes begründeten die Demokratie (Herrschaft des Volkes). In den Unruhen nach dem Tod des Hippias bevollmächtigten die Athener den eponymen Archon Kleisthenes (um 570–um 507 v. Chr.) zu umfangreichen Verfassungsreformen. Um die gerade auf dem Land noch bestehenden Bindungen an den lokalen Adel zu lösen, zerschlug Kleisthenes die vier alten Stammes- und Familienverbände (Phylen) und ordnete das Gemeinwesen nach territorialen Gesichtspunkten. Er schuf zehn Phylen, jede unterteilt in Stadt-, Land- und Küstenbewohner. So war gewährleistet, dass alle Gesellschaftsgruppen repräsentiert waren. In der Volksversammlung wurden nun aus jeder Phyle 50 Mitglieder für den Rat der 500 ausgelost, der den Rat der 400 ablöste. Weiterhin wählte die Volksversammlung das Geschworenengericht und zehn Strategen, die das Heer führten, sowie aus der 1. und 2. Klasse (später von Perikles auf die 3. Klasse ausgedehnt) die neun Archonten. Die Macht des Adels als herrschende Gruppierung war nach Kleisthenes' Reformen endgültig gebrochen. Politisch maßgebliche Kraft wurde der Demos (Volk), der bereits Peisistratos und Kleisthenes gegen Teile des Adels unterstützt hatte. Politiker mussten sich also die Unterstützung des Volkes bzw. der Volksversammlung sichern, wollten sie Macht gewinnen oder behalten. Wie entstand der Attische Seebund? Mit der Staatsreform ging auch ein stärkeres außenpolitisches Engagement einher. Am Ionischen Aufstand (500–494 v.Chr.) gegen die Perser beteiligte sich Athen als einziger bedeutender griechischer Stadtstaat. Aus den Perserkriegen (492–448 v.Chr.) ging es als führende Seemacht hervor. Als Sparta aus dem Kriegsbündnis gegen die Perser austrat, banden sich die griechischen Städte Kleinasiens und die meisten Ägäisinseln an Athen als Schutzmacht. Zur gemeinsamen Kriegsführung wurde 478/77 der 1. Attische Seebund gegründet. Aufgrund der besonderen Bedingungen eines Seebündnisses– nicht jeder Staat konnte eigene Kriegsschiffe stellen– durften die Partner ihre Bündnisleistungen auch finanziell abgelten; die Kriegskasse wurde zunächst auf der Insel Delos verwahrt und 454 nach Athen überführt. Wie nutzte Athen den Seebund? Der Seebund wurde mehr und mehr ein Instrument zur Durchsetzung athenischer Interessen, die Beiträge wurden zu ständigen Tributen an Athen. Städte, die austreten wollten, zwang Athen mit Gewalt in den Bund zurück und disziplinierte sie durch Ansiedlung von Militärkolonien. Auf der anderen Seite begünstigte der Bund die Ausweitung des athenischen Handels sowie die Übernahme athenischer Werte und Normen. Der im 6. Jahrhundert eingeführte attische Münzfuß etwa setzte sich in der Ägäis und den angrenzenden Küstengebieten durch. Und in zahlreichen Staaten entstanden mit athenischer Unterstützung Demokratien. Was war das Perikleische Zeitalter? Der Demokratenführer Perikles (ca. 490 v. Chr.–429 v. Chr.) lenkte die Geschicke des Staates über drei Jahrzehnte lang und machte Athen zum geistig-kulturellen Mittelpunkt Griechenlands (Perikleisches Zeitalter). Beim Sturz des Areopags (462) unterstützte Perikles, der Sohn des Heerführers Xanthippos und der Agariste, einer Nichte des Kleisthenes, den Ephialtes und übernahm nach dessen Ermordung 461 die Führung der Demokraten. In den folgenden Jahrzehnten bis zu seiner Absetzung 430 war er der wichtigste athenische Politiker (seit 443 Stratege). Perikles versuchte, den Einfluss der unteren Klassen, auf die er sich stützte, zu stärken und die Aristokraten zu schwächen. Er führte Aufwa