Entdecker und Erfinder – Vorstoß in neue Welten

Entdecker und Erfinder – Vorstoß in neue Welten Die Geschichte der Technik beginnt in grauer Vorzeit: Als die Menschen ihre ersten Werkzeuge herstellten, wurden sie zu Erfindern. Auch Entdecker hat es immer gegeben – Menschen, die in unbekannte Zonen vorstießen, auf der Suche nach Nahrung oder neuen Lebensräumen. Das Erfinden und Entdecken, das Nachdenken und Erkennenwollen ist dem Menschen von jeher zueigen. An einzelnen Personen festmachen können wir Erkenntnisse und technische Entwicklungen erst ab der griechischen Antike, und da begegnet uns im 6. Jahrhundert v.Chr. Pythagoras. Der nach ihm benannte geometrische Lehrsatz ist bis heute gültig. Mit ihm beginnt dieses Kapitel. Es folgen Persönlichkeiten, deren Namen uns heute noch geläufig sind: Hippokrates (460–377 v.Chr.), auf den der nach ihm benannte Eid der Mediziner zurückgeht, oder Hildegard von Bingen (1098–1179), deren Klostermedizin inzwischen wieder populär ist. Als aufregende Epoche präsentiert sich die beginnende Neuzeit: Kolumbus (1451–1506) entdeckt die Neue Welt, und Kopernikus (1473–1543) beweist, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Nicht zuletzt prägt Johannes Gutenberg (um 1400–1468) die neue Zeit. Sein Buchdruck mit beweglichen Lettern ist als »Medienrevolution« vergleichbar mit der Digitalisierung von Daten, die das Computerzeitalter bestimmt. Dafür steht Bill Gates, der dieses Kapitel beschließt. Das 20. Jahrhundert war auch ein Jahrhundert der Physik, eingeleitet von Marie Curie, die 1903 für ihre Erforschung der Radioaktivität den Nobelpreis erhielt. Auswirkungen auf unseren modernen Alltag zeigen noch immer die großen technischen Neuerungen des 19. Jahrhunderts mit seiner industriellen Revolution. Wir verbinden sie mit den Namen weltberühmter deutscher Pioniere wie Siemens, Daimler, Benz, Röntgen. Pythagoras: Mathematiker mit großer Anhängerschaft Was weiß man über Pythagoras? Über Leben und Person ist wenig bekannt. Der Philosoph, Astronom und Mathematiker Pythagoras wurde auf der griechischen Insel Samos geboren. Gesichert scheint, dass Pythagoras um das Jahr 530 v.Chr. in den griechischen Kolonien in Unteritalien (Kroton) wirkte, wo er eine Philosophenschule gründete. Auf Sizilien, angeblich in Mentapontum, ist er gestorben. Warum ging der Philosoph nach Italien? Der Überlieferung nach verließ Pythagoras seine Heimat Samos, weil er die Tyrannei des Polykrates missbilligte, der durch Schillers Ballade »Der Ring des Polykrates« weltberühmt wurde. Die Berichte, wonach Pythagoras Wunder vollbracht und geweissagt habe, gehören ins Reich der Legende. Gleiches gilt wohl für die Berichte über Reisen nach Ägypten, Kleinasien und Babylon. Sicher ist, dass er in Italien eine philosophische Gesellschaft ins Leben rief, für die er einen Kanon von Lebensregeln aufstellte, der das Zölibat, ein verlängertes Schweigegebot sowie verschiedene Arten von Enthaltsamkeit umfasste. Die Philosophenschule kümmerte sich gemäß den Richtlinien ihres Gründers um die Pflege von Philosophie, Mathematik und Musik in Verbindung mit gymnastischen Aktivitäten. Im Zuge der Legendenbildung wurde mit dem Namen Pythagoras allerdings manch ein Lehrsatz verbunden, der erst von späteren Pythagoreern wie Philolaos und Archytas von Tarent stammte. Was lehrte der Grieche? Pythagoras lehrte eine Variante der Seelenwanderung, die vermutlich auf bacchische und orphische Mysterien zurückging. Die Essenz dieser Lehre war religiös wie ethisch begründet und sollte ein System aufzeigen, wie durch eine Abfolge von Inkarnationen der Seele in verschiedenen Lebewesen bestimmte Sünden und Tugenden bestraft oder belohnt werden. Aus diesem Grund war es verboten, Tiere zu töten oder zu opfern und Fleisch zu essen. Wie konstruiert man rechte Winkel? Mit Hilfe des berühmten Lehrsatzes, der nach Pythagoras benannt ist und der besagt, dass die Fläche eines Quadrats über der längsten Seite eines rechtwinkligen Dreiecks gleich groß ist wie die Summe der Quadrate über den beiden anderen Seiten. Auch die Erkenntnis, dass die Summe der Winkel eines Dreiecks gleich zwei rechten Winkeln ist, wird auf ihn zurückgeführt. Doch betrieb Pythagoras die Mathematik nicht als Selbstzweck oder als begrenzte Fachwissenschaft. Er stellte sie, vor allem die Lehre von den Zahlen, in den Mittelpunkt seiner philosophischen Betrachtungen. Übrigens war Pythagoras nach alter Überlieferung der Erste, der das Wort »Philosophie« in dem uns heute geläufigen Sinn verwendete. Es erschien ihm nämlich anmaßend, sich, wie bis dato üblich, sophos, Weiser, zu nennen, und deshalb bezeichnet er sich als philosophos, Freund der Weisheit. Welche Bedeutung haben die Zahlen für Pythagoras? In den Zahlen sieht die pythagoreische Lehre das eigentliche Geheimnis und die Bausteine der Welt. Jede der Grundzahlen von eins bis zehn hat ihre besondere Kraft und Bedeutung, allen voran die vollkommene und umfassende Zehn. Die Harmonie der Welt – Pythagoras war der Erste, der die Welt als »Kosmos« bezeichnete – beruht darauf, dass alles in ihr nach Zahlenverhältnissen geordnet ist. Das zeigt sich für Pythagoras vor allem in der Musik. So war er wohl der Erste, der den harmonischen Zusammenklang der Töne und die Stufen der Tonleiter auf zahlenmäßige Verhältnisse zurückgeführt hat. Wer waren die Pythagoreer? Die Anhänger des Pythagoras. In der Psychologie und in der Ethik der Pythagoreer taucht die Vorstellung von der Harmonie sowie der Begriff der Zahl auf, um einerseits den menschlichen Geist und seine unterschiedlichen Zustände, andererseits den Begriff der Tugend in seinen möglichen Varianten zu erklären. Allerdings waren es weniger diese speziellen Doktrinen der philosophischen Schule, die philosophische Strömungen in Griechenland beeinflussten, als vielmehr die generelle Vorstellung von Umfang und Zielen der Philosophie. Anders als die Ionier, die als Naturwissenschaftler die Philosophie ausschließlich mit Wissen verbanden, waren die Pythagoreer ethisch wie religiös interessiert und strebten danach, die Philosophie auch in einen Zusammenhang mit dem Leben an sich zu bringen. Geschichtlich bleibt ihr Bund bedeutsam als ein bemerkenswerter Versuch, religiöse und philosophische Gedanken in einer abgeschlossenen und disziplinierten Gemeinschaft in die Praxis umzusetzen. Wussten Sie, dass … die Behauptung, Pythagoras habe seinen Schülern das Essen von Bohnen untersagt, ein Missverständnis ist? In der griechischen Kolonie Kroton, wo sich Pythagoras niedergelassen hatte, wurde mithilfe schwarzer und weißer Bohnen abgestimmt. Er untersagte also, sich politisch zu betätigen. seine Anhänger den Philosophen für den Sohn Apolls beziehungsweise den Gott selbst hielten? Hippokrates: Urvater der Medizin Was weiß man über das Leben des Hippokrates? Allzu viel ist nicht bekannt vom Leben des Hippokrates. Die Quellen sind eher dürftig, erwiesen aber ist sein Berühmtheitsgrad, wahrscheinlich schon zu seinen Lebzeiten. Sogar der Philosoph Platon hat den antiken Arzt in seinen Schriften verewigt. Hippokrates kam etwa 460 v. Chr. auf der griechischen Insel Kos zur Welt und ging später bei seinem Vater, dem Arzt Herakleides, der zur Familie der Asklepiaden gehörte, in die Lehre. Bevor sich Hippokrates auf seiner Heimatinsel niederließ, war er viel unterwegs, auf dem griechischen Festland etwa und in Kleinasien. Die Reisen waren beschwerlich, nicht immer ungefährlich und erforderten eine Menge Zeit. Doch seine medizinischen Erkenntnisse und seine Vorträge darüber fielen bei seinen Zeitgenossen wohl auf fruchtbaren Boden. Hippokrates soll ein Mann von Weitblick, hoher Intelligenz und analytischem Denkvermögen gewesen sein. Was war das Neue an Hippokrates' Behandlung? Hippokrates hat als Arzt den Menschen und seine Krankheit stets als Einheit gesehen. Und somit kann er als erster Ganzheitsmediziner gelten. Er fragte beispielsweise immer auch nach dem Umfeld seiner Patienten und nach deren Lebensweise! Hippokrates glaubte auch an die Selbstheilungskräfte des Körpers, ging mit allzu radikalen Behandlungsmethoden eher vorsichtig um. »Unsere Körper sind die Ärzte unserer Krankheiten«, diese Worte des Hippokrates finden auch heute noch manche Zustimmung. Was führte der Arzt in die Medizin ein? Er führte wissenschaftliche Methoden in die Medizin ein. Hippokrates hat beobachtet, verglichen, beschrieben und festgehalten, was er im Lauf langer Jahre bei seinen Patienten wahrnehmen konnte. Dabei ist er auf reelle Ursachen von Krankheiten gestoßen. Heute würde man sagen, er hat nach naturwissenschaftlichen Erklärungen gesucht. Damit war Hippokrates derjenige, der den Krankheiten ihre Verwurzelung in Mystik und Aberglaube nahm und der immer bestrebt war, auslösende Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten zu finden. Als »heilige Krankheit« galt beispielsweise in der Antike die Epilepsie. Für diese Anfälle, so meinten die Menschen damals, seien die Götter verantwortlich. Hippokrates klärte sie darüber auf, dass es sich um eine mangelnde Durchblutung des Gehirns handle. Was ist der Eid des Hippokrates? Diesen Eid auf den griechischen Arzt der Antike legen alle Mediziner ab. Der »Eid des Hippokrates« beinhaltet keine starren Regeln, sondern eher Richtlinien und Maßstäbe für medizinethische sowie philosophische Denk- und Handelsweisen. Wer diesen Eid leistet, verpflichtet sich zu hohem Verantwortungsbewusstsein, zu Respekt vor dem Menschen und zu einem bestmöglichen Einsatz für den Patienten. Was ist das Corpus Hippocraticum? Es handelt sich dabei um eine der ersten umfassenden medizinischen Fachliteratursammlungen der Welt. Sie befand sich in der umfangreichen Bibliothek der berühmten Medizinschule von Kos, an der Hippokrates gelehrt hatte. Wie viele der 60 bis 70 Abhandlungen des »Corpus Hippocraticum« tatsächlich aus der Feder des gelehrten griechischen Arztes Hippokrates stammen, liegt im Dunkeln. Es wird unter anderem spekuliert, dass es sich um ein Gemeinschaftswerk von Vertretern der Medizinschule handeln könnte, in das auch ältere Abhandlungen eingeflossen sind. Diese Schriften waren für die Zeitgenossen eine Sensation: Nie zuvor war das Bild des kranken Menschen, dessen Bezug zu Umwelt, Lebensweise oder Ernährung so komplex dargestellt worden. Die Arbeiten widmen sich der Prognose, der Vorbeugung von Krankheiten, den Heilkuren, aber auch der Anatomie oder etwa dem Einrenken von ausgekugelten Gelenken. Einige Bände des »Corpus Hippocraticum« galten bis ins 19. Jahrhundert hinein als Standardlektüre für Mediziner, hatten also in über 2000 Jahren nichts an Aktualität eingebüßt. Und das philosophische und ethische Erbe des Hippokrates hat bis heute Gültigkeit. Wer war Asklepios? Asklepios (lat. Äskulap), dargestellt mit einem von einer heiligen Schlange umwundenen Stab, ist der Ahnherr der Medizin. Der berühmte Äskulapstab ist noch heute das Zeichen für den ärztlichen Stand. Asklepios, dem griechischem Gott der Heilkunst und Sohn des Apoll, waren auch auf der Insel Kos, wo Hippokrates geboren wurde, Heiligtümer geweiht, zu denen Kranke und Sieche pilgerten. Seine Jünger und Anhänger sind die Asklepiaden. Wussten Sie, dass … Hippokrates als Begründer von Diäten gelten kann? Mit seinen Regeln für eine so genannte Diätetik schrieb er eine zweckmäßige Ernährung vor, die speziell für den Körper von erkrankten Personen galt. Ebenso sollte sie auch der Gesundung der Seele dienen. Archimedes: Theoretiker mit Blick fürs Praktische Wo setzte Archimedes sein Wissen vor allem ein? Im Krieg. Der in Syrakus auf Sizilien als Sohn eines Astronomen geborene Archimedes kehrte nach einigen Jahren Aufenthalt im ägyptischen Alexandria in seine Heimatstadt zurück, wo er für König Hieron II. und dessen Sohn Gelon arbeitete. Während der beiden Jahre im Zweiten Punischen Krieg, als der römische Befehlshaber Marcellus die Inselhauptstadt belagerte, bewies der geniale Mathematiker und Erfinder einmal mehr, wie gut er sich auch auf ungemein nützliche Konstruktionen verstand: Die von ihm erfundenen Steinschleudern beziehungsweise Langstrecken-Katapulte wurden mit großem Erfolg bei der Verteidigung von Syrakus eingesetzt. Darüber hinaus soll es ihm gelungen sein, Brenngläser so aufzustellen, dass damit Schiffe der römischen Flotte aus großer Distanz in Brand gesetzt werden konnten. Wozu ist ein Hebel gut? »Gebt mir einen Punkt [außerhalb der Erde], auf dem ich stehen kann, und ich werde die Erde bewegen«, soll Archimedes gesagt haben, nachdem ihm die Gesetze der Hebelwirkung klar geworden waren. Auch verdankt ihm die Nachwelt weitere wesentliche Erkenntnisse und Erfindungen auf den Gebieten der Mechanik, Physik und Mathematik. Was erfand Archimedes? In der Mechanik entdeckte er neben den Hebelgesetzen das Gesetz des Schwerpunkts, konstruierte einen Flaschenzug und die Wasserschnecke, eine Vorrichtung, um Wasser von einem niedrigeren auf ein höheres Level zu transportieren. Wirklich berühmt wurde der brillante Denker mit der Entdeckung des »archimedischen Prinzips«, einer der Grundlagen der Hydrostatik. Die Vorstellung, dass Archimedes in der Badewanne lag, mit einer Goldkrone spielte und plötzlich mit dem Schrei »Heureka!« (Ich hab's gefunden!) aufsprang, gehört natürlich in den Bereich der Legende. Wahr ist hingegen, dass er sich mit einer Krone Hierons beschäftigte, um herauszufinden, ob sie aus purem Gold oder einer Legierung bestand. Da er wusste, dass reines Gold und ein Metallgemisch von unterschiedlicher Dichte sind, versuchte er Masse und Volumen separat zu ermitteln. Dabei entdeckte er, dass ein Körper in einer Flüssigkeit so viel an Gewicht verliert, wie die verdrängte Flüssigkeitsmenge wiegt – das heißt, das von einem Gegenstand verdrängte Wasser entspricht dem Gewicht des Gegenstands und nicht seinem Volumen. Danach konnte er die Anteile der verschiedenen Metalle der Goldlegierung bestimmen. Dieses Prinzip des Auftriebs geht über die Gleichgewichtsbestimmungen hinaus, die Archimedes in seinem Traktat »Über schwimmende Körper« beschrieben hatte. Auf welchen Gebieten war der Gelehrte tätig? In der antiken Welt war Archimedes zudem als exzellenter Astronom bekannt, er hatte ein Planetarium und einen Himmelsglobus geschaffen. Seine Berechnungen, beispielsweise der Sonnenwenden, wurden auch von bedeutenden Kollegen wie dem bekannten Astronomen Hipparchos verwendet, wie Archimedes überhaupt einen regen Austausch mit den herausragenden Köpfen seiner Zeit pflegte. Neun Schriften des Archimedes sind erhalten (etliches freilich über arabische Gelehrte), darunter »Über Kugel und Zylinder«, »Über Spiralen«, »Kreismessung« und »Über schwimmende Körper«. Archimedes' Werke behandelten jedoch kaum seine technischen Errungenschaften, sondern fast ausschließlich Theorien und Axiome, die er aufgestellt hatte. Die Schwerpunktbestimmungen führten ihn zu mathematischen Problemen wie den Inhaltsberechnungen geometrischer Flächen und Körper, woraus er die Infinitesimalrechnung entwickelte. Heute noch berühmt ist die archimedische Spirale; auch kam er auf das 4:1-Verhältnis der Oberfläche einer Kugel zur Fläche ihres größten Kreises sowie darauf, dass das Volumen einer Kugel zwei Drittel des Volumens des Zylinders beträgt, in den sie eingeschrieben ist, und auch ihre Oberfläche zwei Drittel der des Zylinders ausmacht. Nach Plutarch wünschte sich Archimedes die Formel für letzteres Theorem als Inschrift auf seinem Grabstein, und laut Cicero, der in seiner Zeit als Quästor auf Sizilien das Grab besuchte, ist ihm dieser Wunsch erfüllt worden. Wie kam Archimedes ums Leben? Auch der letzte Ausspruch des Genies ist überliefert und damit unsterblich geworden: Archimedes soll im Jahr 212 v.Chr. – während die Stadt schließlich doch von den Römern gestürmt wurde – am Strand von Syrakus gesessen und, ganz in sein Tun vertieft, Zeichen in den Sand gemalt haben, als ein römischer Soldat mitten in seine Berechnungen trampelte. »Störe meine Kreise nicht!« (Noli turbare circulos meos!), rief Archimedes entnervt – und da dem römischen Haudegen nicht klar war, wen er vor sich hatte, handelte er gegen den ausdrücklichen Befehl seines Feldherrn Marcellus und tötete den großen Denker kurzerhand mit seinem Schwert. Wussten Sie, dass … Archimedes mit seinem »Sandrechner« die Zahl der Sandkörner auf der Welt ermitteln wollte? der Gelehrte eine Winde erfand, mit der ein Mann allein ein Schiff vom Stapel laufen lassen konnte? das Massachusetts Institute of Technology (MIT) die Waffenfähigkeit von Brennspiegeln testete? Archimedes' Erfindung scheint zumindest theoretisch zu funktionieren. Ptolemäus: Sternenforscher des Altertums Welche Auswirkungen hatten die Forschungen des Ptolemäus? Das Mittelalter und die frühe Neuzeit orientierten sich lang an seinen Lehren. Ptolemäus war eine unantastbare Autorität, die zwar nicht dem christlichen Glauben anhing, aber dennoch göttliche Wahrheit verkündete. Als Wissenschaftler zeichneten ihn die strenge Systematisierung seiner Erkenntnisse und die umfangreiche Zusammenstellung der Kenntnisse und Beobachtungen seiner Vorgänger aus. So charakterisiert die Werke des großen alexandrinischen Forschers das Nebeneinander von tabellarischer Datensammlung, theoretischer Erörterung und konkreter Anweisungen für Berechnungen und Konstruktionen. Wer war dieser geheimnisvolle Gigant der Wissenschaft? Viel ist über das Leben des Klaudios Ptolemäus tatsächlich nicht bekannt. Er lebte im 2. Jahrhundert n.Chr in Alexandria (Ägypten) und verkörperte einen der letzten Höhepunkte in der langen Tradition dieses klassischen antiken Wissenschaftszentrums. Auf seinen Arbeiten basierten die Vorstellungen der christlichen und islamischen Welt in Geografie und Astronomie bis zur kopernikanischen Wende. War der Ägypter Astronom, Mathematiker, Geograf oder Astrologe? Von allem etwas. Er verfasste Schriften zur Bahn der Planeten, ebenso aber auch ein Handbuch der Astrologie, Werke zur Mathematik und Erkenntnistheorie sowie Abhandlungen über Harmonik und Optik. Herausragend sind seine Arbeiten zur Geografie. Von seinem umfangreichen Werk ist allerdings nur wenig in direkter Form erhalten. Seine Gedanken und Forschungsergebnisse sind uns jedoch über Umwege – griechische Abschriften, arabische Übersetzungen oder gar lateinische Übersetzungen arabischer Übertragungen – überliefert. Welche Bedeutung hatte für Ptolemäus die Erde? Für Ptolemäus war sie das Zentrum des Universums. Der Astronom hatte die so genannte Epizykeltheorie entwickelt, um die Abweichungen zwischen seinen Beobachtungen und seinen Bahnberechnungen für die Planeten zu erklären. Nach dieser Theorie umkreisten die Planeten die Erde auf kleinen Kreisbahnen (Epizykeln), deren Mittelpunkte ihrerseits die Erde umkreisten – das geozentrische Weltbild. Was löste das geozentrische Weltbild ab? Die beiden Forscher Kopernikus und Galilei brachten im 16. und 17. Jahrhundert in die Astronomie den Gedanken ein, dass die Erde nicht der Mittelpunkt der Welt sei. Für die Rolle der Kirche und ihr Verständnis von der Beziehung zwischen Mensch und Gott war die Vorstellung von der Erde und dem Menschen als Zentrum der Schöpfung fundamental. Das Ende des geozentrischen Weltbilds stellte daher einen gewaltiger Einschnitt dar. Womit beschäftigte sich der Wissenschaftler noch? Mit Topografie. Für das 2. Jahrhundert n. Chr. wusste er erstaunlich viel über Form und Ausdehnung der Kontinente. In seiner »Anleitung zur Erdbeschreibung« gab er Anweisungen zum Zeichnen von Karten, befasste sich mit den Kontinenten Asien, Afrika und Europa und entwarf Kartenspiegel für 26 Teilkarten der bewohnten Welt. In einem Netz von waagrechten und senkrechten Linien gab er Positionen an, aus denen die heutigen Längen- und Breitengrade hervorgegangen sind. Er sammelte Entfernungsangaben, Städtebeschreibungen und ethnologische Schilderungen. Was hat ein niederländischer Astronom des 18. Jahrhunderts mit Ptolemäus zu tun? Der Astronom Christiaan Huygens, der im 18. Jahrhundert in den Niederlanden der Sternenbeobachtung nachging, benutzte die astronomischen Schriften des Ptolemäus als Grundlage seiner Forschungen zur Fixsternbewegung. Im »Almagest« hatte Ptolemäus einen Katalog der sichtbaren Sterne mit erstaunlich präzisen Positions- und Helligkeitsangaben zusammengestellt. Huygens fiel auf, dass die tatsächlichen Sternenpositionen von den Angaben des Ptolemäus abwichen. Aus dieser Abweichung ließ sich berechnen, in welche Richtung sich ein Fixstern bewegt. Wussten Sie, dass … der Titel »Almagest« von Ptolemäus' astronomischem Hauptwerk die arabische Übersetzung des griechischen »megiste syntaxis« ist, was »große Zusammenstellung« bedeutet? Ptolemäus neben dem »Almagest« auch sehr anschauliche Darstellungen der Bewegung der Planeten, Tabellen für die Auf- und Untergänge von Fixsternen sowie zur Berechnung von Planetenpositionen und Anleitungen zur Projektion von Kugelflächen auf Ebenen verfasst hat? Hildegard von Bingen: Die deutsche Prophetin Wofür ist Hildegard von Bingen bekannt? Die Äbtissin Hildegard von Bingen wurde zu Lebzeiten als bedeutende Mystikerin und eindrucksvolle Predigerin verehrt. Heute erfährt diese große Frauengestalt des Mittelalters erneut Popularität durch die Wiederentdeckung ihrer naturkundlichen und medizinischen Schriften. Woher kam die Prophetin? Geboren wurde Hildegard 1098 in Bermersheim bei Alzey als zehntes Kind des fränkischen Edelfreien Hildebert von Bermersheim und seiner Frau Mechthild. Im Alter von acht Jahren wurde sie ihrer Tante Jutta von Spanheim übergeben, die in einer Nonnengemeinschaft beim Benediktinerkloster Disidodenberg am Zusammenfluss von Nahe und Glan lebte. Hier erhielt Hildegard Unterricht in Latein und Griechisch, in Psalmensang, Liturgie und der Ordensregel des heiligen Benedikt. Im Kloster fand Hildegard ihre Bestimmung. Sie legte die Ordensgelübde ab und wurde Nonne. Nach Juttas Tod übernahm sie 1136 deren Amt. Um 1147/1148 gründete sie ein eigenes Benediktinerinnenkloster auf dem Rupertsberg in Bingen, das nicht erhalten ist. 1165 folgte die Gründung des noch bestehenden Tochterklosters Eibingen bei Rüdesheim. Was begründete den Ruhm der Klosterfrau? Die hochgebildete Ordensfrau war weit mehr als eine tatkräftige Klostergründerin und Äbtissin. Ihre charismatische Persönlichkeit zog die Menschen in ihren Bann. Ihr Kloster entwickelte sich zur Anlaufstelle für Kranke und Ratsuchende aus allen gesellschaftlichen Schichten. Und Hildegard ging auch hinaus unter die Menschen. Als erste Frau predigte sie öffentlich, unter anderem auf dem Marktplatz von Trier. Sie komponierte und dichtete, rund 70 geistliche Gesänge aus ihrer Feder sind überliefert. Die höchste Achtung der Zeitgenossen erfuhr Hildegard, die als Heilige verehrt wird, ohne jemals offiziell heilig gesprochen worden zu sein, als Mystikerin. In lateinischen Schriften der Zeit erscheint sie als prophetissa teutonica , deutsche Prophetin, in deutschsprachigen als Hiltgart Sibylla – eine Reminiszenz an die antiken Sybillen, die im Zustand der Ekstase weissagten. Unter dem Druck ihrer Visionen begann Hildegard zu schreiben, darin bestärkt von Bernhard von Clairvaux (1090–1153). Er war es auch, der die päpstliche Erlaubnis zur Veröffentlichung ihrer Schriften bekam. Wie sah sich die Mystikerin selbst? In ihrer bildhaften Sprache bezeichnete sich Hildegard selbst als »Posaune Gottes«. Deutlich fühlte sie den göttlichen Auftrag in sich, die Menschen ihrer Zeit aufzurütteln und zur Umkehr zu bewegen. Dieses Gefühl verlieh ihr das Selbstbewusstein, in aller Öffentlichkeit und mit klaren Worten Kritik zu üben, etwa an der Verweltlichung des Klerus: »Ihr seid eine Nacht, die Finsternis ausatmet, und wie ein Volk, das nicht arbeitet. Ihr liegt am Boden und seid kein Halt für die Kirche, sondern ihr flieht in die Höhle eurer Lust.« Bewegt vom festen Glauben an die göttliche Gnade, kämpfte sie in ihren Predigten für ein konsequent gelebtes Christentum. Wenn sie von sich selbst als »Feder im Windhauch Gottes« sprach, dann nicht im Sinne eines ziellos hin- und hergeworfenen Objekts, sondern eines Menschen, der sich sicher getragen von Gottes Händen weiß. Welche Werke hinterließ die Äbtissin? Als ihr Hauptwerk gilt das in der hohen Sprache mystischer Prophetie verfasste »Liber Scivias Domini« (Wisse die Wege des Herrn), ein Werk, in dem sie historische und moraltheologische Themen bearbeitete und ihre mystischen Erfahrungen darlegte. Unter dem Schlagwort »Hildegard-Medizin« werden in der Gegenwart die naturkundlichen und medizinischen Werke der vielseitigen Schriftstellerin wieder aufgelegt. Obwohl sie Hunderte von Heilpflanzen katalogisierte, war Hildegard aber keine Wissenschaftlerin im modernen Sinn. Vielmehr sind ihre Abhandlungen, etwa die nach 1150 entstandenen »Ursachen und Heilungen«, von der Überzeugung getragen, dass Gesundheit oder Heilung vom Glauben an Gott und von einem maßvollen Leben abhängig sind. Hildegard starb 81-jährig am 17. September 1179 und wurde in der Pfarrkirche von Eibingen bestattet. Bewegt vom festen Glauben an die göttliche Gnade, kämpfte sie in ihren Predigten für ein konsequent gelebtes Christentum. Wenn sie von sich selbst als »Feder im Windhauch Gottes« sprach, dann nicht im Sinne eines ziellos hin- und hergeworfenen Objekts, sondern eines Menschen, der sich sicher getragen von Gottes Händen weiß. Weltreligionen, S. 228f. Warum war Hildegard eine Pionierin? Hildegard war eine Pionierin des ganzheitlichen Denkens: Tiere, Pflanzen und die unbelebte Natur entspringen der Schöpfung Gottes und sind Teil des großen Heilsplans. Der Mensch als höchste Schöpfung Gottes trägt den gesamten Kosmos in sich: »Gott hat den Menschen mit allen Weltstoffen durchströmt und ihn mit dem Geist der Vernunft begabt, auf dass die Welt dem Menschen zur Verfügung stehe und er mit ihr schöpferisch wirken kann.« Seiner Bestimmung gemäß soll der Mensch die Schöpfung erhalten und pflegen, wobei Hildegard Selbstverantwortung betont: »Oh, Mensch, du hast das Wissen um das Gute und Rechte in dir selbst. Deshalb kannst du dich durch nichts entschuldigen.« Wussten Sie, dass … Hildegard eine große Briefschreiberin war, die auch mit den Päpsten Eugen III. und Alexander III. sowie dem Kaiser Friedrich Barbarossa korrespondierte? Über 300 ihrer Briefe sind erhalten geblieben. die Benediktinerinnenabtei Sankt Hildegard bei Rüdesheim das geistige Andenken an die große Ordensfrau bewahrt? Die Abtei wurde 1904 oberhalb ihres einstigen Klosters Rupertsberg errichtet. Marco Polo: Handelsreisender, Fabulierer und Schriftsteller In welchem Alter wurde Marco Polo Weltenbummler? Der 1254 in Venedig geborene Marco Polo war 16 Jahre alt, als er sich mit Vater und Onkel auf Weltreise begab. Man schrieb das Jahr 1271, und da war Reisen mit unzähligen Widrigkeiten verbunden, vorhersehbar und abschätzbar war so gut wie gar nichts. Die Welt stellte sich zur damaligen Zeit noch ganz anders dar als heute. Konstantinopel zum Beispiel, das heutige Istanbul, bildete das Herz des Lateinischen Kaiserreichs, und auch die Mongolen sonnten sich noch in ihrem Riesenreich. Gab es schon früher Chinareisende? Marcos Vater Niccolò und sein Onkel Matteo hatten als Kaufleute bereits eine ausgedehnte Reise in unbekanntes Terrain unternommen. Sie waren bis nach Kambaluk, dem heutigen Peking, gekommen, wo sie dem damaligen Großkhan der Mongolen, Kublai Khan, vorgestellt wurden, zu dessen Reich damals Zentralasien, China und Regionen Osteuropas gehörten. Die beiden Kaufleute wurden wie Fürsten empfangen, der Khan zeigte sich hocherfreut über diesen Besuch, der eine Verbindung zu einem ihm unbekannten Teil Europas darstellte. Mit einer Art Passierschein, der gleichzeitig Unterkunft und Transport sicherte, machten sich die beiden Venezianer auf den Heimweg. Im Gepäck die Bitte Kublai Khans um heiliges Öl und christliche Gelehrte. Zwei Jahre nachdem die Kaufleute nach Venedig zurückgekehrt waren, machten sie sich, gemeinsam mit dem Jüngling Marco, erneut auf. Sie erreichten zunächst Akko im heutigen Israel. Der neue Papst Tedaldo gab den drei Venezianern seinen Segen und statt zahlreicher christlicher Gelehrter zwei Klosterbrüder mit auf den Weg. Diese allerdings überlebten die beschwerliche Reise nicht. Doch mit leeren Händen mussten die Venezianer nicht vor den großen Mongolenfürsten treten: Zumindest heiliges Öl hatten sie dabei. Wie lang waren die Reisenden unterwegs? Die Hinreise dauerte rund vier Jahre. Sie sahen Landschaften und trafen Menschen, sie hatten Begegnungen und Abenteuer, wie sie nie zuvor ein Europäer erleben konnte. Am Hof des Khans, im Sommerpalast Shangdu, wurden sie überglücklich empfangen und mit »Frohsinn, Zeitvertreib und Lustbarkeit« beherbergt, wie Marco Polo später schreiben wird. Bald trat der junge Venezianer in den diplomatischen Dienst des Großkhans und unternahm in seinem Auftrag lange Reisen durch das ganze Reich. Im Süden zum Beispiel kam er bis nach Hangtschou, für ihn die »schönste und prächtigste Stadt der Welt«. Sein Vater und sein Onkel wurden Militärberater. Bis 1292 blieben sie in Ostasien, doch dann packte sie die Sehnsucht nach ihrer europäischen Heimat und sie kehrten nach Hause zurück. Wo schrieb der Abenteurer seinen Reisebericht? In Kriegsgefangenschaft. Er führte während der Seeschlacht von Curzola gegen Genua eine venezianische Galeere an und geriet 1298 in genuesische Gefangenschaft. Im Gefängnis diktierte er seine Lebensreise einem Schriftsteller aus Pisa. Mit »Il Milione» hat er den Europäern Asien näher gebracht und neue geografische Maßstäbe gesetzt. Er lässt den Glanz des Fernen Ostens an den Augen europäischer Leser vorbeiziehen. Marco Polos Erinnerungen sind bunt und vielfältig, er beschreibt spektakuläre Landschaften und die für seine Zeitgenossen höchst wunderliche Lebensweise fremder Menschen und Völker. Mit seinem Bericht wurde Marco Polo bereits zu Lebzeiten berühmt, allerdings schenkten ihm viele Zeitgenossen keinen Glauben, wie auch manch moderner Forscher den Wahrheitsgehalt des Buches in Frage stellt. So wird zum Beispiel nirgends die Chinesische Mauer erwähnt, an der Marco Polo seinen Beschreibungen zufolge vorbeigekommen sein muss. Gestorben ist der umstrittene Weltreisende und Reiseschriftsteller schließlich im Jahre 1324 in seiner Heimatstadt Venedig. Auf welcher Route reist Marco Polo im Jahr 1271? Die Reise beginnt in seiner Heimatstadt Venedig. Erstes Ziel ist Akko im heutigen Israel, weiter geht es auf dem Landweg gen Osten über Täbris (Iran) zur Straße von Hormus am Golf von Oman. Ihr Weg führt sie nördlich durch das Land von Tausendundeiner Nacht. Auf ihrer Strecke liegt Balkh (heute: Nordafghanistan), das 1220 von den Mongolen eingenommen und geplündert worden war. Die Karawane zieht weiter nordöstlich bis Kashgar (heute: Kashi in der chinesischen Republik Sinkiang). Die Weiterreise wird mühevoll, sie überqueren das Pamirgebirge und durchqueren die Wüste Gobi. 1275 erreichen sie Shangdu und damit den Hof des Khans. Wussten Sie, dass … sich die Reisenden in der Wüste Gobi eng zusammenscharten, um den lockenden Geisterstimmen der Wüste widerstehen zu können und damit dem sicheren Tod zu entkommen? Polos berühmter Reisebericht »Il Milione« in viele Sprachen übersetzt und zu einem der ersten Bestseller der Reiseliteratur wurde? das Buch sogar den großen Entdecker Christoph Kolumbus zu seinem Aufbruch in die Ferne angeregt hat? Johannes Gutenberg: Meister des Buchdrucks Was war das Revolutionäre an Gutenbergs Erfindung? Mit der Erfindung der beweglichen Druckletter wurde sozusagen das Zeitalter der Massenkommunikation eingeleitet. Durch die nun mögliche weite Verbreitung des gedruckten Worts gelangten Wissen und Kenntnisse zu vielen Menschen – eine neue Ära begann. Warum kam die neue Drucktechnik gerade zur rechten Zeit? Die neue Technik des Druckens auf Papier mit beweglichen Lettern traf mit der zunehmenden Verbreitung des Gedankenguts des Humanismus zusammen, der von Italien ausging. Ab etwa 1400 wurden einige neue Schriftarten erfunden, die humanistische Drucktype Antiqua verdrängte die gotischen Buchstaben. Es war das Ziel vieler Drucker jener Zeit, mit den handgeschriebenen, reich verzierten Werken der Klosterschreiber konkurrieren zu können. Aber erst durch Johannes Gutenbergs Erfindung konnte dieser Wunsch in die Tat umgesetzt werden. Sein genialer Kunstgriff bestand in der Zusammenführung damaliger technischer Möglichkeiten zu einer vollkommen neuen Technologie, die die Verbreitung von Druckwerken aller Art, vor allem in deutscher Sprache, wesentlich beschleunigen sollte. Worin bestand die große Innovation? Vor Gutenbergs beweglichen Lettern wurden Druckplatten aus Holz hergestellt, die nur einmal verwendet werden konnten. Die neuen Lettern dagegen waren flexibel und ließen sich wiederverwenden. Im Einzelnen funktionierte es so: Zur Herstellung der Typen wurde in die Spitze eines Stahlstabs, erhaben und seitenverkehrt, ein Buchstabe graviert. Diese Spitze wurde in weicheres Kupfer getrieben, so dass ein vertiefter Abdruck des Buchstabens in der Matrize entstand. Diese immer wieder verwendbare Kupfer-Matrize musste im Gießinstrument justiert werden, dann konnte das Gussmaterial eingefüllt werden. Auf diese Weise erhielt man bewegliche Bleilettern, die zu immer wieder neuen Texten verknüpft werden konnten. Die einzelnen Zeilen wurden in einem Setzschiff zu einer Spalte oder einer ganzen Seite zusammengefügt. Der justierte Satzspiegel wurde dann mit einem Lederballen eingefärbt und in die Presse gelegt. Um eine bessere Druckqualität zu erzielen, musste das Papier angefeuchtet und ebenfalls fixiert werden. Die Schwarzdrucke aus der Presse verzierte man von Hand mit Initialen und farbigen Illustrationen. Welche Werke druckte der Mainzer? In Gutenbergs Werkstatt entstanden Drucke von Ablassbriefen, Kalender, aber auch eine lateinische Schulgrammatik. Das berühmteste Produkt und unbestrittene Meisterwerk der Druckkunst ist die berühmte lateinische Bibel von 1452. Sie gilt gleichermaßen als künstlerisches Meisterwerk und technischer Meilenstein. Die Bände umfassen 1282 Seiten mit je 42 Zeilen. Von etwa 180 gedruckten Exemplaren der Gutenbergbibel sind heute noch 49 erhalten. Worin bestand das große Verdienst Gutenbergs? Wie viele bahnbrechende Erfindungen ist auch Gutenbergs Errungenschaft das Resultat lange währender Entwicklungen. In China hatte man schon Jahrhunderte vor Gutenberg mit beweglichen Drucklettern gearbeitet. Seine ureigene Erfindung ist jedoch das bewegliche Handgießinstrument, mit dem sich die Lettern schnell und sauber gießen lassen. Das große Verdienst des Mainzer Erfinders liegt in der intelligenten Zusammenführung diverser existierender Ideen zu einem funktionierenden System. Wie machte Gutenberg seine Erfindung zu Geld? Eine Neigung zum Geschäftlichen hatte der etwa um 1400 in Mainz als Sohn eines Patriziers geborene Johannes Gutenberg (eigentlich Gensfleisch) bestimmt. Nach seinem Studium an der Universität Erfurt absolvierte er eine Ausbildung zum Goldschmied. 1434 ließ sich Gutenberg in Straßburg nieder, wo er im Edelstein- und Goldschmiedehandwerk tätig war. Für sein Druckunternehmen in Mainz musste er Kredite aufnehmen, die sein Geschäftspartner Johannes Fust 1455 zurückforderte. Als Gutenberg nicht zahlen konnte, musste er sich aus seinem Unternehmen zurückziehen, das dann von Fust und Gutenbergs Gesellen Peter Schöffer weitergeführt wurde. Mit einer kleineren Presse druckte der unermüdliche Gutenberg jedoch in Mainz weiter. 1465 wurde er vom Mainzer Erzbischof und Kurfürsten zum Hofmann ernannt, womit Privilegien und Einnahmen einhergingen, so dass er seine letzten Lebensjahre in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen verbringen konnte. Wussten Sie, dass … Gutenberg für seine Drucke eine selbst entwickelte Blei-Zinn-Legierung verwendete? das erste jenseits der Alpen gedruckte Werk von den beiden deutschen Druckern Konrad Sweynheym und Arnold Pannartz im italienischen Subiaco hergestellt wurde? von über 40 Druckereien, die es vor 1500 in Rom gab, 25 von Deutschen betrieben wurden? Christoph Kolumbus: Ein folgenschwerer Irrtum Was weiß man über das Leben von Kolumbus? Nur wenig. Der Entdecker soll 1451 in Genua als Sohn eines Webers geboren sein. Das Kolumbus-Archiv im Kartäuserkloster Las Cuevas bei Sevilla ist verloren gegangen. Sein Sohn Ferdinand verfasste eine Lebensbeschreibung, ebenso der spanische Geistliche Las Casas, der auf Seiten der Indios stand und gegen ihre Versklavung eintrat. Diesen Quellen zufolge könnte Kolumbus mit 14 Jahren als Frachtbegleiter in Diensten einer Genueser Kaufmannsfamilie nach Chios gesegelt sein. 1476 soll er als Schiffbrüchiger im portugiesischen Lagos gelandet sein. Von Lissabon aus zog er nach Flandern, England und Irland, wo er viele Geschichten über die Geheimnisse des Atlantiks hörte. Was weckte Kolumbus' Interesse am Reisen? In Lissabon führte Kolumbus' älterer Bruder Bartholomäus einen Laden mit Karten, die er selbst zeichnete. Dort beschäftigte sich Kolumbus mit der Darstellung der Welt und vertiefte sich in Bücher wie Marco Polos Reiseberichte, Pierre d'Aillys »Bild der Welt«, Plinius' Naturgeschichte, Abraham Zacutos Almanach, Ptolemäus' Kosmographie und die Bibel. Neue Nahrung für seine Pläne, Indien auf dem Westweg über den Atlantik zu erreichen, erhielt Kolumbus durch alte Karten, Geschichten von Seeleuten, eigene Beobachtungen auf den Atlantik-Inseln und auf einer Fahrt mit einem portugiesischen Schiff zur Guineaküste. Kolumbus verlängerte bei seiner Berechnung versehentlich die Erdmasse Asiens, sodass der westliche Seeweg nach Asien kürzer aussah. Als Kolumbus seine Pläne dem portugiesischen König vorstellte, wurde diese falsche Berechnung von Experten abgelehnt. Was tat der Entdecker nach dem Misserfolg? Er flüchtete 1484 nach Spanien. Mithilfe des Beichtvaters von Königin Isabella kam er an den königlichen Hof, wo seine Fehlberechnungen abermals abgelehnt wurden. Im Januar 1492 erhielt er die Chance, Isabella verbesserte Pläne vorzulegen. Inzwischen benötigte die spanische Krone wegen der Kriegslasten im Kampf gegen das islamische Granada, mit dem die Rückeroberung des islamischen Spanien durch die Christen ihren Abschluss finden sollte, dringend Geld. Luis de Santángel, Schatzmeister des Hauses Aragón, sah nun in dem Unternehmen des Kolumbus eine Chance, neue Einnahmequellen zu erschließen. Doch Kolumbus stellte sehr hohe Forderungen: Er wollte den Adelstitel sowie die Titel eines Admirals, Vizekönigs und Generalstatthalters aller neu zu entdeckenden Länder und zehn Prozent Anteil an den Handelserlösen. Als Kolumbus sich aufmachte, Spanien enttäuscht zu verlassen, wurde er zurückgeholt, nachdem Ratgeber die Königin überzeugt hatten. Wie verlief die erste Reise des Seefahrers? Am 3. August 1492 stachen die drei Schiffe Santa María, Pinta und Niña mit 90 Männern an Bord von Palos in See. Durch Zufall wählte Kolumbus den richtigen Weg über die Kanaren. Erst am 12. Oktober fand eine Begegnung zwischen den Einwohnern Amerikas und den Europäern statt. Es waren Tainos der Insel Guanahani (wohl das zu den Bahamas gehörige Watling Island), die Kolumbus San Salvador nannte. Dann landeten sie auf Kuba, das er für Japan hielt. Anschließend trafen sie auf Haiti ein, das sie Hispaniola nannten. Zurück in Spanien, erlebte Kolumbus im März 1493 triumphale Empfänge in Sevilla und Barcelona. Welche weiteren Reisen unternahm der Italiener? Bei der zweiten Fahrt ließ er Forts bauen, um die spanische Herrschaft zu sichern, und zwang die Indios, Gold heranzuschaffen. Bei seiner dritten Reise stieß er auf die Nordspitze des südamerikanischen Kontinents, wurde dann aber mit seinen Brüdern unter der Anschuldigung der Misswirtschaft in Ketten nach Spanien geschafft. Nach der Begnadigung suchte er auf seiner vierten Reise ohne Erfolg den Seeweg zum Pazifik, erkundete dafür aber die mittelamerikanische Küste. Nachdem er auf der Rückreise Schiffbruch erlitten hatte, erreichte er 1504 Spanien, wo er am 20. Mai 1506 als reicher Mann starb. War Kolumbus wirklich der erste Europäer in Amerika? Nein, schon fünf Jahrhunderte zuvor waren die in der Seefahrt vers