Wie wird der Held durch die Gesellschaft geformt?
Wie wird der Held durch die Gesellschaft geformt? An einer Kette von Stationen führt Mann vor, wie das im wilhelminischen Deutschland herrschende politische und gesellschaftliche Gefüge Diederich zu dem gemacht hat, was er ist: kriechender Untertan und zynischer Tyrann zugleich. Einerseits ist der Druck auf ihn so groß, dass er sich dem »unerbittlichen, menschenverachtenden, maschinellen Organismus« des streng hierarchisch geordneten Staates nur unterwerfen kann. Andererseits ermöglicht die Eingliederung in diese Machtstrukturen die Ausübung eigener Macht: »Wer treten wollte, musste sich treten lassen«, lautet folgerichtig seine Maxime. Diederich wird dabei nicht als »Person« mit individuell entfaltetem Charakter dargestellt, sondern als »Typ«: Er ist ein Repräsentant seiner Zeit, denn jedes politische System formt den Charakter, den es zur Machterhaltung benötigt, und das Kaiserreich braucht feige Untertanen ohne Rückgrat – so die herausfordernde Grundaussage des Buchs.