Handelt es sich um einen sachlichen Bericht?

Handelt es sich um einen sachlichen Bericht? Nein, das ursprünglich als Generalbeichte in der Tradition der »Confessiones« des Augustinus geplante Werk entwickelte sich teilweise zu einer eitlen, rührseligen Selbstbespiegelung. Rousseau stellte sich, seiner These der »Denaturation« folgend, als genialen und integren Menschen dar, der an widrigen Umständen gescheitert sei. Er selbst hielt seine Erinnerungen für »das einzig naturgetreue Abbild eines Menschen, das es gibt und das es je geben wird«. Der erste Teil der Erinnerungen (Buch 1–6) rekapituliert die Jugendjahre des späteren Philosophen, während derer er sich in verschiedensten Berufen herumschlug, etwa als Graveur und Notenkopist arbeitete. Der zweite Teil (Buch 7–12) beschäftigt sich mit seinem Leben in Paris. Breiten Raum nehmen seine Beziehungen zum anderen Geschlecht ein, wie die erst spät legalisierte Liaison mit der Wäscherin Thérèse. Die fünf gemeinsamen Kinder gab der innovative Erziehungstheoretiker ins Heim – beileibe nicht der einzige Widerspruch im Leben des unruhigen Geistes, der stets unentschieden zwischen Selbstherrlichkeit und Verzweiflung schwankte.