Globale Wirtschaft – globale Umwelt

Globale Wirtschaft – globale Umwelt Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts hoffte man, dass durch technischen Fortschritt, Wirtschaftswachstum und weltweite Handelsbeziehungen der gesamten Menschheit ein Leben ohne Armut, Ungerechtigkeit und andere Beschwernisse ermöglicht werden könne. Dem Fortschritt in Wissenschaft und Technik war es zu verdanken, dass die Lebensbedingungen von Millionen besser waren als jemals zuvor. Durch weiteres Wachstum und internationalen Technologietransfer sollten in der ganzen Welt die Glücksversprechungen der westlichen, in der Tradition der Aufklärung stehenden Zivilisation erfüllt werden. Heute weiß man, dass der hohe Lebensstandard der Industriegesellschaften seinen Preis hat. Die Wohlstandsgesellschaften haben riesige Mengen an Schadstoffen in Umlauf gebracht. Heute müssen wir uns darauf gefasst machen, dass uns die Rechnung für den jahrzehntelangen sorglosen Umgang mit der Umwelt präsentiert wird. Durch weiteres Wachstum können diese Probleme nicht gelöst werden. Vielmehr ist das Wachstum selbst zum Problem geworden, weil der Lebensraum Erde ihm natürliche Grenzen setzt. Neue Technologien bieten Chancen, sind aber auch mit Risiken verbunden; spätestens mit der Entwicklung der Atombombe in den 1940er Jahren wurde deutlich, dass nicht alles, was technisch möglich ist, zwangsläufig auch gut sein muss. Eng verknüpft mit den ökologischen Herausforderungen ist auch die Frage nach Gerechtigkeit und Frieden. Der internationale Terrorismus und die weltweite Migration zeigen: Keine Region der Erde kann dauerhaft ihre Probleme ohne die anderen – oder gar gegen deren Interessen – lösen. Es wird die große Aufgabe des 21. Jahrhunderts sein, die widerstrebenden Interessen von Staaten, Unternehmen und Bevölkerungsgruppen zu versöhnen, um im Hinblick auf künftige Generationen eine nachhaltige Entwicklung möglich zu machen. Umweltverschmutzung: Ein weltweites Problem Wann wurde der Müll zum Problem? Mit den ersten Ortschaften entstanden um 9000 v. Chr. auch die ersten Müllkippen. Zu einem regelrechten Problem wurde die Abfallentsorgung aber erst ab dem 18. Jahrhundert: Mit dem starken Bevölkerungswachstum und der Industrialisierung wuchs die Abfallmenge in einem vorher nie gekannten Ausmaß. Als Anfang des 20. Jahrhunderts das Zeitalter der Massenproduktion begann, fielen immer größere Mengen an Müll an. Zugleich ließen neuartige technische Verfahren (z. B. in der chemischen Industrie) den Anteil der für die Umwelt problematischen Abfallstoffe (Giftmüll) in die Höhe schnellen. Seit wann erzeugen wir »dicke Luft«? In Deutschland wurde Luftverschmutzung erstmals in den 1980er Jahren zum Gegenstand einer breiten öffentlichen Diskussion, die Folgen (z. B. Ozonloch, Treibhauseffekt, Smog, saurer Regen) waren aber schon lange vorher zu beobachten. Bereits vor 250 Jahren bemerkte man, dass Tannen in der Nähe von Fabrikanlagen ihre Nadeln verloren und abstarben. Und die Einwohner Londons litten schon im 19. Jahrhundert an nasskalten Tagen unter einem neuartigen Nebel, der die Atmungsorgane reizte – dem Smog. Vergleicht man heute die Zusammensetzung der Luft in Großstädten mit der Luft im Gebirge oder über dem offenen Meer, zeigt sich, dass Stadtluft etwa 500-mal stärker mit Schadstoffen belastet ist. Was ist saurer Regen? Der sog. saure Regen entsteht, wenn sich Schadstoffe wie Schwefeldioxid in der Luft mit Wasser verbinden. Aus diesen Verbindungen bilden sich Schwefel- und Salpetersäure, die den Regen sauer machen. Dieser schädigt Pflanzen und kann in stehenden Gewässern sogar ein Fischsterben auslösen. Insbesondere den Wald schädigt Schwefeldioxid, das z. B. bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Benzin entsteht. Schwefeldioxid und andere Schadstoffe greifen Bäume gleich aus zwei Richtungen an: Aus der Luft gelangen sie direkt in den Stoffwechselkreislauf der Bäume, in gelöster Form gehen sie als saurer Regen nieder und werden im Boden über die Baumwurzeln aufgenommen. Übrigens: Obwohl in Deutschland der Schwefeldioxidausstoß gegenüber 1990 um weit über 90 % gesenkt werden konnte, ist der Anteil der deutlich geschädigten Bäume in dieser Zeit kaum zurückgegangen. Denn zum einen ist fraglich, ob sich einmal erkrankte Bäume überhaupt wieder erholen können. Zum anderen ist Luftverschmutzung ein überregionales Problem, da Schadstoffe in der Luft weite Strecken zurücklegen können. Was lässt die Ozonschicht dünner werden? Stickoxide und vor allem Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), die in die Erdatmosphäre gelangen. Die Ozonschicht, die Pflanzen, Tiere und Menschen vor zu hoher UV-Strahlung schützt, befindet sich in einer Höhe von 20–35 km über der Erde. Im Winter 1979 stellten Forscher fest, dass die Ozonschicht über der Antarktis gefährlich dünn geworden war. Dieses »Ozonloch« wuchs danach stetig. Auch über der Arktis fanden Forscher ein solches Loch in der Ozonschicht. Besonders die Bevölkerung Australiens leidet unter den Folgen: Aufgrund der starken UV-Strahlung in dieser Region ist die Wahrscheinlichkeit, an Hautkrebs zu erkranken, nirgendwo so hoch wie dort. Nachdem die Herstellung und Vermarktung von FCKW (das u. a. in Spraydosen verwendet wurde) seit 1996 in allen Industriestaaten verboten ist, verlangsamte sich die Ausdehnung des Ozonlochs und scheint inzwischen gebremst. Die komplette Rückbildung der Ozonschicht wird jedoch nach Expertenmeinung noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Sind wir verantwortlich für den Klimawandel? Sehr wahrscheinlich. Der jetzige Klimawandel, der sich immer häufiger durch Überschwemmungen, ungewöhnliche Hitzeperioden, Wirbelstürme u. a. bemerkbar macht, ist vorwiegend vom Menschen ausgelöst, zumindest verstärkt er den seit Jahrmillionen wirkenden natürlichen Treibhauseffekt – ohne diesen würde die Durchschnittstemperatur auf der Erde lebensfeindliche –18 °C betragen. Verursacher des Treibhauseffekts sind Treibhausgase wie Kohlendioxid und Methan. Sie entstehen verstärkt bei der Verbrennung von Kohle, Erdöl oder Erdgas (z. B. in Kraftwerken oder durch Kraftfahrzeuge). Diese Gase verhindern, dass die Wärmestrahlung der Erdoberfläche ins Weltall entweichen kann. Die Wärme staut sich unterhalb der Erdatmosphäre, wodurch sich langfristig die Durchschnittstemperatur auf der Erde erhöht. Den Ausstoß an Treibhausgasen weltweit zu verringern, ist das wichtigste Ziel aller Maßnahmen zum nachhaltigen Klimaschutz. Ein Schritt in diese Richtung ist das 1997 verabschiedete sog. Kyoto-Protokoll, das 2005 in Kraft trat. Das Abkommen verpflichtet seine Mitgliedsstaaten zu einer Verringerung ihrer Emissionen von Treibhausgasen. Welcher Schaden entsteht durch Rodung? Das Abholzen großer Waldflächen, vor allem die Rodung der Regenwälder, schadet dem betroffenen Boden auf meist irreversible Weise. Ohne das Wurzelwerk von Bäumen und Büschen ist der Erdboden schutzlos Wind und Regen ausgeliefert. Die fruchtbaren oberen Bodenschichten werden durch Niederschläge und Stürme abgetragen (Bodenerosion). Man schätzt, dass seit den 1960er Jahren weltweit etwa ein Drittel der fruchtbaren Bodenflächen auf diese Weise zerstört wurde. Die gerodeten Waldflächen fallen zudem in ihrer Funktion als »Lunge der Welt« (Abgabe von Sauerstoff, Aufnahme von Kohlendioxid) aus. Außerdem verlieren viele Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum und sind somit vom Aussterben bedroht. Sind auch die Meere gefährdet? Ja. Angesichts ihrer Größe galten die Ozeane lange Zeit als unempfindlich gegenüber schädlichen Umwelteinflüssen. Aber auch die Meere können nur ein begrenztes Maß an Schadstoffen verkraften. Bilder von ölverseuchten Küsten und verendeten Seevögeln zeigen nur die Spitze des Eisbergs. 80 % aller Schadstoffe im Meer stammen aus Flüssen und aus der Luft. Jährlich werden Millionen Tonnen Nahrungsmittel, Abwasser, Chemikalien und Bauschutt in die Meere geleitet. Zudem ist der Fischbestand in fast allen Meeresgebieten durch übermäßigen Fischfang kontinuierlich zurückgegangen. Durch Eingriffe des Menschen sind schon heute weltweit mehr als die Hälfte aller Korallenriffe und ein Drittel aller Fischarten stark gefährdet. Neue Technologien: Chancen und Risiken Warum ist die Nutzung der Kernenergie umstritten? Ein Unfall in einem Kernkraftwerk wie 1986 in Tschernobyl kann viele Menschenleben kosten und ganze Landstriche verseuchen. Vor allem aber entsteht in Kernkraftwerken radioaktiver Abfall. Eine wirklich sichere Entsorgungsmethode für diesen Abfall gibt es nicht, da von verbrauchten Brennstoffen mehrere tausend Jahre lang schädigende Strahlung ausgehen kann. Die Wiederaufarbeitung ist zwar möglich, löst aber nicht das Problem der Entsorgung, weil dabei nur neues radioaktives Material erzeugt wird. Bis in die 1980er Jahre galt die Kernenergie als Energiequelle der Zukunft. Im Vergleich zu Kohlekraftwerken erzeugen Kernkraftwerke relativ umweltschonend und mit wenig Aufwand eine große Menge an Energie. So liefert beispielsweise 1 g Uran dieselbe Energiemenge wie 2,7 t Steinkohle. Was kann die Gentechnik leisten? Der Medizin könnte die Gentechnik Heilungschancen für bislang unheilbare Krankheiten (z. B. Alzheimer) liefern. Die Untersuchung des Erbguts von Embryos vor dem Einpflanzen in die Gebärmutter (Präimplantationsdiagnostik, PID) könnte Paaren helfen, die befürchten, eine vererbbare Krankheit an ihre Kinder weiterzugeben. Eingriffe in das Erbgut des Menschen verlangen aber zugleich ein großes Verantwortungsbewusstsein. Die Gentechnik wird uns vielleicht in die Lage versetzen, Kopien von Menschen (Klone) oder »maßgeschneiderte« Babys mit ganz bestimmten Eigenschaften (sog. Designer-Babys) herzustellen. Dieses Wissen könnte (z. B. zu politischen oder militärischen Zwecken) auch missbraucht werden. In welchem Bereich ist Gentechnik an der Tagesordnung? In der sog. grünen Gentechnik. Erklärtes Ziel ist hier, Organismen mit ganz bestimmten, erwünschten Eigenschaften zu produzieren, etwa Pflanzen, die besonders widerstandsfähig gegenüber Schädlingen sind. Um solche sog. transgenen Pflanzen zu erzeugen, werden bestimmte Gene aus anderen Pflanzen oder auch aus Bakterien in das Erbgut der Nutzpflanze eingeschleust. Im Idealfall kann man beim Anbau transgener Pflanzen nicht nur auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten, sondern auch größere Ernteerträge erzielen und so das Problem der Nahrungsmittelknappheit wirkungsvoller als bisher bekämpfen. Kritiker befürchten jedoch, das Erbgut dieser Pflanzen könne sich auch in der natürlichen Pflanzenwelt ausbreiten. Eine solche Ausbreitung würde das empfindliche Gleichgewicht in der Natur stören und unabsehbare Folgen haben. Bedroht jeder Fortschritt die Umwelt? Nein, Technik kann auch eingesetzt werden, um die Umweltbelastung zu verringern. Diese sog. Umwelttechnik gilt angesichts drängender Umweltprobleme als Wachstumsbranche der Zukunft. Klassische Umwelttechnik bemüht sich vor allem darum, den Schadstoffausstoß von Fabriken und Müllverbrennungsanlagen durch entsprechende Filterverfahren zu verringern. Solchen Verfahren ist es zu verdanken, dass z. B. die Schadstoffbelastung der Luft in Deutschland seit Jahren abnimmt. Die Grenzen des Wachstums Was erschütterte den Glauben ans Wachstum? Das Buch »Die Grenzen des Wachstums« (1972) erschütterte den Glauben, Wachstum und technischer Fortschritt könnten dauerhafte Garanten menschlichen Glücks sein. Die Publikation, die sich als ein »Bericht zur Lage der Menschheit« versteht, erregte großes Aufsehen. Diese Untersuchung im Auftrag des Club of Rome zeichnete ein düsteres Bild von der Zukunft unserer Zivilisation: Anhaltendes Bevölkerungswachstum und beschleunigte Industrialisierung werden aufgrund von Nahrungsmittelknappheit, Umweltverschmutzung und Rohstoffverbrauch innerhalb der nächsten ca. 100 Jahre zu einem Zusammenbruch führen; Hunger, medizinische Unterversorgung und dramatische Sterberaten werden die Folge sein. Diese Prognose war ein Schock, denn die Zeit seit der Industrialisierung war geprägt von einem rasanten technischen Fortschritt, mit Verbesserungen u. a. bei der Güterproduktion, Nahrungsmittelversorgung und Medizin. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen vor allem in der westlichen Welt Wohlstand und Lebensqualität weiter zu. Krisenanzeichen wie Umweltverschmutzung, Verelendung und soziale Unruhen in den reichen und Hungersnöte in den armen Ländern wurden für Übergangserscheinungen gehalten, die durch naturwissenschaftlich-technischen Fortschritt und wirtschaftliches Wachstum bald überwunden werden könnten. Wie kamen die Forscher zu dieser Prognose? Mithilfe eines umfangreichen, zu diesem Zweck entwickelten sog. Weltmodells, für das sie per Computer zukünftige Entwicklungen vorausberechneten. Es enthält als die fünf wichtigsten Trends Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Unterernährung, Ausbeutung von Rohstoffreserven sowie Zerstörung des Lebensraums (Umweltverschmutzung) und zeigt die Zusammenhänge zwischen diesen und zahlreichen anderen Größen auf. Warum werden die Grenzen so schnell erreicht? Weil durch die exponentiellen (also immer schneller steigenden) Wachstumsraten der Bevölkerung und der Industrialisierung auch der Rohstoffverbrauch, der Nahrungsmittelbedarf und die Umweltverschmutzung exponentiell ansteigen. Für diese drei Faktoren gibt es aber wegen der begrenzten Größe der Erde Obergrenzen: 1) das Vorkommen der nicht regenerierbaren Rohstoffe; 2) die Fähigkeit der Erde und ihrer Atmosphäre, Schadstoffe aufzunehmen; 3) die maximale landwirtschaftlich nutzbare Fläche; 4) das verfügbare Trinkwasser. Ist für einen Punkt die Grenze erreicht, dann wird auch die Bevölkerung oder der Grad der Industrialisierung (etwa durch Erschöpfung eines wichtigen Rohstoffs) zurückgehen und den jeweils anderen Bereich mitreißen. Ist es sinnvoll, schon jetzt zu handeln? Ja. Überall im »Weltsystem« gibt es Verzögerungsfaktoren, das heißt, Ursache und Wirkung treten nicht gleichzeitig auf. Ein neu geborenes Kind kann nicht sofort selbst Kinder bekommen; Maßnahmen der Gesundheitsfürsorge wirken sich nicht sofort aus; die Folgen von Umweltschäden machen sich oft erst viel später bemerkbar. Von einem geordneten Rückgang z. B. der Umweltverschmutzung kann also keine Rede sein. Wenn in einem Bereich die Grenzen erreicht sind, dauert es eine Zeitlang, bis die Auswirkungen im vollen Umfang erkennbar werden. Gegenmaßnahmen wirken sich wiederum erst Jahre oder Jahrzehnte danach spürbar aus. Bis dahin nimmt die Umweltverschmutzung noch zu und auch die Bevölkerung wächst weiter, um dann einen Zusammenbruch zu erleiden, dem womöglich die gesamte Menschheit zum Opfer fällt. Sind wir noch zu retten? Um den Zusammenbruch zu verhindern, schlagen die Autoren von »Die Grenzen des Wachstums« vor, statt andauernden Wachstums ein Gleichgewicht anzustreben. Sie halten dies für möglich, weisen aber darauf hin, dass innerhalb weniger Jahre damit begonnen werden müsse. Wegen der exponentiellen Wachstumsraten und der langen Verzögerungszeiten vermindere jedes Abwarten bei ungebremstem Wachstum die Chancen erheblich – ähnlich wie beim Beschleunigen eines Fahrzeugs der Bremsweg nicht proportional mit der Geschwindigkeit zunimmt, sondern im Quadrat zu ihr. Übrigens: Gut dreißig Jahre nach »Die Grenzen des Wachstums« glaubt einer der Autoren, Dennis L. Meadows, dass es für eine dauerhaft tragbare Entwicklung zu spät sei: Die Weltbevölkerung ist seit 1970 von ca. 3,6 Mrd. auf über 6 Mrd. Menschen angewachsen. Die Umweltverschmutzung wurde nicht im notwendigen Maß reduziert. Die Zahl der von Armut, Hunger und Seuchen betroffenen Menschen steigt. Wer verbirgt sich hinter dem »Club of Rome«? Eine lockere Vereinigung von Wissenschaftlern, Wirtschaftsführern und Politikern aus aller Welt, die 1968 von dem italienischen Industriellen Aurelio Peccei (1908–84) gegründet wurde. Der Club of Rome will die globalen Probleme der Menschheit (z. B. Umweltzerstörung, Bevölkerungswachstum, Rohstoffverbrauch) analysieren und publik machen und so auf Veränderungen hinwirken, um einen dauerhaften Frieden auf Basis sozialer Gerechtigkeit und in Harmonie mit der Natur zu ermöglichen. Rohstoffe und Energie: Sparen tut not Was sind Rohstoffe? Alle Bestandteile der Natur, die die Menschen gezielt für sich nutzen, werden als »Rohstoffe« oder als »(natürliche) Ressourcen« bezeichnet. Wir alle sind täglich auf Rohstoffe angewiesen. Sie dienen uns als Nahrung und liefern Energie, sind Grundlage für die Produktion von Kleidung, Möbeln und Maschinen oder für den Bau von Häusern. Zu den natürlichen Ressourcen zählen so unterschiedliche Stoffe und Produkte wie Erdöl, Metallerze, Holz, Fisch und landwirtschaftliche Erzeugnisse, aber auch Wasser und Luft. Man unterscheidet mineralische und organische Rohstoffe. Die mineralischen sind in geologischen Prozessen entstanden, die oft Jahrtausende oder sogar Jahrmillionen andauerten. Ihr Vorkommen ist daher auf absehbare Zeit begrenzt. Jeder Verbrauch einer Einheit dieser Rohstoffe, etwa eines Liters Heizöl, führt dazu, dass diese Einheit für eine künftige Nutzung nicht mehr zur Verfügung steht. Sie werden daher auch als nicht erneuerbare Rohstoffe bezeichnet. Seit wann nutzen wir Rohstoffe? So lange es uns gibt. Schon als Jäger und Sammler haben sich die Menschen mit Wildtieren oder Beeren Bestandteile der Natur angeeignet – und sich damit natürlicher Ressourcen bedient. Bis heute entnehmen wir der Natur in großem Umfang Rohstoffe, zu deren Entstehung wir nichts beigetragen haben, z. B. beim Abbau von Metallerzen und fossilen Energieträgern oder in der Hochseefischerei. Auch wo wir mit dem Ackerbau die Produktion einst der Natur entnommener Stoffe selbst steuern, bleiben wir von natürlichen Ressourcen abhängig: von einem gesunden Boden und seiner Fähigkeit, dauerhaft Nutzpflanzen hervorbringen zu können. Heißt erneuerbar auch unbegrenzt? Die sog. erneuerbaren Rohstoffe können theoretisch unendlich lange genutzt werden, wenn die Menschen der Natur immer nur so viel entnehmen, dass der Bestand (z. B. in Wäldern oder Fischschwärmen) nachwachsen und sich so erhalten kann. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass es den Menschen schwerfällt, sich auf dieses Maß zu beschränken. Ein anschauliches Beispiel ist die Hochseefischerei, die durch zu intensive Befischung schon einige Arten an den Rand des Aussterbens gebracht hat. Warum sind Rohstoffe Wirtschaftsgüter? Weil sie nicht unbegrenzt vorhanden sind. Natürliche Ressourcen waren im Verlauf der Menschheitsgeschichte zumeist knapp; sie mussten mühselig gewonnen werden und waren nicht selten umkämpft. Mithilfe des technischen Fortschritts glaubte man, diese Knappheit überwinden zu können. Spätestens die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts brachte jedoch ernüchternde Erkenntnisse: Wichtige nicht erneuerbare Ressourcen drohen zur Neige zu gehen; unzählige Tier- und Pflanzenarten sterben aus; Böden, Gewässer und die Atmosphäre stoßen an die Grenzen ihrer Fähigkeit, Schadstoffe aufzunehmen. Als Konsequenz daraus fordern Umweltschützer einen schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen und ihre nachhaltige Nutzung. Wann versagt der Markt? Wenn die Marktpreise nicht die Knappheit von Rohstoffen berücksichtigen und aus diesem Grund »zu niedrig« sind, um Verschwendung zu vermeiden. Nach der Theorie der Marktwirtschaft sollte sich auf einem funktionierenden Markt durch das freie Spiel von Angebot und Nachfrage für jedes Produkt der Preis ergeben, zu dem die volkswirtschaftlich wünschenswerte Menge abgesetzt wird. Je knapper ein Gut ist, desto mehr übersteigt die Nachfrage das Angebot, der Preis steigt. Gerade diese Indikatorfunktion der Preise – hohe Preise zeigen Verknappung an und locken neue Anbieter, niedrige Preise zeigen Überproduktion an und schrecken Anbieter ab – macht die Marktwirtschaft so viel erfolgreicher als andere Wirtschaftssysteme. Bei der Bewertung von natürlichen Ressourcen allerdings funktioniert dieser Mechanismus oft nicht. Obwohl zahlreiche nicht erneuerbare Rohstoffe knapp sind, da sie bei weiterhin hohem Verbrauch innerhalb von Jahrzehnten oder wenigen Jahrhunderten zur Neige gehen, sind ihre Preise eher niedrig. Weil spätere Generationen die heutige Nachfrage noch nicht beeinflussen, bleiben ihre Interessen unberücksichtigt. Kaum besser ist es bei den erneuerbaren Ressourcen, obwohl diese bei übermäßiger Nutzung, z. B. bei der Überdüngung von Kulturland, oft noch schneller zur Neige gehen. Was tun gegen Marktversagen? Dazu bieten sich verschiedene Maßnahmen an, die darauf hinauslaufen, den Verbrauch von Rohstoffen zu verteuern. Beispielsweise soll eine hohe Besteuerung des Rohstoffverbrauchs (etwa durch die Ökosteuer) gewerbliche und private Nutzer zu sparsamem Umgang mit der Ressource verleiten, ohne dass die erhöhten Preise den Verkäufern einen Anreiz zur Erhöhung der Fördermenge geben. Der Staat lässt sich quasi als Interessenvertreter kommender Generationen den Verbrauch unwiederbringlicher Rohstoffe vergüten; der heute verursachte, sich aber erst später auswirkende Schaden erhält dadurch eine marktmäßige Bewertung. Neben marktwirtschaftlichen Methoden gibt es auch Versuche, den Rohstoffverbrauch durch gesetzliche Regelungen und zwischenstaatliche Abkommen einzuschränken. Schonen Monopole unsere Ressourcen? Unter Umständen. Beim Umgang mit natürlichen Ressourcen wie etwa einem Fischbestand führt gerade der Konkurrenzdruck der Marktteilnehmer zu Verschwendung, weil jeder der Überfischung bzw. der Ausbeutung der Ressource durch die anderen zuvorkommen will. Gehört die Rohstoffquelle einem Monopolisten, also einem Einzelnen, wird der Bestandserhalt der Ressource eher seinem wirtschaftlichen Interesse entsprechen. Wie abhängig sind wir von Energie? Nicht nur in der Industrie, auch in der Landwirtschaft und im Dienstleistungsbereich funktioniert fast nichts mehr ohne Strom, Öl, Gas oder Kohle. Straßen und Wohnungen sind bei Bedarf beleuchtet, wir verfügen jederzeit über heißes Wasser, Heizung, Fernseher, Computer und Kochgelegenheit, unsere Autos können wir rund um die Uhr betanken. Den Energiebedarf decken zum großen Teil fossile Energieträger wie Öl, Gas und Kohle. Neben dem hohen Verbrauch an erschöpflichen Ressourcen belastet auch unser großer Energiebedarf die Umwelt, etwa durch Schadstoffe. Die Hoffnungen der Umweltschützer liegen auf erneuerbaren (oder regenerativen) Energien; darunter versteht man alle Energieformen, die ohne Rohstoffverbrauch gewonnen werden, vor allem aus Wasserkraft, Wind, Sonne und Erdwärme. Übrigens: Anders gelagert sind die ökologischen Folgen der Nutzung der Kernenergie. Sie verursacht zwar keine den fossilen Brennstoffen vergleichbaren Emissionen, hinterlässt aber Abfallstoffe, die über Jahrtausende hinweg radioaktive Strahlung abgeben. Kommen wir ohne Öl, Gas und Kohle aus? Bislang nicht. 2004 wurde der Energieverbrauch Deutschlands zu ca. 83,6 % durch die fossilen Energieträger Mineralöl (36,4 %), Erdgas (22,4 %), Steinkohle (13,4 %) und Braunkohle (11,4 %) bestritten. Die Kernenergie, die fast ausschließlich zur Stromerzeugung genutzt wird, machte etwa ein Achtel des gesamten Energieverbrauchs (12,6 %) aus. Der Anteil erneuerbarer Energien steigt zwar seit einigen Jahren, deckt aber immer noch lediglich einen kleinen Teil unseres Energiebedarfs (2004: rd. 3,7 %). Warum müssen wir Energie sparen? Umweltschonende Energieformen werden fossile Brennstoffe auf lange Sicht nicht im gleichen Maß ersetzen können. Um die natürlichen Ressourcen zu schonen, ist daher ein sparsamer Umgang mit Energie notwendig. Technische Verbesserungen, können dabei helfen. Entscheidend wird aber sein, ob wir unsere Denk- und Lebensgewohnheiten ändern. Sind wir bereit, die Umweltverträglichkeit eines Produktes in unser Kaufverhalten einfließen zu lassen? Werden wir bei öffentlichen Investitionen und Maßnahmen heute schon die langfristige Rohstoff- und Energiebilanz im Auge haben? Können wir also im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung unsere Vorstellungen von Wirtschaftlichkeit, Solidarität, Gerechtigkeit u. a. jeweils durch die Perspektive auf zukünftige Generationen ergänzen? Ist die Umwelt ein Rohstoff? Betrachtet man ihre Fähigkeit, Schadstoffe aufzunehmen, kann man unsere Umwelt als eine (erneuerbare) natürliche Ressource betrachten. Luft, Gewässer und Boden, aber auch die Lebewesen einschließlich des Menschen selber, sind ständig Schadstoffen ausgesetzt und nehmen diese in sich auf. Bis zu einem gewissen Grad ist unser Ökosystem in der Lage, diese Schadstoffe ohne größere Störungen zu verkraften und z. T. sogar wieder langsam abzubauen. Wird jedoch durch eine zu große Belastung das Gleichgewicht ernstlich gestört, können die Folgen (z. B. Klimaveränderung; »Umkippen« eines Sees) schwerwiegend und irreversibel (nicht mehr rückgängig zu machen) sein. Wussten Sie, dass … Wasserkraftwerke nicht nur an Flüssen aus der Kraft des durchfließenden Wassers Strom gewinnen, sondern auch am Meer (Gezeitenkraftwerke) und im Gebirge, wo der Höhenunterschied (Fallhöhe des Wassers) genutzt wird? Sonnenenergie außer durch Solarzellen (Photovoltaik) in Gebieten mit ganzjährig hoher Sonneneinstrahlung auch durch Solarkraftwerke genutzt werden kann, die durch Sonnenwärme Wasserdampf erzeugen, der eine Turbine zur Stromerzeugung antreibt? Erdwärme besonders in vulkanisch aktiven Gebieten mit vielen heißen Wasser- und Dampfquellen (z. B. Island) der Energiegewinnung dient? auch Biodiesel zu den regenerativen Energien zählt, obwohl seine Verbrennung mit dem Ausstoß von Kohlendioxid verbunden ist? Biodiesel wird meist aus eigens dafür angebautem Raps gewonnen; bei seiner Verbrennung wird exakt so viel Kohlendioxid freigesetzt (und Sauerstoff verbraucht), wie während der Wachstumsphase der Luft entzogen (bzw. Sauerstoff freigesetzt) wurde. Was ist Recycling? Die Wiederverwertung von Abfällen zur Herstellung neuer Produkte. Die zurückgewonnenen Rohstoffe nennt man auch Sekundärrohstoffe. Durch Recycling steigt der Rohstoffbedarf der Industrieländer seit Jahren deutlich weniger an als die industrielle Produktion. In Deutschland wird der Bedarf an Papier, Glas und einigen Metallen bereits zu mehr als der Hälfte durch Recycling gedeckt. Umweltpolitik: Lebensgrundlagen erhalten Beschäftigt sich die Wirtschaftswissenschaft auch mit der Umwelt? Ja. Die sog. Umweltökonomie untersucht die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und natürlicher Umwelt. Die Umwelt steht – als Rohstofflieferant und mehr noch als Aufnahmemedium für Schadstoffe – vielfach unentgeltlich zur Verfügung. Daher werden Unternehmen und Haushalte, die z. B. (Auto-)Abgase in die Atmosphäre leiten, mit den dadurch verursachten Schäden nicht belastet. Die Kosten tragen andere bzw. die Allgemeinheit. Aus Sicht des Verursachers handelt es sich um externe Effekte; das bedeutet, dass die Folgen außerhalb seines (finanziellen) Verantwortungsbereichs entstehen. Ziel der Umweltökonomie ist es, diese Schäden zu bewerten, um die Kosten zu internalisieren, also den Verursachern aufbürden zu können (»Internalisierung externer Effekte«). Erst wenn die Güterpreise – etwa für einen Liter Kraftstoff, ein Flugticket oder ein Kilogramm Rindfleisch – auch die Knappheit des von ihnen verbrauchten Faktors Umwelt widerspiegeln, kann der Markt über das Spiel von Angebot und Nachfrage zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur beitragen. Verhindern Auflagen Umweltverschmutzung? Durchaus. Der Vorteil dieses recht einleuchtenden Weges ist, dass so die maximale Belastung etwa einer Region oder eines Gewässers festgelegt werden kann. Von den drei wichtigen umweltpolitischen Instrumenten – Auflagen, Abgaben und Zertifikate – sind Auflagen politisch am leichtesten durchzusetzen und daher in der Praxis am häufigsten anzutreffen. Doch haben Auflagen auch einen gravierenden Nachteil: Da sich etwa festgelegte Höchstwerte am gegenwärtigen Stand der Technik (z. B. der Qualität von Filteranlagen) orientieren, besteht zu einer weiter reichenden Verminderung des Schadstoffausstoßes kein Anreiz mehr. Im Gegenteil: Da technische Umrüstung mit Ausgaben verbunden ist, werden Verbesserungen in der Umwelttechnologie (die eine Senkung der Grenzwerte bewirken könnten) sogar eher blockiert werden. Welche Vorteile haben Umweltabgaben? Abgaben, deren Höhe sich nach der emittierten Schadstoffmenge richtet, verteuern umweltbelastende Aktivitäten für den Verursacher und folgen somit dem Prinzip, externe Effekte zu internalisieren. Damit wird zwar kein Höchstwert für einen Produktionsbetrieb oder eine Region angesteuert, aber für die Unternehmen besteht so der Anreiz, durch technische Innovationen die Abgabenlast immer weiter zu reduzieren. Wozu dienen Verschmutzungszertifikate? Dieses umweltpolitische Instrument will die Vorteile von Auflagen und Abgaben bündeln. Dazu wird z. B. für eine Region und einen Schadstoff jeweils ein maximaler Emissionswert festgelegt. Das Recht, einen Teil dieser Emission verursachen zu dürfen, wird auf die ansässigen Unternehmen verteilt – etwa durch Versteigerung oder durch Zuweisung. Zertifikate ermöglichen die Festlegung eines maximalen Emissionswertes, bieten aber trotzdem Anreize, die Emissionen weiter zu reduzieren, um weniger Zertifikate halten zu müssen. Nachteile der Zertifikate sind u. a. die Gefahr, dass bei der Vergabe politische Ränkespiele entscheiden oder dass sie von einem Unternehmen nur deshalb beansprucht (und zur Rechtfertigung des Anspruchs mit an sich unnötigen Emissionen »unterfüttert«) werden können, um potenzielle Konkurrenten vom Markt fernzuhalten. Ist technischer Fortschritt hilfreich? Obwohl der Fortschritt allein die Umweltprobleme nicht lösen kann und sie oft erst erzeugt hat, kann gerade die Umweltpolitik auf ihn nicht verzichten. Auch die Autoren von »Die Grenzen es Wachstums« heben hervor, dass z. B. eine Ausweitung der Lebensmittelproduktion oder die Senkung von Schadstoffemission zwar die die prinzipielle Begrenztheit des Wachstums nicht abschalten können; aber womöglich können sie den ökologischen Zusammenbruch hinauszögern, um der Menschheit Zeit für den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise zu verschaffen. Technische Verbesserungen in diesem Sinne wären etwa neue Methoden zur Vermeidung, Wiederverwertung oder Entgiftung von Abfällen und zum Recycling von Rohstoffen. Wünschenswert wäre auch eine erhöhte Nutzungsdauer und verbesserte Reparaturfähigkeit von Produkten, Methoden zur natürlichen Schädlingsbekämpfung, Fortschritte in der Medizin und bei der Empfängnisverhütung oder die effektivere Nutzung regenerativer Energien. Was ist eigentlich ... ökologische Ökonomie? Eine Richtung der Umweltökonomie, die Voraussetzungen einer nachhaltigen Entwicklung untersucht. Das bedeutet u. a., die Nutzung nicht erneuerbarer Rohstoffe möglichst weitgehend zu reduzieren und erneuerbare Rohstoffe nur in dem Maß zu nutzen, wie es ihre Regeneration nicht gefährdet. Nachhaltigkeit? Als nachhaltige Entwicklung (englisch sustainable development) wird ein Prinzip der Entwicklungs-, Umwelt- und Wirtschaftspolitik bezeichnet, das die Lebensqualität in der Gegenwart verbessern will, ohne damit die Lebenschancen und den Handlungsspielraum zukünftiger Generationen zu beeinträchtigen. Ursprünglich ein Prinzip aus der Forstwirtschaft, besagt der Begriff Nachhaltigkeit, dass nur so viel Holz geerntet werden darf, wie auch nachwachsen kann. Bevölkerungswachstum und Migration: Probleme mit Zukunft Seit wann wächst die Weltbevölkerung so schnell? Etwa ab dem 18. Jahrhundert führten Fortschritte in der Medizin und bessere Lebensbedingungen dazu, dass die Bevölkerungszahlen überall auf der Welt stiegen. Zuvor hatten Mangelernährung, Kriege und schlechte hygienische Bedingungen dafür gesorgt, dass die Zahl der Menschen über Jahrhunderte hinweg relativ gleich blieb. Um Christi Geburt lebten etwa 300 Mio. Menschen auf der Erde – und daran hatte sich auch 1600 Jahre später nur wenig geändert. Aber schon um 1800 erreichte die Zahl der Menschen die Milliardengrenze. Um 1900 lebten bereits 1,5 Mrd. Menschen auf der Welt, 1950 waren es 2,5 Mrd. Derzeit bevölkern über 6 Mrd. Menschen unseren Planeten. Bis 2050 werden nach Schätzungen der UNO mehr als 2 Mrd. Menschen hinzukommen. 2100 wird es vermutlich über 9 Mrd. Menschen auf der Erde geben. Welche Folgen hat das Bevölkerungswachstum für die Umwelt? Es stellt eine große Belastung dar. Insbesondere die Notwendigkeit, den wachsenden Bedarf an Lebensmitteln und Energie zu decken, wird zu einer zunehmenden Bedrohung für den Lebensraum Erde. Das Problem wird dadurch verschärft, dass seit den 1950er Jahren ein Großteil des weltweiten Bevölkerungswachstums auf die Entwicklungsländer entfällt. In fast allen diesen Ländern sind Wasser und Boden – zwei Grundvoraussetzungen für die Erzeugung von Nahrungsmitteln – knapp. Weil es ums blanke Überleben geht, kann auf ökologische Bedenken kaum Rücksicht genommen werden. So wurden nach UNO-Angaben in der ersten Hälfte der 1990er Jahre ohne Ersatzaufforstung ca. 11 Mio. ha Wald, der für die Klimaregulierung wichtig ist, gerodet, um Brennholz zu gewinnen oder um auf den gerodeten Gebieten Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Verändert der Fortschritt den Lebensstandard? Für einen kleinen Teil der Menschen, besonders in den Industrieländern, sicherlich. Die Mehrheit auf dieser Welt kämpft jedoch nach wie vor hauptsächlich gegen Hunger und Armut. Man schätzt, dass heute weltweit fast 1 Mrd. Menschen unter den Folgen unzureichender Ernährung leiden. Dabei würde die Menge der weltweit hergestellten Nahrungsmittel schon heute ausreichen, um alle Menschen zu ernähren. Jedoch haben von den Ertragssteigerungen in der Landwirtschaft seit den 1960er Jahren (sog. Grüne Revolution) vor allem die westlichen Wohlstandsgesellschaften profitiert, wo heute ein Überangebot an billigen Nahrungsmitteln herrscht und sogar Überschüsse (z. B. Getreide) entsorgt werden müssen. Warum wandern Menschen aus? Vielfach können die Menschen ihr durch Armut, Hunger, Kriege oder Verfolgung gefährdetes Überleben nur sichern, wenn sie ihre Heimat verlassen. Die Flüchtlingshilfsorganisation der UNO (UNHCR) schätzt, dass im 20. Jahrhundert insgesamt mehr als 200 Mio. Menschen aus diesen Gründen ihre Heimat verließen. Das Wachstum der Weltbevölkerung und die daraus resultierenden Probleme (z. B. Hunger, Wasserknappheit) könnten nach Ansicht von Experten zukünftig zu Flüchtlingsbewegungen führen, deren Ausmaß den Stand des 20. Jahrhunderts weit übertreffen. Seit wann gibt es Migration? Migration ist kein Phänomen der Neuzeit. Im 4. Jahrhundert löste z. B. der Einfall der Hunnen in Osteuropa die sog. Große Völkerwanderung aus, eine der bedeutendsten Wanderungsbewegungen Europas, in deren Verlauf u. a. das Weströmische Reich zerfiel. Als Migration (von lateinisch migrare: ausziehen, auswandern) bezeichnet man jede räumliche Wanderungsbewegung, durch die sich der Wohnort eines Menschen dauerhaft ändert. Flucht ist streng genommen nur ein Sonderfall der Migration. Da aber die meisten Menschen ihre Heimat nicht ohne triftigen Grund verlassen, werden Migration und Flucht häufig gleichgesetzt. Aus rechtlicher Sicht macht es einen Unterschied, weshalb jemand flieht bzw. in ein Land einreisen möchte. Einen Anspruch auf Asyl haben nur Menschen, denen wegen ihrer politischen Haltung, ihrer Abstammung oder ihrer religiösen Überzeugung im Heimatland Gefahr droht. Das bedeutsamste internationale Vertragswerk zum Status von Flüchtlingen ist die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951. In Deutschland ist das Recht auf Asyl darüber hinaus in Artikel 16a des Grundgesetzes verankert. Wussten Sie, dass … nach Schätzungen der UNO 2025 rd. 60 % der Weltbevölkerung in Großstädten leben werden – ein doppelt so großer Anteil wie in den 1950er Jahren? sich die Zahl der Menschen im Großraum Mexiko-Stadt (ca. 18 Mio. Einwohner) seit 1950 versechsfacht hat? der weltweite Wasserverbrauch nach Schätzungen der Weltwasserkommission in den nächsten 30 Jahren um 50 % steigen wird? schon heute in vielen Entwicklungsländern ein Mangel an nutzbaren Bodenflächen besteht? Geht uns das Wasser aus? Im Jahr 2025 wird die Hälfte der Weltbevölkerung unter hochgradigem Wassermangel leiden. In etwa 30 Staaten – besonders in Nordafrika, im Nahen Osten und in Westasien – wird die Wasserknappheit ein lebensbedrohliches Ausmaß erreichen. Der Kampf um Wasservorkommen könnte in diesen Regionen sogar zu militärischen Auseinandersetzungen führen. Der Nord-Süd-Konflikt: Entwicklung gegen Armut Was bedeutet »Nord-Süd-Konflikt«? Als Nord-Süd-Konflikt wird das Entwicklungs- und Verteilungsgefälle zwischen den meist nördlich gelegenen Industriestaaten und den zum Großteil im südlichen Teil der Welt befindlichen Entwicklungsländern bezeichnet. Experten sehen aufgrund dieses Gefälles für das 21. Jahrhundert Verteilungskämpfe um die weltweit knappen Ressourcen (z. B. Nahrungsmittel, sauberes Trinkwasser) voraus, zumal in den Entwicklungsländern vier Fünftel der Weltbevölkerung leben. Was sind seine Ursachen? Viele Entwicklungsländer sind ehemalige Kolonien der europäischen Großmächte. Nach ihrer Entlassung in die Unabhängigkeit besaßen sie oft keine funktionierende Verwaltung mehr, ihre Rohstoffressourcen waren teilweise ausgebeutet. Außerdem ist das nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Weltwirtschaftssystem vornehmlich auf die Bedürfnisse der Industriestaaten zugeschnitten. Der Konflikt zeigte sich erstmals 1962 deutlich, als die Entwicklungsländer auf der Konferenz von Kairo die Forderung nach einem internationalen Wirtschaftsgremium mit gerechter Beteiligung der Entwicklungsländer erhoben. 1964 fand die erste Konferenz der UNO für Welthandel und Entwicklung (UNCTAD) statt. Ist Ungerechtigkeit auch ein Umweltproblem? Die Folgen der Armut in den Entwicklungsländern treffen, etwa durch umweltschädliche Produktionsweisen, die gesamte Menschheit. Im Sinne einer nachhaltigen Umweltpolitik muss also auch die soziale Schieflage korrigiert werden. Wohlstand und Zukunftschancen müssen gerechter verteilt werden. Eine nachhaltige Entwicklung kann nur dann gelingen, wenn den Entwicklungsländern die Chance eingeräumt wird, ihre Lage zu verbessern. Was besagt das Lomé-Abkommen? 1975 vereinbarte die Europäische Gemeinschaft in Lomé (Togo) eine Zusammenarbeit mit 46 sog. AKP-Staaten (Entwicklungsländer aus Afrika, der Karibik und dem Pazifikraum). Diese erhielten u. a. finanzielle Hilfen, zinsgünstige Darlehen sowie Zoll- und Abgabenfreiheit für ihre Produkte. Bis ins Jahr 2000 wurde dieses Abkommen – mit einer wachsenden Anzahl AKP-Staaten – noch dreimal verlängert (»Lomé I–IV«). Im Juni 2000 unterzeichneten die Europäische Union und 77 Entwicklungsländer in Cotonou (Benin) das Folgeabkommen von Lomé. Im Cotonou-Abkommen (Laufzeit: 20 Jahre) wurde bilateraler Freihandel vereinbart. Die beteiligten AKP-Staaten sollen Wirtschaftshilfe erhalten und verstärkt mit der EU kooperieren. Was will Entwicklungspolitik? Entwicklungspolitik dient vor allem dazu, die Grundbedürfnisse der Menschen nach Nahrung, sauberem Wasser und Wohnung zu befriedigen sowie die Armut abzubauen. Nach heutigem Verständnis versteht sich Entwicklungshilfe als »Hilfe zur Selbsthilfe«. In den 1950er Jahren ging es den Industriestaaten vor allem darum, durch Kapitalzufuhr die Industrialisierung in den Entwicklungsländern zu fördern und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Dabei übersahen sie, dass in diesen Staaten kaum Industrie vorhanden war. Der dort vorherrschende Wirtschaftssektor, die Landwirtschaft, wurde durch diese Förderung vernachlässigt. Schon in den 1970er Jahren war offenkundig, dass der Großteil der Bevölkerung in der Dritten Welt weiterhin in Armut lebte. Die Entwicklungsländer forderten daher eine stärkere Beteiligung an Entscheidungsprozessen in der Weltwirtschaft. Wann begann die Schuldenkrise? In den 1980er Jahren. Damals waren die Entwicklungsländer immer weniger in der Lage, ihre bei internationalen Organisationen wie der Weltbank und bei anderen Staaten aufgenommenen Kredite zu tilgen. Einige Staaten wurden zahlungsunfähig – das Wort von der Schuldenkrise machte die Runde. Industriestaaten drohten, keine neuen Kredite meh