Insekten – die heimlichen Herrscher
Insekten – die heimlichen Herrscher Wie sähe die Welt ohne Insekten aus? – Wahrscheinlich wüst und leer. Denn die »heimlichen Herrscher« der Erde erfüllen wichtige Aufgaben im Haushalt der Natur: Sie garantieren reiche Ernten durch die Bestäubung von Kulturpflanzen, sie produzieren Nahrungsmittel wie die Biene oder Rohstoffe wie der Seidenspinner, sie zersetzen die Reste abgestorbener Pflanzen und Tiere und bauen so fruchtbaren Boden auf und sie sind nicht zuletzt Nahrung für größere Tiere. Auf der anderen Seite vernichten sie Vorräte, richten große Schäden an Pflanzen an und übertragen gefährliche Krankheiten. Sie sind allgegenwärtig: Von den über eine Million bislang beschriebenen Tierarten gehören drei Viertel zu den Insekten oder Kerbtieren; allein in Europa gibt es mehr als 100 000 Arten. Diese Vielfalt verdanken die Kerbtiere ihrer enormen Anpassungsfähigkeit: Wir finden sie an Land, in der Luft und im Wasser, in den Polargebieten ebenso wie in der Wüste, als Parasiten oder Symbionten in und auf anderen Lebewesen, in heißen Quellen und sogar in Petroleumpfützen. Wie der Name schon sagt, ist der Körper der Kerbtiere in Segmente gegliedert, die drei Abschnitte bilden: den Kopf, die Brust und den Hinterleib. Jedes der drei Brustsegmente trägt zwei Beine; daher heißen sie auch Hexapoda oder Sechsfüßer. Zu den hübschesten Vertretern gehören zweifellos Libellen und Schmetterlinge. Dass sie die größten Räuber unter den Insekten sind, traut man den filigranen, farbenprächtigen Libellen auf den ersten Blick gar nicht zu. Und doch leben alle der etwa 5000 Arten schon im Larvenstadium räuberisch und auf dem Speisezettel der erwachsenen Tiere stehen nicht nur andere Insekten, sondern zuweilen sogar Artgenossen. Dank ihrer hochentwickelten Komplexaugen und ihrer perfekten Flugtechnik gelingt es ihnen problemlos, ihre Beute im Flug zu erwischen. Die Farbenpracht und der anmutige Flug der Schmetterlinge lassen kaum jemanden unberührt. »Sommervögel« und »Butterfliegen« heißen sie – wörtlich übersetzt – bei unseren dänischen und englischen Nachbarn. Doch die Vermutung, dass Schmetterlinge gerne an Butter und Sahne naschen, erweist sich als falsch. Denn die voll entwickelten Insekten trinken entweder nur Nektar oder nehmen während ihres kurzen Lebens überhaupt keine Nahrung auf. Dagegen erweisen sich ihre Larven, die Raupen, als recht gefräßig. Sie durchlaufen eine der erstaunlichsten Entwicklungen im Tierreich: eine vollständige Metamorphose, bei der aus der unscheinbaren Puppe ein farbenprächtiger Schmetterling wird. Libellen: Prächtige Flugkünstler Werden Libellen mit Flügeln geboren? Nein, aus den Eiern schlüpfen zunächst flugunfähige Larven, die sich zur bekannten Erscheinung der geflügelten Libelle wandeln. Dabei vergehen von der Eiablage bis zur Verwandlung in das erwachsene, flugfähige Tier – Imago oder Vollinsekt genannt – einige Monate bis vier Jahre; die Larven verbringen ihre Zeit fast ausschließlich im Wasser. Bei den letzten der sieben bis 15 Larvenstadien, den sog. Nymphen, sind bereits Flügel angelegt – ansonsten unterscheidet sich ihr Körperbau noch stark von den Imagines. Einige Tage vor der Verwandlung hört die Nymphe auf zu jagen und stellt von Kiemen- auf Tracheenatmung um. Zum Schlüpfen klettert sie aus dem Wasser und klammert sich an einem Pflanzenstängel fest. Dann beginnt sie mit dem wassergefüllten Hinterleib rhythmisch zu pumpen, bis die alte Haut auf der Rückseite des Brustabschnitts kreuzförmig aufplatzt und die Libelle heraussteigen kann. Als Erstes lässt sie ihre noch weichen Beine aushärten, dann pumpt sie Blut in die sich entfaltenden Flügel. Alles in allem dauert es etwa vier Stunden, bis das Tier nach dem Schlüpfen seinen ersten Flugversuch unternimmt. Wie unterscheiden sich Klein- und Großlibellen? Ein schwaches Unterscheidungskriterium ist die Körpergröße: Kleinlibellen sind schlank und zierlich geformt und meist kleiner als Großlibellen. Die Augen der Kleinlibellen sind weit voneinander getrennt und stehen an den Kopfseiten ab. Die Augen der Großlibellen berühren sich dagegen in der Kopfmitte, sie sind zudem flacher geformt. Das sicherste Kriterium ist jedoch die Ruhestellung der Flügel: Kleinlibellen klappen die Flügel über dem Hinterleib zusammen, Großlibellen spreizen sie dagegen seitlich vom Körper ab. Im Jagdverhalten ähneln sich beide Gruppen wieder, denn beide sind Räuber. Weil Kleinlibellen relativ schlechte Flieger sind, entfernen sie sich nie weit von den sauerstoffreichen Fließgewässern, in denen ihre Larven heranwachsen. An Wasserpflanzen festgeklammert, lauern diese anderen Wassertieren auf, die sie mit ihrer zangenartigen, rasch vorschnellenden Unterlippe – der sog. Fangmaske – ergreifen. Großlibellen sind dagegen Ansitzjäger, die meist von einem Stammplatz aus Jagd auf Fluginsekten machen. Die Beute wird mit den Beinen blitzschnell ergriffen und meist noch im Flug verzehrt. Übrigens: Das Leben der Libellen beginnt im Wasser. Dort wachsen die Larven heran, wobei sie – wie bei der Prachtlibelle (Gattung Calopteryx ) – mit Darmkiemen und zum Teil auch mit blattförmigen Schwanzanhängen atmen. Die Larven der Plattbauchlibellen ( Libellula depressa ) überwintern sogar vergraben im Schlamm eines Gewässers. Fliegen Libellen anders als andere Insekten? Ja. Die meisten Insekten haben eine indirekte Flugmuskulatur, die an den Rücken- und Bauchschilden der Brust ansetzt. Durch ihre Kontraktion bzw. Entspannung verformt sich die Brust und bewegt ihrerseits die Flügel. Da jeder Nervenimpuls mehrere Kontraktionszyklen auslösen kann, können enorm hohe Schlagfrequenzen erreicht werden. Anders bei den Libellen, deren Flügel nur etwa dreißigmal in der Sekunde schlagen, weshalb wir – außer einem charakteristischen Rascheln bei besonderen Manövern – kein Fluggeräusch hören: Ihre enorme Ausdauer und Wendigkeit verdanken sie den starken, direkt an den schmalen Flügelbasen ansetzenden Flugmuskeln (je einer für den Aufwärts- und den Abwärtsschlag) in der massigen Brust. Die Flügelmembranen werden durch ein dichtes Netz aus Längs- und Queradern in eine zickzackförmige Knitterstruktur gebracht, welche die Stabilität erhöht und die Luftverdrängung verbessert. Während Kleinlibellen mit ihren fast gleichen, funktionell nicht gekoppelten Vorder- und Hinterflügeln langsame und vergleichsweise ungeschickte Flieger sind, erreichen die Großlibellen mit ihren breiteren und anders geformten Hinterflügeln Geschwindigkeiten von 70 oder gar 100 Kilometern pro Stunde. Weshalb können Libellen besonders gut Bewegungen erkennen? Weil sie mit Komplex- oder Facettenaugen ausgestattet sind, deren zeitliche Auflösung bei etwa 250 Bildern pro Sekunde liegt – mehr als zehnmal so hoch wie beim menschlichen Linsenauge. Und das ist auch notwendig, denn Libellen müssen ihre Beute – meist schnelle und wendige Insekten – im Flug erwischen. Ihre Komplexaugen bestehen aus bis zu 30 000 Sehkeilen oder Ommatidien: ein Rekord in der Tierwelt. Diese bienenwabenartig zusammengedrängten Einzelaugen haben jeweils eine eigene Linse, einen Glaskörper, eine Seh- und Pigmentzellengruppe sowie eine Nervenverbindung zum Gehirn. Das Gesamtbild setzt sich also aus vielen Tausend Einzelbildern jeweils anderer Raumbereiche zusammen. Je höher die Ommatidienzahl, desto größer ist die Sehschärfe. Bei den Großlibellen sind die Einzelaugen in der oberen Hälfte ihrer Komplexaugen größer, wodurch sie – allerdings auf Kosten der Sehschärfe – bis zu acht Meter weit sehen können. Da ihre Facettenaugen an der Stirn zusammenstoßen (in Gegensatz zu denen der Kleinlibellen), können sie Entfernungen genau abschätzen. Wussten Sie, dass … Männchen und Weibchen der Gemeinen Binsenlibelle ( Lestes sponsa ) unterschiedlich gefärbt sind? Während der Leib des Männchens metallisch grün schillert, ist der des Weibchens kupferfarben. Libellen Geflügel gefährlich werden können? Der Vierfleck ( Libellula quadrimaculata ) ist oft von Saugwurmlarven befallen, die beim Geflügel, das die Libellen frisst, zu extrem dünnwandigen »Windeiern« und zum Verenden führen können. Libellen auf der Kopfoberseite noch drei kleine Punktaugen haben? Sie dienen wahrscheinlich nur der Wahrnehmung von Helligkeitsunterschieden. Was ist ein Paarungsrad? Die der Samenübertragung dienende Formation der Libellen während der Paarung. Dabei ergreift das Männchen das Weibchen mit seinen Hinterleibsanhängen hinter dem Kopf und krümmt seinen Hinterleib kurz nach vorn, so dass seine Geschlechtsöffnung direkt an den Samentaschen zu liegen kommt, die es mit seiner Samenflüssigkeit füllt. Dann biegt das Weibchen seinen Hinterleib nach vorn und führt seinen Legeapparat mit den Samentaschen und dem Kopulationsapparat des Männchens zusammen. Dieses Paarungsrad wird je nach Libellenart im Sitzen oder aber im Flug gebildet. Wanzen und Läuse: Pflanzensaft- und Blutsauger Leben Wanzen und Läuse auf Kosten anderer? Die meisten schon! Wanzen (Heteroptera), Pflanzensauger (Homoptera) und Tierläuse (Phthiraptera) ernähren sich auf ähnliche Weise: durch das Anstechen von Gewebe und Trinken von Gewebesäften. Daher gehören sie nicht gerade zu den beliebtesten Tieren; die meisten Arten werden als Schädlinge eingestuft. Wanzen und Pflanzensauger werden in der Überordnung der Schnabelkerfe zusammengefasst. Ihre lateinischen Namen, die Ungleich- bzw. Gleichflügler bedeuten, beziehen sich auf die Beschaffenheit der Flügel: Bei den Wanzen haben die Vorderflügel im Unterschied zu den Hinterflügeln derbe Innenteile, bei den Pflanzensaugern sind beide Flügelpaare einheitlich dünnhäutig. Bekannte Schädlinge unter den Pflanzensaugern sind die Weißen Fliegen oder Mottenschildläuse (Familie Aleurodidae), die Blattläuse (Unterordnung Aphidina), die Schildläuse (Unterordnung Coccina) und die Schmier- oder Mehlläuse. Letztere verdanken ihren Namen den mehligen Wachsausscheidungen. Auch die Weißen Fliegen sind mit Wachsstaub gepudert, was sie vor Austrocknung und Nässe schützt; sie schmarotzen gern in Gewächshäusern. Bei den Schildläusen sind es nur die Weibchen, die sich unter ihrem Schild an der Wirtspflanze festsetzen. Kommen Blattläuse ohne Männchen aus? Im Prinzip ja, denn weibliche Blattläuse sind in der Lage, sich ungeschlechtlich zu vermehren, und können bei der Fortpflanzung auf männliche Hilfe verzichten. Ganz so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, ist es aber nicht. Blattläuse durchlaufen nämlich einen komplizierten Generationswechsel: Die Stammmutter gebiert jungfräuliche Töchter – die Jungfern, die sich durch Jungfernzeugung (Parthenogenese) vermehren. Die letzte Jungferngeneration eines Jahres jedoch bringt Männchen und Weibchen hervor. Nach deren Paarung legen die begatteten Weibchen Wintereier, aus denen im nächsten Jahr wieder Stammmütter schlüpfen. Haben Schnabelkerfe wirklich einen Schnabel? Ja, die Arten dieser Insektengruppe tragen alle ein schnabelähnliches Organ im Gesicht, mit dem sie ihrem parasitischen Nahrungserwerb nachgehen. Dieser »Schnabel« besteht aus einer langen, rinnenförmigen Unterlippe, die ein Stechborstenbündel enthält, und einer aus der Oberlippe gebildeten Abdeckung. Zugestochen wird nur mit den Stechborsten, die aus den umgewandelten Ober- und Unterkiefern entstanden sind und an ihrer Spitze Widerhaken tragen. Im Zentrum verlaufen zwei Leitungen mit »Einbahnstraßenregelung«: der Speichel- und der Nahrungskanal. Obwohl die Tierläuse nicht näher mit den Schnabelkerfen verwandt sind, verfügen sie über sehr ähnlich aufgebaute Mundstacheln – ein Zeichen dafür, dass die Evolution auf gute Ideen mehrfach kommen kann. Sind Sommerwiesen verwanzt? Eine Reihe von Wanzen-Familien lebt auf unseren heimischen Wiesen, wo sie sich von Pflanzensäften ernähren. Am artenreichsten sind die Schmal- oder Blindwanzen ( Miridae ). Schädlich werden sie, wenn sie sich auf Kulturpflanzen spezialisieren: So wechselte z. B. die Apfelwanze ( Plesiocoris rugicollis ), die früher Weiden und Erlen bevorzugte, zwischen 1900 und 1920 in Europa auf Apfelbäume und Johannisbeersträucher über. Auch die ungewöhnlich bunte Ritterwanze ( Lygaeus equestris ), die zu den Langwanzen (Familie Lygaeidae) gehört, hält sich im Sommer meist auf Wiesen auf und lebt von Pflanzensäften. Droht uns Gefahr im Bett? Manchmal schon: Die Menschenblut saugende Bettwanze ( Cimex lectularius ) spürt ihre Opfer nachts auf und verlässt sich dabei auf ihre Thermorezeptoren: Sinnesorgane, mit denen sie die Wärmeabstrahlung ihrer Opfer orten kann. Die Stiche selbst schmerzen kaum, wohl aber die Quaddeln, die sich später wegen der Stoffe bilden, die die Wanze zur Hemmung der Blutgerinnung in die Haut injiziert hat. Die zur Familie der Plattwanzen zählenden lichtscheuen Tiere verstecken sich tagsüber in schmalsten Ritzen, in denen sie sich nur durch ihren Wanzengeruch verraten. Zwischen jeder ihrer fünf Häutungen muss die Bettwanze Blut saugen. Dadurch haben die nur 3–6 mm kleinen Plagegeister die gesamte Ordnung der Wanzen in Verruf gebracht. Stinken alle Landwanzen? Ja, Landwanzen verraten sich in den meisten Fällen durch den Geruch! In allen Entwicklungsphasen produzieren die Landwanzen übel riechende Verteidigungssekrete. Bei den Larven sitzen die dafür zuständigen Drüsen auf dem Hinterleib, bei den Vollkerfen auf der Oberseite der Brust. Nicht nur der Mensch, auch die Fressfeinde der Wanzen (Ameisen zum Beispiel) finden den Geruch abschreckend; darüber hinaus enthält das Sekret oftmals ein lähmendes Kontaktgift, das den Chitinpanzer von Insekten dank einer Fett lösenden Komponente mühelos durchdringt. Auch bei den Wanzen selbst würde es tödlich wirken, verhinderte nicht der spezielle Bau der Drüsen und des Panzers, dass dieser mit dem Gift in Berührung kommt. Viele Arten können die Stinkdrüsen verschließen, bei den Bettwanzen sind sie hingegen ständig offen. Hat der Mensch eine Insektenart erschaffen? Ja. Denn die zwei bis vier Millimeter lange Kleiderlaus ist vermutlich erst aus der ursprünglicheren, ein bis zwei Millimeter kleinen Kopflaus hervorgegangen, nachdem die Menschen begannen, Kleidung zu tragen. Abgesehen von ihrer Größe unterscheiden sich beide Arten nur wenig voneinander, wohl aber in der Lebensweise. Kleiderläuse besiedeln Textilien und Haut, wobei sie Temperaturen von gut 30 °C bevorzugen. Kopfläuse kleben ihre Eier, die Nissen, in das Haupthaar ihrer Wirte, in dem sie sich ständig aufhalten. Die relativ geringe Eierzahl – 80 bis 100 im ganzen Leben – wird durch die kurze Generationsdauer von etwa drei Wochen wettgemacht. Wie viele Insekten, die ausschließlich von Blut leben, müssten die Kopfläuse an Vitaminmangel zugrunde gehen, würden sie nicht in Symbiose mit Bakterien leben, die ihnen die fehlenden Stoffe liefern. Sind Wanzen gute Eltern? Die meisten nicht, doch es gibt eine Art der Landwanzen, bei der sich die Mutter recht intensiv um den Nachwuchs kümmert. Während die meisten Wanzen nur durch das Ablegen der Eier auf der richtigen Wirtspflanze für einen guten Start ins Leben ihrer Nachkommenschaft sorgen, bleibt die Landwanze Elasmucha grisea beim Gelege, das sie auf ein Birkenblatt setzt und betreibt so Brutpflege. Bis die Larven nach 10–35 Tagen schlüpfen, verteidigt sie die 30–50 Eier gegen räuberische Insekten und die winzige, parasitierende Wespe Trichogramma , die ihre Eier in die anderer Insekten legt. Auch den Larven bietet sie Schutz; sogar die zweiten und dritten Stadien kehren noch ab und zu zur Mutter zurück. Können Wanzen schwimmen? Die meisten Landwanzen nicht, doch Wasserwanzen sind bestens für das Leben im feuchten Element ausgerüstet. Mehrfach im Laufe ihrer Stammesgeschichte haben sich Wanzen an den Lebensraum Wasser angepasst; die etwa 1600 bislang bekannten Arten werden in zehn Familien eingeteilt. Neben dem Verlust der Haftvorrichtungen an den Füßen und der Giftdrüsen, der Verkürzung der Fühler sowie der Umwandlung der Lauf- in Schwimmbeine haben sich vor allem besondere Atemorgane herausgebildet. Die Schwimmwanzen (Familie Naucoridae) zum Beispiel haben eine fein behaarte oberste Hautschicht, die einen Luftmantel festhält, der die Tiere mit Sauerstoff versorgt. Bei der einheimischen Art Aphelocheirus aestivalis , die ständig am Grund von Fließgewässern lebt, erneuert sich dieser Atemluftvorrat durch den Gasdruck des im Wasser gelösten Sauerstoffs von selbst, so dass die Wanze nie an die Oberfläche aufsteigen muss. Eine Sonderrolle nehmen die größtenteils in den Tropen heimischen Riesenwanzen der Familie Belostomidae ein. Mit einer Körpergröße zwischen acht und elf Zentimetern zählen sie zu den größten Insekten überhaupt. Sie können sowohl fliegen als auch schwimmen. Im Wasser atmen sie – wie die auch bei uns vertretenen Skorpionswanzen (Familie Nepidae) – durch zwei Hinterleibsfortsätze, die sie zu einer Atemröhre zusammenlegen. Sie saugen Frösche, aber auch Fische aus. Auch die Rückenschwimmer (Familie Notonectidae) können – obwohl nur anderthalb Zentimeter lang – Fischzuchten empfindlich schädigen, da sie sich über die Fischbrut hermachen. Im Wasser bewegen sie sich auf dem Rücken liegend mit kräftigen Schlägen ihrer langen Hinterbeine fort. Fühlen sie sich bedroht, können sie sich durch schmerzhafte Stiche wehren; sie werden deshalb auch »Wasserbienen« genannt. Wie entsteht Tannenhonig? Auf den ersten Blick auf eine etwas unappetitliche Weise, denn diese Köstlichkeit stellen Bienen aus den Körperausscheidungen von bestimmten Läusen her. Allgemein leben die Pflanzensauger von Säften, die sie den Siebröhren der Gefäßbündel entnehmen. Diese sind zwar arm an Eiweißen, aber überreich an Kohlehydraten. Daher scheiden die Pflanzenparasiten den Zuckerüberschuss als flüssigen Kot, den sog. Honigtau, wieder aus; zum Teil wandeln sie ihn auch in Wachs um, das sie über Drüsen absondern. Der Honigtau ist bei Ameisen und Bienen sehr begehrt. Manche Ameisenarten halten regelrechte »Blattlausherden« oder bauen aus Erde überdachte »Ställe«, in denen sie die Tiere melken. Wenn Honigbienen den Honigtau der auf Nadelbäumen lebenden Kienlaus Buchneria pectinatae gesammelt haben, dann bilden sie daraus den besonders hochwertigen Tannenhonig. Zwar schädigen die Kienläuse die Bäume und bremsen das Holzwachstum, aber dieser Nachteil wird durch den wertvollen Honig mehr als wettgemacht. Was haben Schellack und Karmin mit Blattläusen zu tun? Beide Rohstoffe wurden früher ausschließlich von Blattläusen hergestellt, Schellack von der Lackschildlaus ( Laccifer lacca ) und der Farbstoff Karmin von der ursprünglich in Mexiko heimischen Cochenilleschildlaus ( Dactylopius cacti ). Die Ausscheidungen der in Süd- und Südostasien gezüchteten Lackschildlaus ergeben den Schellack, der früher u. a. in der Industrie unentbehrlich war. Für ein Kilogramm Lack benötigte man 300 000 Schildläuse. Sind Wanzen Land- oder Wassertiere? Beides kommt vor. Die Wanzen teilen sich nämlich in zwei Unterordnungen auf, die Land- und die Wasserwanzen. Dabei zählen auf der Wasseroberfläche lebende Arten wie der bekannte Wasserläufer ( Gerris lacustris ) noch zu den Landwanzen. Das Leben an Land bzw. in der Luft schlägt sich bei den Landwanzen in längeren Fühlern, Haftorganen an den Füßen und Stinkdrüsen nieder. Bei den Wasserwanzen finden sich interessante Arten wie der Rückenschwimmer, die Ruderwanze und die Wasserskorpione, die trotz ihres Namens Insekten und keine Skorpione sind. Wussten Sie, dass … vor allem Kleiderläuse gefährliche Krankheiten wie z. B. Fleckfieber, Fünftagefieber und Europäisches Rückfallfieber übertragen? Läuse, anders als Stechmücken, Krankheitserreger nicht beim Stechen übertragen, sondern über ihren Kot? das Fleckfieber auch Kriegstyphus genannt wird? Es forderte in vielen europäischen Kriegen mehr Menschenleben als die eigentlichen Kampfhandlungen. Was ist Manna? Bei dem in der Bibel erwähnten Manna, das vom Himmel regnete, dürfte es sich um eingetrockneten Honigtau gehandelt haben, in diesem Fall von der Tamariskenschildlaus Trabutina mannipara . Noch heute wird es von Beduinen gegessen. Wussten Sie, dass … aus einem Kilogramm getrockneter, zermahlener Cochenilleschildläuse – rund 140 000 Tiere – lediglich 50 Gramm des begehrten Farbstoffs Karmin gewonnen werden können? Daher war Karmin einst den Herrschern vorbehalten. Heuschrecken: Geübte Weitspringer Wie zirpen Heuschrecken? Sie streichen ähnlich wie eine Geigenspielerin mit einem rauen »Bogen« über eine Kante. Dabei gibt es einen Unterschied zwischen den beiden Unterordnungen der Langfühlerschrecken (Ensifera) und der Kurzfühlerschrecken (Caelifera). Die Männchen der Langfühlerschrecken tragen an der Unterseite der »Schrillader« am oberen Deckflügel eine Zahnreihe und die Hinterkante des unteren Deckflügels ist zur »Schrillkante« aufgebogen. Beim Übereinanderstreichen entsteht das bekannte Zirpgeräusch. Bei den Kurzfühlerschrecken haben meist beide Geschlechter eine Zahn- oder Schrillleiste an der Innenseite der Sprungschenkel, die sie über eine kantige Ader der Deckflügel streichen. Der Zweck des oft sehr durchdringenden Schreckenkonzerts ist wie so oft die Partnersuche. Um auch in unübersichtlichem Gelände wie Wiesen und Büschen sowie nach Einbruch der Dunkelheit einen passenden Paarungspartner zu finden, verlassen sich die Schrecken auf ihre weit schallenden akustischen Signale. Was hat die Maulwurfsgrille mit dem Maulwurf zu tun? Natürlich gehören die beiden Tiere verschiedenen Stämmen des Tierreichs an. Gemein haben sie die zu effektiven Grabschaufeln umgebildeten Vorderbeine. Eine weitere, volkstümliche Bezeichnung der Maulwurfsgrille ist »Erdkrebs«, was sich beim ersten Anblick von selbst erklärt: Die Vorderbrust dieser unterirdisch lebenden, plumpen Langfühlerschrecken wirkt wie ein Krebspanzer. Springen können sie allerdings nicht. Zwar sind die Schenkel auch verdickt, aber die Muskeln dienen nicht mehr zum Springen, sondern schieben die Tiere beim Graben voran. Bei uns ist nur die Eigentliche Maulwurfsgrille ( Gryllotalpa gryllotalpa ) heimisch, ein 1–5 cm langes, braunes Tier, das dicht unter der Oberfläche in feuchter, lockerer Erde lange Gangsysteme anlegt. Den Pflanzenbewuchs über der hühnereigroßen Nisthöhle tötet sie durch Abnagen der Wurzeln ab, so dass die Sonne sie gut durchwärmt. Das Weibchen schützt die Brut durch Belecken vor Verpilzung und Fäulnis. Die Jungen ernähren sich von Humus und zarten Wurzeln, welche die Mutter für sie freilegt. Als Erwachsene bevorzugen sie Engerlinge, Raupen und Regenwürmer, aber auch Pflanzenwurzeln. In der Landwirtschaft können sie erheblichen Schaden anrichten. Fressen Laubheuschrecken nur Blätter? Nein, die Laubheuschrecken (Überfamilie Tettigonioidea) vertilgen keineswegs allesamt Laub: Manche Arten bevorzugen Insekten, andere haben zumindest nichts gegen gelegentliche fleischliche Beikost einzuwenden. Die meisten der über 5000 Arten leben in den Tropen, nur ein paar Dutzend sind auch in unseren Breiten heimisch. Die wichtigste bei uns vertretene Familie bilden die Heupferde (Tettigonidae), zu denen beispielsweise das Grüne Heupferd und der Warzenbeißer zählen. Heupferde ernähren sich überwiegend räuberisch. Schnelle Beutetiere ergreifen sie im Sprung mit den Vorderbeinen und töten sie sofort mit den starken Kiefern. Darüber hinaus verschmähen sie auch pflanzliche Kost wie Löwenzahn oder Vogelmiere nicht. Das bekannte, in fast jeder Sommerwiese anzutreffende Große oder Grüne Heupferd ( Tettigonia viridissima ) verdankt seinen intensiven Grünton aber nicht etwa dem Blattgrün (Chlorophyll) aus seiner Kost, sondern stellt den Farbstoff selbst her. Sein Körper ist nur drei Zentimeter lang, aber durch die Flügel, die den Hinterleib weit überragen, wirkt es beträchtlich größer. Es fliegt ungern; meist erhebt es sich nur zur Flucht in die Luft und legt dabei nie mehr als 100 Meter zurück. Dank seiner Ortstreue kann man das schrille Zirpen der Männchen oft Abend für Abend aus demselben Busch oder Baum vernehmen. Kann der Warzenbeißer tatsächlich Warzen entfernen? Ja, deshalb wurde diese Heuschreckenart früher in der Naturheilkunde eingesetzt. Die wissenschaftlich Decticus verrucivorus genannte Schrecke, deren grüne Flügeldecken mit auffallenden, dunklen würfelförmigen Flecken versehen sind, ist mit einer Körperlänge von bis zu 4,5 cm unsere größte Laubheuschrecke. Der Warzenbeißer lässt seinen grellen Gesang vom Boden aus ertönen und ist dadurch leicht zu fangen. Jedoch wehrt er sich durch kräftige Bisse und Erbrechen von braunem Magensaft. Die Landbevölkerung nutzte diesen Saft früher außer gegen Warzen auch zum Verätzen von Wunden. Zeigen Grillen Zeit und Temperatur an? Dem kundigen Naturforscher durchaus. Denn wenn man das Zirpen dieser Insekten richtig zu deuten weiß, ist es möglich, Uhrzeit wie Temperatur daraus zu ermitteln. Alle etwa 2500 Arten der Echten Grillen (Familie Gryllidae) lieben die Wärme, so dass die meisten in den Tropen zu Hause sind. Hierzulande werden sie entweder erst bei Sonneneinstrahlung aktiv oder suchen beheizte Räume auf. Da auch ihr Zirpen von der Temperatur abhängt, kann man sie sowohl als »Uhren« als auch als »Thermometer« einsetzen: Das Männchen der Feldgrille ( Gryllus campestris ) stimmt an sonnigen Tagen im Mai oder Juni morgens ziemlich genau um neun Uhr seinen Lockgesang an und hört spätestens um zwei Uhr nachts damit auf. 1897 veröffentlichte der Naturforscher A. E. Dolbear eine Formel, der zufolge die Anzahl der Zirpgeräusche der Baumgrille Oecanthus fultoni in 15 Sekunden plus 37 die aktuelle Temperatur in Grad Fahrenheit (°F) ergibt. Verpuppen sich Heuschrecken? Nein, sie gehören zu den Insekten, die eine unvollkommene Metamorphose durchlaufen. Wie auch zum Beispiel Eintagsfliegen, Ohrwürmer, Schaben und Libellen gehören die Schrecken zu den hemimetabolen Insekten, also denen mit unvollständiger Verwandlung: Es gibt kein Puppenstadium und die älteren Larvenstadien, die als Nymphen bezeichnet werden, sehen den ausgewachsenen Heuschrecken (Imagines) schon mehr oder weniger ähnlich. Ihr innerer Bau verändert sich während der Entwicklung nicht grundlegend; oft sind schon früh kleine Flügel erkennbar, die bei jeder Häutung etwas größer werden. Welche Heuschrecke singt am schönsten? Das melodienreiche Zirpkonzert in einer Sommerwiese stammt meistens von Feldheuschrecken der Familie Acrididae. Deren über 5000 Arten gehören zu den Kurzfühlerschrecken. Häufigster Vertreter bei uns sind die bis 2,5 Zentimeter langen Grashüpfer, deren drei Gattungen nur schwer voneinander zu unterscheiden sind. Sie sind – wie die verwandten Wanderheuschrecken – Vegetarier. Kein Zirpen, sondern ein eigentümliches Schnarren geben die Männchen der Schnarrschrecken (Gattung Bryodema ) im Flug, aber auch im Sitzen von sich. Diese Schnarrlaute haben der Gattung ihren Namen gegeben. Fünf Arten der ebenfalls einheimischen Schnarrschrecken fallen durch ihre bunte Körperzeichnung besonders auf. Die Blauflügelige Sandschrecke ( Sphingonotus caerulans ) und die Blauflügelige Ödlandschrecke ( Oedipoda caerulescens ) zeigen beim Flug lebhaft blaue Hinterflügel, bei anderen Arten sind diese rot gefärbt. Sobald sich aber die Tiere niederlassen, sind nur noch die Tarnstreifen auf den Deckflügeln sichtbar; die Tiere verschmelzen mit dem Untergrund und sind fast nicht mehr zu entdecken. Sind Heuschrecken eine Landplage? Mitunter ja. Selbst in der Bibel wurden die gefräßigen Insekten unrühmlich erwähnt: »Und Gott der Herr sprach zu Moses: Breite deine Hände aus über Ägypten, um die Heuschrecken herbeizurufen, damit sie sich auf der Erde niederlassen und alle Pflanzen auffressen«. Diese biblische Plage, die gelegentlich auch Deutschland heimgesucht hat (zuletzt 1875), geht stets auf Kurzfühlerschrecken zurück, wobei nur neun der über 9000 Arten zu Massenwanderungen neigen. Am häufigsten treten Massenvermehrungen bei die Wüstenheuschrecke Schistocerca gregaria auf, die bei den sonst einzelgängerisch lebenden Insekten Körper- und Verhaltensveränderungen hervorrufen: Die Nymphen werden gesellig und legen sich bei ihren Häutungen anstelle des üblichen dunklen Tarnkleids leuchtend gelborange und schwarze Streifen zu. Ihre riesigen Schwärme können aus über zehn Milliarden Individuen bestehen. Teils aktiv fliegend, teils passiv durch den Wind getragen, legen sie bis zu 5000 km zurück. Wo sie landen, richten sie gewaltige Schäden an, da eine Heuschrecke täglich problemlos ihr eigenes Körpergewicht an Futter verzehren kann. Die 40–80 Millionen Tiere, die auf einen Quadratkilometer passen, vernichten bis zu 250 Tonnen Getreide pro Tag. Feldheuschrecken können nicht nur in Afrika zur Plage werden. So fallen beispielsweise die Sibirische Keulenschrecke ( Aeropus sibiricus ) und die Kurzflügelige Schwirrschrecke ( Arcyptera microptera ) nicht selten in Sibirien, Russland oder der Ukraine über die Getreidefelder her. Warum ähneln manche Schrecken Blättern oder Ästen? Sie sind damit vor ihren wichtigsten Feinden – Vögeln, Eidechsen und Spinnen – relativ sicher! Anhand des Körperbaues lassen sich zwei charakteristische Typen von pflanzennachahmenden Schrecken identifizieren, die jedoch nicht miteinander verwandt sind. Ungewöhnlich lang gestreckt, dünn und gerade wie ein Stab oder Halm, sind die »Stabschrecken«. Sollten sie doch entdeckt werden, lassen sie sich fallen und verschwinden so aus dem Gesichtskreis ihrer Feinde. Die »Wandelnden Blätter« (Familie Phyllidae) haben sich ein anderes Vorbild für ihre Körpergestalt ausgesucht. Ihr Hinterleib und die Vorderflügel, aber auch die kurzen Schenkel und Schienen sind seitlich verbreitert und abgeflacht. Vor allem die grüne Farbe und die täuschend echten »Blattadern« auf der Körperoberfläche verleihen den Tieren eine große Ähnlichkeit mit Blättern. Auf Erschütterungen reagieren sie mit pendelnden Bewegungen, so dass tatsächlich der Eindruck eines vom Wind bewegten Blattes entsteht; dieses Phänomen wird auch treffend als Windmimese bezeichnet. Übrigens: Die Imitation von Pflanzenteilen – die Fachwelt spricht von »Phytomimese« – geht so weit, dass sie sogar Fraß- und Pilzschäden an den nachgeahmten Blättern nachbilden, tagsüber wie angewachsen herumsitzen und zum Teil physiologische Farbwechsel vollziehen, also während des Tages hell und während der Nacht dunkel gefärbt sind. Darüber hinaus gibt es bei manchen Gespenstschrecken einen morphologischen Farbwechsel: Die Larven passen ihre Farbe während der Entwicklung ihrem momentanen Untergrund an. Um ihren Feinden zu entkommen, können die Larven vieler Arten ihre Beine an einer vorgebildeten Bruchstelle abwerfen; bei der nächsten Häutung wachsen die fehlenden Glieder dann einfach nach. Wie hören Heuschrecken? Gewissermaßen mit dem Knie. Die Hörorgane der Langfühlerschrecken sitzen an den Vorderschienen, nahe am Kniegelenk, und nehmen auch Ultraschall wahr, sind aber für unterschiedliche Tonhöhen unempfindlich; daher rührt der monotone Gesang der Langfühlerschrecken. Die Trommelfelle der Kurzfühlerschrecken dagegen sitzen links und rechts am ersten Hinterleibsring in festem Abstand zueinander, so dass sie die Richtung der Schallquelle orten können, ohne sich zu bewegen. Die beiden Unterordnungen unterscheiden sich außer in Lauterzeugung und Hörorganen auch in ihrer Fühlerlänge und in ihren Eierlegevorrichtungen – schwertförmiger Legestachel bei den Erstgenannten, gedrungene Grabvorrichtung bei Letzteren. Wussten Sie, dass … in China seit dem 8. Jahrhundert bei regelrechten Grillen-Kämpfen hochgezüchtete, aggressive Grillen aufeinander losgelassen werden? diese Kämpfe sogar im Fernsehen übertragen werden und die Champions den Besitzern Preisgelder von bis zu 15 000 Euro einbringen können? Wussten Sie, dass … die kleinste Heuschrecke nur 2–3 mm misst, die größte aber eine Länge von bis zu 55 cm erreichen kann? einige Schrecken beim Sprung eine solche Schubkraft ausüben, dass sie damit das 20 000-Fache ihres Eigengewichtes wuchten könnten? Heuschrecken bei Gefahr ein Sprungbein abwerfen? Das verlorene Bein zuckt weiter und lenkt den Feind ab, so dass die Heuschrecke flüchten kann. der beliebte Grashüpfer »Flip« aus der Biene Maja auch eine Heuschrecke ist? Die Grashüpfer sind eine Gattung der Kurzfühlerschrecken. Sitzt das Heimchen am heimischen Herd? Ja. Lieblingsplätze der Hausgrille ( Acheta domestica ) – des bekannten Heimchens – sind Wohnungen, Bäckereien, Heizkeller und ähnliche geheizte Räume, da sie Temperaturen bis 31 °C bevorzugt. Das anhaltende nächtliche Zirpen der Hausgrille wird übrigens von manchen Menschen als äußerst nervtötend empfunden, während es auf andere anheimelnd wirkt. Käfer: Die heimlichen Herrscher Können Maikäfer eine Plage sein? Unter Umständen ja. Wenn sie in großer Zahl auftreten, richten sowohl die im Boden lebenden Larven, die Engerlinge, als auch die ausgewachsenen Tiere an Pflanzen immensen Schaden an. Heutzutage sind Maikäferplagen allerdings selten geworden, so dass man die bis zu drei Zentimeter langen Feldmaikäfer ( Melolontha melolontha ), die im Frühjahr nur für kurze Zeit fliegen, getrost zu den beliebtesten Käfern zählen darf. Die charakteristischen Fächerfühler sind beim Männchen größer als beim Weibchen. Das Weibchen gräbt sich nach der Begattung im Boden ein, wo es 60 bis 70 Eier legt. Erst im Sommer des dritten Entwicklungsjahres verpuppen sich die Larven; die Käfer schlüpfen im Spätherbst, bleiben aber bis zum nächsten Frühling unter der Erde. Der Maikäfer zählt zu der sehr arten- und formenreichen Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae), die mit dem Herkuleskäfer ( Dynastes hercules ) einen der größten Käfer enthält. Welcher Mistkäfer wurde als heiliges Tier verehrt? Der nur zwei Gramm schwere Heilige Pillendreher ( Scarabaeus sacer ), der auch als Skarabäus bekannt ist, galt im alten Ägypten als heilig. Der Käfer formt über 40 Gramm schwere Bälle aus Dung, die er – rückwärts laufend – mit den Hinterbeinen voranbewegt und in seine Bruthöhle schafft, wo er dann ein Ei hineinlegt. Die alten Ägypter hatten den Eindruck, dass die Pillen besonders häufig von Osten nach Westen gerollt wurden, der Sonne folgend. So wurde die Dungkugel zur Metapher für die Sonne, der der Skarabäus hilft, wieder aufzugehen. Außerdem erkannte man in der Anzahl der Fußsegmente (sechs mal fünf, also 30) die Zahl der Tage eines Monats und in der 28-tägigen Entwicklung der Larven den Mondzyklus. Fälschlich wurde angenommen, alle Skarabäen seien männlich, weshalb sie als selbstgenügsame, gut gerüstete Krieger verehrt wurden. Weil der Käfer überdies der Erste ist, der sich nach der Nilüberschwemmung wieder blicken lässt, und seine Larven aus Dung schlüpfen, symbolisierte er für die Ägypter auch den Gott der Erneuerung, Ptah. Nachbildungen aus Stein oder Ton dienten als Amulette oder königliche Siegel; als Zeichen der Hieroglyphenschrift bedeutet der Skarabäus »entstehen« oder »werden«. Verraten die Punkte auf den Deckflügeln das Alter eines Marienkäfers? Nein, die Anzahl der Punkte ist artspezifisch und hat mit der Lebensdauer des Käfers überhaupt nichts zu tun. Weltweit gibt es über 4500 Marienkäferarten, die meist nur etwa fünf Millimeter groß, auffällig gefärbt und von halbkugeliger Gestalt sind. Von den 185 mitteleuropäischen Arten sind – neben dem Siebenpunkt-Marienkäfer – vor allem der in 80 Zeichnungsvarianten auftretende Zweipunkt ( Adalia bipunctata ) und der Fünfpunkt ( Coccinella quinquepunctata ) bekannt. Der Siebenpunkt mit seinen rot gefärbten Deckflügeln ist ein häufig abgebildetes Glückssymbol. Die Weibchen legen im Schnitt 800 Eier gruppenweise auf die Unterseiten von Blättern; die Larven schlüpfen nach einer Woche und verpuppen sich nach vier bis sechs Wochen. Nach einer Puppenruhe von ein bis zwei Wochen kommt ein erwachsener Käfer zum Vorschein, der etwa 14 Monate lebt. Helfen Marienkäfer gegen Blattläuse? Der Marienkäfer selbst nicht, aber seine Larven. Über 3000 Schildläuse fressen die Larven mancher Marienkäfer in ihrem Leben und eine Larve des weit verbreiteten Siebenpunkts vertilgt täglich bis zu 20 Blattläuse – sehr zur Freude von Gärtnern und Landwirten. In mittlerweile 32 Ländern hat ein australischer Marienkäfer, den man seit 1888 zur Schädlingsbekämpfung einsetzt, den Zitrusanbau vor der Wollschildlaus gerettet. Sind Glühwürmchen leuchtende Würmer? Nein, Glühwürmchen können zwar tatsächlich mit ihrem Hinterleib Licht erzeugen, doch sie sind keine Würmer, sondern Käfer. Diese faszinierenden Tiere gehen in der Abenddämmerung des Frühsommers mit Licht auf Partnersuche. Sie werden von vielen Menschen gar nicht als Käfer erkannt, denn die am Boden hockenden Weibchen haben – anders als die fliegenden Männchen – keine Flügel, was ihnen ein wurmartiges Aussehen verleiht. Bei uns gibt es lediglich drei nur entfernt verwandte Arten, weltweit existieren immerhin 2000. Das Leuchtorgan im Hinterleib besteht aus drei Schichten: Die unterste enthält winzige Kristalle und wirkt als Reflektor. In der mittleren Schicht findet man ein feines Netz aus Nervensträngen und Tracheen; die Leuchtzellen enthalten viele Mitochondrien und die Substanz Luciferin, die mit Sauerstoff reagiert und dabei Licht aussendet. Die oberste Schicht ist eine transparente Haut. Am stärksten ist das Licht des südamerikanischen Leuchtschnellkäfers ( Pyropherus noctilus ), 40 dieser Tiere sind so hell wie eine Kerze. Auch Eier, Larven und Puppen leuchten schwach – angeblich sogar Frösche, die hinreichend viele dieser Käfer gefressen haben. Wie verteidigen sich Käfer gegen Feinde? Die Käfer haben die verschiedensten Methoden entwickelt, um sich gegen Feinde zu schützen. Allgemein verteidigen sich viele Insekten und somit auch eine große Zahl von Käferarten, indem sie Stoffe herstellen oder mit der Nahrung aufnehmen, die ihnen einen schlechten Geschmack verleihen oder sie sogar giftig machen. Ihre Ungenießbarkeit signalisieren sie ihren Fressfeinden durch Warnfarben – interessanterweise meist dieselben, die auch uns Menschen vor Gefahrensituationen warnen: Rot, Orange und Gelb, durch Schwarz kontrastiert. Die Flügeldecken der Spanischen Fliege ( Lytta vesicatoria ) – dem Namen zum Trotz ein Käfer – beispielsweise enthalten Cantharidin, eines der stärksten Gifte: Schon 0,03 Gramm können beim Menschen tödlich wirken. (In hinreichender Verdünnung soll es als Aphrodisiakum wirken.) Es geht aber auch anders: Nach dem Motto »Angriff ist die beste Verteidigung« spritzen manche Käfer ihren Feinden Wehrsekrete entgegen. Der Nordamerikanische Dunkelkäfer (Gattung Eleodes ) macht einen Kopfstand und feuert eine stinkende Flüssigkeit aus seinen Hinterleibsdrüsen ab, wobei er noch Ziele in einem Meter Entfernung trifft. Im wahrsten Sinne des Wortes bombastisch geht der Bombardierkäfer ( Brachinus crepitans ) vor: Er stellt in seinen Nebenafterdrüsen mehrere Chemikalien her, die getrennt gelagert werden: 23-%iges Wasserstoffperoxid in der einen, Hydrochinone in der anderen Kammer. Bei Gefahr bringt er sie in einer besonders dickwandigen Reaktionskammer zusammen, wo sie mithilfe eines Katalysators explosionsartig reagieren. Es entsteht die 100 °C heiße, stark ätzende Chemikalie p-Benzochinon, die von dem bei der Reaktion freigesetzten Sauerstoff herausgeschleudert und fein zerstäubt wird. Bei den größeren Arten ist sogar ein kleiner Knall zu hören. Wo sind die Kinder blutrünstiger als die Eltern? Beim Gemeinen Sandlaufkäfer ( Cicindela hybrida ). Die Art und Weise, mit der die Larven dieses 13 bis 17 Millimeter langen Käfers ihre Beute machen, ist nichts für zart besaitete Tierfreunde. Die räuberischen Larven leben in selbst gegrabenen Bodenröhren von bis zu 50 Zentimetern Tiefe. An der Öffnung der Röhre lauern sie auf Beute. Dabei ist die Brust im rechten Winkel zum Hinterleib abgeknickt und verschließt gemeinsam mit dem Kopf den Röhreneingang. Mit einem Stemmpolster am Hinterleib klemmen sich die Larven so fest, dass nur die Kieferzangen aus der Erdoberfläche hervorragen. Mit diesen werden die Opfer gepackt, beim Rückzug in die Röhre so lange an die Wand geschlagen, bis sie sich nicht mehr rühren, und dann geköpft. Die Überreste der ausgesaugten Beute werden hinausgeworfen. Man kann die