Was heißt »Kritische Theorie«?
Was heißt »Kritische Theorie«? Die kritische Theorie der Frankfurter Schule stellt eine Verbindung zwischen der marxistischen Sozialökonomie und den Erkenntnissen der Psychoanalyse her. Damit wird die Analyse der modernen Gesellschaften vorgenommen. Im Gegensatz zu positivistischen Strömungen in der Soziologie geht die kritische Theorie über die reine Analyse hinaus: Sie will gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen, vertritt also einen pädagogischen beziehungsweise politischen Ansatz. Das Hauptwerk der kritischen Theorie ist, neben Horkheimers Aufsatz »Traditionelle und kritische Theorie« (1937), die »Dialektik der Aufklärung« (1947), Horkheimers und Adornos gemeinsames Werk, das unter dem Eindruck des Faschismus, des Stalinismus und der industriellen Massengesellschaft entstand. Die »Dialektik der Aufklärung« ist von tiefem Pessimismus gegenüber der Aufklärung geprägt, die ihr Ziel, nämlich die Befreiung des Menschen, verfehlt und stattdessen neue Abhängigkeiten produziere. Die von der Aufklärung propagierte Vernunft, die einst Mythen zerstören wollte, sei mittlerweile selbst zum Mythos geworden. Ergebnis seien die so genannten Sachzwänge, die den Menschen im Getriebe der Moderne gefangen hielten. Seine Freiheit habe der Mensch an die Herrschaft der Vernunft verloren, die alles – auch die Natur – der bloßen Nützlichkeit unterordne.