Herrscher und Heerführer – Macht, Ruhm und Reiche

Herrscher und Heerführer – Macht, Ruhm und Reiche Sie waren von Geburt für ihr hohes Amt bestimmt oder haben sich aus eigener Kraft emporgearbeitet an die Spitze von Staaten und Armeen. Sie wurden geliebt und gefürchtet, bewundert und geschmäht, und nicht jeder, der Krone oder Siegerkranz trug, nahm auch ein ruhmreiches Ende. Die Herrscher und Heerführer verband ein einziges Ziel: Die Erhaltung und Erweiterung des eigenes Reiches. Dabei gingen einige brutal und rücksichtslos vor, andere setzten auf Taktik und Diplomatie. Es gab Machthaber, die auf dem Rücken ihrer Untertanen regierten, und Staatslenker, die zum Wohl ihres Volkes beitrugen. Intrigen, Verrat, Kriege, aber auch Glanz, Ruhm und Siege: Zwischen diesen Polen bewegten sich die Monarchen und ihre Krieger. Mit den Biografien von 33 Kaisern, Königen und Heerführern führt dieses Kapitel durch vier Jahrtausende Weltgeschichte – beginnend mit dem babylonischen Reichsgründer Hammurapi (um 1700 v.Chr.), dem ersten großen Gesetzgeber der Geschichte, bis zum letzten russischen Zaren Nikolaus II. (1868–1917), dem schwachen, zögerlichen Opfer der Oktoberrevolution. Um die Lebensgeschichten von Julius Caesar (100–44 v. Chr.), Kleopatra (69–30 v. Chr.), Tschingis Chan (1167–1227) oder Napoleon (1769–1821) ranken sich auch heute noch Legenden. Das deutsche Mittelalter ist mit zwei bedeutenden Stauferkaisern vertreten, dem sagenumwobenen Friedrich I. (1122 bis 1190), den sie Barbarossa nannten, und Friedrich II. (1194 bis 1250), dessen Ideen seiner Zeit weit voraus waren. Sein preußischer Namensvetter Friedrich II. der Große (1712–1786) steht für den aufgeklärten Absolutismus, für militärische Siege und kluge Ordnungspolitik. Den seltsam träumerischen Kontrapunkt dazu setzt der Bayernkönig Ludwig II. (1845–1886), dessen Märchenschlösser heute Millionen Menschen aus aller Welt verzaubern. Hammurapi: Strenger Gesetzgeber des Orients Was bedeutet der Name des Königs? Hammurapi, König und babylonischer Reichsgründer, schuf durch seine Eroberungen ein mesopotamisches Großreich. Der Name bedeutet wahrscheinlich »Der (vergöttlichte) Onkel väterlicherseits ist Heiler«. Allgemein wird der Name des Königs auch mit Hammurabi wiedergegeben. Heute tendiert man jedoch eher zu Hammurapi, genauer Ammurapi. Die Regierung Hammurapis fällt in die Jahre zwischen 1792 und 1750 v. Chr., in die erste babylonische Dynastie. Da es nicht möglich ist, für diesen Zeitraum genaue Daten anzugeben, könnte seine Herrschaft auch etwa 100 Jahre früher oder später angesetzt werden. Wie ging Hammurapi mit den Nachbarvölkern um? Im Allgemeinen gut. Ein Vertrauensmann des Königs Zimri-Lim vom Reich Mari am babylonischen Hof berichtet in einem Brief: »Was Hammurapi auch unternimmt: er informiert mich stets. Wo er sich auch aufhält, so kann ich mich doch zu ihm begeben. Alles, was er im Sinn hat, teilt er mir mit (…).« Auch wenn der mariotische Gesandte sicherlich übertreibt, zeigt das Schreiben an Zimri-Lim einen jovialen Umgang des Königs von Babylon mit ausländischen Gesandten. Die Korrespondenz mit Mari beweist auch, dass Hammurapi imstande war, bestehende Bündnisse zu seinem eigenen Vorteil auszunutzen. Darauf, dass der König ein kühl denkender Stratege war, lässt die Tatsache schließen, dass er keinerlei Skrupel kannte, seine alten Bundesgenossen anzugreifen und ihre Staaten seinem Einflussbereich anzugliedern. Hammurapi war als Eroberer jedoch nicht grausam, schonte meist die Bewohner der eingenommenen Städte. So war er ein milderer Herrscher als die meisten anderen Könige Mesopotamiens. Was kennzeichnet sein Selbstverständnis? Hammurapi sah sich in bester Nomadentradition als eine Art übergeordneter Vater seiner Untertanen. Hier unterscheidet er sich etwa von den Königen der dritten Dynastie von Ur oder der Dynastie von Isin, die gegenüber ihrem Volk Anspruch auf göttliche Ehren erhoben. Aus den Briefen, die der König und seine Kanzlei bis in die entlegensten Provinzen schickten, geht hervor, dass sich Hammurapi selbst für alltägliche Vorgänge interessierte; oft genug mischte er sich auch in Streitigkeiten zwischen seinen Beamten und seinen Untertanen ein. Die erhaltenen Anweisungen an seine Emissäre zeigen ganz deutlich, dass er dabei durchaus auch zum Wohl einer Privatperson und gegen die Interessen des Staates entschied. Was ist seine größte Leistung? Die neben der Errichtung des altbabylonischen Reichs bekannteste Leistung des Königs ist wohl der von ihm geschaffene Gesetzeskanon. Bereits am Anfang seiner Herrschaft hatte Hammurapi Reformgesetze erlassen. Dieses Verhalten ist für einen mesopotamischen Herrscher jedoch nichts Ungewöhnliches. Zur Legitimation der Herrschaftsansprüche gehörte in dieser Region seit jeher das Streben nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Teilweise griff Hammurapi bei der Erstellung seiner Gesetze auf ältere Rechtssammlungen des Alten Orients zurück, zu nennen wäre hier der Kodex des Königs Lipit-Ishtar von Isin. Wussten Sie, dass … es Hammurapi gelungen war, hohe Beamte von Mari dazu zu bringen, ihn mit wertvollen Informationen über den Verbündeten zu versorgen? sein Gesetzeskanon keinen Unterschied zwischen den Bewohnern der babylonischen Kerngebiete und den Menschen der unterworfenen Territorien machte? in dem Relief auf der Oberseite der Stele, auf der Hammurapi seine Gesetze einmeißeln ließ, der König vor dem Sonnengott dargestellt ist? das Strafmaß für Verbrechen im Kodex Hammurapi im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Gesetzeswerken recht drastisch ist? Was ist der Kodex Hammurapi? Die 2,25 Meter hohe Stele des Kodex Hammurapi wurde 1902 in Susa im Westiran entdeckt, wohin sie als Kriegsbeute verschleppt worden war. In 49 Kolumnen sind ein Vor- und ein Nachwort sowie 282 Einzelparagraphen eingemeißelt. Umstritten sind Natur und Absicht des Kodex. So fehlt etwa die Darstellung vorsätzlichen Mords. Immerhin ist es relativ sicher, dass der Rechtskanon zur Anwendung kam. In einem altbabylonischen Dokument wird erwähnt, ein Urteil sei gemäß der Stele des Hammurapi gefällt worden. Auch ruft der König im Epilog dazu auf, dass der Ratsuchende sich die für seinen Fall relevanten Stellen des Textes vorlesen lassen und sein Urteil finden möge. Ramses II.: Altägyptischer Bauherr und Friedensstifter Wann regierte Ramses II.? Ramses II. (der Große) wurde 1279/1280 v.Chr. – im Alter von 25 Jahren – in Memphis zum König gekrönt. Damit trat er die Nachfolge seines Großvaters Ramses I. (1292–1290 v.Chr.) und seines Vaters Sethos I. (1290 bis 1279 v.Chr.) an. Wie seinen Vorgängern so war auch Ramses II. daran gelegen, jegliche Erinnerung an den Ketzerkönig Echnaton, der die Götter Ägyptens abgeschafft und den Monotheismus eingeführt hatte, zu tilgen. Echnatons Denkmäler wurden zerstört, sein Name aus den Inschriften entfernt. Wie stärkte der Pharao seine Macht? Vor allem durch erfolgreiche Kriege. Unter der Regentschaft Ramses' II. erlebte Ägypten eine ruhmreiche Ära, die im Friedensvertrag mit den Hethitern gipfelte, dem mehrere Asienfeldzüge vorangegangen waren. 1276 eroberte Ramses den Staat Amurru. 1274 versuchte er mit 20000 Kriegern, die Stadt Kadesch von den Hethitern zurückzuerobern, geriet aber in einen Hinterhalt der mehr als doppelt so großen hethitischen Truppe und entkam nur knapp. Diese Ereignisse wurden in Bildern und Gedichten auf mehreren Tempelwänden Ägyptens festgehalten und glorifiziert, die Kadesch-Schlacht zum heldenhaften Sieg des Pharaos verklärt. Die Asienfeldzüge einige Jahre später waren erfolgreicher, syrische und phönizische Städte kamen wieder zum ägyptischen Herrschaftsbereich. Um das Jahr 1259 schlossen Ramses II. und der Hethiterkönig Hattusalis III. Frieden. Der schriftliche Vertrag ist uns sowohl auf hethitischen Tontafeln als auch auf einer Wand des Tempels von Karnak überliefert. 13 Jahre später heiratete Ramses II. eine Tochter des Hethiterkönigs. Als was wurde Ramses vor allem bekannt? Ramses II. gilt als der größte Baumeister unter den Pharaonen. In seiner 66-jährigen Regierungszeit – so lang herrschte kein anderer ägyptischer König – hat er zahlreiche monumentale Architekturdenkmäler und Statuen hinterlassen, denen der Ägyptenreisende noch heute auf Schritt und Tritt begegnet. Besonders bekannt sind sein Totentempel, das Ramesseum in Theben, und der Säulenhof des Luxor-Tempels. Ein 25 m hoher Obelisk dieses Meisterwerks steht heute auf der Place de la Concorde in Paris. Wenig erhalten ist die zehn Quadratkilometer große Residenzstadt Piramesse, die der Pharao bereits in seinen ersten Regierungsjahren erbauen ließ. Welches berühmte Bauwerk ließ er errichten? Den Tempel von Abu Simbel. Wer heute das imposante Bauwerk besichtigt, kann sich kaum vorstellen, dass dieses jahrhundertelang nahezu vollständig von Wüstensand bedeckt war. Johann Ludwig Burckhardt, ein Schweizer Orientreisender, entdeckte den Tempel am 22. Mai 1813 zufällig in der nubischen Wüste. Zu dieser Zeit ragte nur der Teil eines riesigen Kopfes aus den Sandverwehungen. Vier Jahre später wurde der Tempel von dem italienischen Antiquitätensammler Giovanni Battista Belzoni freigelegt, der nicht schlecht staunte, als vier 20 Meter hohe Sitzstatuen vor ihm auftauchten. Durch eine Tür gelangte das Forscherteam in das 63 Meter weit in den Felsen getriebene Tempelinnere. Dazu Belzonis spannender Bericht: »(…) unser Erstaunen wuchs noch weiter, als wir gewahr wurden, dass wir in einem der großartigsten Tempel standen, der mit herrlichen Intaglien [eingravierten Bildern], Malereien, Kolossalbildnissen und so weiter ausgeschmückt war.« Die Tempelanlage, die erst nach der Entzifferung der Hieroglyphen durch Jean François Champollion (1822) dem Pharao Ramses II. zugeordnet werden konnte, wurde 1964 bis 1968 vor dem Bau des Assuanstaudamms in einer spektakulären Rettungsaktion der UNESCO 180 Meter weit ins Landesinnere auf eine sichere Anhöhe versetzt. Neben dem beschriebenen großen ist auch der kleine Tempel von Abu Simbel bekannt, den Ramses II. für eine seiner Lieblingsfrauen, Nefertari, errichten ließ. Wer fand die Mumie des Pharaos? 1871 entdeckte ein Ziegenhirte auf der Suche nach einem verlorenen Zicklein aus seiner Herde das Grab von Ramses II. Erst zehn Jahre später erfuhren Archäologen von dem Fund in Deir el Bahari (Theben). Durch einen tiefen senkrechten Schacht gelangten sie in einen etwa 70 Meter langen Gang, der in einer Grabkammer endete. In dem mit zahlreichen Beigaben ausgestatteten Grab stießen sie auf mehrere Königsmumien, darunter befanden sich auch die von Ramses II., Sethos I. und Ramses I. 1976/77 wurde die Mumie des Pharaos Ramses II. im Anthropologischen Museum von Paris von einem spezialisierten Forscherteam untersucht. Wussten Sie, dass … sich neun Pharaonen der 20. Dynastie nach Ramses II. benannten? Ramses II. mehrere königliche Gemahlinnen hatte und über 90 Kinder zeugte? der Pharao im hohen Alter von 90 Jahren vermutlich an einer durch einen Zahnabszess ausgelösten Blutvergiftung starb? Das fanden Anthropologen nach dem Fund der Mumie heraus. David: Von Gott berufener König Wer machte David zum König der Israeliten? Jahwe, also Gott selbst. David, als Kind ein Hirtenjunge, wurde nach Saul zweiter König der Israeliten und erster Monarch über ein geeintes Königreich. Es gelang ihm, Jerusalem zu erobern, das er zur Hauptstadt machte. David wurde als achter und jüngster Sohn des Isai etwa 1040 v. Chr. in Bethlehem geboren. In der Kindheit arbeitete er als Hirte auf dem Feld. Eines Tages holte ihn der Prophet Samuel von dort fort, um ihn als neuen König heimlich zu salben, da Jahwe den herrschenden König Saul bereits verworfen hatte. David kam nach Gibea an den Hof Sauls und beeindruckte den Herrscher durch sein Zitherspiel. Bald wurde David Waffenträger des Königs, gewann die Freundschaft von Sauls Sohn Jonathan und heiratete dessen Schwester Michal. Bei einer der zahlreichen Schlachten der Israeliten gegen die Philister gelang David der legendäre Sieg gegen den Riesen Goliath (1. Sam 17). Als Saul begann, misstrauisch zu werden, musste David den Hof fluchtartig verlassen. Wie kam David an die Macht? Durch Kriege und Mord. David gelangte nach der Flucht in die judäischen Berge und in das Hinterland der Küste, wo er eine schlagkräftige Truppe von Abenteurern um sich scharte. Erfolgreiche Beutezüge mit diesem Heer brachten David Reichtum, die Söldnertätigkeit für die Philister schließlich auch noch ein mächtiges Lehen nahe der Küste. Bei einer großen Schlacht gegen die Philister am Berg Gilboa fiel Jonathan, der geschlagene Saul beging Selbstmord. Kurz nach diesen Ereignissen wurde David von den Stammesältesten der sechs Südstämme in Hebron zum König gesalbt. Wenige Jahre später wurde er, nach der Ermordung von Eschbaal, dem Sohn und Nachfolger Sauls, auch von den Stammesfürsten des Nordreichs zum König erwählt. Die Vereinigung der beiden Reiche Israel und Juda unter einer Herrschaft missfiel den Philistern, weshalb sie König David in der Ebene Refaim zum Kampf herausforderten. Mithilfe seiner hoch motivierten Söldnertruppe gelang es ihm, die Philister endgültig zu schlagen. Bald darauf eroberte David die Nachbarstaaten im Ostjordanland, darunter Moab und Edom. Im Inneren festigte er seine Macht, indem er die unabhängigen Stadtstaaten, allen voran Jerusalem, einnahm. So wurde aus dem Stammeskönigtum Sauls schließlich das Staatskönigtum Davids. Der junge König herrschte jetzt über Israel, ein zusammenhängendes großes Reich mit tributpflichtigen Vasallenstaaten. Was brachte ihm die Eroberung Jerusalems? Vor allem weiteren Machtzuwachs und eine neue Rolle als Herrscher. Nachdem David um 998 v. Chr. das bisher noch kanaanäisch-jebusitische Jerusalem erobern konnte, machte er den Stadtstaat, der in keinem der zwölf Stammesgebiete lag und somit neutral war, zu seiner neuen Haupt- und Residenzstadt. So gelang es dem König, die Rolle des ehemaligen Stadtkönigs von Jerusalem auf sich zu übertragen. Wie verhielt sich der neue König als Mensch? David war auch in seinem Privatleben ein gewiefter Taktiker, der vor harten Maßnahmen, wenn sie seinen Zielen dienten, nicht zurückschreckte. Als David ein Verhältnis mit Bathseba, der Frau eines seiner Offiziere, unterhält, schickt er den Mann Bathsebas an die vorderste Front in den sicheren Tod. Einen Aufstand seines Sohnes Abschalom gegen ihn lässt David blutig niederschlagen. Sein zweiter Sohn, Salomo, wird Davids Nachfolger. Wussten Sie, dass … dem Haus Davids eine ewige und gottgewollte Herrschaft verheißen war (2. Sam 7,13)? noch heute das Judentum einen Erlöser aus dem Hause Davids erwartet? das Christentum in Christus einen Nachkommen Davids sah? Wie veränderte sich die Jahwe-Religion unter König David? Die Religion musste unter David den neuen politischen Gegebenheiten angepasst werden. Dazu bot sich eine Synthese der Jahwe- mit der kanaanäisch-jebusitischen Religion des alten Jerusalems an. Auf diese Weise konnte zudem die ansässige kanaanäische Bevölkerung gewonnen werden. Die königlichen Hoftheologen, meist kanaanäischer Herkunft, machten aus der Befreiungsreligion für eine Randgruppe eine universale Religion mit sakraler Legitimation für das Königtum. Der Lokalgott Jahwe wurde zum höchsten Gott und Weltschöpfer, der mithilfe des Königs von »Zion« regierte. Durch die Machtsteigerung Jahwes war es nun möglich, die politische Machtkonzentration unter David auch theologisch schlüssig zu begründen. Alexander der Große: Die Vision vom Weltreich Wie wurde Alexander erzogen? Kein Geringerer als Athens großer Philosoph Aristoteles schärfte den Geist Alexanders, der im Juli des Jahres 356 v. Chr. in Pella als Sohn des Makedonenkönigs Philipp II. und seiner Gemahlin Olympias, einer epirotischen Prinzessin, geboren wurde. In Homers Epos »Ilias« fand er sein großes Vorbild, den Helden Achilleus. Dass auch seine militärische Ausbildung exzellent war, bewies er in wichtigen Schlachten, die er im Auftrag seines Vaters schlug, so bei Chaironeia (338) gegen die vereinten Griechenheere. Auf dem Heimweg befragte Alexander das Orakel von Delphi: Die Seherin nannte ihn »unbesiegbar« … Die Scheidung des Vaters von Olympias und seine Wiederverheiratung belasteten die Beziehungen, schließlich mussten Mutter und Sohn gar fliehen. Der Sohn konnte schon bald zurückkehren, doch war seine Position als Thronerbe nicht länger unangefochten. Ob Alexander an der Ermordung seines Vaters 336 beteiligt war, ist historisch nicht belegt, sicher ist nur, dass er die Nachfolge Philipps ohne Schwierigkeiten antreten konnte. Was war der Alexanderzug? Der Alexanderzug war ein Feldzug gegen die Perser. Gestützt auf eine hervorragende, kriegserfahrene Armee und ebensolche Heerführer, sorgte der neue König zunächst für innere Ruhe in Griechenland, überquerte die Donau, besiegte Illyrer und Thraker im Norden. 334 war es dann so weit: Alexander zog mit rund 35000 Mann gegen die Perser. Seinem Sieg am Granikos folgte 333 die sattsam bekannte »Keilerei« bei Issos in Kilikien, wo er die Truppen des persischen Großkönigs Dareios III. besiegte. Nach der Okkupation Syriens und Phöniziens ergab sich Ägypten 332/31 kampflos, Alexander ließ sich zum Pharao krönen und gründete die Stadt Alexandria. 331 rückte er in Mesopotamien ein, die Schlacht bei Gaugamela brachte das Ende des letzten persischen Aufgebots. Dareios III. entkam zunächst, wurde jedoch auf seiner Flucht getötet. Nach der Eroberung des Zweistromlandes visierte Alexander als Nächstes die alte elamitische Hauptstadt und Perserresidenz Susa an, wo ihm der riesige Königsschatz komplett in die Hände fiel. Als er den Thron der Achämeniden bestiegen hatte, proklamierte er das Ende des Feldzugs gegen die Perser. Doch zogen sich die Kämpfe – jetzt auch gegen unzufriedene Makedonen – noch bis 327 hin. Im selben Jahr vermählte er sich mit der baktrischen Fürstentochter Roxane. Hatte der König immer Erfolg? Nein. Als der nächste Feldzug in Indien siegreich verlief, sah Alexander zunächst seine Stellung beim Heer zwar wieder gestärkt, doch die berühmt gewordene Meuterei der Soldaten am Fluss Hyphasis zwang ihn schließlich zur Umkehr. Den Rückmarsch durch die Wüste von Gedrosien kennzeichneten endlose Schwierigkeiten und hohe Verluste, die Macht des Königs schwand dahin – auch für ihn selbst deutlich spürbar. Woran scheiterte Alexander letztlich? Die zunehmende Entfremdung zwischen Makedonen, Griechen und ihrem König hatte klare Ursachen: Alexanders perserfreundliche Politik – nach seinem Sieg über Dareios – wie auch die Einbindung des persischen Adels in seinen Hofstaat zu Ungunsten der makedonischen Gefolgsleute und seine brutale Reaktion auf deren Unmut. Eine tiefe Kluft entstand aber vor allem durch seine Begeisterung für orientalisches Gepränge und die Hinwendung zu den orientalischen Göttern. Alexander sah sich seit dem Besuch des Orakels in der Oase Siwa 331 als Sohn des Ammon – der ägyptischen Entsprechung des obersten Olympiers Zeus – und bezog daraus die Legitimation seiner Herrschaft als Gottkönig. Griechen und Makedonen beleidigte er mit dem Versuch, auch ihnen das orientalische Hofzeremoniell vorzuschreiben. 324 zwang er sie gar, ihn selbst als Gott zu verehren – alles Ausdruck zunehmenden Größenwahns. Wie zerbrach das Reich? Es wurde zerteilt. Im Juni 323 erkrankte der König und starb, erst 32-jährig, ohne einen Nachfolger bestimmt zu haben. Sein Feldherr Perdikkas erhielt zwar den königlichen Siegelring, doch konnte er sich gegen die anderen Herrschaftsaspiranten nicht durchsetzen. Im Zuge der nun folgenden so genannten Diadochenkämpfe zerfiel das Großreich Alexanders, die Visionen von einer Weltherrschaft der Makedonier zerstoben. Was bezweckte Alexander mit der Massenhochzeit von Susa? Beim Versuch, durch eine »Politik der Verschmelzung« den Frieden zu bewahren und eine königstreue Anhängerschaft zu gewinnen, verheiratete Alexander im Jahr 324 v. Chr. rund 80 seiner Getreuen und Feldherren sowie nicht weniger als 10000 Makedonen mit Perserinnen– er selbst ehelichte zwei iranische Prinzessinnen. Wussten Sie, dass … Alexander der Große kleinwüchsig war? Nach der Einnahme der Perserresidenz Susa 331 v. Chr. musste man ihm ein Esstischchen als Fußstütze unterschieben, damit er den eroberten Thron erklimmen konnte. Alexander den Mörder seines Kriegsgegners Dareios III., Bessos, hinrichten ließ? einer Legende nach die Herrschaft über Asien dem gehören sollte, der den Gordischen Knoten löste? Alexander soll den Knoten einfach mit seinem Schwert zerschlagen haben. Alexander in Griechenland und Makedonien auch den orientalischen Brauch der Proskynese, den Fußkuss, einführen wollte? Kaiser Qin: Erster Kaiser Chinas Wie sah China vor dem Ersten Kaiser aus? Mehr als 500 Jahre vor der Einigung des chinesischen Reiches betreten die Ahnen des Ersten Kaisers, die späteren Herzöge und Könige von Qin, die historische Bühne. Ihr Lehensreich in der nordwestchinesischen Zentralebene, in dem schon früh die ersten zentralistischen Reformen eingeleitet wurden, blieb jedoch bis ins 4. Jahrhundert v.Chr. eine kulturelle Randerscheinung mit militarisierter Verfassung. Hundert Jahre später fanden die dringlichsten Forderungen der Zeit, nämlich die »Bereicherung des Staates« und die »Stärkung der Heere«, Niederschlag in den Schriften des Han Feizi, des bedeutendsten legalistischen Gelehrten. Auf die Ideen dieses Staatstheoretikers und des eigentlichen Architekten der Einigung, des Kanzlers Li Si, stützte sich der Erste Kaiser bei seinen Regierungsgeschäften. Wie bezeichnete sich der Kaiser selbst? Als Gottkaiser. Jener Mann, der die chinesischen Provinzen, in denen eine Vielzahl von Ethnien zu Hause ist, zu einem Reich vereinen wird, kommt 259 v. Chr. auf die Welt. Als 13-Jähriger besteigt der Sohn einer Konkubine und eines wohl nichtchinesischen Großkaufmanns unter dem Namen Cheng den Königsthron und beginnt bald darauf, die noch verbliebenen »Streitenden Reiche« zu erobern. Nach Unterwerfung des letzten nennt er sich Qin Shihuangdi, was so viel wie »Erster Göttlich Erhabener von Qin« bedeutet. Damit formuliert er seinen Anspruch, am Beginn einer unendlichen Folge von Gottkaisern zu stehen. Erstaunlich war der große Wandel, der während seiner kurzen Regierungszeit in China stattfand. Zur Durchsetzung seiner Vorstellungen dienten einerseits ein hierarchisch gegliederter Beamtenapparat und strenge Strafgesetze, andererseits bemühte er sich, sein magisches Prestige als Gottkaiser oder erster Heiliger der Geschichte beim Volk zu verankern: Fünf Inspektionsreisen führten ihn durchs Land; auf der letzten starb der 49-Jährige überraschend. Was war die dunkle Seite des Reformers? Der Kaiser war extrem misstrauisch. Vielleicht erdrückt von der Erkenntnis, ein so gewaltiges Einigungswerk übersteige Kraft und Lebensspanne eines Einzelnen, umgab er sich mit einer Schar von Magiern. Sie sollten dem unter pathologischer Todesangst Leidenden dabei helfen, das Elixier des ewigen Lebens von den »Inseln der Unsterblichen« zu holen. Nach überstandenen Attentatsversuchen wurde der Herrscher immer misstrauischer. Welche Reformen leitete der Erste Kaiser ein? Die seit dem 4. Jahrhundert in Qin durchgesetzten und auf das geeinte Reich übertragenen Reformen bedeuteten das Ende des Feudalsystems. An seine Stelle traten einheitliche Regeln und ein ausgeklügeltes System von Strafen und Belohnungen. Die Verwaltung unterstand vom Kaiser selbst ernannten, absetzbaren Beamten. Die Kosten für ihren Unterhalt und die staatlichen Baumaßnahmen wurden durch Steuern und Pflicht-Frondienste der Bevölkerung bestritten. Um sein Reich vor äußerer Bedrohung zu schützen, ließ der Kaiser den größten Teil der Chinesischen Mauer errichten. Die die Wirtschaftskraft überfordernden Baumaßnahmen trugen ebenso wie die Anwendung der drakonischen Strafgesetze, die Tyrannei des Herrschers, der Hass des entrechteten Adels und der zumeist konfuzianischen Intellektuellen dazu bei, dass nach dem Tod des Kaisers Aufstände ausbrachen, die der Dynastie nach nur insgesamt 14 Jahren ein Ende bereiteten. Was bedeutet Legalismus? Der Begriff bezeichnet eine Philosophenschule der Östlichen Zhou-Zeit (722–222 v. Chr.), die davon ausgeht, dass der Mensch von Natur aus schlecht ist. Damit ein friedliches Zusammenleben auf der Erde funktionieren kann, bedarf es strenger Regeln und Strafen, die nur ein zentralistisch regiertes Reich aufstellen und überwachen könne. Wussten Sie, dass … der Kaiser ein »Aktenfresser« war? Täglich bearbeitete er etwa 73 kg auf Bambustäfelchen geschriebene Akten. er 400 Regimegegner lebendig begraben sowie traditionelle historische und philosophische Bücher verbrennen ließ? unter seiner Herrschaft Maße und Gewichte standardisiert sowie die Wagenspurbreite und die Schrift vereinheitlicht wurden? Qin über 200 Paläste baute, darunter den Hauptstadtpalast, eine Nachbildung des Sternbilds »Himmelsgipfel«, als Sitz des obersten Himmelsgottes, und das unterirdische Mausoleum? Hannibal: Gefährlichster Gegner Roms Wurde Hannibal das Kämpfen in die Wiege gelegt? Ja. Hannibal entstammte dem karthagischen Adelsgeschlecht der Barkiden. Sein Vater Hamilkar Barkas war einer der erfolgreichsten Feldherrn des Ersten Punischen Kriegs zwischen Rom und Karthago gewesen und hatte nach der Niederlage mit dem Aufbau eines karthagischen Territoriums in Südspanien begonnen. Nachdem Hannibal dort zum militärischen Führer der Mittelmeermacht aufgestiegen war, wurde Karthago wieder zu einer großen Bedrohung für Rom. Warum zog er mit Elefanten über die Alpen? Er wollte die Dickhäuter bei seinem Angriff auf Rom als Kampftiere einsetzen. Auf dem anstrengenden Marsch gingen aber die meisten der Rüsseltiere ein. Trotzdem gelang es Hannibal durch sein außerordentliches taktisches Geschick – und obwohl seine Truppen zahlenmäßig unterlegen waren –, die römischen Armeen zu besiegen. Mit seinem tollkühnen Marsch über die Alpen wollte Hannibal einem römischen Vergeltungsangriff zuvorkommen: Er hatte gerade das mit Rom verbündete Sagunt zerstört. Wie vermied Rom Niederlagen gegen die Karthager? Nach der vernichtenden Niederlage zweier römischer Heere am Trasimenischen See im Jahr 217 v.Chr. vermieden die Römer unter dem Kommando von Quintus Fabius Maximus Cunctator die offene Feldschlacht. Cunctator, der deshalb seinen Spottnamen – Zauderer – erhielt, begnügte sich damit, Hannibals Bewegungsfreiheit einzuschränken. Entgegen dem Rat Cunctators wagten die Römer aber unter dem Kommando von Gaius Terentius Varro 216 v.Chr. erneut die offene Schlacht. Bei Cannae stellte eine überlegene römische Armee die Karthager und ihre Verbündeten. Hannibal umging die römische Formation und schlug sie vernichtend. Angeblich brachten die Boten, die den Sieg meldeten, die erbeuteten Standesabzeichen der römischen Ritter nach Karthago. Die Römer brachten Menschenopfer, um die Götter zu versöhnen, und hielten sich in Zukunft streng an die Strategie Cunctators. Starb Hannibal in einer Schlacht? Nein. In den folgenden Jahren gelang Hannibal kein Sieg über die Römer mehr. 203 v.Chr. landete eine römische Armee unter dem Kommando von Cornelius Scipio in Afrika und bedrohte Karthago. Hannibal wurde zu Hilfe gerufen und kehrte widerwillig zurück. Im Jahr darauf kam es dann bei Zama zur Entscheidungsschlacht zwischen Scipio und Hannibal. Scipio wandte dabei die gleiche Umfassungsstrategie an, mit der Hannibal in Cannae gesiegt hatte. Karthago musste kapitulieren. Der Friedensvertrag verbot Karthago eine eigenständige Außenpolitik, den Unterhalt von Besitzungen außerhalb der direkten Umgebung der Stadt und jede umfangreiche Bewaffnung. Hannibal entging der Auslieferung an die Römer nur durch Flucht. Im Lauf der Jahre fand er Unterschlupf bei diversen Herrschern, denen er als militärischer Berater gegen die Römer diente. Im Jahr 183 v.Chr. entzog er sich dem Zugriff Roms durch Selbstmord. Welche Spuren hat Hannibal hinterlassen? Seine brillanten taktischen Konzepte haben Militärs aller Epochen beeinflusst. Zahlreiche Generalstabsentwürfe gehen auf Analysen seiner großen Siege zurück. Seine Genialität, sein Hass auf die Römer und sein Scheitern machen ihn zu einer tragischen Figur. Er war der Letzte, der eine Chance gehabt hatte, Rom auf seinem Weg zur Weltherrschaft entgegenzutreten. Für die Römer blieb Hannibal ein Trauma. Der Ausruf »Hannibal ante portas« (Hannibal steht vor den Toren), der auch in unsere Sprache Eingang gefunden hat, wurde zu einem Synonym für unmittelbare Bedrohung. Wussten Sie, dass … Hannibal angeblich schon als Kind den Römern ewige Feindschaft schwor? in der Schlacht bei Cannae ungefähr 50000 römische Soldaten zu Tode kamen? Hannibals Strategie darauf abzielte, die römischen Bundesgenossen zur Ablösung von Rom zu veranlassen? der römische Senator Cato jede seiner Reden mit dem Ausspruch beschloss: »Im übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss.«? Gaius Julius Cäsar: Kaiser einer Republik War Gaius Julius Cäsar ein Emporkömmling? Nein. Es war ihm zwar nicht in die Wiege gelegt, dass er einmal zum höchsten Staatsamt in Rom aufsteigen würde. Aber als Angehöriger der exklusiven Elite der römischen Republik hatte Cäsar allerbeste Startchancen. Cäsar entstammte dem altadligen Geschlecht der Julier, das eine Abkunft vom trojanischen Helden Aeneas für sich reklamierte. Während 88 v.Chr. aufgrund der Rivalität zwischen Marius, Cinna und Sulla in Rom ein Bürgerkrieg tobte, wurde Cäsar – noch in jungen Jahren – für das höchste Priesteramt, Oberpriester des Jupiter, des römischen Staatskults auserkoren. Als Verwandter von Marius und Schwiegersohn Cinnas entging er seiner Ermordung nach der Niederlage der beiden gegen Sulla nur dank der Bitten einflussreicher Freunde bei diesem. Sulla soll angeblich »vor dem schlecht gegürteten Jüngling« gewarnt haben, »in dem mehr als ein Marius stecke«. Sulla verlangte, dass er seine Ehe mit der Tochter seines unterlegenen Gegners Cinna löse. Trotz schlimmster Drohungen der Sullaner hielt Cäsar aber an der Verbindung fest. Er leistete im Osten des Reichs seinen Militärdienst ab und machte sich durch seine kaltblütige Gelassenheit und seine legendären Ausschweifungen einen Namen. Welches Verhältnis hatte der Politiker zum Senat? Nach Sullas Tod kehrte Cäsar nach Rom zurück und gewann bald durch seine militärischen Erfolge und durch sein charismatisches Auftreten großen Einfluss. Verschiedentlich geriet er in Konflikt mit der Senatsmehrheit. Nach der Rückkehr aus Spanien 63 v.Chr., wo er militärische Siege errungen hatte, wollte er unmittelbar nach den offiziellen Triumphfeiern als Konsul kandidieren. Die formelle Genehmigung dieser Feierlichkeiten wurde aber von seinen Gegnern im Senat so lange hinausgezögert, bis die Bewerbungsfrist abzulaufen drohte. Cäsar verzichtete auf den Triumph, kandidierte und gewann die Wahlen souverän. Er vereinbarte mit Crassus und Pompeius gegenseitige Unterstützung. Zur Bekräftigung dieser Vereinbarung verheiratete Cäsar seine Tochter Julia mit Pompeius. Cäsar setzte mehrere Projekte durch, mit denen seine Verbündeten bisher beim Senat gescheitert waren. Pompeius und Crassus ihrerseits sorgten dafür, dass Cäsar für sein Prokonsulat lukrativere Provinzen erhielt, als ihm der Senat bisher zugestehen wollte, nämlich Gallia cisalpina und Gallia Narbonensis, heute die Po-Ebene und die Provence. Diese Randgebiete des Römischen Reichs sollten Cäsar die Möglichkeit zu neuen militärischen Erfolgen bieten. Warum zog der Feldherr nach Gallien? Die Helvetier, ein keltischer Stamm aus der heutigen Schweiz, waren aufgebrochen, um sich ein neues Siedlungsgebiet in Westfrankreich zu suchen. Cäsar nahm dies zum Anlass, um sich in die gallischen Verhältnisse einzumischen und die Helvetier vernichtend zu schlagen. Die anschließenden Unruhen gaben dem Feldherrn immer wieder Gelegenheit, zu intervenieren und – letztlich unter dem Vorwand, das Römische Reich zu sichern – eine umfassende, mehrjährige Eroberungskampagne in ganz Gallien durchzuführen. Dabei unternahm er auch Expeditionen über den Rhein und den Ärmelkanal. Was geschah während Cäsars Abwesenheit in Rom? Während er in Gallien beschäftigt war, beobachtete Cäsar die politische Entwicklung in Rom aufmerksam und ließ seine Mittelsmänner mehrfach in das Geschehen in der Hauptstadt eingreifen. Die Koalition mit Crassus und Pompeius zerbrach nach dem Tod von Crassus und Julia. Pompeius schlug sich nun auf die Seite der Senatsmehrheit. Um einer drohenden Amtsenthebung zuvorzukommen, überquerte Cäsar am 10. Januar 49 v. Chr. den Rubikon, die Grenze seines Amtsbereichs, mit den legendären Worten »Alea iacta est« (der Würfel ist gefallen) und erklärte damit Rom den Krieg. Wie besiegte Cäsar seine Rivalen? Seine Gegner, die sich unter die Führung von Pompeius begeben hatten, waren ihm an Kampfkraft überlegen. Trotzdem gelang es Cäsar durch strategisches Geschick und mithilfe seiner äußerst loyalen Truppen, mehrere Armeen seiner Rivalen niederzuwerfen. Schließlich besiegte er Pompeius bei Pharsalos in Nordgriechenland und schlug in den Jahren danach alle versprengten pompeianischen Heere im Mittelmeerraum. 46 v.Chr. kehrte Cäsar triumphal nach Rom zurück und begann mit der Neuordnung des Staates. Nachdem er sich zum Diktator auf zehn Jahre hatte ernennen lassen, ging Cäsar längst überfällige Reformen in allen erdenklichen Bereichen an, zum Beispiel seine Kalenderordnung mit 365 Tagen pro Jahr und einem Schaltjahr alle vier Jahre. Abgesehen von einer Modifizierung hat diese bis heute Bestand. Zwar ließ er die Verfassungsorgane der römischen Republik weiter existieren, kontrollierte aber selbst alle politische Macht. Warum wurde der Diktator ermordet? Einer Gruppe von Verschwörern ging diese Allmacht des Diktators schließlich zu weit. An den Iden (15.) des März des Jahres 44 v.Chr. stachen sie ihn im Verlauf einer Senatssitzung nieder. Unter den Mördern, die sich selbst als Befreier Roms von der Diktatur sahen, waren begnadigte Pompeianer und enge Freunde Cäsars. Sein Tod löste einen erbitterten Bürgerkrieg aus, den 31 v. Chr. Octavian, der Erbe Cäsars, schließlich für sich entschied. Er führte den Namen Cäsar erstmals als Herrschertitel, aus dem dann die Begriffe Kaiser und Zar hervorgingen. Wussten Sie, dass … Cäsars berühmte Worte bei seinem Tod wohl ins Reich der Legende gehören? Als ihn Brutus und Cassius während einer Senatsssitzung mit diversen Dolchstößen erstachen, soll er »Auch du, mein Sohn Brutus?« gesagt haben. Vermutlich waren seine Verletzungen aber viel zu schwer, als dass er noch wohlgesetzte Worte hätte formulieren können. Warum wurde Cäsars Begräbnis zum Tumult? Die Bevölkerung Roms schätzte den charismatischen Volkstribun wohl mehr, als seine Mörder gedacht hatten. Die aufgeregte Menge riss die Leiche des Diktators an sich und brachte sie vom Scheiterhaufen auf dem Marsfeld zum Forum, wo sie schließlich unter großer Anteilnahme verbrannt wurde. An den Iden des März, Cäsars Todestag, legen manche Römer noch heute an einem Stein auf dem Forum Blumen zum Andenken an den genialen Staatslenker nieder. Kleopatra: Geliebte mächtiger Männer War Kleopatra eine mächtige Herrscherin? Eher nicht. Geboren 69 v. Chr. in Alexandria, war sie erst 18 Jahre alt, als sie zusammen mit ihrem zehn Jahre jüngeren Bruder und Gemahl Ptolemaios XIII. die Herrschaft in Ägypten antrat. Das junge Königspaar hatte keine Hoffnung, seinem Reich auch nur einen Teil seiner einstigen Macht und Größe zurückgewinnen zu können. Es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis das Geschlecht der Ptolemäer von der Bühne der Geschichte verschwinden würde. Denn Rom beherrschte den Mittelmeerraum und würde sich über kurz oder lang auch Ägypten einverleiben. Welche Rolle spielte Cäsar? Er half Kleopatra zurück an die Macht. Im September 48 v. Chr. floh Cäsars innenpolitischer Gegner Pompejus nach Ägypten. Die Berater des jungen Ptolemaios ließen Pompejus ermorden, um Cäsar günstig zu stimmen. Doch sie hatten sich verkalkuliert: Kurz darauf besetzte Cäsar mit seinen Truppen die Residenzstadt Alexandria. Nun sah Kleopatra, die von ihrem Bruder vom Hof vertrieben worden war, ihre Chance. Heimlich nahm sie Kontakt mit Cäsar auf. Kleopatra war keine sehr schöne Frau, aber hoch gebildet, klug und charmant, eine starke Persönlichkeit. Und sie setzte alles daran, um Cäsar für sich zu gewinnen. Der römische Feldherr wurde ihr Geliebter. Nach langen Kämpfen und dem Tod ihres Bruders wurde sie von Cäsar – nun mit ihrem anderen Bruder als Gemahl – wieder auf den Thron gesetzt. 47 v. Chr. gebar sie Cäsar einen Sohn, Kaisarion. Im folgenden Jahr zog der Feldherr mit Kleopatra in Rom ein. Die orientalische Königin mit ihrer prunkvollen Hofhaltung an der Seite Cäsars gefiel den Anhängern der römischen Republik gar nicht. Nach Cäsars Ermordung 44 v. Chr. kehrte Kleopatra umgehend nach Ägypten zurück. War Cäsars Tod das Ende der Karriere Kleopatras? Im Gegenteil: In Alexandria vertrieb Kleopatra ihren Brudergemahl und erhob ihren kleinen Sohn zum Mitregenten. Auf einem Bankett in Tarsus kam es im Jahr 41 v. Chr. zur Begegnung mit Marcus Antonius, dem neuen römischen Oberbefehlshaber. Wieder wurde Kleopatra die Geliebte eines mächtigen Römers. Antonius ging weiter als Cäsar: Er ließ sich von seiner vornehmen Frau – der Schwester von Cäsars Adoptivsohn Octavian – scheiden, um Kleopatra nach ägyptisch-hellenistischem Ritus zu heiraten. Kleopatra wollte Ägypten und ihrer Dynastie den alten Glanz zurückgeben. Und Antonius – in Rom als unbesiegter Feldherr ein echtes Idol – schickte sich an, ihre Großmachtträume zu verwirklichen. Er schenkte ihr römische Gebiete im Osten. Kleopatra beabsichtigte wenig später, sich das unabhängige Judäa, das inmitten ihres Herrschaftsgebietes lag, einzuverleiben, doch Antonius schlug ihr diesen Wunsch ab. Woran scheiterten die Pläne der Königin? Die Stimmung in Rom schätzte Antonius falsch ein. Mit Misstrauen beobachtete man dort seine Entwicklung zum orientalischen Potentaten. Er war aufgrund seiner Verbindung mit Kleopatra politisch angeschlagen. Das machte sich Octavian, sein Rivale im Kampf um die Macht in Rom zunutze: Octavian bezeichnete Kleopatra als Feindin Roms und führte Krieg gegen sie, und damit gegen Marcus Antonius. Am 2. September 31 v. Chr. kam es vor der griechischen Westküste zur Seeschlacht bei Actium, in deren Verlauf Octavian die Oberhand über die Flotte des Antonius gewann. Kleopatra entkam mit ihrem kleinen Geschwader, woraufhin sich Antonius ebenfalls zur Flucht wandte. Eine Woche später kapitulierten seine Landtruppen in Griechenland. Im Frühjahr des Jahres 30 v. Chr. landete Octavian in Ägypten und besetzte im August Alexandria. Antonius wusste, dass er verloren hatte. Ein Gerücht vom Tod Kleopatras veranlasste ihn zum Selbstmord. Die Königin versuchte ihre Verführungskünste noch einmal an Octavian, scheiterte jedoch an dem kühlen Vernunftmenschen. Der Überlieferung zufolge tötete sie sich durch den Biss einer Kobra, um der Gefangenschaft zu entgehen. Ihren Sohn Kaisarion ließ Octavian ermorden. Ägypten wurde römische Provinz, und Octavian erreichte die größte Machtfülle, die ein Römer bisher besessen hatte: Er wurde zu Augustus, dem Erhabenen. Wer war Ahnherr der Ptolemäer? Nach dem Tod Alexanders des Großen 323 v. Chr. wurde dessen Großreich unter den Diadochen, seinen einstigen Freunden und Heerführern, aufgeteilt. Die Herrschaft in Ägypten erkämpfte sich Ptolemaios, der Begründer der hellenistisch-ägyptischen Herrscherdynastie der Ptolemäer. Er machte Alexandria zur Hauptstadt seines streng zentralistisch aufgebauten Staates, übernahm den Königstitel und den prunkvollen ägyptischen Herrscherkult, zu dem auch die Geschwisterehe gehörte. Kleopatra war die letzte und wohl auch bekannteste Herrscherin des Geschlechts. Wussten Sie, dass … der historische Stoff um Kleopatra immer wieder künstlerisch behandelt wurde? Zu den berühmtesten Adaptionen gehören William Shakespeares Drama »Antonius und Cleopatra« und die Oper »Julius Cäsar« von Georg Friedrich Händel. Cäsar in einem Tempel der Venus Genetrix eine goldene Statue der Kleopatra a