Obst – zum Anbeißen gut
Obst – zum Anbeißen gut Ob Äpfel oder Birnen, Erdbeeren oder Kirschen – ohne diese knackigen oder weichen, süß oder säuerlich schmeckenden Früchte wäre unser Speisezettel um vieles ärmer. Ihr köstliches Fruchtfleisch ist mit nahrhaften Zutaten wie Zucker, Eiweiß, Ölen oder Fetten angereichert. Hinzu kommen noch jede Menge Vitalstoffe, Vitamine und Mineralien, die der Mensch für ein gesundes Leben braucht. Im allgemeinen Sprachverständnis unterteilt man das Obst in verschiedene Gruppen, die nicht unbedingt auf die botanische Zugehörigkeit der Pflanzen Rücksicht nehmen. Zum Kernobst beispielsweise gehören die altbekannten Äpfel und Birnen, aber auch Quitten und die selten gewordenen Mispeln. Sie können monatelang gelagert werden und sind dann besonders in der kalten Jahreszeit willkommene Vitaminspender. Wesentlich empfindlicher sind Kirschen, Pflaumen und Pfirsiche, die zum Steinobst gerechnet werden. Sie lassen sich nur in konservierter Form aufbewahren – entweder eingeweckt, zu Marmelade verarbeitet oder tiefgefroren. Beerenobstsorten wie Himbeeren, Brombeeren oder Erdbeeren munden am besten direkt vom Strauch, wenn sie ihre volle Reife erreicht haben. Auch exotische Früchte wie Orangen, Datteln, Mangos, Bananen oder Ananas sind mittlerweile ein genauso fester Bestandteil unseres Speiseplans wie die heimischen Obstsorten. Dienten sie in ihren Heimatländern schon lange als Nahrungsmittel, so sind sie inzwischen auch zu wichtigen Wirtschaftsgütern geworden und werden in oft riesigen Monokulturen für den Export angebaut. Zu den bekanntesten (ehemaligen) Exoten gehören die Zitrusfrüchte, die uns besonders im Winter mit dem gesundheitsfördernden Vitamin C versorgen. Während sie vor allem in den Wintermonaten in den Handel kommen, kann man Bananen das ganze Jahr über kaufen. Da sie im grünen vorreifen Zustand geerntet werden, lassen sie sich gut transportieren. Anders so empfindliche Exoten wie Mango, Litschi und Papaya: Sie fanden erst den Weg an unsere Obststände, nachdem der schnelle Interkontinentaltransport per Luftfracht möglich geworden war. Kernobst: Vom Garten in Küche und Keller Welches ist die Stammform der Kulturbirne? Verschiedene Wildarten, darunter auch die heimische Holzbirne ( Pyrus pyraster ). Diese schöne Wildbirne wird etwa 20 Meter hoch und bildet eine kegelförmige Krone aus. Im April und Mai schmückt sie sich mit weißen Blüten. Ihre Früchte sind klein, rundlich bis birnenförmig und schmecken sehr herb. Genießbar sind sie nur nach langer Lagerung, wenn das Fruchtfleisch teigig geworden ist. Charakteristisch für sie sind auch die sog. Steinzellen mit dicken Wänden in der Nähe des Kerngehäuses. Holzbirnen lieben tiefgründige, mineral- und kalkreiche Böden. Sie sind wärmebedürftiger als die Wildäpfel und deshalb im Norden Europas nicht anzutreffen. In der freien Natur sehr selten geworden, findet man dort häufiger verwilderte Kultursorten, die mit der Zeit wieder die Merkmale der Stammformen angenommen haben. Wo begann die Laufbahn der Kulturbirne? Wahrscheinlich in Persien. Von dort aus gelangte Pyrus communis , wie die Kulturbirne botanisch heißt, über Kleinasien in das antike Griechenland und um 1000 v. Chr. zu den Römern. Die Römer brachten sie schließlich, wie so viele Nutzpflanzen, über die Alpen nach Mitteleuropa. Im Altertum kannte man wie beim Apfel bereits einige Sorten und veredelte sie. Wissenschaftler nehmen jedoch an, dass die antiken Birnen noch ähnlich harte, roh ungenießbare Früchte wie die Holzbirne trugen, die vor dem Verzehr gedämpft werden mussten. Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts tauchen in der Literatur Birnen mit »schmelzendem« Fruchtfleisch auf. Wie erntet und lagert man Birnen richtig? Für Lagerfrüchte, die nicht am Baum ausreifen sollen, ist der richtige Erntezeitpunkt besonders wichtig. Um ihn zu treffen, kann man sich des recht zuverlässigen »Ablösetests« bedienen: Man hebt die am Ast hängende Frucht waagerecht an; löst sie sich vom Zweig, ist die Erntezeit gekommen. Zu früh gepflückte Früchte schrumpeln beim Lagern; zu spät gepflückte Birnen aber werden rasch mehlig. Zum Nachreifen werden die Birnen in trockenen, kühlen Räumen aufbewahrt. Erst dort entwickeln die Früchte ihren optimalen Geschmack. Wer Birnen einkauft, sollte wissen, dass vollreife Früchte sofort verzehrt werden müssen. Will man sie einige Tage aufbewahren, sollte man zu nicht ganz reifen, noch festen Früchten greifen und sie zu Hause nachreifen lassen. Wer verbirgt sich hinter der »Schmeerbirne«? Der Speierling ( Sorbus domestica ). Er teilt das Schicksal vieler alter Kulturpflanzen, die heute fast vergessen und vom Aussterben bedroht sind. Als wichtiger Kulturbaum des Mittelalters fehlte er damals in keinem Hof und Garten. Er liebt die Wärme und fühlt sich besonders in den Weinbaugegenden an Rhein und Neckar, im Burgenland und Niederösterreich wohl. Der Speierling wächst sehr langsam und kann bis zu 600 Jahre alt werden. Entsprechend wertvoll ist sein Holz, das zu den härtesten europäischen Laubhölzern zählt. Deshalb kann es auch für die Herstellung stark beanspruchter Gegenstände verwendet werden. Früher wurden daraus z. B. Weinpressen oder die Joche von Arbeitstieren, aber auch Speere gefertigt. Begehrt waren jedoch vor allem seine Früchte, die Sperbeln. Sie sind zunächst sehr hart und herb; nach längerer Lagerung oder nach Frosteinwirkung werden sie jedoch genießbar und schmecken dann angenehm säuerlich. Welche Äpfel wurden in der Steinzeit gegessen? Die Früchte des Holzapfels ( Malus sylvestris ). Das beweisen Funde zahlreicher Kerne in damaligen Behausungen. Der Holzapfel gilt als der Stammvater aller heutigen Apfelsorten. Aus ihm und dem Paradiesapfel ( Malus pumila var. paradisiaca ) entwickelte sich höchstwahrscheinlich der Kulturapfel ( Malus domestica ), den es heute in unzähligen Sorten gibt. Der Wuchs des Holzapfels erinnert selten an einen echten Baum mit hohem Stamm. Er verzweigt sich schon nahe der Basis und wächst zu einem bis zehn Meter hohen Strauch heran. Nicht blühende Seitentriebe enden zuweilen in spitzen, wehrhaften Dornen. Die runden Früchte haben einen Durchmesser von maximal drei Zentimetern, sie schmecken sehr sauer und adstringierend, also zusammenziehend, wie Fachleute es nennen. Wer einmal in einen wilden Apfel gebissen hat, weiß, was damit gemeint ist. Verantwortlich für dieses Zusammenziehen sind die vielen enthaltenen Gerbstoffe. Weshalb gibt es immer weniger große Apfelbäume? Weil die ursprünglichen Kulturformen mit ihren breit ausladenden, offenen Kronen nur in aufwendiger Handarbeit abzuernten sind. Deshalb herrschen in modernen Plantagen nicht die knorrigen, charaktervollen Hochstämme vor, sondern die pflegeleichten und für die maschinelle Ernte geeigneten Niederstammformen. Sie sind meist auf wüchsige, robustere Arten gepfropft und werden vegetativ vermehrt. Da die meisten Sorten selbststeril sind, brauchen sie andere Apfelsorten in der Nachbarschaft, die zur gleichen Zeit blühen, so dass die Fremdbestäubung gesichert ist. Übrigens: Zentren der Apfelbaumkultur in Deutschland, wo etwa 1000 Sorten angebaut werden, sind das Alte Land südwestlich von Hamburg und der Bodenseeraum. In den Lebensmittelläden ist von dieser Vielfalt leider wenig zu sehen, denn nahezu 70 Prozent des Angebots werden in Europa von nur vier Apfelsorten abgedeckt: Golden Delicious, Jonagold, Red Delicious und Gala. Wofür steht der Apfel sinnbildlich? Das ist je nach Kulturkreis verschieden. Im christlichen Abendland verband man den Apfel vor allem mit der biblischen Geschichte von Eva, die im Paradies die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis pflückte. Damit war der Apfel zu einem Sinnbild für die (meist verbotene) paradiesische Frucht und die Verführung geworden. Auch in der Mythologie vieler Völker hat der Apfel diese Bedeutung: Bei den Griechen war es ein Apfel, mit dem Paris die schönste unter den Göttinnen auswählte; er entschied sich für Aphrodite, und seine Wahl mündete, wie bekannt, in den langen und unseligen Krieg um Troja. Bei den Kelten galt Avalon, das Apfelland, als Paradies, in das nur die Herrin Morgaine Einlass gewährte; beispielsweise dem König Artus, der Heilung von seinen Wunden suchte. In der germanischen Mythologie waren die Äpfel Iduna, der Göttin der Erneuerung, zugeordnet. Sie herrschte über die goldenen Äpfel des Lebens – und wer davon aß, besaß ewige Jugend. Im Mittelalter schließlich avancierte die runde Frucht – einst auch ein Sinnbild für die Vollkommenheit der Erde und des Kosmos – zum Herrschaftssymbol: Der mit einem Kreuz geschmückte Reichsapfel gehörte zusammen mit Krone und Zepter zu den Reichsinsignien der mittelalterlichen Herrscher des Heiligen Römischen Reiches und symbolisierte die gottgewollte Herrschaft des Königs über seine Untertanen. Welches Obst gab der Marmelade ihren Namen? Die Quitte ( Cydonia oblonga ). Bei den Griechen hießen nämlich in Honig eingelegte Quitten »melimelon«; daraus machten die Portugiesen »marmelo« und bezeichneten damit das Quittenmus. In der eingedeutschten Form »Marmelade« bezeichnete das Wort dann ganz allgemein Fruchtmus. Die reifen Früchte der Quitte verströmen einen betörenden Duft. Sie sind allerdings sehr hart und in rohem Zustand ungenießbar, können aber zu köstlichen, nicht alltäglichen Produkten verarbeitet werden. So ergeben sie etwa ein erfrischend säuerliches Gelee mit dem köstlichen Aroma und der ansprechenden goldgelben Farbe der Früchte. Das bei der Saftgewinnung anfallende Fruchtmark kann durch Kandieren zu süßem Quittenbrot verarbeitet werden. Gedünstet oder geschmort eignen sich Quitten auch hervorragend als Beilage zu Fleisch. Übrigens: Birnenquitten ( Cydonia oblonga var. pyriformis ) haben nicht nur eine andere Form als Apfelquitten ( Cydonia oblonga var. maliformis ), sondern sind auch saftiger. Sind Vogelbeeren giftig? Nein, lediglich sehr große Mengen roher Beeren können Durchfall und Übelkeit auslösen. Ursache ist die enthaltene Parasorbinsäure, die beim Kochen jedoch zerstört wird. Der bittere Geschmack der Früchte, die von der Vogelbeere oder Gewöhnlichen Eberesche ( Sorbus aucuparia ) stammen, wird allerdings jeden davon abhalten, allzu viele der roten Beeren zu naschen. Kleine Portionen gelten unter Rednern und Sängern sogar als Geheimrezept für geschmeidige Stimmbänder. Eine süß schmeckende, völlig ungefährliche Unterart wurde 1810 in Tschechien entdeckt und etablierte sich in höher gelegenen Regionen bald als wichtiges Obstgehölz: die Mährische Eberesche ( Sorbus aucuparia ssp. moravica ). Gekocht oder gedünstet liefern ihre Beeren ein ausgezeichnetes Kompott und eine gute Beilage für Fleischgerichte aller Art. Übrigens: Den Namen »Vogelbeere« tragen Ebereschen zu Recht, denn ihre Früchte sind vor allem bei Vögeln begehrt. Früher machten sich Vogelfänger diesen Umstand zunutze und lockten mit den Beeren Singvögel an, denen einst auch in Deutschland eifrig nachgestellt wurde. Welches Wildobst wurde von Äpfeln und Birnen verdrängt? Die Echte Mispel ( Mespilus germanica ). Sie war bereits im antiken Griechenland als Obstgehölz bekannt und kam im Gepäck der Römer nach Mitteleuropa. Dort zählte die Mispel während des Mittelalters zum Standardrepertoire in den Kloster- und Bauerngärten. Man aß ihre reifen »Steinäpfel« roh, verarbeitete sie zu Marmelade oder Obstwein und machte sich den hohen Gerbstoffgehalt unreifer Früchte bei der Gerberei zunutze. Die etwa pflaumengroßen, runden oder birnenförmigen Mispeln reifen im Oktober und sind leicht zu erkennen: Am abgeflachten Ende der braunen Früchte setzt ihnen der vertrocknete Kelch der ehemaligen Blüte eine Art Krone auf. Da Mispelfrüchte erst nach langer Lagerung oder Frosteinwirkung genießbar sind und sich anschließend nicht mehr lange halten, verdrängten Apfel und Birne das Wildobst weitgehend aus den Gärten. Wo die Mispel noch zu finden ist, wurde sie in der Regel als Zierstrauch gepflanzt. Ihre strahlend weißen Blütenblätter und das schmale, dunkelgrüne Laub reizen Gärtner heute mehr als die säuerlichen, mehligen Früchte. Wer heißt im Volksmund »Rosinenbaum«? Die Kupferfelsenbirne ( Amelanchier lamarckii ), die sich seit einigen Jahren auch einen Namen als Obstgehölz macht – eigentlich keine Neu-, sondern eine Wiederentdeckung. Denn in Bauerngärten wurde der Strauch schon vor zwei Jahrhunderten wegen seiner leckeren Früchte angepflanzt. Den offiziellen deutschen Namen verdankt die Kupferfelsenbirne ihrem Laub, das kupferfarben austreibt. Man findet sie deshalb häufig als Ziergehölz in den Gärten. Übrigens: Auch die Gewöhnliche Felsenbirne ( Amelanchier ovalis ), die sich von April bis Juni mit weißen, lockeren Blütenbüscheln schmückt, bringt heidelbeergroße, rote bis bläuliche, süß schmeckende Früchte hervor. Welcher Apfel kommt aus Amerika? Die Apfelbeere ( Aronia ), eine Gattung etwa zwei bis drei Meter großer Sträucher, der nur zwei Arten mit mehreren Varietäten angehören. Eine davon ist die Kahle Apfelbeere ( Aronia melanocarpa var. melanocarpa ). Von ihr gelangten Anfang des 20. Jahrhunderts einige Pflanzen zufällig nach Russland, wo Forscher bald die positiven Eigenschaften ihrer Früchte entdeckten: Sie stärken Galle und Leber, beruhigen Magen und Darm und sind sogar in der Lage, Schwermetalle und einige radioaktive Substanzen aus dem Körper zu schwemmen. Nachdem sich die Apfelbeere als überaus robust erwiesen hat und auch im weniger begünstigten Klima Russlands gut zurecht kommt, baut man sie heute dort häufig als Heilpflanze und Obstgehölz an. Im August oder September reifen die kleinen Wunderbeeren heran. Sie sind schwarzviolett und erinnern in Größe und Form an die Früchte der Eberesche ( Sorbus aucuparia ). Süß-säuerlich im Geschmack, lassen sie sich zu Marmelade oder Saft verarbeiten – in kräftigem Rot, das die reichlich enthaltenen Anthocyan-Farbstoffe beisteuern. Übrigens: Schon vor vielen Jahrhunderten schätzten die nordamerikanischen Indianerstämme die kleinen Apfelfrüchte: Sie ließen sie nach dem Sammeln trocknen und verkneteten sie zusammen mit Dörrfleisch und Fett zu dem sog. Pemmikan, einer haltbaren Kraftnahrung für den Winter. Was ist Hutzelbrot? Ein Früchtebrot aus Hefeteig, das zur Weihnachtszeit gebacken wird. Seinen Namen verdankt es den Hutzeln – gedörrten Birnenschnitzen, die man in Süddeutschland und Österreich auch Kletzen nennt. Sie sind zusammen mit Nüssen und Rosinen für ein echtes Hutzelbrot unentbehrlich. Mit dem Hutzelbrot verbinden sich allerlei Bräuche. Als Fruchtbarkeits- und Glückssymbol wurde es am Heiligen Abend oder am 26. Dezember angeschnitten und an die Haus- und Hofbewohner verteilt; selbst das Vieh erhielt seine »Maulgabe«. Das Anschneiden des Hutzelbrotes war auch ein Verlobungsbrauch: Ein rauer Anschnitt bedeutete eine Absage vonseiten des Mädchens, ein glatter Anschnitt ihre Zustimmung zur Verlobung mit ihrem Verehrer. Wussten Sie, dass … die Beeren des Speierlings früher dem Apfelwein zugesetzt wurden? Sie machten den Geschmack herber, den Saft klarer und verbesserten seine Haltbarkeit. die berühmteste Birne aus England stammt? 1770 kam Williams Christbirne auf den Markt, deren aromatisches, leicht zimtartiges Aroma sehr beliebt ist und die auch gerne für Süßspeisen verwendet wird. der Name des Speierlings nichts mit Übelkeit zu tun hat? Er leitet sich von dem althochdeutschen Wort »Spiera« ab, das Speer bedeutet. der berühmteste Birnbaum im Havelland steht? In seinem bekannten Gedicht »Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland« setzte Theodor Fontane (1819–1898) ihm ein literarisches Denkmal. Wo kann man den »Erdapfel« besichtigen? Im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Er ist der älteste noch erhaltende Erdglobus und wurde von dem Kartographen und Astronomen Martin Behaim (1459–1507) zwischen 1490 und 1493 erstellt. Der Globus zeigt außer den portugiesischen Eroberungen in Westafrika fast vollständig die Landmassen Asiens und Europas. Amerika dagegen ist noch nicht eingezeichnet, denn dass Christoph Kolumbus einen neuen Kontinent entdeckt hatte, erfuhr die Welt erst später. Behaims Globus ist also das letzte Abbild der Erde vor der Entdeckung Amerikas. Wussten Sie, dass … Birnenholz von Tischlern geschätzt wird? Das sehr dichte und gleichmäßige Holz wird u. a. für Messinstrumente, Blockflöten, Modeln und Weinpressen verwendet; schwarz gebeizt, diente es einst auch als Ersatz für Ebenholz. Äpfel einst Dichter inspirierten? So bewahrte Friedrich Schiller beispielsweise faule Äpfel in der Schublade seines Schreibtisches auf, deren Aroma seinen Gedankenfluss anscheinend beförderte. Apfelkraut ein guter Süßstoff ist? Sein Geschmack ist aromatischer als Zucker und es enthält außerdem noch viele Mineralstoffe des Apfels. es unter den Äpfeln auch hübsche Ziersträucher gibt? Arten wie etwa der Korallenapfel ( Malus floribunda ) oder der Kirschapfel ( Malus baccata ) zieren nicht nur durch ihre Blüte, sondern schmücken sich auch mit vielen kirschgroßen Früchten. Wussten Sie, dass … Quitten als heilkräftig gelten? Der Schleim, der sich beim Kochen der Quittenkerne bildet, soll bei Husten und Schmerzen wohltuend wirken. man auch die Früchte der Scheinquitten nutzen kann? Sie lassen sich genauso wie die Echten Quitten zu Marmelade und Gelee verarbeiten. man Quittengelee nicht mit Gelierzucker kochen muss? Die Früchte enthalten so viel Pektin, dass der Fruchtsaft auch ohne zusätzliches Geliermittel ausreichend eindickt. Was ist Pomologie? Die Pomologie ist die Lehre von den Obstarten und -sorten. Sie befasst sich mit deren Bestimmung, Beschreibung, Empfehlung und Erhaltung, wobei man heute oft nur noch Sortenkunde darunter versteht. Die heute oft mehr belächelte denn als seriös anerkannte Wissenschaft entfaltete sich vor mehr als 200 Jahren. Damals rief eine unüberschaubare Vielfalt an Obstsorten Spezialisten auf den Plan, die sich zur zentralen Aufgabe machten, die zahlreichen Sorten zu katalogisieren und systematisch zu ordnen. Heute beschäftigen sich Pomologen auch mit Problemen des Obstanbaus wie etwa Düngung oder Schnitt oder mit betriebswirtschaftlichen Fragen wie etwa einheitlichen Fruchtgrößen oder der Vermarktung des Obstes. Nicht zuletzt kümmern sich zahlreiche Vereinigungen von Pomologen um den Erhalt alter Obstsorten. Steinobst: Genüsse des Sommers Wodurch unterscheiden sich Herz- und Knorpelkirschen? Herzkirschen ( Prunus avium var. juliana ) und Knorpelkirschen ( Prunus avium var. duracina ) unterscheiden sich durch ihr Fruchtfleisch. Beide werden, botanisch gesehen, zu den Süßkirschen gezählt. Herzkirschen haben ein sehr weiches, saftiges Fruchtfleisch. Sie sind nicht lange haltbar, kaum transportfähig und werden deshalb höchstens direkt vom Obstbauern oder auf Regionalmärkten angeboten. Knorpelkirschen mit ihrem festen, hellen Fruchtfleisch lassen sich dagegen besser transportieren und können deshalb auch überregional angeboten werden. Teuer sind beide, denn Kirschenernte ist auch heute immer noch Handarbeit. Heute werden Kirschen in vielen Sorten kultiviert, in Deutschland u. a. in den typischen Obstanbaugebieten am Bodensee und im Alten Land, vor allem aber in Unterfranken. Übrigens: Am besten schmecken die Vitamin-C-reichen Früchte frisch. Sie lassen sich aber auch konservieren, kandieren oder zu Marmelade und Saft verarbeiten. Und selbst die Kirschkerne sind noch zu verwenden: Sorgfältig gesammelt, ausgekocht, getrocknet und in ein Leinensäckchen eingenäht, das man im Backofen aufheizt, sind sie ein einfaches, aber bewährtes Mittel für die Wärmebehandlung im Hausgebrauch. Was sind Vogelkirschen? Die Wildform der Süßkirsche ( Prunus avium ). Sowohl ihr deutscher als auch ihr botanischer Name spielt auf ihre Beliebtheit bei Vögeln an, die im Sommer die saftigen Früchte zu schätzen wissen. Denn der schwedische Naturforscher Carl von Linné (1707–1778), der die Art wissenschaftlich benannte, hängte der Kirsche den Artzusatz avium an, von lateinisch »avis« für Vogel. Vogelkirschen, die noch häufig in Laub- oder Mischwäldern, an Waldrändern und Hecken zu finden sind, sind außer im hohen Norden in ganz Europa bis nach Eurasien und Nordamerika verbreitet. Die bis zu 20 Meter hohen Bäume können rund 90 Jahre alt werden. Charakteristisch ist die rötliche Ringelborke, die sich in waagerechten Streifen vom Stamm löst. An den Blattstielen sitzen rote, runde Drüsen, die einen süßen Saft ausscheiden, der gerne von Ameisen gefressen wird. Eine andere Absonderung ist das sog. Katzengold – eine rötliche, gummiartige Masse, die der Baum als Wundverschluss bildet, wenn seine Rinde verletzt wird. In der Volksmedizin wurde es früher, in Wein aufgelöst, als Hustenmittel genutzt. Das rötlichbraune Holz ist zum Bau von Möbeln und Musikinstrumenten sehr gesucht. Die Vogelkirsche wird auch oft als Unterlage bei der Veredelung von Edelkirschen verwendet. Außerdem ist sie ein hervorragendes Blüten- und Vogelschutzgehölz, das nicht nur Vögeln, sondern auch vielen Insekten reichlich Nahrung in Form von Pollen und Nektar bietet. Sind Sauerkirschen saure Süßkirschen? Nein, denn die Sauerkirsche ist eine eigene Art mit dem botanischen Name Prunus cerasus ; sie stammt aus dem Kaukasus und aus Kleinasien. Die wilde Sauerkirsche oder Weichsel ( Prunus cerasus ) wächst als mehrere Meter hoher Strauch, der im Mai blüht. Aus ihr sind ebenfalls viele Kultursorten hervorgegangen. Da Sauerkirschbäume später blühen als ihre süßen Schwestern, sind sie weniger frostgefährdet und versprechen regelmäßige Ernten. Eine der bekanntesten Sorten ist die aus dem östlichen Mittelmeerraum stammende Schattenmorelle oder Strauchweichsel ( Prunus cerasus ssp. acida ). Sie trägt kleine, schwarzrote, oft glasige Früchte. Zum Frischessen sind sie zu sauer, sie eignen sich aber ausgezeichnet für die Herstellung von Konfitüren, Fruchtweinen oder zur Konservierung. Der lautmalerisch eingedeutschte Name leitet sich ab von »Chateau de Moreille«, einem Schloss in Frankreich, wo sie angeblich gezüchtet wurde. Die wichtigsten Anbaugebiete liegen heute in Italien und auf dem Balkan. Glaskirschen oder Amarellen ( Prunus cerasus ssp. acida var. cerasus ) sind vermutlich aus einer Kreuzung mit der Süßkirsche entstanden und tragen daher nur mäßig saure, durchscheinende Früchte, die mitunter auch roh genossen werden können. Schließlich ist noch die Maraskakirsche ( Prunus cerasus ssp. acida var. marasca ) zu nennen. Diese Varietät ist vor allem auf dem Balkan verbreitet und wird hauptsächlich zu dem bekannten Maraschino-Likör verarbeitet. Wo ist die Kirschblüte ein Nationalfest? In Japan, denn in keinem anderen Land haben Kirschen eine so große kulturgeschichtliche Bedeutung wie dort. Auf der asiatischen Insel gilt die Kirschblüte seit alters als Inbegriff von Zartheit und Reinheit, aber auch als Symbol der Vergänglichkeit, der Schönheit und des Lebens. Die Kirschblüte oder »Sakura«, wie sie auf Japanisch heißt, versetzt das ganze Land alljährlich in einen Ausnahmezustand. Schon Mitte März ergreift das Kirschblütenfieber die Menschen im subtropischen Süden, bis es Mitte April Tokio und Ende Mai den Norden erreicht. Bewaffnet mit Picknickutensilien, strömen dann Millionen in die öffentlichen Parks und Grünanlagen, um das weiße oder rosarote Blütenmeer zu bewundern und zu feiern. Gibt es einen Unterschied zwischen Pflaumen und Zwetschgen? Das kommt darauf an, wo man wohnt. In Südwestdeutschland unterscheidet man sehr wohl zwischen Zwetschgen (auch Zwetschen oder Quetschen genannt), die zugespitzte Enden haben, und Pflaumen mit einer rundlichen Form. In Nord- und Ostdeutschland dagegen werden beide einfach Pflaumen genannt. Ganz gleich, ob Pflaume oder Zwetschge, beides sind Formen der Hauspflaume ( Prunus domestica ssp. domestica ). Die Hauspflaume ist die Frucht des in Europa heimischen Pflaumenbaums ( Prunus domestica ), der vor langer Zeit vermutlich in Vorderasien entstand und von den Römern in die eroberten Länder nördlich der Alpen gebracht wurde. Zu seinen Vorfahren gehören der Schlehdorn ( Prunus spinosa ) und die wilde Kirschpflaume ( Prunus cerasifera ). Der strauchartige, bis zu sieben Meter hohe Baum trägt jedoch größere Früchte und nur an den jungen Trieben manchmal Dornen; die kleinen weißen Blüten erscheinen im Frühling noch vor den Blättern. Zuweilen kommt er auch verwildert in freier Natur vor. In Ostasien ist er ein Symbol des Frühlings und der Jugend und wird in China – ähnlich wie die Kirschblüte in Japan – häufig in Gedichten besungen und auf Gemälden dargestellt. Sind alle Pflaumen blau? Nein, man kennt daneben auch grüne und gelbe Früchte, denn von Prunus domestica gibt es zahlreiche Unterarten: Prunus domestica ssp. italica liefert die runden, grün- bis gelblichen Reineclauden oder Ringlotten. Die kirschgroßen, gelben Mirabellen stammen dagegen von Prunus domestica ssp. syriaca . Hierzulande wurden sie erst im 16. Jahrhundert eingeführt. Mirabellen schmecken fein aromatisch und sind außer zum Rohessen vor allem als Einmachobst und für wohlschmeckende Konfitüren geeignet. Am bekanntesten ist allerdings nach wie vor die große, bläulich violette Frucht von Prunus domestica ssp. domestica mit dem charakteristischen Aroma. Diese Art verlangt im Garten einen gut gedüngten, stickstoffreichen Boden und ist, im Gegensatz zu Kirschen und Äpfeln, selbstbefruchtend, benötigt also keine zweite Sorte in ihrer Nähe. Übrigens: Die Früchte werden meist roh gegessen und verarbeitet, wobei Kuchen und Marmelade an erster Stelle stehen. Getrocknet kommen sie als Backpflaumen in den Handel; früher waren sie in dieser Form ein wichtiger Exportartikel der Balkanländer. Vom Balkan stammt auch der Slibowitz (Slivovice), ein berühmter Pflaumenschnaps. Sein Name enthält das indogermanische Wort »sli«, das »bläulich« bedeutet und auf die Farbe der Frucht Bezug nimmt. Wie werden die Früchte der Schlehe in der Küche verwendet? Sie lassen sich zu Kompott und Gelee verarbeiten, liefern aber auch einen hervorragenden Likör und Schnaps. Die kleinen schwarzblauen Früchte der Schlehe ( Prunus spinosa ) reifen im Herbst; sie enthalten reichlich Gerbsäure und schmecken daher außerordentlich sauer. Genießbar sind sie eigentlich erst, wenn der Frost sie mürbe gemacht hat, aber dann entwickeln sie, vergleichbar mit den Pflaumen, einige kulinarische Qualitäten. Lassen sich Schlehen im Garten kultivieren? Vermutlich schon, jedoch sind die mit den Pflaumen verwandten Schlehen ( Prunus spinosa ) als Gartenpflanzen nicht sehr populär. Denn wenn sie nicht beschnitten werden bilden sie mehrere Meter hohe, sehr dichte Sträucher; zudem laufen ihre Äste in dornigen Spitzen aus, die fast waagerecht vom Haupttrieb abstehen und unachtsamen Gärtnern schmerzhafte Wunden zufügen können. Die Sträucher wirken oft sperrig und bilden mit der Zeit ein undurchdringliches Gestrüpp. Am schönsten sind Schlehen zur Blütezeit im April und Mai, wenn sie über und über mit kleinen, weißen Blüten bedeckt sind. Obwohl die Schlehe im Großen und Ganzen ein eher anspruchsloses Gehölz ist, liebt sie Kalkböden und gedeiht in freier Natur gerne an sonnigen Wald- und Wegrändern, auf Schutthalden und in Hohlwegen. Durch starke Wurzelbrut vermehrt sie sich vegetativ und bildet oft ausgedehnte Dickichte. Von allen Prunus -Arten ist sie am weitesten in Europa verbreitet, denn sie fehlt nur im hohen Norden und auf Island. Als Bestandteil von artenreichen Hecken sind Schlehen von großer ökologischer Bedeutung. Nicht weniger als 137 Kleintieren bieten sie Unterschlupf und Nahrung, darunter allein 73 Schmetterlingsarten. Auch für 18 Wildbienenarten sind Schlehen wichtige Nahrungspflanzen. Woran erkennt man reife Pfirsiche? Wenn Pfirsiche reif sind, haben sie, genau wie Nektarinen, ein unvergleichliches Aroma. Beim Kauf sollte man sich deshalb auf seine Nase verlassen: Ein feiner Duft kündigt die baldige Vollreife an; zu Hause können die Früchte, die meist aus dem Kühllager in den Handel kommen, in wenigen Tagen nachreifen. Auf die Farbe des Obstes kann man sich dagegen nicht verlassen, denn sie gibt keinen Aufschluss über den Reifegrad der Früchte. Übrigens: Bei Nektarinen und Pfirsichen unterscheidet man weißfleischige und gelbfleischige Sorten, wobei die weißfleischigen im Allgemeinen als aromatischer und saftiger, aber auch als druckempfindlicher gelten. Sind Pfirsiche behaarte Nektarinen und Nektarinen glatte Pfirsiche? Im Prinzip schon, denn die Nektarine ( Prunus persica var. nectarina ) ist lediglich eine Varietät des Pfirsichs ( Prunus persica ). Sie ist also nicht aus einer Kreuzung von Pfirsich und Pflaume entstanden, wie häufig behauptet wird. Hierzulande sind Nektarinen erst seit etwa 20 Jahren bekannt und mittlerweile ebenso beliebt wie die samtigen Pfirsiche. Sie haben festeres Fleisch, sind weniger saftig und lassen sich deshalb besser aus der Hand essen. Pfirsichbäume sind im März mit herrlichen rosafarbenen Blüten übersät; ihre schmalen Blätter entwickeln sich erst später. Im Juli und August reifen die apfelgroßen, samtig-haarigen Früchte heran, die durch ihr saftiges Fruchtfleisch bestechen. Der gefurchte Stein umschließt einen ölreichen Samen, der das giftige Blausäureglykosid Amygdalin enthält. Übrigens: Sowohl Pfirsich als auch Nektarine wurden schon vor mehreren Tausend Jahren in China kultiviert und gelangten über Persien nach Europa. Welches Obst verbirgt sich hinter der Marille? Die Aprikose ( Prunus armeniaca ), die in Österreich landläufig als Marille bezeichnet wird. Aprikosen wachsen in der Regel zu einem etwa acht Meter hohen Baum heran, dessen rötliche Zweige mit dunkelgrünen, glänzenden Blättern besetzt sind. Im zeitigen Frühjahr erscheinen oft noch vor den Blättern weiße, seltener rosa Blüten. Die kugeligen gelben Früchte schmecken am besten frisch vom Baum, wenn sie ihre volle Reife erreicht haben. Leider sind sie nicht lange haltbar, so dass man im Lebensmittelladen meist nur unreif geerntete Früchte findet. Sind sie noch hart und grün, sollte man von ihrem Kauf absehen. Wenn sie aber weich in der Hand liegen und schon etwas Farbe haben, kann man sie zu Hause bei Zimmertemperatur noch nachreifen lassen, damit sich ihr feines Aroma voll entfaltet. Übrigens: Obwohl sie wahrscheinlich ursprünglich aus Nordchina und der Mongolei stammt, gedeiht die Aprikose in unseren Breiten am besten in den warmen Mittelmeerländern und in der ungarischen Tiefebene. Einer der Hauptproduzenten von Aprikosen ist die Türkei, die auch die nur walnussgroßen, sehr süßen Zuckeraprikosen liefert. Wer liefert die beliebten Mandelkerne? Die Süßmandel ( Prunus dulcis var. amara ). Im milden Klima der badischen Bergstraße bei Heidelberg läuten die rosafarbenen, duftigen Blüten der Mandelbäume oft schon im Februar den Frühling ein. Mandelbäume ( Prunus dulcis ) sind in den milden, gemäßigten Regionen überall auf der Welt zu finden. Ihre Heimatgebiete aber sind der östliche Mittelmeerraum, Kleinasien und die Levante, wo sie schon vor langer Zeit kultiviert wurden. Äußerlich ähnelt der Mandelbaum einem Pfirsichbaum. Er trägt im Herbst samtig behaarte, grüne Früchte, die etwa so groß sind wie Aprikosen, jedoch ungenießbar. Sie platzen bei der Reife auf und geben den äußerst harten, runzligen und mit kleinen Löchern versehenen Kern frei. Darin befindet sich der begehrte Same, die wohlschmeckende Mandel, die sowohl roh gegessen wie auch als Backzutat verwendet werden kann. Übrigens: Die Ziermandel ( Prunus triloba ), die wie ihre nützliche Verwandte auf warmes Klima angewiesen ist, ist ausschließlich ein Augenschmaus, denn sie bringt keine Früchte hervor. Dafür schmückt sich der bis zwei Meter hohe Strauch im Frühling mit einer Wolke aus zartrosa Blüten. Um die Blühfreudigkeit zu erhalten, sollte man ihn nach der Blüte stark zurückschneiden. Wussten Sie, dass … »Pfirsich Melba« nach einer Sängerin benannt wurde? Das bekannte Dessert aus Pfirsichen, pürierten Himbeeren und Vanilleeis wurde 1892 von dem französischen Meisterkoch Auguste Escoffier zu Ehren der australischen Koloratursopranistin Nellie Melba (1861–1931) kreiert. Trockenpflaumen abführend wirken? Man weicht einfach ein bis zwei getrocknete Pflaumen am Vorabend in Wasser ein und verzehrt sie am nächsten Morgen in Müsli oder Joghurt – die Wirkung lässt meist nicht lange auf sich warten. Warum werden Kirschen wurmig? Weil sie von der Kirschfruchtfliege ( Rhagoletis cerasi ) befallen sind. Im Fruchtfleisch lässt sich bei genauerer Betrachtung ein weißlicher »Wurm« entdecken, der sich allerdings gar nicht als Wurm, sondern als Made entpuppt, nämlich als die der Kirschfruchtfliege. Sie gilt als der ärgste Feind professioneller Obstbauern, gerade in wärmeren Regionen Süd- und Mitteleuropas. Das etwa fünf Millimeter lange Insekt hat es vor allem auf Süß- und weniger auf Sauerkirschen abgesehen. Braune, eingesunkene Stellen in Stielnähe und weiches Fruchtfleisch sind deutliche Anzeichen für einen Befall. Die Fliege überwintert unterirdisch als Puppe, in der sich bis Mitte Mai das erwachsene Tier entwickelt. Wenn die Kirschen beginnen, sich von Gelb nach Gelbrot umzufärben, legen die Weibchen jeweils ein Ei in der Frucht ab – insgesamt 100 bis 250! Etwa eine Woche später schlüpfen daraus weiße Maden und schlemmen sich rund um den Kern durch das saftig rote Fleisch. Nach drei bis vier Wochen sind sie ausgewachsen, fallen zu Boden und verpuppen sich dort für die nächste Generation. Wussten Sie, dass … Mandeln ein begehrtes Öl liefern? Das Mandelöl wird durch Pressung gewonnen und Kosmetika zugesetzt oder dient als Grundlage für Salben; sogar der Pressrückstand, die sog. Mandelkleie, wird in der Kosmetik als mildes Hautreinigungsmittel verwendet. Mandeln sehr nahrhaft sind? Sie enthalten über 50 Prozent Öl und rund 20 Prozent Eiweiß. zur Aromatisierung von Kuchen oder Desserts heute keine Bittermandeln mehr verwendet werden? Mittlerweile wurden sie durch künstliches Bittermandelaroma ersetzt; es enthält Benzaldehyd als Aromastoff und ist gesundheitlich völlig unbedenklich. Sind Mandeln giftig? Nur die Bittermandeln. Sie wurden früher aufgrund ihres charakteristischen Geschmacks gelegentlich zur Aromatisierung von Backwaren verwendet. Auch heute noch kann man Bittermandeln kaufen, sie werden jedoch nur in sehr kleinen Packungen bis zu fünf Stück angeboten, denn fünf bis zehn Kerne können wegen des hohen Giftgehalts für Kleinkinder bereits tödlich sein. Das Gift der Bittermandeln ist das Amygdalin, ein Blausäureglykosid, aus dem die hochgiftige Blausäure (Zyanid) abgespalten wird. Sie hemmt wie Zyankali die Zellatmung und führt unter Krämpfen zum Erstickungstod. Auch die Kerne von Äpfeln, Pfirsichen und Aprikosen enthalten Amygdalin, wenn auch in sehr viel geringeren Mengen. Die Pflanzen produzieren das Gift vermutlich, um sich gegen Fressfeinde zu schützen. Bittermandeln sind vor allem an ihrem äußerst bitteren Geschmack zu erkennen; außerdem sind sie kleiner und unregelmäßiger geformt als Süßmandeln. Auch die Blausäure verströmt einen charakteristischen Geruch, den jedoch nicht jeder wahrnehmen kann. Wussten Sie, dass … den Blüten der Schlehe auch medizinische Wirkungen zugesprochen wurden? Getrocknet und aufgebrüht, wurden sie in der Volksmedizin früher als Blutreinigungstee getrunken. die Kirsche nach einer Stadt benannt ist? Die Römer nannten sie nach der antiken Stadt Kerasos am Schwarzen Meer »cerasus«, woraus sich schließlich das deutsche »Kirsche« entwickelte. Kirschbaumholz besonders in der Biedermeierzeit populär war? Das rötlich braune Holz wird noch heute gerne als Werk- und Furnierholz oder für Musikinstrumente verwendet. Was ist Persipan? Ein aus Pfirsich- und Aprikosenkernen hergestellter Ersatz für Marzipan. Marzipan, Bestandteil feiner Gebäcke, Süßwaren und Pralinen, wird aus geriebenen süßen Mandeln, Zucker und Rosenwasser hergestellt. Die unangefochtene »Hauptstadt« des Marzipans in Deutschland ist Lübeck, wo das berühmteste Marzipan produziert wird. Persipan kann als Marzipanersatz verwendet werden. Anstelle der Mandeln enthält es entbitterte Pfirsich- und Aprikosensamen. Vom Geschmack etwas kräftiger als Marzipan, gilt das preiswertere Persipan jedoch als weniger edel, da ihm das feine Mandelaroma fehlt. Himbeere und Brombeere: Wild und in Kultur Sind Himbeeren wirklich Beeren? Nein, die dunkelroten, bei Zuchtformen mitunter auch gelben, weichen Früchte sind, anders als der Name der Pflanze suggeriert, keine Beeren, sondern Sammelsteinfrüchte, die aus den einzelnen Fruchtblättern gebildet werden. Untereinander sind die winzigen Früchte durch feine, samtige Härchen verbunden. Anders als bei der Brombeere, übrigens auch eine Sammelsteinfrucht, ist die Frucht nur lose an den Blütenboden gebunden und kann leicht abgezogen werden. Himbeeren sind sehr saftig und aromatisch und haben dank ihres Gehalts an Apfel- und Zitronensäure ein feines, erfrischendes Aroma. Sie sind reich an Mineralstoffen wie Kalium, Eisen und Phosphor und wirken blutreinigend. Die kleinen roten »Beeren« können von Juli bis August (bei späten Sorten bis Oktober) gesammelt werden. Wachsen Himbeeren an Sträuchern? Nein, genau genommen sind »Himbeersträucher« Stauden, die mithilfe ihrer Wurzeln überwintern. Aus dem Wurzelstock treiben sie im Frühjahr lange, schwach verholzende Ruten aus, die bis zu zwei Meter hoch wachsen und mit weichen Stacheln besetzt sind. Die drei- bis fünfzähligen Blätter bedeckt auf der Unterseite ein weißer Flaum. Im ersten Jahr beschränken sich die Ruten darauf, in die Höhe zu wachsen. Erst im zweiten Jahr treten aus den Achselknospen der Blätter kurze Seitentriebe hervor, aus denen der Blütenstand wächst: eine nickende Rispe mit wenigen weißlichen Blüten. Fünf Kelch- und ebenso viele rundliche Blütenblätter kennzeichnen sie als ein Mitglied der Rosengewächse. Übrigens: Die wilde Verwandte der Gartenhimbeere ist die in ganz Europa und Asien verbreitete Waldhimbeere ( Rubus idaeus ). Hierzulande ist sie in lichten Laub- und Mischwäldern an Waldrändern und auf Kahlschlägen anzutreffen. Sie liebt nährstoffreiche Böden und ist ein Stickstoffzeiger. Was macht die Brombeere mit ihren Wandersprossen? Sie vermehrt sich damit. Brombeeren bilden oft ausgedehntes, undurchdringliches Gestrüpp an Waldrändern, auf Lichtungen und in Hecken. Und bei dem Versuch, an die leckeren schwarzen bis rötlichen Früchte zu gelangen hat bestimmt jeder schon einmal Bekanntschaft mit den spitzen Stacheln der Brombeere gemacht. Mithilfe sog. Wandersprossen können sich Brombeeren leicht vermehren: Berührt eine Brombeerrute mit der Spitze den Boden, so kann sie Wurzeln entwickeln und aus Achselknospen neue Sprosse treiben, die übrigens erst im zweiten Jahr die begehrten Früchte tragen. Übrigens: Die Brombeere ist in manchen Landesteilen unter dem Namen »Kratzbeere« oder »Kroatzbeere« bekannt. Ihr botanischer Name lautet Rubus fruticosus und bezeichnet eine Sammelart, die über 2000 Sippen umfasst. Der eigentliche Name »Brombeere« leitet sich vom althochdeutschen Wort »brama« ab, was so viel heißt wie Dornenstrauch. Welche Sorten kommen bei uns auf den Markt? Die Früchte, die bei uns auf den Markt kommen, stammen aus landwirtschaftlichem Anbau. Die Brombeere wird erst seit dem 19. Jahrhundert kultiviert, wobei bevorzugt amerikanische Sorten angebaut wurden, von denen heute viele verwildert sind. Eine bekannte moderne Sorte ist »Theodor Reimers«, benannt nach einem Pflanzenzüchter aus Hamburg. Sie treibt kräftige Ruten, die bis zu drei Meter hoch werden können, allerdings dicht mit starken Dornen besetzt sind. Die zahlreichen pechschwarzen Früchte lassen sich nur im reifen Zustand leicht vom Blütenboden ablösen und haben ein feines Aroma – was leider nicht bei allen Kultursorten selbstverständlich ist, denn bei der Zucht werden oft Aussehen oder Haltbarkeit höher bewertet als der Geschmack. Inzwischen werden auch stachellose Sorten angeboten, was die Ernte der köstlichen Früchte natürlich sehr erleichtert. Wachsen Brombeeren auch im hohen Norden? Ja, durchaus, beispielsweise die Moltebeere ( Rubus chamaemorus ), deren weitere Bezeichnung »Arktische Brombeere« bereits auf ihr nördliches Verbreitungsgebiet hinweis