Europa – im Zeichen der politischen Integration

Europa – im Zeichen der politischen Integration Mit rd. 10,5 Mio. km² ist Europa der zweitkleinste Erdteil nach Australien. Er hängt Asien als Halbinsel an (Eurasien), wird aber aufgrund seiner besonderen kulturgeschichtlichen Rolle als eigenständiger Kontinent gesehen. Als seine Ostgrenze gelten das Uralgebirge, der Uralfluss und die Manytsch-Niederung. Von Süden, Westen und Norden greifen Mittelmeer, Atlantik, Nord- und Ostsee tief ins Land und machen Europa zu dem am stärksten gegliederten Erdteil. Mehr als ein Drittel der Gesamtfläche entfällt auf Inseln und Halbinseln. Mit rd. 730 Mio. Einwohnern beherbergt Europa ca. 11 % der Weltbevölkerung. Europa ist politisch stark zersplittert: Es gliedert sich in 45 Staaten mit 120 verschiedenen Sprachen. Westwinde und der Einfluss des warmen Golfstroms verleihen Europa ein günstiges Klima mit gemäßigten Temperaturen und ausreichenden Niederschlägen. Nach Osten wird das Klima kontinentaler mit zunehmenden Temperaturgegensätzen zwischen Sommer und Winter. Südlich der Alpen hat Europa Anteil am Mittelmeerklima. Europa ist von Natur aus größtenteils mit Wäldern bedeckt. Bis heute sind rd. 49 % der Gesamtfläche in Kulturland umgewandelt worden. Die verbliebenen Wälder (rd. 28 % der Fläche) sind aus forstwirtschaftlichen Gründen artenärmer geworden. Kennzeichnend für die europäische Wirtschaft sind die internationalen Verflechtungen mit allen Teilen der Erde. Ein wichtiger Faktor sind die wirtschaftlichen und politischen Bündnisse, v. a. die Europäische Union. – Europa verfügt über vielseitige Bodenschätze. Wichtige Produkte der Landwirtschaft sind Getreide, Kartoffeln und Futterpflanzen sowie die Erzeugnisse der Rinder-, Schweine- und Schafzucht. Europa ist nach Nordamerika die zweitgrößte Industriemacht der Erde. Es dominiert die Verarbeitungs- und Konsumgüterindustrie, besondere Wachstumsindustrien sind die Kunststoffherstellung und die Elektronik. Durch Rationalisierung und die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer verschiebt sich die Erwerbstätigkeit aus der Industrie hin zu einer Summe von Dienstleistungsaktivitäten. Eine entscheidende Wende in der neueren europäischen Geschichte wurde durch die Reformpolitik, die Michail Gorbatschow seit 1985 in der UdSSR betrieb, eingeleitet. Sie führte zur Demokratisierung in Osteuropa. Die EG-Mitglieder trieben durch den Vertrag über die Europäische Union die politische Integration weiter voran. Die von der EU 2004 vorgenommene Osterweiterung soll die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Strukturen in Europa langfristig stabilisieren. Deutschland: Im Herzen Europas Deutschland Amtlicher Name: Bundesrepublik Deutschland Fläche: 357 027 km² Einwohner: 82,7 Mio. Hauptstadt: Berlin Amtsprache(n): Deutsch Währung: 1 Euro = 100 Cent Landesnatur Wie viel Wald wächst im Land der Romantik? Deutschland ist eines der waldreichsten Länder der EU. Knapp ein Drittel der Gesamtfläche, rd. 11,1 Mio. ha, ist mit Wald bedeckt. Zudem nimmt die Waldfläche kontinuierlich zu, allein zwischen 1992 und 2004 pro Jahr durchschnittlich um 160 km². Dunkle Wälder waren v. a. in der romantischen Dichtung des 19. Jh. beliebte Schauplätze – man denke nur an die Märchen der Brüder Grimm. Im Süden wird Deutschland von den Alpen begrenzt, im Norden von der Nord- und Ostsee. Der Alpenanteil beschränkt sich auf die Allgäuer, Bayerischen und Salzburger Alpen mit dem höchsten Berg Deutschlands, der 2962 m hohen Zugspitze. Zwischen Alpen und Donau liegt das hügelige Alpenvorland. Das Norddeutsche Tiefland wurde von der Eiszeit geformt. Während die Ostseeküste meist sandig ist, hat die Nordseeküste fruchtbares Marschland. Bevölkerung Sterben die Deutschen bald aus? Da seit Mitte der 1970er Jahre die Zahl der Geburten deutlich niedriger ist als die Zahl der Sterbefälle, kommt es in jedem Fall zu einem langfristigen Bevölkerungsrückgang. Experten rechnen damit, dass im Jahr 2050 nurmehr rd. 75 Mio. Menschen in Deutschland leben werden. Selbst durch eine gesteigerte Zuwanderung kann dieser Trend nicht mehr aufgehalten werden. Die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer beträgt 7,3 Mio., v. a. Türken, Italiener, Serben, Griechen und Polen. Ethnische Minderheiten bilden die rd. 60 000 Sorben (Wenden), die rd. 50 000 Dänen, die über 50 000 Sinti und Roma sowie die 12 000 Friesen. Wo leben die meisten Menschen? Abgesehen von den Stadtstaaten Berlin (rd. 3800 Einwohner pro km²), Hamburg (rd. 2300 Einwohner pro km²) und Bremen (rd. 1600 Einwohner pro km²) ist Nordrhein-Westfalen mit über 500 Einwohnern pro km² am dichtesten besiedelt. Seit der Wiedervereinigung kommt es im Osten zu einer verstärkten Landflucht. Zumeist junge, gut ausgebildete Menschen ziehen aus den Dörfern Mecklenburg-Vorpommerns (das Bundesland hat mit 74 Einwohnern pro km² die geringste Einwohnerdichte), Brandenburgs (87 Einwohner pro km²) und Sachsen-Anhalts (122 Einwohner pro km²) in die Städte, vorzugsweise in den Westen. Wirtschaft Woran mangelt es den Deutschen? Deutschland ist ein ausgesprochen rohstoffarmes Land. Bei der Versorgung mit Rohstoffen und Energie ist es weitgehend auf Einfuhren angewiesen. Die Auslandsabhängigkeit ist besonders bei Bauxit, Mangan, Titan, Rohphosphat und Wolfram hoch. Der größte Teil des benötigten Erdöls und Erdgases muss ebenfalls aus dem Ausland importiert werden. In geringen Mengen verfügt Deutschland über Eisen-, Kupfer- und Zinnerz, dessen Abbau mittlerweile aber aus Rentabilitätsgründen eingestellt wurde. Nur die Braunkohlen-, Steinkohlen- und Salzlagerstätten sind noch für viele Jahre abbauwürdig. Was sind deutsche Exportschlager? Autos. Nach Japan und den USA ist der Export-Weltmeister Deutschland der drittgrößte Autoproduzent der Welt. Exportschlager sind ferner Maschinen, Anlagen und Chemieprodukte. Ebenfalls von Bedeutung sind die Nahrungsmittelindustrie und die Umwelttechnik. Die Elektrotechnik gehört zu den Industriebereichen mit einem überdurchschnittlichen Wachstum. Ihre Produktionsstätten werden aber zunehmend ins Ausland verlagert. Bis Ende der 1950er Jahre dominierte die Eisen schaffende Industrie in Verbindung mit dem Steinkohlenbergbau. Durch das Vordringen von Erdöl und Erdgas ging die Steinkohlenförderung zurück. Verkehr Wie viele Autos rollen durch Deutschland? Im Jahr 2005 betrug die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge 54,5 Mio., davon sind 45,4 Mio. Personenkraftwagen. Auf deutschen Straßen sind jedoch viel mehr Kraftfahrzeuge unterwegs, da Deutschland ein wichtiges Transitland ist. Über vier Fünftel des Personenverkehrs werden mit dem eigenen Auto bewältigt, nur knapp ein Fünftel mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Eisenbahn ist nach wie vor von großer Bedeutung. Für den Personenverkehr wird das Schnellstreckennetz zunehmend ausgebaut. Wo liegt Europas größter Binnenhafen? Mit einer Gesamtfläche von 10 km² ist der Umschlagplatz im Duisburger Stadtteil Ruhrort nicht nur der größte Binnenhafen in Deutschland, sondern in ganz Europa. Die deutsche Binnenschifffahrt stützt sich auf die Stromsysteme von Rhein (mit Neckar, Main und Mosel), Weser, Elbe, Oder, Havel, Saale und auf ein weit verzweigtes Kanalnetz (Rhein-Herne-Kanal, Dortmund-Ems-Kanal, Mittellandkanal, Elbe-Seitenkanal, Oder-Spree-Kanal, Elbe-Havel-Kanal u. a.). Auf Grund seiner geographischen Lage mit Zugang zur Nord- und Ostsee sowie seiner Wirtschaftskraft hat Deutschland eine starke Stellung in der Seeschifffahrt. Die wichtigsten Seehäfen sind Hamburg, Bremen mit Bremerhaven, Wilhelmshaven, Emden, Brunsbüttel, Lübeck, Rostock und Puttgarden. Geschichte Woher stammt der Name »Deutschland«? Der Landesname ist durch eine Bedeutungserweiterung des Wortes »deutsch« entstanden. Dieses, seit dem 8. Jh. belegt, bezeichnete ursprünglich die in einem Teil des Frankenreichs gesprochene germanische Sprache. Im 11. Jh. wurde es auf deren Sprecher (»deutsche Leute«) und ihre Wohngebiete (»deutsche Lande«) übertragen. Das Wort Deutschland ist seit dem 15. Jh. geläufig. Übrigens: Das Frankenreich brach nach dem Tod Karls des Großen (814) auseinander. Es entstanden ein west- und ein ostfränkisches Reich, die Vorläufer Frankreichs und Deutschlands. Die deutsche Westgrenze, die der Sprachgrenze zwischen Deutsch und Französisch entsprach, war damit fixiert. Wer trug die erste deutsche Krone? 911 wählte der hohe Adel Konrad I. zum ersten deutschen König. Mit dieser Wahl vollzog sich der Übergang vom ostfränkischen zum Deutschen Reich. Der Reichsname lautete seit dem 11. Jh. »Römisches Reich«, seit dem 13. Jh. »Heiliges Römisches Reich«, seit dem 15. Jh. mit dem Zusatz »Deutscher Nation«. Dem Königtum standen weitgehend selbstständige Stammesherzogtümer gegenüber (Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben). Gegen sie konnten sich erst die Ottonen Heinrich I. und Otto I. durchsetzen. Otto ließ sich 962 in Rom zum Kaiser krönen. Er begründete damit die Anwartschaft des deutschen Königs auf die Kaiserwürde und eine 300-jährige deutsche Herrschaft in Ober- und Mittelitalien. Der Idee nach war das Kaisertum universal, verlieh die Herrschaft über das ganze Abendland und hatte Vorrang vor dem Papsttum. Dieser Vorrang ging im Investiturstreit unter dem Salier Heinrich IV. verloren. Eine neue Blüte erlebte das Kaisertum unter den Staufern Friedrich I., Heinrich VI. und Friedrich II. Zugleich begann eine territoriale Zersplitterung, die die Zentralgewalt schwächte. Es folgte die Zeit des Gegen- und Doppelkönigtums (Interregnum, 1256–1273). Seit Rudolf I., dem ersten Habsburger auf dem Thron, wurde Hausmachtpolitik das Hauptinteresse jedes Königs. Welcher Friedensschluss besiegelte die konfessionelle Spaltung? Der Westfälische Friede, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendete, brachte die völlige Gleichstellung der katholischen und der protestantischen Konfession. Aus Unzufriedenheit mit der katholischen Kirche leitete Martin Luther (1483–1546) im Jahr 1517 die Reformation ein, die sich rasch ausbreitete. Hauptnutznießer der Reformation waren die Landesfürsten. Sie erhielten im Augsburger Religionsfrieden 1555 das Recht, die Religion ihrer Untertanen zu bestimmen. Deutschland war damals zu 80 % protestantisch, doch konnte die katholische Kirche in der Folgezeit viele Gebiete zurückgewinnen. Bald verschärften sich die konfessionellen Gegensätze. Ein lokaler Konflikt in Böhmen löste schließlich 1618 den Dreißigjährigen Krieg aus, der sich von einem deutschen Religionskrieg zu einem europäischen Machtkampf entwickelte. Welches war das »Jahr der Deutschen«? Der Herbst 1989 zählt wohl zu den glücklichsten Tagen der neueren deutschen Geschichte. Als Höhepunkt einer friedlichen Revolution in der DDR fiel in der Nacht vom 9. zum 10. November die 1961 errichtete Berliner Mauer. Dies war der Startschuss zur Wiedervereinigung des geteilten Deutschlands. Die Teilung Deutschlands war eine Folge des Zweiten Weltkriegs, nach dessen Ende die vier Siegermächte (USA, UdSSR, Großbritannien, Frankreich) die Regierungsgewalt in Deutschland übernahmen. Die zunehmenden Gegensätze zwischen den Westmächten und der UdSSR führten schließlich 1949 zur Teilung des Landes. Im Westen entstand die Bundesrepublik Deutschland, im Osten die Deutsche Demokratische Republik. Versorgungsmängel und der Widerstand der SED-Führung gegen die Reformpolitik des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow ließen in den späten 1980er Jahren die Missstimmung in der DDR wachsen. In vielen Großstädten kam es zu Demonstrationen für Demokratie, Meinungs- und Reisefreiheit, die schließlich zur Öffnung der innerdeutschen Grenze führten. Am 18. 5. 1990 schlossen die beiden deutschen Staaten einen Vertrag über die Bildung einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion, die am 1. 7. 1990 mit der Einführung der D-Mark als alleiniges Zahlungsmittel wirksam wurde. Am 3. 10. 1990 wurde die Wiedervereinigung in Berlin feierlich vollzogen. Musik Welcher deutsche Komponist prägte die Wiener Klassik? Der 1770 in Bonn geborene Ludwig van Beethoven war neben Joseph Haydn (1732 bis 1809) und Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) der größte Komponist der Wiener Klassik. Sein großes Verdienst besteht darin, die Ausdrucksmöglichkeiten der Musik in vor ihm ungeahnter Weise gesteigert zu haben. So revolutionierte er die Klaviertechnik, erweiterte die Größe des Orchesters, dehnte die Länge der Sinfonien aus und gab den Kompositionen thematische Schwerpunkte. Sein Stil war geprägt von starkem persönlichem Gestaltungswillen, bei dem die subjektive Empfindung im Zentrum des musikalischen Ausdrucks stand. Ein Gehörleiden führte bis 1819 zur völligen Ertaubung. 1827 starb Beethoven in Wien. Neben dem berühmten Bonner setzten auch andere deutsche Komponisten Maßstäbe in der Musikgeschichte: Im Barock dominierten Johann Sebastian Bach (1685–1750) und Georg Friedrich Händel (1685–1759). Auf dem Gebiet der Oper entstand mit Carl Maria von Webers (1786–1826) »Freischütz« die Gattung der Romantischen Oper und Richard Wagner (1813–1883) schuf das als Gesamtkunstwerk angelegte Musikdrama. Ähnlich bedeutsam war der deutsche Beitrag in den Gattungen Kammermusik und Lied mit Werken von Robert Schumann (1810–1856), Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809–1847) u. a. Wer gilt als größter deutscher Dichter? Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) ist die herausragende Gestalt der deutschen Literaturgeschichte. Gemeinsam mit Friedrich Schiller (1759–1805) verschaffte er der deutschen Literatur Weltgeltung. Im geistigen Klima des Sturm und Drang entstanden Goethes »Urfaust«, »Götz« und »Werther«. Die daran anschließende Epoche der Klassik überwand die Naturschwärmerei und strebte eine antikisierende Kunstauffassung an. Harmonie, Bändigung der Formen und das Humanitätsideal zeigten sich bei Goethe im Gedicht, im Drama (»Tasso«, »Iphigenie«) und im Bildungsroman (»Wilhelm Meister«). Ähnlich verlief der Weg Schillers, der sich nach revolutionären Anfängen (»Die Räuber«, »Kabale und Liebe«) zum Dichter umfassender Gedankenlyrik und weltgeschichtlicher Dramen (»Don Carlos«, »Wallenstein«, »Wilhelm Tell«) entwickelte. Weitere einflussreiche deutsche Dichter waren u. a. Gotthold Ephraim Lessing (1729 bis 1781), der in seinen Stücken (»Emilia Galotti«, »Minna von Barnhelm«, »Nathan der Weise«) das aufklärerische Gedankengut beispielhaft umsetzte und zum Begründer des bürgerlichen Trauerspiels wurde, Theodor Fontane (1819–1898), einer der bedeutendsten Erzähler und Romanciers des Realismus, sowie Thomas Mann (1875–1955) und Hermann Hesse (1877–1962), deren Romane die Krisen der damaligen Zeit und den Menschen in seiner Suche nach dem Sein spiegelten. Bertolt Brecht (1898–1956) revolutionierte durch sein »episches Theater« die Bühne. Wussten Sie, dass … die Bundesrepublik Deutschland zwischen 1945 und 1949 etwa 12 Mio. Vertriebene und Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten aufnahm? seit einigen Jahren der Wolf in Deutschland wieder heimisch geworden ist? der Bodensee mit 254 m der tiefste natürliche See Deutschlands ist? Was geschah … 1740? Friedrich II., der Große (1712–1786), besteigt den preußischen Thron. Unter seiner Herrschaft wird Preußen nach Österreich die zweite deutsche Großmacht. 1848? In der Frankfurter Paulskirche konstituiert sich die erste gewählte deutsche Nationalversammlung. 1871? Das Deutsche Reich wird gegründet. Als Kanzler bestimmt Otto von Bismarck (1815 bis 1898) bis 1890 die Politik des Kaiserreichs. 1918? Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wird die Deutsche Republik ausgerufen. 1933? Adolf Hitler (1889 bis 1945) wird zum Reichskanzler ernannt. 1939? Mit dem von Hitler initiierten Angriff gegen Polen beginnt der Zweite Weltkrieg. 1949? Der Parlamentarische Rat verabschiedet in Bonn das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Wussten Sie, dass … jährlich über 20 Mio. ausländische Touristen – v. a. aus den Niederlanden, USA und Großbritannien – Deutschland besuchen? Schwerpunkt bildet der Städtetourismus, der neben Berlin und München historische Zentren wie Heidelberg und Weimar ansteuert. Deutschland über das dichteste und nach den USA längste Autobahnnetz der Welt verfügt (über 12 200 km)? es in Deutschland 15 Nationalparks gibt? Die ältesten sind der Nationalpark Bayerischer Wald (1970) und der Nationalpark Berchtesgaden (1978), die flächenmäßig größten Schutzgebiete bilden die Nationalparks Schleswig-Holsteinisches und Niedersächsisches Wattenmeer (441 000 ha und 240 000 ha). das reinste Hochdeutsch in Hannover gesprochen wird? Helmut Kohl am längsten das Amt des Bundeskanzlers ausgeübt hat? Ab 1982 stand der CDU-Politiker 16 Jahre lang an der Spitze der Regierung. die Künstlergruppen »Brücke« in Dresden und »Blauer Reiter« in München Deutschland eine führende Stellung im Expressionismus brachten? Rügen mit 926 km² die größte deutsche Insel ist? die Quelle des Rheins in den Schweizer Alpen liegt? Österreich: Urlaubsland mit Charme und Schmäh Österreich Amtlicher Name: Republik Österreich Fläche: 83 859 km² Einwohner: 8,2 Mio. Hauptstadt: Wien Amtsprache(n): Deutsch Währung: 1 Euro = 100 Cent Landesnatur Wo ist die »Alpenrepublik« flach? Als Teil der Kleinen Ungarischen Tiefebene ist der Osten des Landes mit dem Neusiedler See und Umgebung sehr eben. Im Norden hat Österreich im Mühl- und Waldviertel Anteil an der Mittelgebirgslandschaft des Böhmischen Massivs. Zwei Drittel des Staatsgebiets liegen in den Ostalpen. Diese gliedern sich in die Nördlichen Kalkalpen, die Zentralalpen, die stark vergletschert sind und im Großglockner (3797 m) die höchste Erhebung Österreichs aufweisen, sowie die Südlichen Kalkalpen. Im Süden und Osten gehen die Alpen in Beckenlandschaften (Klagenfurter, Grazer, Wiener Becken) über. Das nördliche Alpenvorland reicht ungefähr bis zur Donau. Bevölkerung Was blieb übrig vom Vielvölkerstaat? Zwar sprechen 92 % der Bevölkerung Deutsch, aber kleinere Sprachgruppen verweisen noch heute auf die Vergangenheit Österreich-Ungarns als Vielvölkerstaat. Die tschechischen und ungarischen Sprachgruppen gehen zurück auf die Zeit der Habsburger. 1526 fielen Böhmen und Ungarn endgültig an die habsburgisch-österreichischen Länder. 1867 entstand die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Durch die Okkupation Bosniens und der Herzegowina (Berliner Kongress 1878) verschoben sich die Gewichte in Österreich zugunsten des slawischen Elements. Besonders vehement verlangten die Serben die Loslösung der südslawischen Gebiete von Österreich-Ungarn. Von diesen slawischen Einflüssen zeugen heute serbische, slowenische und kroatische Sprachgruppen. Wirtschaft Wie verdienen Österreicher ihr Geld? Vor allem mit dem Tourismus. Egal ob im Winter oder im Sommer – die Gäste aus dem In- und Ausland genießen zu jeder Jahreszeit die Schönheit der österreichischen Kultur und Natur. Der Fremdenverkehr trägt rd. 9 % zum Bruttoinlandsprodukt bei und zählt zu den größten Branchen Österreichs. Der gesamte Dienstleistungsbereich ist der am schnellsten wachsende Wirtschaftssektor in Österreich. Die Landwirtschaft deckt den Inlandsbedarf und liefert darüber hinaus Exportüberschüsse. Landwirtschaftliche Zentren sind die Gebiete im Osten mit Weizen-, Hackfrucht- (Zuckerrüben) und Futterpflanzenanbau sowie Obst- und in »Wärmeinseln« Weinanbau. Die Viehzucht übertrifft den Ackerbau an Wert; sie herrscht in Gebirgslagen vor. Die Nutzung der Wälder, die fast 40% der Landesfläche bedecken, ist für den Export wichtig. Verkehr Sind die Alpen noch immer ein Nadelöhr? Während sich das Hochgebirge im 19. Jh. noch als nur schwer überwindbares Verkehrshindernis erwies, sind Straßen- und Schienennetz heute gut ausgebaut. Als Drehscheibe zwischen West- und Osteuropa sowie zwischen dem Norden und Süden des Kontinents besitzt Österreich ein dichtes Netz von Verkehrsverbindungen. Österreich ist das bedeutendste Transitland für den deutsch-italienischen Warenaustausch. Aus Gründen des Umweltschutzes soll der ständig wachsende Schwerlastverkehr zunehmend auf die Bahn verlagert werden. Geschichte Welches Herrscherhaus machte Österreich groß? Mit politisch besonders vorteilhaften Hochzeiten läutete Kaiser Maximilian I. (1459–1519) den Aufstieg der Habsburger zur Großmacht ein. Sein berühmter Leitsatz lautete: »Bella gerant alii, tu felix Austria nube!« (Kriege mögen andere führen, du, glückliches Österreich, heirate!). Durch die von Maximilian initiierten Ehen gewannen die Habsburger die Niederlande, den größten Teil Burgunds, Spanien und damit das große Kolonialreich in Amerika sowie die böhmische und ungarische Krone. Ferdinand, der Bruder Karls V., wurde der Begründer der österreichischen Linie der Habsburger und 1556 Kaiser. Bis 1806 (mit Ausnahme der Jahre 1742–1745) stellte das Haus Habsburg fortan die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg musste Habsburg auf das spanische Erbe verzichten, doch wurden Karl VI. 1713/14 die spanischen Niederlande zugesprochen. 1739 verlor er fast alle Eroberungen auf dem Balkan an die Türkei. Im Österreichischen Erbfolgekrieg verlor Österreich Schlesien an Preußen, konnte sein Gebiet jedoch in den Polnischen Teilungen 1772 um Galizien und 1775 um die Bukowina erweitern. Wer zog die Strippen beim Wiener Kongress? Auf dem Wiener Kongress (1814/15), der die Neuordnung Europas nach den Kriegen gegen Napoleon Bonaparte regelte, etablierte der Staatskanzler Fürst von Metternich Österreich neben Russland als dominierende Festlandsmacht auf dem europäischen Kontinent. Österreich erhielt den Vorsitz im Deutschen Bund und Metternich suchte den nationalen und demokratischen Bestrebungen durch Aufrechterhaltung der alten Sozialordnung zu begegnen. Im Innern wurde Österreich restaurativ-absolutistisch regiert. Dadurch kam es zur Revolution in Wien (1848); Metternich musste fliehen, eine liberale Verfassung für die nicht-ungarischen Länder wurde erlassen. Wie lange währt Österreichs Neutralität? Für immer. Mit dem Staatsvertrag vom 15. 5. 1955 erhielt Österreich nicht nur die volle Souveränität und wirtschaftliche Unabhängigkeit zurück, die Republik verpflichtete sich auch zu immer währender Neutralität. Diskussionen über den Sinn und Zweck der Neutralität wurden in den letzten Jahren immer wieder laut, u. a. im Zusammenhang mit der Schaffung eines europäischen Sicherheitssystems. Die österreichische Innenpolitik nach 1945 war bestimmt durch den wirtschaftlichen Wiederaufbau nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Auf Verlangen der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) wurden Schlüsselindustrien wie Energiewirtschaft und Bergbau verstaatlicht. Die Marshallplanhilfe, energische Inflationsbekämpfung, eine Abwertung und staatliche Investitionshilfen ermöglichten ab 1952 einen wirtschaftlichen Aufschwung. Musik Warum war Wien Welthauptstadt der Musik? Neben Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791), dem wohl bekanntesten Vertreter der so genannten Wiener Klassik, machten u. a. Joseph Haydn (1732–1809), Ludwig van Beethoven (1770–1827) und Franz Schubert (1797–1828) Wien zum Schauplatz der größten musikalischen Ereignisse. Im 19. Jh. wirkten u. a. Johannes Brahms (1833–1897) und Anton Bruckner (1824–1896) in der österreichischen Metropole. Neben der ernsten Musik erlebten auch der heitere, beschwingte Wiener Walzer und die Wiener Operette (Johann Strauß, 1825–1899) eine Glanzzeit. Anfang des 20. Jh. vollzog sich in Wien die Wende zur neuen Musik. Arnold Schönbergs (1874–1951) Zwölftonsystem hat das gesamte Musikschaffen des 20. Jh. entscheidend beeinflusst ebenso wie das Werk seiner beiden Schüler Alban Berg (1885–1935) und Anton Webern (1883–1945). Was geschah … 1740? Maria Theresia (1717 bis 1780) übernimmt die Regierung der habsburgischen Erblande. 1914? Die Ermordung des österreichischen Thronfolgerpaares in Sarajevo löst den Ersten Weltkrieg aus. 1918? Der Erste Weltkrieg endet mit der Zerschlagung der österreichisch-ungarischen Monarchie. Österreich wird als Republik zum Kleinstaat. 1933? Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (1892 bis 1934) hebt die Verfassung auf und bildet eine autoritäre, austrofaschistische Regierung. 1938? Auf Befehl Adolf Hitlers marschieren die deutschen Truppen in Österreich ein (»Anschluss«). 1995? Österreich tritt der Europäischen Union bei. Wussten Sie, dass … 72 % der in Österreich produzierten Elektrizität aus Wasserkraft erzeugt wird? Österreich mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt von über 27 000 € zu den wohlhabendsten EU-Staaten zählt? Carnuntum in Niederösterreich die älteste Stadt des Landes ist? Dies belegen vorrömische Siedlungszeugnisse. Österreichs wichtigster Seehafen in Italien liegt? Da ein direkter Zugang zum Meer fehlt, ist Triest an der Adria die nächstgelegene Möglichkeit, Seehandel zu treiben. man in »Kälteseen« nicht baden kann? Es handelt sich dabei nämlich nicht um Gewässer, sondern um Tal- und Beckenlandschaften, in denen im Winter eine Temperaturumkehr entsteht (in den Niederungen ist es kälter als in den Bergregionen). das Kleinwalsertal keine direkte Straßenverbindung zum übrigen Österreich hat und nur von Deutschland aus zu erreichen ist? Wofür steht die Abkürzung »k. u. k.«? Zur Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie (1867–1918) stand »k. und k.« für kaiserlich und königlich. Der erste Teil bezeichnet somit den Titel Kaiser von Österreich, der zweite Teil den Titel König von Ungarn. Die Bezeichnung durfte ausschließlich für Einrichtungen beider Reichshälften verwendet werden, z. B. für die gemeinsame Armee. Liechtenstein: Steuerparadies in den Alpen Liechtenstein Amtlicher Name: Fürstentum Liechtenstein Fläche: 160 km² Einwohner: 35 000 Hauptstadt: Vaduz Amtsprache(n): Deutsch Währung: 1 Schweizer Franken = 100 Rappen Bevölkerung Leben viele »echte« Liechtensteiner im Land? Über ein Drittel der ohnehin zahlenmäßig kleinen Bevölkerung des Alpenlands kommt aus dem Ausland. In erster Linie handelt es sich dabei um Schweizer, Österreicher und Deutsche. Die Liechtensteiner selbst sind überwiegend alemannischer Abstammung. Wirtschaft Warum gibt es mehr Briefkastenfirmen als Einwohner? Das Fürstentum lockt so genannte Briefkastenfirmen mit niedrigen Steuerbedingungen. Während in Liechtenstein nur 35 000 Menschen leben, haben rd. 75 000 Auslandsfirmen ihren formellen Sitz in dem Staat. Die Landwirtschaft beschäftigt nur noch rd. 1 % der erwerbstätigen Bevölkerung; demgegenüber arbeiten 49 % in der Industrie. Von Bedeutung ist die Produktion von Maschinen, Mess-, optischen und Elektrogeräten, Chemikalien, Nahrungsmitteln, Holzerzeugnissen, Lederwaren und Keramik. Weitere wirtschaftliche Größen sind der Tourismus und der Handel mit Briefmarken. Geschichte Wo steht die Burg Liechtenstein? Keineswegs auf dem heutigen Staatsgebiet, sondern bei Mödling in Niederösterreich. Um 1140 wurde das österreichische Fürstengeschlecht Liechtenstein erstmals erwähnt. Aus den Herrschaften Vaduz und Schellenberg entstand 1719 das reichsunmittelbare Fürstentum Liechtenstein. 1806 wurde Liechtenstein formal unabhängig, gehörte 1806 bis 1814 zum Rheinbund, 1815 bis 1866 zum Deutschen Bund und wurde danach ein selbstständiger Staat, der sich politisch eng an Österreich anlehnte (Zoll- und Währungsunion 1852–1919). Seit den 1920er Jahren bildet Liechtenstein eine Post-, Wirtschafts- und Zolleinheit mit der Schweiz. 1921 erhielt das Fürstentum eine Verfassung (konstitutionelle Erbmonarchie). 1990 wurde Liechtenstein Mitglied der UNO, 1995 trat es dem Europäischen Wirtschaftsraum bei. Eine Verfassungsrevision im Jahr 2003 stärkte die Rechte des Fürsten. Staatsoberhaupt ist seit 1989 Fürst Hans-Adam II. (* 1945). Die Führung der Amtsgeschäfte ging 2004 auf Erbprinz Alois (* 1968) über. Schweiz: Ein Hort der Stabilität Schweiz Amtlicher Name: Schweizerische Eidgenossenschaft Fläche: 41 285 km² Einwohner: 7,2 Mio. Hauptstadt: Bern Amtsprache(n): Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch Währung: 1 Schweizer Franken = 100 Rappen bzw. Centimes Landesnatur Wo leben die Schweizer am liebsten? Das Mittelland ist der am dichtesten besiedelte Landesteil der Eidgenossenschaft. Dieser 40–60 km breite Landstrich zwischen Genfer See und Bodensee ist zudem das fruchtbarste Gebiet und bildet das wirtschaftliche Kerngebiet der Schweiz. Neben dem Mittelland besteht die Schweiz noch aus den Landschaftseinheiten Alpen (60 % der Fläche) und Jura (10 %). Der bis 1679 m hohe Schweizer Jura ist ein größtenteils gefaltetes Mittelgebirge. Das Klima ist auf den Jurahöhen rauer als im Mittelland, während es am Genfer See und im Tessin bereits mediterranen Charakter aufweist. Bevölkerung Welches sind die vier Landessprachen? Die sprachliche Vielfalt ist ein typisches Merkmal der Schweiz. So haben 64 % der Bevölkerung Deutsch als Muttersprache, 19 % Französisch, 7 % Italienisch und 0,5 % Rätoromanisch. Der deutsche Sprachraum umfasst die Zentralschweiz, das östliche Mittelland und den Nordosten des Schweizer Jura. Französisch ist im übrigen Schweizer Jura, im westlichen Mittelland, im Waadt, am Genfer See sowie im Mittel- und Unterwallis verbreitet. Italienisch wird im Tessin und in den südlichen Bündner Tälern gesprochen. Die rätoromanische Sprache, früher auch Churwelsch genannt und seit 1938 vierte Landessprache, ist auf den Kanton Graubünden beschränkt und zerfällt in mehrere Idiome (Sprechweisen). Als Schriftsprache aller Rätoromanen dient seit den 1980er Jahren das Rumantsch Grischun. Wirtschaft Woher kommt der Strom? 60 % des elektrischen Stroms liefern die reichlich vorhandenen Wasserkräfte. Daneben sind die Kernkraftwerke in Beznau, Leibstadt, Mühleberg und Gösgen von Bedeutung. Die Wirtschaft ist so produktiv, dass neben den Einheimischen auch rd. 964 000 ausländische Arbeitskräfte im Land tätig sind. Die Schweiz ist eines der am stärksten industrialisierten Länder der Erde. Im Jahr 2004 arbeiteten 72,6 % der Erwerbstätigen in Dienstleistungsberufen, 23,6 % in der Industrie und 3,8 % in Land- und Forstwirtschaft. Finanzwirtschaft und Tourismus haben erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Für ein hoch entwickeltes Industrieland wie die Schweiz ist der Außenhandel lebenswichtig. Fast ein Drittel des Ausfuhrwertes entfällt auf Maschinen und elektrotechnische Erzeugnisse, 28 % auf Chemikalien, Kunststoffe und Pharmazeutika, 14 % auf Uhren und Schmuck sowie 3 % auf Nahrungs- und Genussmittel. Geschichte Wer waren die Vorfahren der Schweizer? Die Helvetier, ein keltischer Volksstamm, der um 100 v. Chr. zwischen Jura und Alpen einwanderte und 58 v. Chr. von Cäsar unterworfen wurde. Von den Helvetiern leiten die Schweizer auch ihre lateinische Namensform ab (Confoederatio Helvetica). Um 445 eroberten die Burgunder von Südwesten her das Wallis und das Gebiet bis zur Aare, wurden aber von der einheimischen Bevölkerung assimiliert; auch im Tessin und in Graubünden konnte sich die bisherige Bevölkerung halten, während das übrige Land von den Alemannen besiedelt und germanisiert wurde. Was ist der bekannteste Gründungsmythos? Die Eidgenossenschaft entstand durch den Zusammenschluss der drei Urkantone oder Waldstätte Uri, Schwyz und Unterwalden 1291 (»Ewiger Bund«). Einer Legende nach geschah die Beschwörung dieses Bundes durch Abgesandte der drei Urkantone auf dem Rütli – einer Bergwiese am Vierwaldstätter See. Der Ewige Bund wurde 1332 um Luzern, 1351 um Zürich, 1352 um Glarus und Zug sowie 1353 um Bern vergrößert. 1389 mussten die Habsburger die Unabhängigkeit der Eidgenossenschaft anerkennen, die ihr Territorium allmählich erweiterte. Die endgültige Loslösung vom Deutschen Reich wurde im Westfälischen Frieden 1648 bestätigt. Mit dem Beitritt von Basel und Schaffhausen 1501 und Appenzell 1513 wurde der Bund zur Eidgenossenschaft der Dreizehn Orte. 1798 entstand die Helvetische Republik. Die Schweiz wurde zunächst Einheitsstaat. Durch die Mediationsakte vom 19. 2. 1803 wurde die Schweiz ein Staatenbund von 19 souveränen Kantonen. Auf dem Wiener Kongress von 1814/15 erlangte die Schweiz die Anerkennung dauernder Neutralität. Es bestanden jetzt 22 Kantone. Nach dem Sonderbundskrieg (1847) wurde die Schweiz durch die liberale Verfassung 1848 in einen Bundesstaat umgewandelt. Übrigens: Der bisher letzte Kanton trat 1979 der Eidgenossenschaft bei. Damals wurde durch eine Volksabstimmung aus französischsprachigen Teilen des Kantons Bern der Kanton Jura gebildet. Welche internationalen Einrichtungen befinden sich in der Schweiz? Sowohl das Internationale Komitee vom Roten Kreuz als auch der Weltpostverein haben ihren Sitz in Genf. Im Ersten Weltkrieg bewahrte die Schweiz strenge Neutralität, übernahm aber in großem Umfang die Aufgaben zur Ermittlung von Vermissten und Kriegsgefangenen, den Austausch von Schwerverwundeten sowie die Beförderung der Gefangenenpost. Nach dem Krieg wurde das Land unter Wahrung der militärischen Neutralität Mitglied des Völkerbundes, der seinen Sitz ebenfalls in Genf nahm. Im Zweiten Weltkrieg behielt die Schweiz ebenfalls ihre Neutralität und wirkte danach an den internationalen Hilfswerken mit. Die Vereinten Nationen haben einen ihrer Sitze in Genf und unterhalten hier u. a. die WHO (Weltgesundheitsorganisation). Auch das Hochkommissariat für Flüchtlinge der Vereinten Nationen UNHCR hat seinen Sitz in Genf. Ebenfalls in der zweitgrößten Stadt der Schweiz befindet sich die Zentrale der WTO (Welthandelsorganisation) und des Weltwirtschaftsforums. Die Jahrestagung dieser privaten Stiftung findet meist im schweizerischen Davos statt. Übrigens: Auch der Weltfußballverband hat seine Zentrale in der Eidgenossenschaft. Der heutige Sitz der 1904 in Paris gegründeten FIFA ist in Zürich. Architektur Welcher Schweizer war wegweisend für die moderne Architektur? Einen reichen Beitrag zur Architektur des 20. Jh. leistete Le Corbusier (eigentl. Charles-Edouard Jeanneret, 1887–1965). Wegweisend waren seine sowohl nach funktionalen als auch humanen Gesichtspunkten gestalteten Siedlungen und Schulbauten. Folgenreich im Städtebau wurde sein Plan für eine moderne Inselstadt: Villenhochhäuser als »Wohneinheiten« liegen in größeren Grünflächen. Wer führte in der Schweiz die Reformation ein? In der deutschen Schweiz wirkte von Zürich aus Ulrich (Huldrych) Zwingli (1484–1531), in der welschen (französischsprachigen) Schweiz von Genf aus Johannes Calvin (1509–1564). Beeinflusst von Erasmus von Rotterdam (1466 oder 1469–1536) und Martin Luther (1483–1546), wandte sich Zwingli gegen Missbräuche in der Kirche, die Verbindlichkeit der Fastengebote und des Priesterzölibats. 1522 bis 1525 baute Zwingli mit Zustimmung des Zürcher Rats die vom Staat beschützte Volkskirche auf. Im Gottesdienst erfolgte die Konzentration auf die Predigt, die Abschaffung der Messe, Firmung und Letzten Ölung. Außerdem wurden Bildwerke und Musik verbannt. Calvins reformierte Kirchenordnung ist gekennzeichnet durch die Befreiung des Gottesdienstes von allen biblisch nicht geforderten Elementen, die starke Betonung des Predigtamtes und des Psalmengesangs, eine strenge Kirchenzucht und ein Bilderverbot. Entscheidender Ausgangspunkt seiner Theologie ist das Bekenntnis zur Allmacht Gottes, dem in unbedingtem Gehorsam die Ehre gegeben werden muss. Daraus ergibt sich Calvins Lehre von der doppelten Prädestination (persönlicher Ratschluss Gottes über das ewige Heil oder die Verdammnis des Menschen). Wussten Sie, dass … Schweizerinnen erst seit 1971 auf Bundesebene wählen dürfen? Nur in Portugal (1974) und Liechtenstein (1984) setzte sich das Frauenwahlrecht noch später durch. die Schweiz kein Staatsoberhaupt hat? Der jährlich gewählte Bundespräsident gilt als »primus inter pares« (Erster unter Gleichen) und ist lediglich Vorsitzender des Bundesrates. das Land voller Wüsten ist? Die so genannten Hochgebirgswüsten sind vegetationsarme Zonen in den Alpen. die Schweiz den 6. Platz im Käseexport auf dem Weltmarkt belegt? es insgesamt 74 Viertausender-Berge in der Schweiz gibt? 19 davon befinden sich an der Grenze zu Italien. Zypern: Geteilter Inselstaat im Mittelmeer Zypern Amtlicher Name: Republik Zypern Fläche: 9251 km² Einwohner: 808 000 Hauptstadt: Nikosia (Lefkosia/Lefkoşa) Amtsprache(n): Griechisch, Türkisch Währung: 1 Zypern-Pfund = 100 Cents Landesnatur Wie waldreich ist die Insel? Infolge groß angelegter Aufforstungsmaßnahmen ist die ehemals waldlose Insel mittlerweile zu 18,5 % bewaldet. Mit seiner gebirgigen Landschaft ähnelt Zypern dem benachbarten Kleinasien. Den Süden nimmt das ausgedehnte Bergland Tróodos mit dem Gipfel Olympos (1952 m) ein; im Norden erhebt sich ein 1000 m hoher Gebirgszug, der nach Nordosten in einer Halbinsel ausläuft. Dazwischen erstreckt sich die fruchtbare Schwemmlandebene Messaria. Das Klima ist geprägt von trockenheißen Sommern und feuchtmilden Wintern. Bevölkerung Gibt es mehr Griechen oder Türken? 80 % der Bevölkerung sind orthodoxe Griechen, 19 % islamische Türken, daneben gibt es Armenier und libanesische Flüchtlinge. Die türkische Minderheit lebte bis zur türkischen Invasion 1974 über die ganze Insel verstreut. Seitdem bewohnen die Griechen und Türken geschlossene Siedlungsgebiete, die durch die so genannte Attila-Linie voneinander getrennt sind. Der türkische Teil, in dem bis 1998 rd. 100 000 Anatolier angesiedelt wurden, befindet sich im Norden der Insel, der griechische Teil im Süden. Wirtschaft Welcher Inselteil hängt am Tropf der Türkei? Der Norden. Nach der Teilung hat sich die Wirtschaft in beiden Hälften der Insel auseinander entwickelt. Obwohl die besten Landwirtschaftsgebiete und ein Großteil der Industrie unter türkische Herrschaft fielen, ist Nordzypern ohne die Hilfe der Türkei kaum lebensfähig. Demgegenüber ist das Pro-Kopf-Einkommen im griechischen Landesteil, in dem die Industrie und der Fremdenverkehr stark gefördert werden, etwa dreimal so hoch wie das Einkommen im türkischen Bereich. In der Landwirtschaft überwiegt der Anbau von Getreide, Kartoffeln, Wein, Zwiebeln, Südfrüchten, Tabak, Oliven, Obst sowie Baumwolle. Schaf- und Ziegenhaltung ist weit verbreitet. Die Bedeutung des Bergbaus (Kupfer, Eisen, Chrom, Asbest) ist rückläufig. Schwerpunkt der Industrie sind Nahrungsmittel-, chemische und Textilindustrie. Der Fremdenverkehr nimmt stetig an Bedeutung zu. Die meistbesuchten Reiseziele liegen im griechischen Südteil der Insel und umfassen die Gebiete um Larnaka, Limassol und Pafos. Geschichte Warum war Zypern immer ein Zankapfel? Infolge seiner seestrategischen Lage und seiner Bodenschätze wurde die Mittelmeerinsel zum Spielball unterschiedlicher Mächte. Im 14./13. Jh. v. Chr. war Zypern ein Zentrum der mykenischen Kultur, um 1000 v. Chr. phönizisch, dann assyrisch, ägyptisch und persisch (540 v. Chr.). 333 v. Chr. kam es zum Reich Alexanders des Großen; 294–258 v. Chr. gehörte es zum Ptolemäer-Reich; 58 v. Chr. fiel es an die Römer, später an die Byzantiner, zeitweilig an die Araber. Auf die Herrschaft der Kreuzfahrer-Dynastie Lusignan (1192 bis 1489) folgte die der Venezianer; 1571 wurde Zypern schließlich von den Türken erobert. Durch türkische Einwanderung erhielt die Insel ein starkes muslimisches Bevölkerungselement. 1878 besetzte Großbritannien (bei formeller Anerkennung der türkischen Oberhoheit) Zypern und annektierte es 1914. Im Jahr 1925 wurde Zypern schließlich britische Kronkolonie. 1960 erhielt Zypern die Unabhängigkeit, die von Großbritannien, Griechenland und der Türkei garantiert wurde (Londoner Abkommen). Erzbischof Makarios wurde zum Staatspräsidenten gewählt. Wie kam es zur Teilung der Insel? Zu ersten blutigen Kämpfen zwischen den Volksgruppen kam es 1963, als Staatspräsident Makarios den verfassungsmäßig garantierten Status der türkischen Minderheit zugunsten der griechischen Mehrheit ändern wollte. Daraufhin entsandte die UNO 1964 eine Sicherheitstruppe. Zehn Jahre später, am 15. 7. 1974, putschte die von griechischen Offizieren befehligte Nationalgarde gegen Makarios. Unter dem Eindruck eines drohenden Anschlusses Zyperns an Griechenland besetzten türkische Truppen 40 % des zypriotischen Territoriums. Durch Flucht, Vertreibung und Umsiedlung kam es zu großen Bevölkerungsverschiebungen. Der Norden erklärte sich 1975 einseitig zur unabhängigen »Türkischen Republik N