Politiker, Reformer, Diktatoren – Gestalter der Geschichte
Politiker, Reformer, Diktatoren – Gestalter der Geschichte Die Polis, der griechische Stadtstaat der Antike, stand Pate für unser Wort Politik. Auch deshalb beginnt dieses Kapitel über Politiker und Reformer mit dem athenischen Staatsmann Perikles (5. Jh. v. Chr.), einem glänzenden Vertreter seines Standes in der glänzendsten Epoche seiner Stadt. Die Porträts stellen Machtmenschen und Menschenfreunde dar, Idealisten und Ideologen, Demokraten und Diktatoren, große Gestalter und verbrecherische Zerstörer. Sie alle haben Geschichte gemacht. Oft verbindet sich mit ihrem Namen ein nationaler Neubeginn: George Washington (1732–1799) als erster Präsident der USA nach dem blutigen Unabhängigkeitskrieg, der südamerikanische Volksheld Simón Bolívar (1783–1830) als Befreier von spanischer Kolonialherrschaft, Kemal Atatürk (1881–1938) als »Vater der Türken« nach dem Ende des Osmanischen Reiches, David Ben-Gurion (1886–1973), der erste Ministerpräsident des neu gegründeten Staates Israel. Für die deutsche Geschichte sind unter anderem drei Männer von Bedeutung: Otto von Bismarck, der »Eiserne Kanzler« und Reichsgründer von 1871, Konrad Adenauer, von 1949 bis 1963 der erste Bundeskanzler der jungen Bundesrepublik, sowie Helmut Kohl, der »Kanzler der Einheit« von 1989. Während zum Politiker immer auch die Macht gehört, basiert die öffentliche Wirkung von Menschen wie Mutter Teresa (1910–1997), die ihr Leben den Ärmsten der Armen widmete, oder Henri Dunant (1828–1910), Begründer des Roten Kreuzes, auf einem vorbildhaften Leben oder der Überzeugungskraft ihrer Idee. Durch den gewaltsamen Tod eindrucksvoller Persönlichkeiten werden Mythen und Legenden geschaffen. Der US-Präsident John F. Kennedy – 1963 Opfer eines Attentats – ist ein Beispiel dafür, und auch Che Guevara, der 1967 getötete Revolutionär, dessen Konterfei zur Ikone der Pop-Kultur wurde. Perikles: Stratege und demokratischer Reformer Was war Perikles' Attischer Seebund? Der Attische Seebund war ursprünglich als Schutz gegen die Expansion der Perser in der Ägäis gedacht gewesen. Im 5. Jahrhundert v. Chr. rangen Sparta und Athen um die Vorherrschaft in der griechischen Welt. Während Sparta seine Verbündeten und Unterworfenen im Peloponnesischen Bund organisierte, baute Athen den Attischen Seebund weiter aus. Architekt dieser Politik war der um 495 v. Chr. geborene Athener Adelige Perikles. Zunehmend entwickelte sich der Bund jedoch zu einer Organisation, die die Machtsphäre Athens ausweitete und dem Stadtstaat als Instrument seiner Expansionspolitik diente. Wie schützte Athen den Handelsweg zum Schwarzen Meer? Durch Vorposten. Für die Bewohner Athens war es lebensnotwendig, dass die Handelsrouten ins Schwarze Meer, die sich an mehreren Stellen leicht blockieren ließen, frei blieben, denn man war dringend auf Lebensmittelimporte angewiesen. Deshalb versuchte Athen im 5. Jahrhundert v. Chr. Vorposten entlang dieses Handelswegs zu errichten, um die freie Durchfahrt der Getreidehändler zu gewährleisten. Dazu griff Athen zu einer recht kompromisslosen Expansionspolitik, die sich vor allem auf die Nordägäis richtete, aber auch vor anderen Regionen keinen Halt machte. Eine wichtige Rolle spielte dabei der Seebund. Wie entwickelte sich das Kräfteverhältnis im Seebund? Es verlagerte sich einseitig zu Gunsten Athens. Mitgliedsstädte des Seebundes hatten entweder Kriegsschiffe zu stellen oder Geldbeiträge an die Bundeskasse zu leisten. Unter dem Einfluss von Perikles drängten die Athener darauf, dass die Mitglieder zunehmend Geldbeiträge statt Schiffskontingente liefern sollten. Dadurch stieg das militärische Gewicht Athens im Seebund so an, dass Athen die Bedingungen diktieren konnte. So sollten beispielsweise die übrigen Mitglieder ihre Verfassungen der von Athen angleichen. Mehrfach richtete sich das militärische Potenzial des Seebunds gegen Mitglieder, die aus dem Bund austreten wollten, weil sie sich nicht mehr durch die Perser bedroht fühlten oder sich der Bevormundung durch die Athener entziehen wollten. Selbst bis dahin unabhängige Städte wurden zum Eintritt gezwungen oder, falls sie sich weigerten, zerstört. Deshalb geriet Athen mehrfach in Streit mit Sparta und Korinth. Diese Konflikte mündeten schließlich in den Peloponnesischen Krieg, der in seinem 30-jährigen Verlauf die Vorherrschaft Spartas besiegeln sollte. Auf welche Weise steuerte Perikles die Athener Politik? Indem er sich im Hintergrund hielt, aber gleichzeitig geschickt seinen Einfluss geltend machte. Perikles selbst bekleidete keine politische Spitzenposition, ließ sich aber ab 443 v. Chr. fast jährlich zu einem der zehn Strategen wählen, die für die Kriegsführung zuständig waren. Er nahm regelmäßig Einfluss auf die athenische Volksversammlung und bediente sich dabei vor allem seiner hetairie . Das waren politische Klubs, die im antiken Athen parteiähnliche Funktionen ausübten. Er initiierte den Wiederaufbau des in den Perserkriegen zerstörten Athens. Der prächtige Ausbau der Akropolis in der Gestalt, die noch heute das Stadtbild prägt, geht auf ihn zurück. Er förderte Künste und Wissenschaften und gestaltete Athen zur kulturellen Metropole der Antike. Warum erhielt das Volk größeren Einfluss? Das Volk bekam mehr Rechte, um es für die Durchsetzung außenpolititscher Ziele zu gewinnen. Perikles beteiligte sich an den Verfassungsreformen des Ephialtes, die jenen Bevölkerungsschichten, die die Schiffsbesatzungen stellten, mehr politisches Gewicht zubilligten. Die alte Adelsverfassung, der areiopagos , verlor ihre Macht, Volksversammlung und Volksgericht wurden gestärkt. Das Engagement bei diesen Institutionen wurde mit so genannten Diäten entlohnt. Nun wurde eine Schicht an der Politik beteiligt, die davon profitierte, dass sich Athen aggressiv nach außen hin präsentierte und die Auseinandersetzung mit Sparta suchte. Bezwang Perikles Sparta? Nein. In der Konfrontation mit Sparta vertrat Perikles einen harten Kurs, der schließlich zum Ausbruch des Kriegs führte. Eines der Meisterwerke antiker Rhetorik ist die offizielle Rede auf die Gefallenen des ersten Kriegsjahres, in der Perikles das politische Programm des Konflikts zwischen Sparta und Athen entwickelt. Perikles selbst fiel 429 v. Chr. einer Seuche zum Opfer, die das belagerte Athen heimsuchte. Athen kämpfte weiter bis zur Niederlage. Wussten Sie, dass … für den Historiker Thukydides Athen »dem Namen nach eine Demokratie, in Wahrheit die Herrschaft des ersten Mannes«, nämlich des Perikles, war? der berühmte Bildhauer Phidias maßgeblich am von Perikles initiierten Wiederaufbau der Akropolis beteiligt war? Perikles für den Bau der Akropolis Geld aus der Kasse des Seebundes verwendete? Cicero: Römischer Politiker und brillanter Rhetoriker Wie machte Cicero so rasant Karriere? Durch außergewöhnliche Begabung und Beziehungen. Cicero entstammte einer ritterlichen Familie aus Arpinum und ging in jungen Jahren nach Rom, wo er sich bedeutenden Rednern anschloss. Er unternahm ausgedehnte Studienreisen zu den Bildungszentren der Antike, genoss eine sorgfältige philosophische, juristische und rhetorische Ausbildung. Im Bürgerkrieg leistete er auf Seiten Sullas Militärdienst und machte anschließend als Prozessredner auf sich aufmerksam. Durch seine erfolgreiche Anklage gegen den Stadthalter Verres verschaffte er sich Zugang zu den gesellschaftlichen und politischen Spitzen der römischen Republik. Seine herausragende literarische Begabung erwarb ihm die Gunst einflussreicher Kreise. Er schlug eine politische Laufbahn ein und erlangte die römischen Staatsämter suo anno , im zulässigen Mindestalter. Für einen römischen Politiker war es eine große Auszeichnung, so früh in ein Amt gewählt zu werden. Was waren seine großen Erfolge und Niederlagen? Im Umfeld von Lucullus und den Metelli wurde er schließlich 63 v. Chr. zum Konsul gewählt. Auch dabei wurde ihm eine besondere Ehre zuteil. Cicero war homo novus, der Erste aus seiner Familie, der das Amt des Konsuls bekleidete. In der späten Republik war es extrem selten, dass Aufsteiger in das höchste Amt gewählt wurden. Gegen Ende seiner unspektakulären Amtszeit tat sich Cicero bei der Bekämpfung Catilinas und seiner Parteigänger hervor. Als er sich 59 v. Chr. gegen Cäsar und Pompeius wandte, unterstützten diese beiden Ciceros persönlichen Feind Clodius dabei, Cicero zur Verantwortung zu ziehen. Er musste sich wegen der Hinrichtung einiger hoch stehender Anhänger Catilinas verantworten. Er ging nach Griechenland ins Exil und konnte erst nach mehreren Jahren aufgrund veränderter politischer Konstellationen nach Rom zurückkehren. In den folgenden Jahren unterstützte er Cäsar und Pompeius. Bei Ausbruch des Bürgerkriegs stellte er sich auf die Seite von Pompeius und floh mit der Senatspartei aus Italien. Bei keiner der großen Niederlagen der Pompeianer anwesend, wartete er das sich bald abzeichnende Ergebnis der Kämpfe wieder in Italien ab. Was führte zu der Ermordung des Politikers? Die sich verschiebenden politischen Allianzen. Unter der Diktatur Cäsars wandte sich Cicero seinen literarischen Arbeiten zu und zog sich aus der Politik zurück. Nur gelegentlich richtete er sich als Bittsteller für politische Freunde direkt an Cäsar. Dessen Ermordung 44 v. Chr. überraschte Cicero ebenso wie die gesamte Oberschicht. Obwohl Ciceros Abneigung gegen Cäsar offensichtlich gewesen war, hatten die Cäsarmörder ihn nicht ins Vertrauen gezogen. In den nächsten Monaten betätigte sich Cicero als Agitator gegen Antonius, der im Begriff war, die Nachfolge Cäsars anzutreten. Er hielt und veröffentlichte mehrere »Philippische Reden«, die den Reden des athenischen Rhetors Demosthenes gegen Philipp II. von Makedonien nachempfunden waren. Als es dann im Herbst 43 v. Chr. zu einer Verständigung zwischen Antonius und Octavian, dem Erben Cäsars, kam, fand sich Ciceros Name auf der Liste derer, die im Interesse der neuen Machthaber zu töten waren. Am 7. Dezember 43 wurde er auf der Flucht eingeholt und ermordet. Welche Bedeutung hat Ciceros Werk für die Nachwelt? Mit Cicero erreichte die lateinische Sprache ihren stilistischen Höhepunkt. Seine Werke sind größtenteils erhalten und umfassen zahlreiche Reden, eine umfangreiche Briefsammlung, philosophische und rhetorische Abhandlungen. Das ciceronische Werk steht mit seiner stilistischen Reife nicht nur in der lateinischen, sondern in der gesamten Literatur einzig da. Dessen war sich schon Cicero bewusst. Seine Reden wurden überarbeitet und als Kunstwerke veröffentlicht. Ihnen können wir zahllose Details der römischen Politik und Rechtsprechung entnehmen. Seine Briefe mit persönlichen Einschätzungen zu politischen Ereignissen sind für Historiker unschätzbar wertvoll. Seine Abhandlungen haben den Bildungskanon einer vergangenen Epoche in einer Breite erhalten, wie sie sonst selten ist. Warum scheiterte der Römer als Staatsmann? Als Politiker war Cicero ein Idealist, der gegenüber Pragmatikern wie Cäsar, Antonius oder Pompeius scheitern musste. Er hatte sich als aus dem Mittelstand stammender »homo novus« der Senatspartei angeschlossen und hielt ihr bis zu seinem Ende die Treue. Sein Versuch, die altrömischen Ideale und die alte republikanische Freiheit wiederherzustellen, scheiterte an den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen und vor allem an seinem Erzfeind Antonius, der nach dem Zustandekommen des 2. Triumvirats (43 v. Chr., Octavian, Antonius und Lepidus) die Gelegenheit nutzte, sich für Ciceros »Philippika« zu rächen, und dessen Ermordung veranlasste. Wussten Sie, dass … Cicero über ein erstaunliches Gedächtnis verfügte? Seine vier berühmten Reden über Catilina legte er erst vier Jahre, nachdem er sie gehalten hatte, schriftlich nieder. sich Cicero nach 30-jähriger Ehe scheiden ließ, um eine 20-Jährige zu heiraten? Die Ehe hielt allerdings nicht lange. Antonius den Kopf und die Hände des großen Rhetorikers an der Rednerbühne auf dem Forum in Rom ausstellen ließ, dem Ort, an dem Ciceros seine größten Erfolge gefeiert hatte? Lorenzo de' Medici: Die Macht im Hintergrund Was kennzeichnet das Geschlecht der Medici? Vor allem ihr glückliches Verhältnis zum Geld. Als Lorenzo de' Medici im Jahr 1449 in Florenz geboren wurde, hatte seine Familie schon eine lange Erfolgsgeschichte hinter sich. Bereits im 13. Jahrhundert gab es verschiedene Familienzweige, die »di Cafaggiolo« bildeten eine Hauptlinie. Der Reichtum, den die Familie bereits im 14. Jahrhundert angesammelt hatte, sollte sich aber erst an der Wende zum 15. Jahrhundert in eine entsprechende politische und gesellschaftliche Stellung ummünzen lassen, nachdem Giovanni di Bicci (1360–1429) 1397 die später so berühmte Medici-Bank gegründet hatte. Welcher Medici sorgte für den Aufstieg der Familie? Giovannis Sohn, der spätere Großvater Lorenzos, Cosimo »il Vecchio« (1389–1464), sicherte sich mithilfe eines weit verzweigten Klientelnetzes einen großen Anteil an der Macht in Florenz. Trotz einer Kerkerhaft im Jahr 1433 und anschließender Verbannung nach Venedig, wo man ihn bereitwillig aufnahm, konnte er bald in die Arno-Metropole zurückkehren. Dort gelang es ihm, die gesamte Politik auf seine Person, seine Familie und ihre Vertrauten zu konzentrieren, ohne selbst auf Dauer Ämter der Republik bekleiden zu müssen. Neben pragmatischen und moralisch nicht immer ganz einwandfreien Methoden, wie beispielsweise Bestechung, nutzte er ganz im Stil der Zeit auch das Mittel des Mäzenatentums, um seinen umfassenden Führungsanspruch zu unterstreichen. Und das mit Erfolg: Die Signoria – die Stadtregierung von Florenz – ehrte »den Alten« nach dessen Tod mit dem Titel »pater patriae« (Vater des Vaterlands). Konnte Lorenzo den Ruhm der Familie weiter vergrößern? Zunächst nicht: Lorenzo »il Magnifico« konnte zwar auf einer erfolgreichen Vorgeschichte aufbauen, als er im Jahr 1469 gemeinsam mit seinem Bruder Giuliano die Führung der Familie und des florentinischen Staates von seinem Vater Piero übernahm, der nur wenige, krisenreiche Jahre regiert hatte. Belastet wurde Lorenzos Herrscherzeit aber durch seine Feindschaft mit Papst Sixtus IV. (1471–1484), dessen Neffe, Kardinal Raffaele Riario, bei der so genannten Pazzi-Verschwörung, die 1478 Giuliano de' Medici das Leben kostete, eine zentrale Rolle spielte. Auch danach gelang es Sixtus noch, Neapel und Siena zum Krieg gegen das mediceische Florenz zu bewegen. Der folgende Friedensschluss der Stadt (1480) mit dem unter spanischer Herrschaft stehenden Neapel trug aber dann beträchtlich zum strahlenden Bild Lorenzos bei: »Il Magnifico« begab sich in einer spektakulären Aktion persönlich nach Neapel, um sich dort mit dem Feind zu arrangieren. Wodurch sicherte Lorenzo seine Macht? Durch eine Taktik der Protektion und Bestechung. Nach den ersten Krisenjahren konnte Lorenzo überaus erfolgreich und beinahe unangefochten die Geschicke der Stadt lenken. Wie sein Großvater Cosimo verzichtete auch er weitgehend darauf, öffentliche Ämter zu übernehmen. Dennoch legte sich die Opposition gegen diese »Kryptosignorie« der Medici – die Herrschaft im Hintergrund – nie ganz. Lorenzo versuchte nicht nur durch politische Reformen – etwa die Einrichtung des Rats der Siebzig im Jahr 1480, der nur aus Medici-Anhängern bestand – den Einfluss seiner Gegner zu beschneiden, sondern forderte darüber hinaus, dass sämtliche Lebensbereiche im Dienst seiner Regierung stehen sollten. Dies erstreckte sich von der äußerst erfolgreichen Protektion von Familienmitgliedern – etwa durch seine und seines Sohnes Eheverbindung mit dem römischen Adelsgeschlecht der Orsini – über bürokratische Reformen bis hin zur nachhaltigen Förderung von Kunst und Kultur als Mäzen. Wie sah sich Lorenzo de' Medici selbst? Wenn Lorenzo späteren Zeiten als Verkörperung des Renaissance-Ideals vom universellen Menschen galt, so geht dieses Bild auf eine bewusste Stilisierung durch ihn selbst und seine Umgebung zurück. Er schaltete sich als Vermittler in die »internationale« Politik ein und begründete damit einen Ruf, der letztlich auch seine Macht in der eigenen Stadt sicherte. Davon zeugt beispielsweise sein umfangreicher Briefwechsel. Einen weiteren Stilisierungsschub erfuhr sein Bild dann nach seinem Tod, als der französische König Karl VIII. Feldzüge nach Italien unternahm, und die damit verbundenen außenpolitischen Misserfolge von Lorenzos Sohn Piero 1494 zu dessen Vertreibung aus Florenz führten. Angesichts der aktuellen Probleme wurde die Regierungszeit Lorenzos als eine Ära des Friedens, der Größe und des Glanzes verklärt. Welche Rolle spielte Girolamo Savonarola in Florenz? Der Dominikaner, der aus einer vermögenden Familie stammte, war von Lorenzo de' Medici nach Florenz geholt worden. Dort erlangte er als fanatischer Bußprediger immer mehr Macht, die er zunehmend gegen die so erfolgreich herrschende Familie einsetzte. Als Karl der VIII. von Frankreich in Italien einmarschierte, nutzte Savonarola die Gelegenheit, um den Nachfolger Lorenzos, seinen Sohn Piero de' Medici, aus der Stadt zu vertreiben. Seine fortgesetzten Vorwürfe gegen Papst und Kirche ließen ihn aber letztlich scheitern: 1497 wurde er von Papst Alexander VI. exkommuniziert und im folgenden Jahr in Florenz öffentlich gehängt und anschließend verbrannt. Wussten Sie, dass … Lorenzos Sohn Giovanni, dem erst 14-jährig sein Vater im Jahr 1489 die Kardinalswürde verschafft hatte, später als Leo X. Papst wurde? zu den von Lorenzo geförderten Künstlern auch Sandro Botticelli und Michelangelo Buonarotti zählten? Botticelli unter dem Einfluss der Predigten des Dominikaners Savonarola einige seiner Gemälde vernichtete? Lorenzo ebenso wie sein Vater und sein Großvater an Gicht litt? die Medici seit 1569 als Großherzöge eine Monarchie in Florenz errichten konnten? George Washington: Erster Präsident der USA Kam George Washington aus der kolonialen Oberschicht? Ja, George Washington wurde am 22. Februar 1732 als Sohn eines Plantagenbesitzers in eine Familie hineingeboren, die bereits seit vier Generationen in Virginia siedelte. Zunächst arbeitete er als Landvermesser und nahm dann als Oberst der virginischen Miliz 1754/55 an den ersten Kämpfen gegen französische Streitkräfte aus Kanada teil. In diesen Scharmützeln erwarb er sich einen Ruf als Militärführer. Unmittelbar nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst heiratete Washington im Januar 1759 Martha D. Custis, eine Witwe, die beachtlichen Besitz mit in die Ehe brachte. Washington war nun zu einem der reichsten Männer der Kolonie Virginia geworden und sein Landsitz Mount Vernon entwickelte sich bald zu einem gesellschaftlichen Zentrum. Warum rebellierte Washington gegen die Kolonialmacht England? Entschieden lehnte Washington die britischen Steuergesetze und Souveränitätsansprüche in den 13 Neuengland-Kolonien ab und plädierte im September 1774 als einer der Ersten für den bewaffneten Widerstand gegen Großbritannien. Im April 1775 wurde er vom Kongress der aufständischen Kolonisten zum Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen gewählt. Nach einer Reihe von Rückschlägen gelang es Washington am 19. Oktober 1781, mit französischer Unterstützung die Kapitulation von 7000 britischen Soldaten in Yorktown zu erzwingen. Damit öffnete er den Weg zu Verhandlungen, die knapp zwei Jahre später zum Friedensschluss und zur völkerrechtlichen Anerkennung der amerikanischen Unabhängigkeit führten. Anschließend legte Washington sein Kommando nieder und kehrte auf seinen Landsitz zurück. Wie wurde der Militärkommandant Präsident? Im Mai 1787 wurde Washington in den Kongress der 13 Staaten entsandt, wo er sich für eine Stärkung der Zentralgewalt einsetzte. Die Beratungen führten am 17. September 1787 zur Verabschiedung der Verfassung der Vereinigten Staaten. Am 4. Februar 1789 votierte das Wahlmännerkollegium einstimmig für Washington als Präsident. In einer starken, energisch handelnden Bundesregierung sah das neue Staatsoberhaupt die beste Gewähr für die Freiheit und Sicherheit der Bürger. Washington respektierte die konstitutionellen Rechte der Einzelstaaten, konnte sich aber keine »Gewaltenteilung« mit ihnen vorstellen. Mit seiner Entscheidung, die in der Verfassung vorgesehene Hauptstadt am Potomac zu errichten, kam er den Südstaaten entgegen, die sich von Anfang an über Benachteiligung in der Union beklagt hatten. Was erreichte der Präsident in seiner Amtszeit? Washingtons erste Amtszeit stand ganz im Zeichen der Durchsetzung eines nationalen Wirtschafts- und Finanzprogramms: Die Nationalbank wurde ins Leben gerufen und ein einheitliches Währungssystem eingeführt. Eine weitere bedeutende Leistung war die Erklärung der Grundrechte (Bill of Rights). Durch eine sparsame Verwaltung und strenge Neutralität nach außen gelang es Washington, das neue Staatswesen zu stabilisieren. Im Jahr 1793 wurde er erneut zum Präsidenten gewählt. Trotz vielfachen Drängens entschied er sich gegen die Unterstützung des revolutionären Frankreichs und schloss stattdessen – gegen eine starke Opposition im Kongress – einen Handelsvertrag mit Großbritannien. Washington lehnte 1797 eine zweite Wiederwahl ab, ließ sich aber ein Jahr später, als ein Krieg mit Frankreich ernsthaft bevorstand, zur nochmaligen Übernahme des Heeres-Oberbefehls bewegen. Die Krise flaute jedoch ab, bevor er den Posten antreten konnte. Washingtons letzte öffentliche Stellungnahme richtete sich gegen die von Thomas Jefferson eingebrachten Virginia- und Kentucky-Resolutionen, die den Einzelstaaten das Recht zusprachen, Gesetze des Bundes für nichtig zu erklären. Befürwortete Washington die Sklaverei? Washington lehnte die Sklaverei als unvereinbar mit den Prinzipien der Unabhängigkeitserklärung ab, hielt jedoch ihre sofortige Abschaffung für praktisch undurchführbar. Sein Testament sah – nach dem Tod seiner Ehefrau – die Befreiung aller Sklaven in seinem Besitz vor. Washington starb am 14. Dezember 1799 im Alter von 67 Jahren an einer akuten Kehlkopfentzündung, die damals noch nicht behandelt werden konnte. Welche Vorbilder hatte Washington? Washingtons politische Vorstellungen waren insbesondere von dem britischen Politiker und Philosophen Viscount Bolingbroke geprägt, der dem korrupten Treiben von Hof und Regierung das Ideal eines patriotischen Königs entgegengestellt hat. Nicht minder fesselte Washington die Figur des jüngeren Cato, den er als Inbegriff römischer Tugenden verehrte. Diesen Leitbildern versuchte er gerecht zu werden, Selbstbeherrschung, Disziplin und strenge Kontrolle von Emotionen wurden zu seinen hervorstechenden Eigenschaften. Wussten Sie, dass … Washington zeit seines Lebens unter seinen schlechten Zähnen litt? Er konsultierte ständig Zahnärzte und besaß diverse künstliche Gebisse. Mrs. Washington über die Wahl ihres Gatten zum Präsidenten wenig beglückt war? Martha Washington hätte ein beschauliches Leben als Plantagenbesitzersgattin auf dem Lande vorgezogen. Simón Bolívar: Vergötterter Befreier von spanischer Herrschaft Welche geistigen Strömungen beeinflussten Simón Bolívar? Vor allem die Ideen der Aufklärung und der französischen Revolution. Der am 24. Juli 1783 in Caracas geborene Bolívar stammte aus einer reichen Familie, die im 17. Jahrhundert aus Spanien nach Südamerika ausgewandert war. Mit neun Jahren wurde er Waise, er genoss eine liberale Erziehung im Geiste Rousseaus und wurde von Verwandten sehr früh nach Spanien geschickt. Bei einem späteren Europabesuch begeisterte er sich in Paris für die Revolution und den Liberalismus, machte Bekanntschaft mit Befürwortern der Unabhängigkeit Lateinamerikas wie Alexander von Humboldt und trat einer Freimaurerloge bei. Wie kam es zum Aufstand in Venezuela? In Venezuela hatte sich inzwischen eine Gruppe um reiche Kreolen ( mantuanos ) gebildet, die gegen Spanien konspirierte und beabsichtigte, eine eigene Nation zu schaffen. Ein erster Aufstand fand am Gründonnerstag des Jahres 1810 statt. Die Kreolen nutzten die Gelegenheit, dass es im Mutterland unter Joseph Bonaparte gärte, und bildeten eine Junta, die zunächst Treue auf den spanischen König Ferdinand VII. schwor. Bolívar wurde nach England entsandt, wo er die Möglichkeit hatte, Hilfe für die Rebellen zu organisieren, aber auch Francisco de Miranda zu treffen, einen der großen Vordenker der Unabhängigkeit, der mit Bolívar nach Venezuela zurückkam. Dann überschlugen sich die Ereignisse, ein Kongress proklamierte 1811 eine unabhängige Republik, gab Miranda weitgehende militärische Vollmachten und rief eine föderative Verfassung aus. Stießen die Aufrührer auf Widerstand? Durchaus: Die Anhänger des Königs von Spanien und des alten Systems waren noch sehr zahlreich. Zudem erschütterte 1812 ein fürchterliches Erdbeben das Land. Schließlich wurden die Anführer der Unabhängigkeitsbewegung in Puerto Cabello geschlagen, die wütenden Soldaten rebellierten und warfen Miranda Versagen vor. Bolívar ließ ihn kurzerhand an die Spanier ausliefern. Brachte Bolívar die Wende? Zunächst noch nicht. Bolívar versuchte, eine neue Armee zu organisieren. Er zog sich nach Neugranada zurück, heute Kolumbien. Danach drang er mit Unterstützung von aufständischen Generälen wieder nach Venezuela ein, wo er im Juni 1813 in Trujillo sein berühmtes Dekret »Guerra a muerte« veröffentlichte, wonach keine Gefangenen mehr unter den Spaniern gemacht werden dürften. Dann ließ er sich im Oktober 1813 zum »Libertador« (Befreier) in Caracas ausrufen. Aber die Royalisten und die spanientreuen llaneros (Viehbesitzer) gewannen wieder die Oberhand und nach unzähligen Gefechten musste Bolívar 1815 nach Jamaica fliehen. Dort nutzte er die Zeit des Exils und entwarf ein politisches Programm für die Zukunft Lateinamerikas. Er sprach sich gegen Monarchie, für Föderalismus und Demokratie aus und forderte eine große Allianz der amerikanischen Völker. Die Hauptstadt sollte in Panama liegen. Wie kam es schließlich zur Unabhängigkeit? 1816 gelang es Bolívar, nach Venezuela zurückzukehren und im August 1819 in Boyacá einen brillanten Sieg über die Spanier und Spanienanhänger zu erringen. Die spanische Herrschaft brach zusammen, und im Dezember 1819 proklamierte ein Kongress in Angostura die Bildung der Republik Großkolumbien, die Neugranada, Venezuela, Panama und Ecuador umfasste. Ihr Präsident wurde Bolívar. Nachdem nun auch in Spanien selbst Aufruhr herrschte und dort die liberale Verfassung von 1812 ausgerufen wurde, befahl die Regierung in Madrid, einen Kompromiss mit den südamerikanischen Rebellen auszuhandeln. Bolívar schloss zwar im November 1820 in Trujillo mit dem General der spanischen Streitkräfte, Morillo, einen Waffenstillstand, aber die Spanier lehnten jede Art von Unabhängigkeit ab. Der Krieg ging folglich weiter. Erst im Juni 1821 konnte Bolívar in Carabobo den entscheidenden Sieg über die Spanier erringen, der Venezuela in die Unabhängigkeit führte. Endgültig unabhängig als eigener Staat wurde es 1830, im Todesjahr Simón Bolívars, als sich Großkolumbien auflöste. Welche Mitstreiter hatte Bolívar? Im Juli 1822 traf Bolívar in Guayaquil auf José de San Martín (1778–1850), den zweiten großen Helden in der Unabhängigkeitsbewegung Südamerikas und »Protector« (Beschützer) Perus. Aber es gab Differenzen zwischen den beiden Männern. Bolívar wollte eine Vereinigung Guayaquils mit Kolumbien, während San Martín eine Union mit Peru bevorzugt hätte, wo die spanische Kolonialherrschaft noch viele Anhänger hatte. Auch stand Bolívar dem Wunsch San Martíns, europäische Herrscher als Könige für die südamerikanischen Staaten zu proklamieren, um die Anarchie zu bekämpfen, ablehnend gegenüber. San Martín zog sich 1824 nach Frankreich zurück und überließ es Bolívar, Peru in die Unabhängigkeit zu führen. Im peruanischen Ayacucho wurden die Spanier im Dezember 1824 endgültig von General Sucre geschlagen, dem späteren Präsidenten von Bolivien. Bolívar versuchte sofort, seine alte Idee einer amerikanischen Konföderation wieder zu beleben, indem er zu einer Versammlung aller hispanischen Nationen nach Panama einlud. 1826 fand der Kongress statt, allerdings nur mit Mexiko, Guatemala, Kolumbien und Peru. Wussten Sie, dass … Bolívars Frau ein Jahr nach der Hochzeit an Gelbfieber starb? sich Bolívar angeblich 1805 in Rom verpflichtete, die Unabhängigkeit seiner Heimat von der spanischen Herrschaft zu erreichen? der Feldherr, nachdem er sich 1828 zum Diktator ernannt hatte, ein Attentat überlebte? neben dem Staat Bolivien auch die venezolanische Währung nach dem Freiheitskämpfer benannt ist? Abraham Lincoln: Kriegsherr und Sklavenbefreier Was verkörperte Abraham Lincoln? Den amerikanischen Traum. Der 16. Präsident der USA kam aus kleinsten Verhältnissen und arbeitete sich aus eigener Kraft empor – buchstäblich von der Holzhütte ins Weiße Haus. Geboren wurde Abraham Lincoln am 12. Februar 1809 bei Hodgenville in Kentucky als Sohn eines Farmers. Über seine Kindheit und Jugend sagte er, man finde sie in den »kurzen und simplen Annalen der Armen«: mehrere Umzüge, Tod der Mutter im Jahr 1818, kaum Gelegenheit, eine Schule zu besuchen. Der junge Lincoln schlug sich mit verschiedenen Jobs durch und widmete sich nebenbei mit eisernem Willen und Disziplin seiner Weiterbildung – 1836 legte er das juristische Examen ab. Was löste den Amerikanischen Bürgerkrieg aus? Es war die Wahl Lincolns zum amerikanischen Präsidenten. Nachdem der bekennende Sklavengegner Lincoln im Jahr 1846 in den US-Kongress gewählt worden war und sich ab 1856 in der neu gegründeten Republikanischen Partei engagiert hatte, stieg er rasch die Karriereleiter empor. 1860 schließlich gewann er die Präsidentschaftswahl, und zwar mit den Stimmen der Nordstaaten, denn die Bewohner des Südens hegten nicht die geringste Sympathie für den Mann, dessen Einstellung zur Sklaverei sie kannten und hassten. Der Konflikt zwischen den Sklaven haltenden, agrarisch ausgerichteten Südstaaten und dem industrialisierten Norden hatte schon lang geschwelt. Als Lincoln an die Macht kam, brach er offen aus. Die Südstaaten erklärten ihren Austritt aus der Union, es kam zum Krieg, der die Politik in der ersten Amtsperiode des Präsidenten beherrschte. Ging es im Bürgerkrieg von Anfang an um die Sklavenbefreiung? Nein. Als Christ, Demokrat und Humanist war Abraham Lincoln ein Gegner der Sklaverei und machte daraus auch keinen Hehl. Als Politiker ging er anfangs jedoch nicht so weit, die Freilassung der Sklaven zu fordern. Nicht nur, weil er damit keine Chance gehabt hätte, die Wahlen zu gewinnen, er hielt auch fest am Recht der einzelnen Staaten, ihre inneren Angelegenheiten selbst, also ohne Einflussnahme der Regierung, zu regeln. Auch den Krieg begann er nicht, um die Sklaven zu befreien – es ging ihm ausschließlich um den Erhalt der Union und damit um die Wahrung der wirtschaftlichen Interessen des Nordens. Hätte sich die Union in den ersten eineinhalb Kriegsjahren wieder herstellen lassen, so wäre Lincoln bereit gewesen, die Existenz Sklaven haltender und nicht Sklaven haltender Staaten zu akzeptieren und an einer Lösung zu arbeiten, die die Sklaven schrittweise und im Einvernehmen mit den Südstaaten in die Freiheit entließ. Wie wurden die Sklaven befreit? Durch ein Gesetz. Ausschlaggebend dafür waren strategische Gründe. Der Norden kam militärisch nicht recht voran, es war nicht abzusehen, dass der Süden aufgeben und zu Friedensverhandlungen bereit sein würde. Der Süden musste in die Knie gezwungen werden, und dazu gehörte auch, seine wirtschaftliche Basis, die Sklaverei, zu zerstören. So kam es zur »Emancipation Proclamation«, die am 1. Januar 1863 in Kraft trat und 1865 durch zwei Verfassungs-Zusatzartikel ergänzt wurde. Kriegstechnisch erhielt die Union dadurch die Möglichkeit, Sklaven zu rekrutieren und ihre Truppen aufzustocken. Nicht zu unterschätzen war auch die psychologische Wirkung, die Lincoln propagandistisch nutzte: Die Soldaten kämpften nun für die Menschenrechte, sie zogen auf die Schlachtfelder, um ihre schwarzen Brüder zu befreien. Warum wurde Abraham Lincoln ermordet? Weil er eine Politik zugunsten der Schwarzen betrieb. 1864 kandidierte Lincoln erneut und gewann die Wahl. Am 9. April 1865 kapitulierten die Südstaaten. Am 14. April besuchte Lincoln eine Vorstellung im Ford's Theatre in Washington und wurde erschossen. Seine Ankündigung, den Afroamerikanern das Wahlrecht zu geben, soll den Schauspieler John Wilkes Booth so erbost haben, dass er dem Präsidenten eine Kugel in den Kopf jagte. Übrigens: Lincolns Tod wirft die Frage auf: Was wäre gewesen, wenn ...? Hätte Lincoln den Wiederaufbau des zerstörten Südens stärker vorangetrieben und damit den wirtschaftlichen Rückstand der Südstaaten vermieden, der zu einem tiefen Bruch zwischen dem Norden und dem Süden der USA führte? Hätte er darauf gedrungen, die Rechte der ehemaligen Sklaven auch durchzusetzen? Die Schwarzen im Süden mussten fast 100 Jahre warten, bis sie wirklich alle zu den Urnen gehen konnten. Wussten Sie, dass … Lincoln in kürzester Zeit seine Haltung zur Sklavenfrage änderte? Im März 1861 erklärte er: »Ich verfolge weder direkt noch indirekt die Absicht, die Institution der Sklaverei in den Staaten, in denen sie existiert, anzugreifen.« Im Juli 1862 hieß es dann: »Die Sklavenbefreiung ist eine militärische Notwendigkeit. Wir müssen die Sklaven befreien oder wir werden selbst unterworfen werden.« der durch die Wahl Abraham Lincolns ausgelöste Amerikanische Bürgerkrieg der erste moderne Massenkrieg der Weltgeschichte war? Otto von Bismarck: Der Eiserne Kanzler Wie kam Bismarck zu dem Beinamen »Eiserner Kanzler«? »Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonst nichts auf der Welt.« Mit solch markigen Aussprüchen und aufgrund seiner anfänglichen Kriegspolitik zog sich Bismarck den Ruf als »Eiserner Kanzler« zu. Schon in jungen Jahren war Otto von Bismarck, der am 1. April 1815 im ländlich-preußischen Schönhausen (Altmark) geboren wurde, zwar ein Heißsporn, doch zugleich eine höchst empfindsame Natur, was sich in tiefer Religiosität äußerte. Erzkonservativ, stand Bismarck allen liberalen Bestrebungen misstrauisch gegenüber und profilierte sich seit 1847 im Vereinigten Landtag und während der Märzrevolution als treuer Anhänger des Königs. Was für eine Außenpolitik betrieb der Kanzler? Eine zunächst recht aggressive. Nach Jahren als Diplomat erreichte Bismarck 1862 der Ruf Wilhelms I., der ihm das Amt des preußischen Ministerpräsidenten anbot. Dem König erschien er als geeignete Waffe gegen seine rebellierenden Abgeordneten. Die Rechnung ging auf: Bismarck setzte sich über Verfassungsbedenken hinweg und machte dies durch außenpolitische Erfolge wett. 1864 entriss er im Auftrag des Deutschen Bundes gemeinsam mit Österreich den Dänen Schleswig-Holstein, zwei Jahre später stellte er sich gegen den Verbündeten und entschied die Rivalität mit Österreich in einem deutschen »Bruderkrieg« bei Königgrätz zugunsten Preußens, 1870 provozierte er eine Kriegserklärung Frankreichs, indem er Kaiser Napoleon III. diplomatisch brüskierte, und erzwang die Einigung Deutschlands. Am 18. Januar 1871 wurde Wilhelm I. im Spiegelsaal von Versailles zum Deutschen Kaiser proklamiert: eine weitere demütigende Provokation des Nachbarn, die sich auf lange Sicht rächen sollte. Wie wurde der Politiker zum »ehrlichen Makler«? Duch die Behauptung, Deutschland sei nach der Reichsgründung »saturiert«. Zwar musste er nun im nationalen Rausch der Annexion von Elsass-Lothringen zustimmen und mit fünf Milliarden Goldfrancs Frankreich harte finanzielle Bedingungen stellen. Ganz entschieden setzte er jedoch immer darauf, das Erreichte und den Frieden zu sichern. Mit einem ausgeklügelten Bündnissystem errang er in brillanter Ausbalancierung der Interessen eine Schiedsrichterrolle in Europa. Wie fortschrittlich war Bismarck innenpolitisch? Innenpolitisch erkannte er die Zeichen der Zeit überhaupt nicht. Er protegierte die Großagrarier und die Schwerindustrie, verkannte aber die soziale Frage: Zwar sorgte er für eine fortschrittliche Sozialgesetzgebung, versuchte jedoch ab 1872 die Macht der katholischen Kirche in einem Kulturkampf zu brechen und die Arbeiterbewegung 1878 durch ein scharfes Sozialistengesetz zu unterdrücken. Seine antikirchlichen Maßnahmen, die dem jungen Reich die katholischen Bevölkerungskreise entfremdete, musste er ab 1879 Stück für Stück zurücknehmen. Und die Arbeiter verweigerten sich ihm nach wie vor, weil er die Linke politisch entmündigte. So war es auch die Arbeiterfrage, an der sich 1890 der Konflikt mit dem seit 1888 regierenden Kaiser Wilhelm II. entzündete, der den Reichsgründer schließlich entließ. Vieles war nur Vorwand; es ging dem jungen Regenten eher darum, sich aus dem Schatten Bismarcks zu lösen. Die Mittel dazu gab ihm die restriktiv gestaltete Reichsverfassung: Bismarck hatte es versäumt, Sicherungen gegen ein zu »persönliches Regiment« des Monarchen einzubauen. Verbittert zog sich Bismarck nach Friedrichsruh bei Hamburg zurück, von wo aus er die Zerstörung seines kunstvollen Bündnissystems durch die vom Kaiser »ohne Augenmaß« geleitete Regierung mitansehen musste. Mit dem Tod seiner geliebten Frau Johanna traf ihn 1894 ein schwerer Schicksalsschlag. Er selbst starb am 30. Juli 1898. Was meinte Bismarck mit seiner »Blut und Eisen«-Parole? Ursprünglich fielen die Worte in umgekehrter Reihenfolge in durch den Verfassungskonflikt aufgeheizter Atmosphäre. Der neu ernannte preußische Ministerpräsident Bismarck erklärte vor der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses am 30. September 1862: »Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden – das ist der Fehler von 1848 und 1849 gewesen –, sondern durch Eisen und Blut.« Diese Worte, als patriotischer Appell gedacht, um die Wogen zu glätten, wurden als politisches Programm der Gewalt interpretiert. Die Abgeordneteen unterstellten Bismarck eine Strategie außenpolitischer Ablenkung und gingen auf das von ihm beabsichtigte Kooperationsangebot nicht ein, jedenfalls verweigerten sich alle Liberalen. Bismarck musste nun zunächst den König beruhigen. Im kollektiven Gedächtnis sind die martialischen Worte bis heute in der von Bismarck in seinen Memoiren überlieferten »blutigen« Reihenfolge und als Drohgebärde erhalten geblieben, woran auch die Friedenspolitik Bismarcks nach der Reichseinigung nichts geändert hat. Wussten Sie, dass … Bismarck ein entschiedener Gegner des Kolonialismus war, dem er mit den Worten »Frankreich liegt links, Rußland liegt rechts, in der Mitte liegen wir. Das ist meine Karte von Afrika« ein Absage erteilte? der Kanzler selbst den Namen des nach ihm benannten Bismarckherings genehmigte, weil er dieses Gericht sehr schätzte? Bismarck aus dem konfiszierten Vermögen Georgs von Hannover, dem so genannten Welfenfonds, eine schwarze Kasse einrichtete, über die er frei verfügen konnte? Er nutzte sie unter anderem zum Kampf gegen die von ihm als »Reptilien« bezeichneten Anhänger Georgs – daher auch der Name »Reptilienfonds«. Henri Dunant: Der Samariter auf den Schlachtfeldern Was war das entscheidende Ereignis in Henri Dunants Leben? Es war die Schlacht von Solferino, in die er unvorhergesehen geriet. Folgende Zeilen schrieb Dunant 1862, drei Jahre nach der Schlacht, in der italienische und französische Truppen gegen die österreichische Fremdherrschaft in Oberitalien gekämpft hatten: »Die Pferde zertreten mit ihren beschlagenen Hufen Tote und Verwundete. Einem armen Blessierten wird die Kinnlade fortgerissen (...) Gehirn spritzt aus zerplatzenden Köpfen, Glieder werden gebrochen und zermalmt, Körper werden zu formlosen Massen.« Der Kaufmann aus Genf hatte ursprünglich nur dem französischen Kaiser nachreisen und ihn um Vermittlung bei Geschäften mit Algerien bitten wollen. Dunant traf den Kaiser nicht, fand aber seine Lebensaufgabe. Wie kam es zur Gründung das Roten Kreuzes? Dunant suchte sich Mitstreiter und schickte seinen Bericht über das Elend der Kriegsopfer an alle Höfe Europas, an bedeutende Institutionen und einflussreiche Privatpersonen. Er schlug vor, einen Kongress von Militärs aus allen Ländern einzuberufen, mit dem Ziel, eine internationale Hilfsorganisation für Verwundete zu gründen. Seine Initiative wurd