Die Welt nach 1945 – Politik im Zeichen des Ost-West-Konflikts
Die Welt nach 1945 – Politik im Zeichen des Ost-West-Konflikts Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges prägten zwei sich feindlich gegenüberstehende Lager die neue Weltordnung – das der Sowjetunion und ihrer Satellitenstaaten, der so genannte Ostblock, und der demokratische Westen unter der Führung der USA. Vom ideologischen Standpunkt aus betrachtet, standen sich die kommunistische und die kapitalistische Welt gegenüber. Dieser Ost-West-Konflikt, der sich in der Zeit des Kalten Krieges der 1950er und 1960er Jahre zugespitzt hatte, näherte sich erst in den späten 1980er Jahren seinem Ende und wurde in Europa vor allem an der Teilung Deutschlands deutlich. Mit dieser politischen Entwicklung einhergehend, verschoben sich auch in einem erheblichen Maß die globalen Machtverhältnisse. Das ehemals bestimmende Europa verlor endgültig seine Vormachtstellung, die USA etablierten sich in der Folge zunehmend als Weltmacht, nicht zuletzt weil sie aufgrund ihres technologischen Vorsprungs die Atombombe entwickelt hatten und damit ihre militärische Überlegenheit bewiesen. Die durch den zweiten Weltkrieg wirtschaftlich und militärisch geschwächten europäischen Staaten mussten nach und nach ihre noch verbliebenen überseeischen Territorien aufgeben; in den ehemaligen Kolonien bildete sich nach der Erlangung der Unabhängigkeit eine Vielzahl neuer Staaten, die allerdings häufig in langwierige kriegerische Konflikte verwickelt waren. So zählte die Hamburger Arbeitsgemeinschaft für Kriegsursachenforschung von 1945 bis 1997 insgesamt 201 Kriege, von denen die meisten in Asien, Afrika und dem Nahen Osten ausgetragen wurden. 1945 Gründung der UNO Teilung Deutschlands Gründung der Volksrepublik China 1953 Aufstand des 17. Juni in der DDR 1955 Beitritt der Bundesrepublik zur NATO, der DDR zum Warschauer Pakt 1961 Bau der Berliner Mauer 1962 Kuba-Krise zwischen den USA und der UdSSR 1975 Ende des Vietnamkriegs 1989 Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa Öffnung der Berliner Mauer Die politische Nachkriegsordnung: Teilung der Welt Wie sollte die Nachkriegsordnung aussehen? Die Alliierten einigten sich schon während des Zweiten Weltkriegs darauf, nach Kriegsende das besiegte Deutschland unter den Siegermächten aufzuteilen und die Westgrenze der Sowjetunion nach Polen bis an die Curzon-Linie (Vorschlag für eine Demarkationslinie zwischen Polen und Sowjetrussland von 1920) zu verschieben. Als Ausgleich sollte die polnische Grenze bis an die Oder nach Westen verlegt werden. Festgelegt wurden diese Beschlüsse auf der Konferenz von Teheran (28. November bis 1. Dezember 1943). Erstmals trafen dort mit dem britischen Premierminister Winston Churchill, dem Präsidenten der USA, Franklin D. Roosevelt, und dem sowjetischen Diktator Josef Stalin die drei mächtigsten Männer der damaligen Welt zusammen. Sie koordinierten ihre Kriegsstrategien, bestimmten z. B. die Errichtung einer zweiten Front durch die westlichen Verbündeten und eine sowjetische Offensive im Osten. Womit befasste sich die Konferenz von Jalta? Die Konferenz von Jalta (4.–11. Februar 1945, auch Krimkonferenz), an der Churchill, Roosevelt und Stalin drei Monate vor der deutschen Kapitulation teilnahmen, konkretisierte die Beschlüsse von Teheran. Deutschland sollte, unter Einschluss des französischen Verbündeten, in vier Besatzungszonen unterteilt, entmilitarisiert und entnazifiziert werden. Daneben sollte eine alliierte Reparationskommission geschaffen werden. Die Curzon-Linie wurde als sowjetisch-polnische Grenze anerkannt, die polnische Westgrenze sollte dafür auf deutsches Gebiet bis zur Oder-Neiße-Linie verschoben werden. Außerdem beschlossen die Alliierten zur Sicherung von Frieden und Stabilität in der Welt die Schaffung einer Nachfolgeorganisation für den Völkerbund – die Vereinten Nationen (UNO). Schließlich sollten in Fernost die russischen Rechte wie vor 1904 wiederhergestellt werden. Welche Regelungen trafen die Siegermächte im Nachkriegsdeutschland? Nach der Kapitulation Deutschlands am 8./9. Mai 1945 riefen die alliierten Siegermächte im Juni den Kontrollrat ins Leben, bestehend aus den vier Oberbefehlshabern der alliierten Streitkräfte. Er bildete die Regierung für das besetzte Deutschland und sollte Beschlüsse einstimmig fassen. Bald danach (17. Juli bis 2. August 1945) beschlossen Großbritannien, die USA und die Sowjetunion auf der Potsdamer Konferenz Grundsätze für die Behandlung Deutschlands (Entnazifizierung und Verurteilung von Kriegsverbrechern, Entmilitarisierung, Demokratisierung, Reparationen). Darüber hinaus sollten dezentrale (föderale) Strukturen geschaffen werden. Unter dem Vorbehalt einer endgültigen Friedensregelung wurden auch die Ostgrenzen festgelegt. Königsberg mit dem nördlichen Teil Ostpreußens wurde der UdSSR zugestanden, die Oder-Neiße-Grenze wurde anerkannt und man stimmte der Vertreibung (»Umsiedlung«) der Deutschen aus Polen, der Tschechoslowakei und Jugoslawien zu. Wie wurden die USA zur Atommacht? Sie versuchten, potenziellen Konkurrenten zuvorzukommen. Die Amerikaner hatten seit Beginn des Zweiten Weltkriegs und insbesondere seit dem Angriff Japans auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 ihre Bemühungen verstärkt, eine Atombombe zu bauen. Vor allem die Angst, Hitler-Deutschland könne diese verheerende und möglicherweise kriegsentscheidende Waffe vor den Alliierten besitzen, trieb die Forschung voran. Der amerikanische Physiker Julius Robert Oppenheimer wurde 1942 mit der Leitung der Forschungsgruppe des staatlichen Atomprogramms betraut, im selben Jahr übernahm er die Leitung über die Entwicklung der Atombombe in Los Alamos (New Mexico). Am 16. Juli 1945 konnten die USA dann erstmals erfolgreich eine Atombombe auf ihrem Testgelände zünden. Warum kam die Atombombe zum Einsatz? Die amerikanische Regierung wollte die Kapitulation Japans beschleunigen. Am 6. August 1945 warf der Bomber »Enola Gay« eine Plutoniumbombe über der Großstadt Hiroshima ab. Bei dem Angriff sowie an den Folgen der radioaktiven Strahlung starben innerhalb eines Jahres rund 151000 Menschen. Die zweite Atombombe wurde am 9. August über Nagasaki abgeworfen und tötete 70000 Menschen. Die Atombombeneinsätze und die Kriegserklärung der Sowjetunion an Japan am 8. August führten schließlich zur Kapitulation am 14. August – damit war der Zweite Weltkrieg offiziell beendet. Japan wurde unter ein US-amerikanisches Besatzungsregime gestellt (bis 1952) und musste alle Eroberungen seit 1856 aufgeben. Aus welchem Grund wurde die UNO gegründet? Es musste eine effektive Nachfolgeorganisation für den 1920 gegründeten Völkerbund – die erste internationale Staatenorganisation zur weltweiten Friedenssicherung – gefunden werden, nachdem diese gescheitert war. Bereits im Krieg machten sich die Alliierten Gedanken über eine effektive Nachfolgeorganisation. Die vom britischen Premier Winston Churchill und dem US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt im August 1941 verfasste Atlantik-Charta bildete ein Grundsatzdokument für die Gründung der UNO. Im Januar 1942 schlossen 26 Staaten, die gegen Deutschland, Italien und/oder Japan (Achsenmächte) kämpften, die »Deklaration der Vereinten Nationen«, mit der sie die Prinzipien der Atlantik-Charta unterstützten. In diesem Dokument fiel erstmals der Begriff »Vereinte Nationen«. Wie wurde die UNO-Idee umgesetzt? Auf der Konferenz von Teheran 1943 vereinbarten die USA, Großbritannien und die Sowjetunion die Schaffung einer internationalen Organisation zum Erhalt des Friedens und zur Konfliktvermeidung. 1944, auf der Konferenz von Dumbarton Oaks schließlich erarbeiteten sie mit China eine Rohfassung der Charta der Vereinten Nationen; einige Monate später einigten sie sich über Aufbau und Funktion der neuen internationalen Organisation. Auf der alliierten Kriegskonferenz von Jalta im Februar 1945 wurde noch einmal die Einrichtung einer solchen Weltinstitution bekräftigt. Am 25. April 1945 begann in San Francisco die Gründungskonferenz. Vertreter von 51 Staaten erarbeiteten die endgültige Charta der Vereinten Nationen, die im Juni unterzeichnet wurde. Wann nahm die UNO ihre Arbeit auf? Als Gründungstag der Vereinten Nationen (United Nations Organization, UNO) gilt der 24. Oktober 1945, der Tag der Ratifizierung der Charta durch die fünf ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrats, China, Großbritannien, Frankreich, Sowjetunion und USA. Die erste Sitzung der Generalversammlung fand am 10. Januar 1946 in London statt. Teilnehmer waren die Delegierten der 51 Staaten, die bis dahin der UNO beigetreten waren. In jenem Jahr trat auch erstmals der Sicherheitsrat zusammen und die erste Resolution der UNO wurde verabschiedet, bezeichnenderweise zur Vernichtung von Atomwaffen. Warum verlor Europa die politische Weltgeltung? Die ehemaligen Groß- und Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich gingen aus dem Zweiten Weltkrieg zwar als Sieger hervor, wirtschaftlich waren sie nach 1945 jedoch am Ende. Großbritannien stand vor dem Staatsbankrott und war finanziell völlig von den USA abhängig. Geld musste das Land vorwiegend in den eigenen Wiederaufbau investieren. Für die Kolonien war so gut wie nichts übrig, so dass sich Großbritannien ab 1946 gezwungen sah, sie zum Großteil aufzugeben und überstürzt in die Unabhängigkeit zu entlassen (Ceylon, Indien, Birma). Frankreich verstrickte sich in Indochina (Vietnam) und Nordafrika (Algerien) in langwierige militärische Auseinandersetzungen, die das Land in eine tiefe innenpolitische Krise stürzten und 1958 das Ende der IV. Republik herbeiführten. Welche Großmächte dominierten nach 1945? Die USA und die UdSSR. Wirtschaft und Industrie der USA waren intakt, da sich der Krieg nicht bis in die USA ausgeweitet hatte. 1945 stellten die USA weltweit drei Fünftel aller Industriegüter her, auch war der Dollar 1944 als internationale Leitwährung festgelegt worden. Darüber hinaus waren sie als vorerst einzige Besitzerin von Atomwaffen die stärkste Militärmacht. Sie hatten sich Anfang der 1940er Jahre von dem lange vorherrschenden Isolationismus losgesagt und weltpolitische Verantwortung übernommen. Der Sowjetunion gelang es, ab den 1950er Jahren ihr Einflussgebiet in Europa und Asien auszuweiten und bald mit den USA als Atommacht gleichzuziehen. Warum wurde Österreich neutral? Um einer Teilung zu entgehen. 1938 schloss sich Österreich auf Druck der Nationalsozialisten dem Deutschen Reich an. Auf der Moskauer Konferenz 1943 erklärten die Alliierten, Österreich sollte nach Kriegsende wieder als souveräner Staat hergestellt werden, allerdings, laut der Konferenz von Jalta, in vier Besatzungszonen unterteilt. Im sowjetischen Teil Österreichs bildete sich 1945 eine provisorische Regierung, die am 27. April einen unabhängigen Staat ausrief und auch von den drei anderen Besatzungsmächten akzeptiert wurde. 1955 unterzeichneten die Alliierten den österreichischen Staatsvertrag zur Beendigung der Besatzung. Österreich verpflichtete sich darin freiwillig zur immerwährenden Neutralität. Wie wirkt eine Atombombe? Die Wirkung der ersten und einzigen jemals eingesetzten Atomwaffen beruht auf der Spaltung von Uran-235- bzw. Plutoniumkernen. Eine sich selbst erhaltende – Energie freisetzende – Kettenreaktion in den Atomkernen wird in Gang gesetzt. Das Gefährliche an der Atombombe ist neben ihrer Druck- und Hitzewirkung vor allem die frei werdende radioaktive Strahlung, die das menschliche Erbgut schädigt und zu schweren Krankheiten führt. Radioaktive Partikel in der Luft können zudem über weite Strecken transportiert werden und als radioaktiver Niederschlag in anderen Regionen niedergehen und diese verseuchen. Wussten Sie, dass … die USA nur vier Jahre lang die einzige Atommacht waren, bis am 29. August 1949 die Sowjetunion ihre erste Atombombe zündete? die USA Atomwaffen auf einem über 3000 Quadratkilometer großen Sperrgebiet nördlich von Las Vegas/Nevada testeten? Von 1951 bis 1958 wurden über hundert oberirdische Kernwaffentests durchgeführt, 1962 bis 1992 mehrere hundert unterirdisch. Deutschland unter Besatzungsherrschaft: Aufbau nach dem Untergang Wer regierte nach Kriegsende in Deutschland? Die vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs, die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion, übernahmen durch die Viermächteerklärung am 5. Juni 1945 die Staatsgewalt in Deutschland und errichteten vier Besatzungszonen unter der Führung der vier Oberbefehlshaber. Berlin wurde in vier Zonen geteilt und war zugleich Sitz des Alliierten Kontrollrats, der als zentrales Regierungsorgan zuständig für alle Entscheidungen war, die Deutschland als Ganzes betrafen. Wie gestaltete sich die Politik der Besatzer? Zu den wichtigsten Zielen der Alliierten gehörte die Demokratisierung Deutschlands. Nach dem Potsdamer Abkommen durfte Deutschland nicht mehr zentralistisch regiert werden. In den westlichen Besatzungszonen wurde die Verwaltung von unten (den Kommunen) nach oben (neu gebildete Länder) aufgebaut. Unter alliierter Aufsicht gründeten sich Parteien und Verbände neu. In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wurde dagegen ein eher zentralistisch organisierter Verwaltungsaufbau gefördert. Die größten Machtbefugnisse erhielt hier die eingesetzte Zonenverwaltung. Die Entscheidungen der Verwaltung in den westlichen Besatzungszonen bedurften – zumindest anfangs – der weit gehenden Zustimmung der Besatzungsmächte. In allen Besatzungszonen, insbesondere in der SBZ, wurden Industrieanlagen demontiert, zum einen, um alliierte Reparationsforderungen zu erfüllen, zum anderen, um Deutschland zu schwächen. Wie ging der Aufbau der Wirtschaft vor sich? Angesichts der darniederliegenden Wirtschaft beschlossen Briten und Amerikaner 1946, die Wirtschaftskraft Deutschlands zu fördern. 1947 legten sie ihre Besatzungszonen zusammen und errichteten die »Bizone«. Im selben Jahr verkündete US-Präsident Harry S. Truman seine Doktrin zur Unterstützung »freier« Staaten. 1947 wurde der Marshall-Plan (European Recovery Program) ins Leben gerufen. Er gewährte den westlichen Besatzungszonen Kredite, Rohstofflieferungen und Sachgüter zum Aufbau der Wirtschaft. In der SBZ jedoch bauten die Besatzer eine Wirtschaftsordnung nach sowjetischem Vorbild auf. Warum war eine Währungsreform nötig? Nach dem Zweiten Weltkrieg waren erheblich größere Mengen an Reichsmark im Umlauf, als an Gegenwert in Sachgütern vorhanden war. Die Folge war eine sich beschleunigende Inflation. Am 20. Juni 1948 führten die westlichen Besatzungszonen deshalb eine Währungsreform durch; die Deutsche Mark wurde eingeführt. Ursprünglich sollte die SBZ in die Währungsreform mit einbezogen werden, doch wegen der wachsenden Konflikte zwischen den Westalliierten und der Sowjetunion zog die Sowjetunion am 23. Juni 1948 in ihrer Besatzungszone mit einer eigenen Währungsreform nach. Worum ging es bei der Berlin-Blockade? Die Sowjetunion wollte durchsetzen, dass die Deutsche Mark in Berlin keine Gültigkeit erlangte, vielmehr sollte West-Berlin zusammen mit dem Ostteil dem Währungsgebiet der SBZ eingegliedert werden. Im Juni 1948 verließ das sowjetische Mitglied die alliierte Stadtregierung. Am 23. Juni 1948 stellten die sowjetischen Machthaber die Stromversorgung im Westen Berlins fast vollständig ein, der Landweg dorthin wurde gesperrt. Berlin war nach Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen eine Insel in der SBZ. Ab dem 24. Juni 1948 versorgten die Westalliierten die Stadt über eine Luftbrücke. Nach Abschluss eines Viermächteabkommens wurde die Berlin-Blockade am 12. Mai 1949 aufgehoben. Wie kam es zur Teilung? Die Uneinigkeit der Besatzungsmächte – die Sowjetunion hatte für ihre Zone eigene Pläne, Frankreich wollte ein möglichst dezentralisiertes Deutschland – führte 1947 dazu, dass sich die USA und Großbritannien zum wirtschaftlichen und administrativen Zusammenschluss ihrer Zonen entschlossen. Im April 1949 bildeten die USA, Großbritannien und Frankreich schließlich aus ihren Zonen die Trizone – die Vorstufe zur Gründung eines eigenständigen westdeutschen Staates. Die Ministerpräsidenten der Länder beriefen im September 1948 den Parlamentarischen Rat ein, der die Verfassung des Weststaates ausarbeiten sollte. Das Grundgesetz trat am 24. Mai 1949 in Kraft, die Bundesrepublik Deutschland war gegründet. Am 7. Oktober 1949 erhielt auch die SBZ eine eigene Verfassung. Der zweite deutsche Staat entstand: die Deutsche Demokratische Republik. Wer war in den Nürnberger Prozessen angeklagt? Insgesamt 22 Kriegsverbrecher, u. a. Hermann Göring, Rudolf Heß (»Stellvertreter des Führers«) und Außenminister Joachim von Ribbentrop wurde dort der Prozess gemacht (bis 1946). Zwölf dieser so genannten Hauptkriegsverbrecher wurden von einem Internationalen Militärgerichtshof, den die Siegermächte 1945 in Nürnberg eingesetzt hatten, zum Tode verurteilt, sieben erhielten Gefängnisstrafen, drei wurden freigelassen. Vor Militärgerichten fanden bis 1949 zwölf weitere Verfahren gegen politische, militärische, wirtschaftliche u. a. Führungskräfte des NS-Regimes statt, darunter Ärzte, Juristen, SS-Angehörige, Generäle und Minister. Was passierte während der Entnazifizierung? Die Besatzungsmächte entfernten Nazis aus führenden Stellungen in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. Man führte groß angelegte Aufklärungsaktionen durch: die Deutschen wurden u. a. in Konzentrationslager getrieben, um ihnen das Ausmaß der Nazi-Gräuel vor Augen zu führen, und auch in demokratischen Gepflogenheiten unterwiesen. Die Entnazifizierung blieb bis 1947 unter vollständiger Verantwortung der Besatzungsmächte. Mehr als 6 Mio. Menschen mussten sich verantworten, die meisten wurden entlastet oder als Mitläufer eingestuft. In der SBZ nutzten Besatzungsmacht und SED die Entnazifizierung auch zur Bekämpfung der politischen Gegner. Wussten Sie, dass … der Begriff Grundgesetz für die Verfassung des Weststaates ganz bewusst gewählt wurde, um zu unterstreichen, dass die neue Verfassung nur als Provisorium gedacht war und man hoffte, die Einheit Deutschlands bewahren zu können? der in den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilte Hermann Göring vor seiner Hinrichtung Selbstmord beging? Die USA nach dem Zweiten Weltkrieg: Von Kennedy bis Reagan Was war der Kalte Krieg? Darunter versteht man das Kräftemessen, das sich die beiden Supermächte USA und UdSSR nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lieferten. Seit 1949 besaß auch die Sowjetunion Atomwaffen; der Koreakrieg von 1950 bis 1953, in den auch die USA eingriffen, schürte die Angst vor einem Dritten Weltkrieg. Das Gipfeltreffen der USA und der UdSSR in Camp David 1959 trug zwar zur Lösung der Ost-West-Spannungen bei, beide Weltmächte versuchten aber weiterhin, ihren politischen und militärischen Einflussbereich auszudehnen– vor allem auf die ehemaligen Kolonien. In den USA selbst führte der Kalte Krieg zu einer hysterischen und beispiellosen Hetze gegen Kommunisten, die ihren Höhepunkt in der McCarthy-Ära Anfang der 1950er Jahre fand. Künstler und Intellektuelle wurden reihenweise vor den von Senator Joseph McCarthy geleiteten Untersuchungsausschuss zitiert und wegen angeblich kommunistischer Umtriebe verurteilt. Was passierte in der Innenpolitik der 1960er? Es herrschte Aufbruchstimung. Im 1960 zum Präsidenten gewählten erst 43-jährigen John F. Kennedy sahen viele und vor allem die Schwarzen, die damals anfingen, um ihre Rechte zu kämpfen, einen Hoffnungsträger. Und tatsächlich initiierte er in seiner kurzen Amtszeit, die 1963 mit seiner Ermordung abrupt endete, viele Reformen, die sein Nachfolger Lyndon B. Johnson in die Tat umsetzte. Beherrschendes innenpolitisches Thema der 1960er Jahre waren die großen Rassenunruhen, die das Land erschütterten. Demonstrationen, Sit-ins, blutige Aufstände in den Ghettos der Städte – die Bürgerrechtsbewegung kämpfte mit allen Mitteln, um eine Gleichstellung der Schwarzen zu erreichen. Prominentester Führer des Civil Rights Movement war Martin Luther King. Der Verfechter des gewaltlosen Widerstandes erlag selbst der Gewalt: 1968 wurde er in Memphis, im US-Bundesstaat Tennessee, erschossen. Wie richtete Kennedy seine Außenpolitik aus? Außenpolitisch verfolgte Kennedy die Politik des Kalten Krieges und rüstete in großem Stil auf. Zudem baute er das Raumfahrtprogramm aus, um den damaligen Vorsprung der Sowjetunion in diesem Bereich aufzuholen. Nachdem er in der Kubakrise 1962 erreichte, dass die UdSSR ihre auf der Insel stationierten Raketenbasen wieder abbauten, galt Kennedy in der ganzen Welt als Garant des Friedens. Allerdings begann unter seiner Ägide auch das militärische Engagement in Vietnam, das die USA in einen langjährigen Krieg treiben sollte. Welche Auswirkungen hatte der Vietnam-Krieg? Aus diesem Krieg gingen die USA zum ersten Mal in ihrer Geschichte als Verlierer hervor und die Nation, die sich immer so gerne als Sieger sah, blieb traumatisiert zurück. Seit Mitte der 1960er Jahre engagierten sich die USA mit großem Truppeneinsatz in Vietnam, um das Vordringen des Kommunismus zu verhindern. Schon bald war absehbar, dass selbst eine mit modernsten Waffen ausgestattete Armee nicht in der Lage war, im Dschungelkrieg zu bestehen. Es kam zu immer heftigerer Kritik und zu Massendemonstrationen im Land. Als die Amerikaner ihre Truppen 1973 abzogen, waren 57 000 Soldaten gefallen. Was versteht man unter dem Watergate-Skandal? Die Watergate-Affäre war ein innenpolitischer Skandal. Beauftragte der Republikaner hatten im Wahlkampfbüro der Demokraten Abhörmikrofone versteckt. Der Skandal, der ab 1972 von den Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein aufgedeckt wurde und 1974 zum Sturz von Präsident Richard Nixon führte, trug nicht gerade dazu bei, die Nation aufzumuntern. Es kam zu einer tiefen Staatskrise. Im Zusammenhang mit der zurückgegangenen Aufrüstung mehrten sich zudem die Zeichen einer wirtschaftlichen Rezession. Wie wurde das Wettrüsten beendet? Die Abrüstung war nicht nur durch das Ende des Vietnamkriegs bedingt, sondern ging auch auf das SALT-I-Abkommen zurück, das die Supermächte 1972 geschlossen hatten. Es zielte auf eine Beendigung des internationalen Wettrüstens ab. SALT I wurde zwar 1977 verlängert, doch die Beziehungen zwischen Ost und West kühlten nach der sowjetischen Besetzung Afghanistans 1979 wieder ab. Unter Ronald Reagan, seit 1981 US-Präsident, wurde die Entspannungspolitik zwischen den USA und der UdSSR so weit vorangetrieben wurde, dass es 1987 zur Unterzeichnung des Vertrags über die vollständige Beseitigung aller atomaren Mittelstreckenwaffen kam. Dies war vor allem dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow anzurechnen, der 1985 sein Amt antrat. Seine Politik führte letztlich dazu, dass es heute nur noch eine Supermacht gibt: die USA. Wussten Sie, dass … die Hippie-Bewegung in den 1960er Jahren im kalifornischen San Francisco entstand? Junge Leute kritisierten die Sinnentleerung des bürgerlichen Lebens und propagierten das Ideal der »freien Liebe«. die USA seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs elf Präsidenten hatten? Davon waren fünf Angehörige der Demokratischen Partei und sechs Republikaner. Seit 2001 ist George W. Bush Präsident der Vereinigten Staaten. Sowjetische Hegemonie: Imperialismus unter Hammer und Sichel Was war der RGW? Als Reaktion auf den Marshallplan der USA zum Wiederaufbau der Staaten Europas entstand in Osteuropa 1949 der Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW, auch COMECON). Gründungsmitglieder waren die UdSSR, Polen, Bulgarien, Rumänien, die Tschechoslowakei und Ungarn, später traten u. a. Albanien und die DDR der Vereinigung bei. Der RGW hatte zum Ziel, die zentralen Wirtschaftspläne der Mitgliedsländer zu koordinieren und die Produktion aufeinander abzustimmen. Innerhalb des RGW war die UdSSR die dominierende Macht, von deren Wirtschaftsbeschlüssen die anderen Staaten abhingen. Wie kam es zum politischen Tauwetter? Nach dem Tod Stalins 1953 verringerte sich der politische Druck auf die sozialistischen Staaten in Osteuropa, es herrschte »Tauwetter«. Es kam zu Aufständen gegen die UdSSR bzw. gegen das kommunistische Regime im eigenen Land. Dazu zählte u. a. der Volksaufstand in der DDR vom Juni 1953. Arbeiter riefen den Generalstreik aus, forderten u. a. freie Wahlen und die Einheit Deutschlands. Die SED rief die sowjetische Armee zur Hilfe, die den Aufstand unter Anwendung von Gewalt niederschlug. Gab es im Ostblock Protest gegen die UdSSR? Ja. Neben dem Volksaufstand in der DDR kam es auch in Polen zu Protesten. Der 1956 in Posen ausgerufene Generalstreik wurde mithilfe der polnischen Armee niedergeschlagen. In Ungarn begann im Oktober 1956 mit Studentenprotesten ein Volksaufstand gegen die eigene Regierung und die UdSSR, unter anderem weil im November 1955 der für Lockerungen eintretende Ministerpräsident Imre Nagy abgesetzt worden war. Daraufhin setzte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Nagy wieder als Ministerpräsidenten ein und bat gleichzeitig um Hilfe. Am 4. November marschierte die Rote Armee in Budapest ein, Nagy wurde festgenommen und später hingerichtet, der Volksaufstand mit Waffengewalt unterdrückt. Durch welche Entwicklung wurde der Prager Frühling ausgelöst? In der Tschechoslowakei kam es nach Übernahme der Parteiführung durch den Reformpolitiker Alexander Dubček 1968 zu Versuchen, einen »Sozialismus mit menschlichem Antlitz«, Pressefreiheit und wirtschaftliche Reformen aufzubauen (»Prager Frühling«). Im August des Jahres marschierten sowjetische Truppen und Militäreinheiten des Warschauer Pakts in der Tschechoslowakei ein. Die Bevölkerung stellte sich den anrollenden Panzern vergeblich entgegen. Was war die Solidarność? Eine Oppositionsbewegung. In den Satellitenstaaten der UdSSR gab es weiter Protest – in der Regel jedoch im Untergrund. Zu den öffentlich auftretenden Bewegungen gehörte Anfang der 1980er Jahre die nicht von der kommunistischen Partei gesteuerte polnische Gewerkschaft Solidarność (»Solidarität«), die u. a. die Freilassung politischer Gefangener forderte. Zwar wurde Solidarność verboten, dennoch erfuhr sie immer größeren Zulauf. 1988 schließlich musste die Regierung die Gewerkschaft wieder zulassen und die Opposition an einem »Runden Tisch« beteiligen. Was änderte sich in der Ära Gorbatschows? Als Michail Gorbatschow 1985 Generalsekretär der KPdSU wurde, kam es zu wirklichen Reformen. Seine Politik führte in den Ostblockstaaten zur Demokratisierung. Vorreiter war neben Polen auch Ungarn. Anfang 1989 entschied sich die kommunistische Partei Ungarns für die Einführung eines Mehrparteiensystems. Im selben Jahr öffnete es seine Grenzen zum Westen für Flüchtlinge aus der DDR und machte somit den »Eisernen Vorhang« durchlässiger. In der DDR führten wachsende Proteste in der Bevölkerung und die Massenflucht in den Westen zum Sturz von Staats- und Parteichef Erich Honecker und im November 1989 zur Öffnung der Grenzen zur BRD. Warum zerfiel die Sowjetunion? Die größeren wirtschaftlichen und politischen Freiheiten in der UdSSR führten zu offenen Nationalitätenkonflikten, die viele Sowjetrepubliken nach Unabhängigkeit streben ließen. Die schlechte Wirtschaftslage führte 1991 zu Streiks, wodurch sich die ökonomische Situation der UdSSR dramatisch verschlechterte. Gorbatschow schlug eine Umgestaltung der UdSSR in eine Union souveräner Staaten vor. Altkommunisten wollten 1991 diese Reformen verhindern, setzten Gorbatschow fest, ließen das Parlament in Moskau belagern. Der Widerstand der Bevölkerung unter Boris Jelzin, dem Präsidenten der russischen Teilrepublik, ließ den Putsch in sich zusammenbrechen. Am 31. Dezember 1991 löste sich die Sowjetunion offiziell auf. Wussten Sie, dass … in den 1960er und 1970er Jahren auch außereuropäische Staaten (Mongolei, Kuba, Vietnam) im RGW waren? Später wurden noch Kooperationsverträge mit Entwicklungsländern wie Mosambik und Afghanistan geschlossen. der RGW nach dem Zerfall der kommunistischen Systeme in Ostmitteleuropa am 28. Juni 1991 aufgelöst wurde? Was bewirkte Michail Gorbatschow in seiner politischen Karriere? Sein Name steht für Reformen. Der am 2.3.1931 in Priwolnoje im Kaukasus geborene Jurist wurde 1980 Mitglied des Politbüros. 1985 übernahm er dann den Posten des KPdSU-Generalsekretärs. 1988 wurde Gorbatschow auch Präsident des Obersten Sowjets, also Staatsoberhaupt. Er leitete eine Reformpolitik ein, deren Schlagwörter Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) waren. Auch initiierte er wesentliche Abrüstungsverhandlungen mit den USA und stimmte der deutschen Wiedervereinigung zu. Nach einer Reform des politischen Systems wurde Gorbatschow 1990 Staatspräsident der UdSSR. Nach dem Putsch vom August 1991 gegen ihn und seine Reformen gab er den Posten des Generalsekretärs auf. Im Dezember 1991, kurz vor Auflösung der UdSSR, trat er von seinem Amt als Staatspräsident zurück. Ost-West-Konflikt: Zwei feindliche Lager stehen sich gegenüber Wie steckten die USA und die UdSSR ihr Terrain ab? Nach 1945 führte die wachsende Spannung zwischen den Westalliierten und der UdSSR zu einem Kurswechsel in der westlichen Besatzungspolitik. So betonte die Truman-Doktrin von 1947 den Willen der USA, weltweit gegen den Kommunismus vorzugehen, und noch im selben Jahr wurde der Marshallplan zum Wiederaufbau Europas und zur Eindämmung des Kommunismus gestartet. Die UdSSR versuchte ihrerseits Osteuropas Staaten ihrem Wirtschaftssystem einzugliedern, ihren politischen Einflussbereich auszudehnen und ihnen die kommunistische Ideologie »überzustülpen«. 1949 wurde der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) gegründet, dem zunächst Bulgarien, Polen, Rumänien, die Tschechoslowakei und Ungarn angehörten. Welche Organisationen wurden gegründet? Die westeuropäischen Staaten gründeten zwischen 1947 und 1949 verschiedene Organisationen, mit denen sie ihre wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit untermauerten, so 1948 den Brüsseler Pakt, aus dem die Westeuropäische Union hervorging. 1949 mündeten die westeuropäischen Sicherheitsbestrebungen in der Gründung des Nordatlantikpakts, der NATO, einem Verteidigungsbündnis, mit dem sich die zehn europäischen Gründungsmitglieder sowie Kanada des Beistands der Atommacht USA versichern wollten, insbesondere für den Fall einer sowjetischen Aggression; 1952 kamen Griechenland und die Türkei hinzu. Die Bundesrepublik Deutschland trat 1955 in die NATO ein (Pariser Verträge). Daraufhin schuf sich die UdSSR mit dem Warschauer Pakt auch ein Militärbündnis. Gründungsmitglieder waren die UdSSR, Albanien, Bulgarien, die DDR, Polen, Rumänien, die Tschechoslowakei und Ungarn. Warum kam es zur deutschen Wiederbewaffnung? Anlass für die Wiederbewaffnung und den NATO-Beitritt Deutschlands war der Ausbruch des Koreakriegs im Jahr 1950. Vor dem Hintergrund des Ost-West-Konfliktes standen sich der kommunistische, von der UdSSR und vor allem von der 1949 gegründeten Volksrepublik China unterstützte Norden des Landes und der von den USA und der UNO unterstützte Süden gegenüber. Diese erste militärische Eskalation zwischen den Machtblöcken führte dazu, dass die Wiederbewaffnung Deutschlands für unbedingt notwendig erachtet wurde. Man hoffte, auf diese Weise dem Expansionsstreben der UdSSR nach Westeuropa einen Riegel vorschieben zu können. Wodurch wurde die Westintegration forciert? Die sich vor diesem weltpolitischen Hintergrund vollziehende Westintegration der Bundesrepublik Deutschland wurde besonders durch Bundeskanzler Konrad Adenauer vorangetrieben, der – wie viele andere westeuropäische Politiker auch – befürchtete, dass das geteilte Deutschland einen ähnlich schweren Konflikt zwischen der UdSSR und den USA hervorrufen könne wie in Korea. Er bat daher 1950 um Aufstockung der alliierten Truppen und stellte die Einbindung deutscher Soldaten in eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) in Aussicht. Die EVG kam zwar wegen des französischen Vetos nicht zustande, dennoch wurde die Bundesrepublik Deutschland immer stärker in die westliche Allianz eingebunden. Wie änderte sich die Politik unter Chruschtschow? Im März 1953 starb der Führer der Sowjetunion, Josef Stalin. Sein Nachfolger Nikita Chruschtschow leitete im Innern eine Phase der Liberalisierung (»Tauwetterperiode«) ein. Gegenüber dem Westen formulierte er den Anspruch der »friedlichen Koexistenz« der beiden Machtblöcke, gegenüber den Satellitenstaaten der Sowjetunion betrieb er jedoch weiterhin eine klare Hegemonialpolitik. Seine außenpolitische Linie der friedlichen Koexistenz von Kommunismus und Kapitalismus verkündete Chruschtschow 1956 auf dem XX. Parteitag. Die von unterschiedlichen Ideologien geprägten Weltmächte sollten sich nicht bekämpfen, dies sei schon aufgrund der auf beiden Seiten vorhandenen atomaren Waffen selbstzerstörerisch. Die friedliche Koexistenz würde zeigen, welches System auf lange Sicht den Sieg davontrage. Allerdings ging auch Chruschtschows Entspannungspolitik nicht so weit, eine Beeinträchtigung des sowjetischen Einflussbereichs hinzunehmen. Nach massiven Ausreisewellen aus der DDR in die Bundesrepublik verstärkte sich wieder die Spannung zwischen den ehemaligen Alliierten. Die Krise spitzte sich zu und erreichte ihren Höhepunkt im August 1961 mit dem Bau der Berliner Mauer. Welche Ereignisse führten zur Kubakrise? Als Fidel Castro 1959 auf Kuba die Macht errang, verstaatlichte er den Besitz von US-Bürgern, die USA brachen daraufhin die politischen Beziehungen zu Kuba ab und verhängten ein Handelsembargo. Castro wandte sich daher der UdSSR zu. Zusammen mit Exilkubanern organisierte der US-Geheimdienst CIA 1961 eine Invasion in der so genannten Schweinebucht an der Südküste von Kuba, um Castro zu stürzen. Die Aktion schlug fehl. Zur Abschreckung beschloss die UdSSR 1961, auf Kuba Mittel- und Langstreckenraketen mit dem Ziel USA zu stationieren. Als die USA davon durch Luftaufnahmen von Abschussrampen erfuhren, verhängten sie eine Seeblockade gegen Kuba, um zu verhindern, dass weiteres Kriegsmaterial auf die Insel gelangt. Als sich am 24. Oktober 1962 sowjetische Schiffe der Blockade näherten, stand die Welt am Rande eines Atomkrieges, doch die Schiffe erhielten den Befehl, wieder abzudrehen. Die Sowjetunion zog ihre Raketen von Kuba ab, vereinbarte mit den USA aber auch einen Abbau ihrer Raketen in der Türkei. Welche politische Wende brachte die Kubakrise? Die Kubakrise markierte den Beginn der Entspannung zwischen den beiden Supermächten und ihren Verbündeten. 1972 kam es zum Abschluss von zwei Rüstungskontrollverträgen zwischen den USA und der Sowjetunion. Der so genannte ABM-Vertrag (Anti-ballistic Missiles) diente der Abschreckung: Die Errichtung nationaler Abwehrsysteme gegen Atomraketen sollten begrenzt werden, um beide Seiten für einen Atomschlag anfällig zu machen. Der zweite Vertrag war das SALT-I-Abkommen (Strategic Arms Limitation Talks; englisch: Gespräche über die Begrenzung strategischer Waffen), das die Zahl der Abschussbasen für atomare landgestützte Interkontinentalraketen und für seegestützte ballistische Raketen begrenzte. 1979 wurde das SALT-II-Abkommen unterzeichnet, das die Zahl von Trägersystemen (Raketen) für Atomwaffen mit einer Reichweite von mehr als 5500 km begrenzte. SALT I und II sollten einer weiteren Aufrüstung entgegenwirken. Die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), an der neben den europäischen Staaten die USA und die Sowjetunion teilnahmen, sollte die Entspannung fördern und zwischen West und Ost vertrauensbildende Maßnahmen schaffen. Man garantierte sich gegenseitige Nichteinmischung und Wahrung der Menschenrechte. Warum kühlte das Ost-West-Verhältnis ab? Zur Verschlechterung der Beziehungen führten 1979 zwei Ereignisse: der Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan zur Unterstützung des dort seit 1978 bestehenden kommunistischen Regimes und der NATO-Doppelbeschluss, in Europa Mittelstreckenwaffen (Raketen und Lenkflugkörper) nachzurüsten, wenn sich die UdSSR nicht bereit erklärt, ihre Mittelstreckenraketen deutlich zu reduzieren. Als die USA 1983 begannen, Mittelstreckenraketen zu stationieren, führte dies zum Abbruch der Verhandlungen über den Abbau strategischer Atomwaffen (START). US-Präsident Ronald Reagan betrieb seit Anfang der 1980er Jahre in der Rüstungspolitik einen Wechsel. Statt auf die jahrzehntelange Abschreckung zu setzen, forderte er die Errichtung eines umfassenden Verteidigungssystems. Zu seinen favorisierten Rüstungsprojekten zählte ein weltraumgestütztes Raketenabwehrsystem (Strategic Defense Initiative, SDI), das darauf abzielte, Raketen in jeder Phase des Flugs abfangen zu können. Welche Reformen führte Gorbatschow durch? Die UdSSR war in den 1980er Jahren wirtschaftlich nicht in der Lage, ein ähnliches Rüstungsprojekt wie SDI durchzuführen. Das Geld, das in die Rüstung investiert wurde, fehlte in der Zivilwirtschaft. Als 1985 Michail Gorbatschow zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei (KPdSU) gewählt wurde, leitete dieser mit »Glasnost« (Offenheit) und »Perestroika« (Umbau) umfassende gesellschaftliche und wirtschaftliche Reformen ein. Die Planwirtschaft sollte marktwirtschaftliche Züge annehmen und die Demokratisierung gefördert werden. Daneben trieb Gorbatschow die Abrüstung voran; die USA und die UdSSR beschlossen mit dem INF-Vertrag von 1987, alle atomaren Mittelstreckenraketen zu vernichten. Die START-Verhandlungen über die Reduzierung strategischer Atomwaffen wurden fortgeführt, und 1991 bzw. 1993 (mit Russland) zu einem Abschluss gebracht. Warum löste sich der Ostblock langsam auf? In zahlreichen Satellitenstaaten führte die Politik Gorbatschows, die auch »andere Wege des Sozialismus« akzeptierte, zu einem Demokratisierungsprozess. So beschloss Polen Anfang 1989, die Planwirtschaft weit gehend abzuschaffen und das politische System demokratisch umzugestalten. In Ungarn wurde 1989 die Einführung eines Mehrparteiensystems vereinbart. In der DDR zogen die Demokratisierungsprozesse Mitte 1989 eine Massenflucht in den Westen – meist über Ungarn – nach sich; außerdem mehrte sich die Zahl der Menschen, die offen gegen das Regime protestierten, was letztlich im November 1989 zum Fall der Berliner Mauer führte. Wurde Gorbatschows Kurswechsel akzeptiert? Gorbatschows Reformpolitik stieß im eigenen Land auf große Probleme. Zum einen versuchte er, die Vormacht der KPdSU beizuhalten. Doch erwuchs immer mehr Widerstand aus den eigenen Reihen. Zum anderen verbesserte sich die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung nicht und viele ehemals unabhängige Staaten, allen voran die baltischen Länder, pochten auf die Wiederherstellung ihrer Souveränität. In dieser Phase – Mitte 1991 – schlug Gorbatschow die Umwandlung der UdSSR in einen Staatenbund aus souveränen Staaten vor. Dies führte im August 1991 zu einem Putsch von Altkommunisten gegen Gorbatschow. Sie wollten die alten sozialistischen Zustände wiederherstellen. Gorbatschow wurde festgesetzt, und Einheiten der Sowjetarmee besetzten Teile Moskaus. Boris Jelzin, der Präsident Russlands, der schon vorher offen für die Marktwirtschaft und die Abkehr vom Sozialismus plädiert hatte, organisierte den Widerstand der Massen gegen den Putsch, der zwei Tage später zusammenbrach. Der Zerfall der UdSSR war – auch wegen der Veränderungen in den anderen osteuropäischen Staaten – nicht mehr aufzuhalten. Zunächst wurden die baltischen Staaten in die Unabhängigkeit entlassen. Im Dezember 1991 gründete Russland zusammen mit der Ukraine und Weißrussland die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), der sich später nahezu alle Nachfolgestaaten der UdSSR anschlossen. Damit war die Sowjetunion Geschichte, genauso wie der Kalte Krieg. Warum entstand der Ost-West-Konflikt? Während des Zweiten Weltkrieges waren USA und Sowjetunion Verbündete. Schon vor 1945 hatte die UdSSR unter Josef Stalin ihren Machtbereich in Europa weit über ihre Grenzen hinaus ausgedehnt. Die westlichen Alliierten hatten dies zugelassen, weil sie den wichtigen Verbündeten nicht verlieren wollten. Nach dem Zweiten Weltkrieg aber brach die Kriegskoalition auseinander. Ideologische Gegensätze, die sich vor allem in der Deutschlandfrage manifestierten, machten eine weitere Zusammenarbeit unmöglich. Folge des