Was macht ein Volk zu einer Nation?

Was macht ein Volk zu einer Nation? Insgesamt, so der Historiker Pierre Nora, »kristallisieren sich in der Revolutionsepoche drei Bedeutungskomplexe [von Nation] heraus: die soziale Bedeutung – eine Gemeinschaft von vor dem Recht gleichen Bürgern; die rechtliche Bedeutung – die konstituierende Gewalt im Vergleich zu der konstituierten Gewalt; die historische Bedeutung – eine Gemeinschaft, die durch eine gemeinsame Geschichte verbunden ist.« »Der Ursprung jeder Souveränität ruht letztlich in der Nation. Keine Körperschaften, kein Individuum können eine Gewalt ausüben, die nicht ausdrücklich von ihr ausgeht«, formulierte die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte in ihrem dritten Artikel. Als höchstes Herrschafts- und Entscheidungsorgan des Staates löste die Nationalversammlung den Monarchen ab. Die Souveränität der Nation, die Gemeinschaft aller freien Bürger ersetzte also die seit dem Mittelalter geltende Souveränität des Monarchen.