Säugetiere – mit Milchdrüsen ausgestattet
Säugetiere – mit Milchdrüsen ausgestattet Obwohl nur rund 5000 der derzeit bekannten etwa 1,5 Millionen Tierarten Säugetiere sind, sind sie mit Abstand die für uns Menschen bedeutendste Tiergruppe – nicht zuletzt, weil wir selbst zu ihr gehören. Seit Charles Darwin im 19. Jahrhundert die Theorie von der Entwicklung der Arten vorstellte, hat der Mensch jedoch seinen Platz an der Spitze eingebüßt: Er gilt nicht mehr als »Krone der Schöpfung«, sondern wird an die Stelle im System der Lebewesen eingereiht, die ihm aus wissenschaftlicher Sicht zukommt. Unter den Säugetieren sind außerdem die wichtigsten Haus- und Nutztiere des Menschen zu finden, die ihm nicht nur Nahrung, Kleidung und Rohstoffe liefern, sondern auch als Arbeits- und Versuchstiere unersetzlich sind – von Ziegen und Schafen über Kamele und Pferde bis zu Schweinen und Rindern. Was unterscheidet die Säugetiere von den übrigen Wirbeltieren? Das hervorstechendste Merkmal, dem sie auch ihre Bezeichnung verdanken, sind die Milchdrüsen; die in ihnen produzierte Milch versorgt den Nachwuchs mit allen lebenswichtigen Stoffen. Abgesehen von den urtümlichen Kloakentieren, die Eier legen, gebären sie lebende Junge. Nur bei Säugetieren sind Haare und Schweißdrüsen zu finden, so dass sie ihre Körpertemperatur konstant halten können. Ihr größter Vorteil ist jedoch ihr hervorragend entwickeltes Großhirn, das ein komplexes, flexibles Verhalten ermöglicht. Und so konnten Säugetiere außer der Tiefsee alle Lebensräume der Erde erobern. Die ersten, noch kleinen Säugetiere entstanden vor 180 bis 200 Millionen Jahren aus den Reptilien. Aber erst nach dem Aussterben der Dinosaurier und dem Aufkommen der Blütenpflanzen und Insekten, also vor etwa 65 Millionen Jahren, entfalteten sie sich stärker. Das Tertiär – vor 65 bis 2,6 Millionen Jahren – wird als das eigentliche Zeitalter der Säugetiere angesehen; seither ist gerade bei den großen Arten die Vielfalt wieder deutlich zurückgegangen. Eier legende Säuger: Überraschung aus Australien Weshalb sind Kloakentiere urtümliche Säugetiere? Sie haben Merkmale, die sich bei allen anderen heutigen Säugerarten nicht mehr finden. Auffallend ist beispielsweise, wie ihre Geschlechts- bzw. Ausscheidungsorgane gebaut sind: Harn- und Geschlechtswege teilen sich ihr Endstück mit dem Enddarm; es gibt also keinen Damm, der wie bei den anderen Säugetieren Geschlechts- und Ausscheidungsöffnung voneinander trennen würde. Die Weibchen haben außerdem keine echte Vagina; jeder der beiden Eileiter geht in einen eigenen Uterus über, der wiederum in den sog. Sinus urogenitalis mündet. Dieser vereinigt sich dann mit dem Darm zur Kloake. Nur der linke Eierstock bringt die dotterreichen, weichen Eier hervor. Die Milchdrüsen haben keine Zitzen, sondern geben ihr Sekret in das Milchfeld am Bauch ab, wo es von den Jungen aufgeleckt wird. Erwachsene Kloakentiere haben keine Zähne mehr, sondern zerreiben ihre Nahrung zwischen Hornleisten. Die aufsehenerregendste Entdeckung wurde jedoch im 19. Jahrhundert an Ameisenigel und Schnabeltier gemacht: Am 2. September 1884 meldete der deutsche Zoologe Wilhelm Haacke der Royal Society of Australia, dass die Ameisenigel, die er gefangen hatte, Eier legten. Am selben Tag erhielt die Britische Zoologische Gesellschaft, die gerade in Montreal tagte, ein Telegramm des Australiers W. H. Caldwell, der an einem Flussufer in einer anderen Ecke Australiens ein Schnabeltierweibchen erlegt hatte: Dieses hatte ebenfalls gerade ein Ei gelegt und trug noch ein zweites legereif im Leib. Ist das Schnabeltier mit Ente oder Biber verwandt? Nein, die Ähnlichkeit mit Ente bzw. Biber ist nur äußerlich: Der Schnabel ist viel weicher als der eines Vogels, während der »Biberschwanz« eine Anpassung an den Lebensraum Wasser ist und das Schnabeltier ( Ornithorhynchus anatinus ) zu einem hervorragenden Taucher macht. Mit dem Schnabel gründelt es nach Schnecken und anderen Kleintieren. In die feine Schnabelhaut sind neben Tastsinneszellen Elektrorezeptoren eingebettet, mit denen es die elektrischen Felder wahrnimmt, die bei der Muskelaktivität bestimmter Krebse und anderer Beutetiere auftreten. Ist der Ameisenigel mit unserem Igel verwandt? Nein, wenngleich sie ebenfalls ein Stachelkleid tragen und sich auch zusammenrollen können. Stattdessen gehören die Ameisen- oder Schnabeligel zu den Kloakentieren, obwohl sie auf den ersten Blick wenig mit ihnen gemein haben: Ihre Schnauze ist zu einer zahnlosen Horntülle verengt; sie ernähren sich von Würmern, Ameisen und Termiten, die sie mit der langen, wurmartigen, klebrigen Zunge aus ihren Bauten angeln. Die beiden in Australien und Tasmanien beheimateten Arten der Gattung Tachyglossus (Kurzschnabeligel) sind ca. 40 bis 50 Zentimeter lang, haben kurze Beine und auf dem Rücken lange Stacheln, die weit über das kurze Haarkleid hinausragen. Die Langschnabeligel Neuguineas (Gattung Zaglossus ) hingegen werden größer und haben längere Beine. Ihre Schnauze ist lang und nach unten gebogen, die Stacheln sitzen weniger dicht und werden zum Teil vom Haarkleid verdeckt. Auf der Suche nach Insekten wälzen sie mühelos Steine fort, die doppelt so groß sind wie sie selbst. Wie die Schnabeltiere setzen sie zur Suche von Beutetieren Elektrorezeptoren sowie ihren feinen Geruchssinn ein; ihr Sehvermögen ist hingegen nur schwach entwickelt. Um sich zu verteidigen, können sie sich mit ihren Krallen selbst in harter Erde rasch eingraben; auf felsigem Untergrund rollen sie sich wie ein europäischer Igel zusammen. Wie kommen Ameisenigel zu Nachwuchs? Die Paarung wird – ungewöhnlich für Säugetiere, aber angesichts der Stacheln und der primitiven Geschlechtsorgane verständlich – Bauch an Bauch vollzogen. Etwa einen Monat später legt das Weibchen meist ein einziges Ei, und zwar in den nur zur Brutzeit ausgebildeten Brutbeutel an der Bauchmitte. Lange Haarbüschel um die Milchdrüsen reichen bis in den Beutel und dienen so als Zitzenersatz, sobald das Junge geschlüpft ist. Wenn der Nachwuchs nach sechs bis acht Wochen Stacheln bekommt, wird er in ein Nest im Bau gelegt, wo die Mutter ihn gelegentlich aufsucht, um ihn zu nähren. Wozu brauchen Schnabeltiere Sporen? Um sich zu verteidigen. Fühlen sich männliche Schnabeltiere bedroht, so richten sie die aus Horn bestehenden scharfen Fersensporen auf und treten nach hinten aus. Durch die hohlen Sporen führen Giftkanäle, die in ein Reservoir in den Unterschenkeln münden. Es wird von den Ausscheidungen der Giftdrüsen gefüllt, die in den Oberschenkeln der Hinterbeine sitzen. Das Gift ist stark genug, um Artgenossen oder etwa gleich große Säugetiere wie Hunde zu töten und Menschen starke Schmerzen sowie monatelang anhaltende Lähmungen zuzufügen. Man weiß noch nicht genau, ob die Männchen diese unter den Säugetieren einzigartigen Organe auch zur Revierverteidigung oder gar zur Stimulation der Weibchen beim Paarungsspiel einsetzen. Wussten Sie, dass … Schnabeltiere nicht lange unter Wasser bleiben können? Ihr Sauerstoffvorrat reicht nur für fünf bis zehn Minuten. Ameisenigel recht lange leben? In Freiheit können sie über 20 Jahre alt werden, in Gefangenschaft sogar über 50 Jahre. Ameisenigel einst gejagt wurden? Bei den Ureinwohnern Australiens und Neuguineas waren sie wegen ihres schmackhaften Fleisches beliebt. Beuteltiere: Von spitzmausklein bis kängurugroß Wieso hüpfen Kängurus? Um Energie zu sparen. Durch Stoffwechselmessungen und nachgebaute Sprungapparate hat man nämlich festgestellt, dass diese Fortbewegungsweise sehr effizient ist und Kängurus viel weniger Sauerstoff verbrauchen als Tiere vergleichbarer Größe. Das Rote Riesenkänguru ( Macropus rufus ) kann sogar Geschwindigkeiten von 70 km/h erreichen, wobei der lange Schwanz als Balancierstange eingesetzt wird. Dies gelingt ihm dank seiner enormen Sprungkraft, die es aus dem Stand drei Meter weite und in vollem »Lauf« sogar bis zu neun Meter weite Sätze machen lässt. Derartige Höchstleistungen sind nur mithilfe von besonderen Anpassungen im Bau der Hinterbeine möglich. Die Achillessehnen der roten Riesen wirken beim Springen wie Stahlfedern: Sie speichern beim Auftreffen auf den Boden Bewegungsenergie und geben sie beim Absprung wieder ab. Dadurch gibt es deutlich weniger Reibungsverluste als bei laufenden Tieren. Mit welchem Trick sichern Kängurus das Überleben der Art? Indem sie ständig trächtig sind. Denn bereits zu dem Zeitpunkt, an dem noch ein Jungtier im Beutel heranwächst, ist schon ein zweiter Embryo in der Gebärmutter eingenistet. Sein Wachstum stoppt jedoch bei einer Größe von etwa 100 Zellen. Dieser Embryo stellt eine Reserve dar, falls das Junge im Beutel nicht überleben sollte. Wenn das Beuteljunge stirbt, beginnt sich der Embryo in der Gebärmutter sofort zu entwickeln. Nimmt die Entwicklung des Beuteljungen aber einen normalen Verlauf, gibt es für den »Reserveembryo« zwei Möglichkeiten: Entweder stirbt er nach einigen Monaten ab und wird abgestoßen oder er entwickelt sich ganz normal, sobald das erste Junge den Beutel verlassen hat. In dieser Zeit kann die Mutter schon wieder begattet werden und es entsteht ein neuer Reserveembryo. Den Weg in den mütterlichen Beutel muss der Embryo im Übrigen allein bewältigen. Etwa eine Stunde vorher hat die Mutter ihren Beutel sauber geleckt, dann legt sie sich für die eigentliche »Geburt« auf den Rücken. Der Embryo bewegt sich dann mit schlangenartigen Bewegungen zum Beutel. Diesen Weg legt er völlig blind zurück: Nur mithilfe seiner Vorderfüße und von seinem Geruchsinn geleitet, findet er innerhalb von drei bis fünf Minuten sein Ziel. Kranken oder zu schwachen Neugeborenen gelingt es nicht, den schützenden Beutel der Mutter zu erreichen. Dadurch wird sichergestellt, dass nur gesunde Tiere überleben. Wie passen sich Kängurus an die Hitze an? Sie graben u. a. Löcher in den Boden, um sich Abkühlung zu verschaffen. Diese Löcher sind so groß, dass sie den langen Hinterbeinen genügend Platz bieten. Über ihren Kontakt mit der kühleren Erde wird überschüssige Körperwärme abgegeben, so dass die normale Körpertemperatur aufrechterhalten werden kann. Zusätzlich haben Kängurus verschiedene Anpassungen zum sparsamen Umgang mit dem kostbaren Wasser entwickelt. Sie können je nach Witterung 14 Tage bis mehrere Monate ohne frisches Trinkwasser auskommen. Das Rote Riesenkänguru beispielsweise kann 20 % seines Körperwassers verlieren und innerhalb von 24 Stunden solche Verluste ohne Schaden wieder ausgleichen. Außerdem verträgt es Gräser und Sträucher mit hohem Salzgehalt und kann salzhaltiges Wasser trinken. In Trockenzeiten konzentrieren die Tiere außerdem ihren Urin so stark, dass sie tagelang nicht mehr »müssen«, und gewinnen auch aus dem Kot das letzte Quäntchen Wasser zurück. Stimmt es, dass Kängurus auch im Regenwald leben? Ja. In den tropischen Regenwäldern und in den Bergregenwäldern Neuguineas beispielsweise sind die Baumkängurus heimisch. Baumkängurus sind an ein Leben auf Bäumen auf verschiedene Weise angepasst. Im Vergleich zu am Boden lebenden Verwandten sind ihre Vorderbeine kaum verkürzt, ihre Füße sind breiter und tragen dicke, raue Sohlenpolster. Zudem sind sie mit kräftigen, stark gebogenen Krallen ausgestattet, die ihnen beim Klettern ebenfalls behilflich sind. Baumkängurus können ihre Hinterbeine außerdem einzeln bewegen, was ihnen einen weiteren Vorteil beim Klettern und Springen auf Ästen verschafft. Der gleichmäßig dicke und behaarte Schwanz dient beim Klettern als Balancierorgan oder als Stütze, kann jedoch nicht zum Greifen verwendet werden. Die nachtaktiven Baumkängurus schlafen tagsüber und gehen in der Dämmerung und des Nachts auf Nahrungssuche. Die meisten Tiere fressen vorwiegend Blätter. Daneben stehen Früchte, weiche Baumrinde und – bei einigen Arten – Eier auf dem Speiseplan. Viele Baumkängurus halten sich während der Nahrungssuche auch am Boden auf; dort nehmen sie außerdem Pilze und Gräser zu sich. Am Boden bewegen sich die meisten Baumkängurus eher plump, der Schwanz, dem bei den Bodenkängurus Australiens eine wichtige Stützfunktion für die Fortbewegung zukommt, wird dabei über den nach vorne gebeugten Körper gehalten. Welches Känguru baut ein Nest? Das Moschusrattenkänguru ( Hypsiprymnodon moschatus ), das in den australischen Regenwäldern lebt. Es ist das kleinste und ursprünglichste der australischen Kängurus. Beide Geschlechter bauen sich als Schlafplatz für die Nacht ein Nest – was für Kängurus ungewöhnlich ist. Das Nest dient jedoch nicht nur als Schlafplatz der erwachsenen Tiere, sondern bietet auch dem Nachwuchs Schutz. Nach einer Tragzeit von lediglich 21–25 Tagen bringt das Weibchen fast immer zwei Jungtiere zur Welt, die in der Regel auch beide aufgezogen werden. Die ersten Lebensmonate verbringen sie im Beutel der Mutter, wo sie auch gesäugt werden. Nach etwa vier Monaten verlassen sie zum ersten Mal den Beutel, nach sechs Monaten sind sie entwöhnt und nach etwa 18 Monaten geschlechtsreif. Moschusrattenkängurus sind die einzigen Kängurus, die mehr als ein Junges gleichzeitig gebären. Die für andere Kängurus übliche verzögerte Geburt praktizieren sie allerdings zusätzlich: Das Weibchen paart sich unmittelbar nach der Geburt der beiden Jungen erneut. Die Embryos beginnen allerdings erst dann heranzuwachsen, wenn die Jungtiere kurz davor stehen, den Beutel zu verlassen. Weshalb sind Koalas nur selten in Zoos zu sehen? Weil ihre Haltung in Gefangenschaft so schwierig ist. Koalas ( Phascolarctos cinereus ) leben nämlich ausschließlich von den Blättern bestimmter Eukalyptusbäume. Durch diese einseitige, aber an ätherischen Ölen reiche Kost riechen die Tiere übrigens wie Hustenbonbons. Koalas können nur Eukalyptusblätter eines bestimmten Reifegrads fressen, denn andere enthalten zu viel Blausäure. Da diese Blätter äußerst schwer verdaulich und nährstoffarm sind, die Koalas aber nicht mehr als etwa zweieinhalb Pfund am Tag fressen können, ohne sich zu vergiften, sparen die Tiere Energie, wo sie nur können: Sie schlafen 16 bis 18 Stunden und haben ein extrem kleines Gehirn, denn dieses Organ benötigt besonders viele Kalorien. Übrigens: Koalakinder werden auf höchst befremdliche Art entwöhnt. Etwa einen Monat lang fressen sie täglich vom Blinddarmkot der Mutter, der größtenteils aus vorverdauten Eukalyptusblättern besteht; so nehmen sie die zum Aufschluss dieser Nahrung nötigen Mikroorganismen auf. Vielleicht ist dies der Grund dafür, dass sich der Beutel nach hinten – zum After hin – öffnet, wie man es sonst vor allem von grabenden Beuteltierarten kennt, bei denen andernfalls die Gefahr bestünde, dass Erde in den Beutel gerät. Sind Koalas Einzelgänger? Nein, sie sind sogar sehr soziale Tiere, auch wenn dies auf den ersten Blick schwer zu erkennen ist. Aufgrund ihrer energiesparenden Lebensweise verbringen sie, abgesehen von Müttern und ihren Jungen, die meiste Zeit allein. Koalas leben jedoch in einer Kolonie, in der jedes Tier entsprechend seinem sozialhierarchischen Status, seinem Geschlecht und Alter einen eigenen kleinen Lebensraum bewohnt. In diesem befindet sich eine bestimmte Anzahl von Grenz- und Nahrungsbäumen. Hier findet das Tier Nahrung, Schutz und Raum für soziale Kontakte. In einer stabilen Kolonie ist jeder Baum für die Gruppe und das einzelne Tier von großer Bedeutung, weshalb die Beseitigung schon weniger Bäume die gesamte Sozialstruktur einer Kolonie deutlich beeinträchtigen kann. Verständigen können sich die Tiere innerhalb der Kolonie über eine Reihe von Lautäußerungen, die noch in relativ großen Entfernungen zu hören sind. Mit einem tiefen, grunzenden Bellen machen Männchen beispielsweise auf ihre Gegenwart und ihre soziale Stellung aufmerksam. Das erspart oftmals Kampfhandlungen. Weibliche Koalas bellen weniger, aber auch sie drücken damit Aggression sowie ihre sexuelle Stimmung aus. Mütter und ihre Jungen verständigen sich durch sanfte Klick- und Quietschgeräusche, außerdem verwenden sie Grunztöne. Der Angstruf eines Koalas ist ein herzzerreißender Schrei, vergleichbar mit dem eines Babys. Gibt es unter den Beuteltieren auch Fleischfresser? Ja, etwa die Raubbeutler, von denen manche klein wie Mäuse, andere groß wie Hunde sind. Ein Vertreter ist wahrscheinlich ausgestorben, denn seit 1933 hat man keinen Beutelwolf ( Thylacinus cynocephalus ) mehr beobachtet. Auf dem australischen Festland wurde er wohl durch die Dingos ausgerottet; ob sich auf Tasmanien noch eine Restpopulation verbirgt, ist fraglich. Von hundeähnlicher Gestalt, wird er wegen der Querstreifen auf dem Hinterkörper auch Tasmanischer Tiger genannt. Während man früher Prämien für erlegte Beutelwölfe zahlte, da sie bisweilen auch die eingeführten Schafe rissen, ist es heute streng verboten, sie zu töten – aber diese Maßnahme kommt wohl zu spät. Nicht nur die Raubbeutler, die ihr mit vielen spitzen Zähnen bewehrtes Maul bei drohender Gefahr sehr weit aufreißen können, sondern auch die Nasenbeutler fressen Fleisch. Sie sehen aus wie eine Kreuzung aus Spitzmaus, Springmaus und Känguru und haben sehr lange Nasen, die an einen Rüssel erinnern. Nasenbeutler graben in der Nacht nach Insekten, Würmern und Mäusen, die sie vor allem mit ihrem sehr empfindlichen Gehör ausmachen. Gibt es Beutler, die fliegen können? Ja, neben den Gleitbeutlern und Riesengleitbeutlern trifft das auch auf den Australischen Zwerggleitbeutler ( Acrobates pygmaeus ) zu. Das haselmausähnliche Tier besucht Blüten und nimmt mit der langen Zunge Nektar, Pollen und kleine Insekten auf. Dank der Flughaut zwischen den Vorder- und Hinterbeinen kann der Zwerggleitbeutler von Baum zu Baum gleiten; vermutlich dienen die beiden steifen Haarreihen am ansonsten kahlen Schwanz der Steuerung. Seine Pfoten haben nicht nur scharfe Krallen, mit denen er sich an der Borke festklammern kann, sondern auch Haftpolster, die ihm auf glatten Blattoberflächen Halt geben. Welche Beuteltiere bewegen sich wie Faultiere? Die nachtaktiven Kuskuse – ratten- bis katzengroße Baumtiere mit rundem Kopf, spitzer Schnauze, großen Augen und kräftigen, im letzten Drittel kahlen Greifschwänzen, die sie nach unten einrollen. Ihr Fell kann sehr bunt sein: honiggelb mit roten Flecken, weiß mit dunklen Tupfen oder auch umgekehrt. Wie Faultiere klettern sie langsam durch die Urwaldbäume und verzehren Blätter, aber auch Kleintiere. Was zeichnet Wombats aus? Vorderhand, dass ihr Gebiss dem der Nagetiere ähnelt. Die beiden einzigen Arten dieser auch als Plumpbeutler bezeichneten Familie sind Pflanzen fressende Wühler. Ihre Schneidezähne sind nur an der Vorderseite mit Schmelz überzogen, wachsen ein Leben lang nach und bleiben deshalb trotz ständiger Abnutzung immer scharf. Ähnlich wie die Koalas sind Wombats plump gebaut. Die ersten europäischen Seeleute und Siedler, die den etwa ein Meter langen Tieren begegneten, verglichen sie mit Wildschweinen, Bären und Dachsen – und schätzten ihr Fleisch. Wombats legen weiträumige Baue an, wozu sie ihre kräftigen Grabkrallen einsetzen. Weil sich das Vieh in ihren Bauen oft die Beine brach und sie auch Kulturpflanzen benagen, wurden sie früher stark verfolgt. Später fielen sie auch der Kaninchenbekämpfung zum Opfer. Da sie sich langsam vermehren (nur ein Junges pro Jahr), sind sie heute vielerorts ausgerottet. Was ist die ursprüngliche Heimat der Beuteltiere? Auch wenn es schwer zu glauben ist: Südamerika. Noch heute leben dort einige wenige Vertreter, nämlich die einfach gebauten, beutellosen Opossummäuse, deren Junge frei an den Zitzen der Mutter baumeln, und die mit 76 Arten sehr erfolgreichen Beutelratten, zu denen die Opossums gehören. Bereits seit 1520 ist das Gemeine Opossum in Europa bekannt; deshalb wurden viele beuteltiertypische Eigenschaften zuerst an ihm entdeckt, was sich in seinem Artnamen Didelphis marsupialis niederschlägt, den ihm der Naturforscher Carl von Linné 1758 verlieh: Die Weibchen haben zwei Gebärmütter und zwei Vaginen (Didelphis: »das Zweischeidige«), die Männchen ein entsprechendes Glied mit einer tief gespaltenen Eichel, das an eine Gabel mit zwei Zinken erinnert. Auch den Bauchbeutel (lateinisch marsupium, »Geldbeutel«), in dem meist vier bis elf Junge etwa 70 Tage lang gesäugt werden, sah ein spanischer Forschungsreisender im neu entdeckten Brasilien erstmals an diesem Tier. Das Virginia-Opossum ( Didelphis marsupialis virginiana ) hat sich als robuster Kulturfolger erwiesen: Mittlerweile liegt die Nordgrenze seines Verbreitungsgebietes in Kanada. Das etwas kleinere Südopossum ( Didelphis paraguayensis ) erinnert durch seinen lang gestreckten Körper und seine kurzen Beine an eine Ratte. Sein Fell war wegen seiner ausgezeichneten Wärmedämmung früher sehr beliebt. Der Schwanz ist unbehaart und gibt zusätzlichen Halt beim Klettern oder Fressen, wobei die Tiere ihre Nahrung mit den Vorderpfoten festhalten. Die dämmerungs- und nachtaktiven Opossums haben bis zu 50 kräftige Zähne – ideal zum Verzehr von Wirbellosen und kleinen Wirbeltieren. Sie fressen aber auch Früchte sowie Küchenabfälle und neigen im Hühnerstall wie die Nerze dazu, mehr Opfer zu töten, als sie vertilgen können. Da ihr Fleisch einen intensiven Knoblauchgeruch verströmt, haben sie nicht viele Fressfeinde. In den Südstaaten der USA galt Opossumfleisch allerdings als Delikatesse. Wie funktioniert der »Opossumtrick«? Bei Gefahr stellen die Tiere sich tot. Werden Opossums angegriffen, wehren sie sich erstaunlich heftig und blecken bei weit aufgerissenem Maul ihre Zähne; fühlen sie sich jedoch von einem überlegenen Feind bedroht, verfallen sie mit offenem Maul in eine Art Bewegungsstarre, bis die Gefahr vorüber ist. Dieses »Totstellen« hat im Amerikanischen übrigens zu der Redewendung »to play possum« geführt, wenn jemand um keinen Preis auffallen möchte. Im Straßenverkehr ist diese Taktik für die Tiere jedoch tödlich, und so kommen auch weit mehr Opossums auf der Straße als durch Raubfeinde um. Dass dies die Ausbreitung nicht aufhalten konnte, liegt neben ihrer Anpassungsfähigkeit sicherlich zu einem nicht geringen Teil an ihrer großen Fruchtbarkeit. Welche Funktion erfüllt der Beutel der Beuteltiere? Er ist eine Art zweite Gebärmutter. Beuteltiere gebären zwar lebende Junge, die aber nach einer nur kurzen Tragzeit sehr unreif zur Welt kommen. Sie reifen erst im Beutel der Mutter völlig aus. Haben sie diesen erreicht und eine Zitze in den Mund genommen, schwillt deren Spitze an, so dass die Winzlinge fest verankert sind. Die Milch wird aktiv in den Schlund eingespritzt; das noch unfertige Kiefergelenk bewegt sich beim Trinken nicht. Gesäugt wird der Nachwuchs der Beuteltiere mindestens 65 Tage, also etwas mehr als zwei Monate; manche Jungen bleiben bis zu sieben Monate im Beutel. Wussten Sie, dass … Koalas im 19. Jahrhundert gejagt wurden? Vor allem bei Amerikanern waren ihre weichen Felle sehr geschätzt. ein neugeborenes Koalajunges in Australien »Joey« genannt wird? Bei seiner Geburt ist es kleiner als zwei Zentimeter und wiegt weniger als ein Gramm. Koalas nicht vor Buschbränden fliehen? Sie ziehen sich auf die Baumwipfel zurück, wo sie häufig zu Tode kommen. Warum haben Koalas keine Schwänze? Weil sie ihn in einem Feuer verloren – das erzählen zumindest die australischen Ureinwohner: Vor langer Zeit hatten die Koalas lange, buschige Schwänze. Während die anderen Tiere ihren Beschäftigungen nachgingen, hing der Koala Kunduk in seinem Baum. Lange Zeit hatte es schon nicht mehr geregnet. Plötzlich jedoch verdunkelte sich der Himmel, ein mächtiger Blitz setzte den Wald in Brand. Kunduk kletterte von seinem Baum, steckte seinen Schwanz in ein Wasserloch, wirbelte ihn umher und versuchte so, den Brand zu löschen. Aber es war zu wenig Wasser da und das Feuer breitete sich immer weiter aus. Viele Tiere kamen zu Tode. Schließlich fing sogar Kunduks Schwanz Feuer und brannte einfach weg. Jetzt hatte er weniger Gewicht zu tragen. Er verlor zwar seinen Baum und seinen Schwanz, aber er überlebte. Wann gelangte das erste Beuteltier nach Europa? Im Jahr 1500. Damals machte der Naturforscher Vicente Pinzón dem spanischen Herrscherpaar Ferdinand und Isabella ein trächtiges Zentralamerikanisches Opossumweibchen ( Didelphis marsupialis ) zum Geschenk. Das Königspaar war entzückt über diese »unglaubliche Mutter« mit ihren winzigen Jungen im Beutel. Es sollte jedoch noch drei Jahrhunderte dauern, bis man herausfand, dass Opossums keine seltsamen Ratten sind, sondern sich in ihrer Keimesentwicklung grundlegend von höheren Säugern unterscheiden, die ihre Jungen über eine Gebärmutter (Plazenta) ernähren und daher den Beuteltieren als Plazentatiere gegenübergestellt werden. Wussten Sie, dass … sich Breitfußbeutelmaus-Männchen nur einmal im Leben paaren können? Die fünfstündige Werbung ist so anstrengend, dass sie anschließend vor Erschöpfung sterben. der Riesengleitbeutler ( Schoinobates volans ) die weitesten Gleitflüge vollbringt? Zwischen Start- und Landebaum können mehr als 100 Meter liegen. Insektenfresser: Schützenswerte Nützlinge Gibt es Insektenfresser schon lange? Ja, schon ziemlich lange, denn die Insectivora, wie Insektenfresser wissenschaftlich bezeichnet werden, leben schon seit über 135 Millionen Jahren auf der Erde! Die ersten urtümlichen Vertreter besaßen einen ganz ähnlichen Bauplan; aus ihnen haben sich alle anderen Ordnungen der Höheren Säugetiere entwickelt. Heute gibt es etwa 365 Arten, die in sechs Familien eingeteilt werden. Dem Namen zum Trotz erbeuten die nachtaktiven, meist kleinen Tiere mit ihren bis zu 44 spitzen Zähnen nicht nur Insekten, sondern oft auch Würmer, Spinnen, Schnecken, Echsen und Ähnliches. Dabei vertilgen sie, da ihr Stoffwechsel außerordentlich schnell läuft, Nacht für Nacht Mengen, die etwa ihrem eigenen Körpergewicht entsprechen. Warum rollt sich ein Igel bei Gefahr ein? Weil er sich so am besten vor Angriffen schützen kann, denn er ist dann auf allen Seiten von spitzen Stacheln, dem Kennzeichen aller Echten Igel, umgeben. Das Stachelkleid des Igels ist dicht und gleichmäßig. Beim Braunbrustigel besteht es aus etwa 16 000 Stacheln, die beweglich in der Rückenhaut verankert sind. Normalerweise liegen sie flach am Körper an, richten sich jedoch auf, wenn sich die Haut strafft. Um sich zu einer Kugel zusammenrollen zu können, hat der Igel einen ovalen Muskelring und den kuppelförmigen Schwanz-Rückenmuskel, die bei Gefahr kontrahieren. Sie sind durch eine Fettschicht vom Rest der Muskulatur isoliert, und stülpen sich wie ein Sack schützend über Kopf und Körper. Die Stacheln sind etwa einen Millimeter stark und schützen den Igel vor den meisten Fressfeinden; nur Dachse und andere Marder sollen in der Lage sein, zusammengekugelte Igel zu überwältigen. (Dass Füchse Igel ins Wasser rollen, um sie zum Entkugeln zu zwingen, dürfte hingegen Jägerlatein sein; außerdem können Igel – wenn auch ungern – durchaus schwimmen.) Was sich gegenüber natürlichen Feinden bewährt hat, wird den Tieren auf der Straße zum Verhängnis: Anstatt vor nahenden Autos zu fliehen, verharren sie in Abwehrhaltung. Viele Tausend Igel fallen deshalb jedes Jahr dem Verkehr zum Opfer. Nicht nur bei Gefahr, auch zum Winterschlaf rollt sich der Igel zusammen und bleibt dann wochenlang in dieser Haltung. Seinen normalen Ruheschlaf hält er hingegen ausgestreckt ab. Zur Igelfamilie gehört übrigens nicht nur die Unterfamilie der Echten Igel oder Stacheligel, aus der unser Europäischer Igel oder Braunbrustigel ( Erinaceus europaeus ) stammt. Sie umfasst auch die südostasiatischen Haar- oder Rattenigel, die wegen des fehlenden Stachelkleids völlig anders, nämlich rattenähnlich, aussehen. Sind Igel chronisch erkältet? Nein, ihre ständig feuchte Nase brauchen sie, um ihre Umgebung zu erschnuppern. Der Geruchssinn ist für sie von größter Bedeutung, um ihre Geschlechtspartner und Jungen, aber auch Konkurrenten und Feinde zu erkennen. Aus der dunklen Nase an der Spitze der kegelförmigen Schnauze rinnt ständig etwas Flüssigkeit, welche die empfindlichen Riechschleimhäute feucht hält. Anders als viele andere Insektenfresser sind Igel auch in der Lage, ganz passabel zu sehen; trotz ihrer eher nachtaktiven Lebensweise können sie wohl sogar Farben unterscheiden. Die Beute – darunter viele Schadinsekten, Schnecken und junge Mäuse – wird nicht mit den unauffälligen Eckzähnen, sondern mit den verlängerten äußersten Vorderzähnen ergriffen. Da der Igel gegen viele Gifte ungewöhnlich resistent ist, vertilgt er sogar Ölkäfer wie die Spanische Fliege in größeren Mengen. Ein Zehntelgramm des in ihnen enthaltenen Giftstoffs Cantharidin reicht aus, um 25 Menschen zu töten – nicht aber den viel kleineren Igel. Auch Bienen- und Wespenstiche oder Blausäure können ihm wenig anhaben. Sogar Kreuzottern verschmäht er nicht, obwohl er gegen deren Gift nicht völlig immun ist. Er versucht, ihr Rückgrat durchzubeißen, während sie ihr Gift durch das aufgestellte Schutzkleid meist nicht applizieren kann, denn ihre Giftzähne sind kürzer als die Stacheln. Dann frisst er die Schlange vom Hinterende aus auf, selbst wenn sie noch lebt. Warum bespucken Igel sich selbst? Das ist ihre Art, sich zu tarnen. Igel versuchen häufig, ihren Eigengeruch zu überdecken, indem sie stark riechende Gegenstände wie Hyazinthenblüten, Regenwürmer, faules Fleisch, aber auch Zigarettenstummel oder Parfümseife ablecken oder zerkauen und ihr Stachelkleid auf dem Rücken mit dem schaumigen Speichel bespucken. Dieses Verhalten, bei dem die Tiere sich ausstrecken und den Kopf zum Spucken ruckartig nach hinten drehen, wurde bei allen Stacheligelgattungen beobachtet; es setzt oft bereits im Alter von einer Woche ein, wenn die Augen und Ohren noch verschlossen sind. Die geruchsspendenden Objekte werden nicht gefressen, sondern nach dem Zerbeißen ausgespien. Getrocknete Speichelflecken verraten noch lange die Stellen, die der Igel bespuckt hat. Kann der Igel im Winter erfrieren? Es kommt darauf an, wie oft der Igel in der kalten Jahreszeit geweckt wird! Als einziger Insektenfresser hält der Igel nämlich einen echten Winterschlaf, bei dem die Körpertemperatur – anders als bei der bloßen Winterruhe – drastisch reduziert wird. Im Herbst, wenn er sich ein ausreichendes Fettdepot angefressen hat, polstert er sein Nest im Unterholz oder an einer anderen geschützten Stelle gut mit Moos und Gräsern aus. Sobald die Außentemperatur einen kritischen Wert unterschreitet, der beim Europäischen Igel zwischen acht und zehn Grad Celsius liegt, werden im Zwischenhirn, in der Hypophyse und in der Bauchspeicheldrüse Hormone produziert, die die Umwandlung des Blutzuckers in Glykogen fördern. Als Folge verlangsamen sich Atmung und Puls; die Wärmeregelung wird ausgeschaltet, so dass das Tier auf eine Minimaltemperatur von sechs Grad Celsius abkühlt. Starke Kälte wirkt als Wecksignal; der Stoffwechsel kommt kurzzeitig in Gang und verhindert so, dass die Tiere erfrieren. Während des Winterschlafs zehren Igel von ihren Fettreserven. Störungen in dieser Zeit enden meist tödlich, da die Tiere in der freien Natur nicht genug Nahrung finden, um ihre verbrauchten Energievorräte wieder aufzufüllen. Warum wirft der Maulwurf Hügel auf? Weil er sich beim Graben seiner langen Jagdröhren periodisch des Aushubs entledigt, den er mit den Grabkrallen hinter sich wirft. Dazu schiebt er die Erde rückwärts und aufwärts an die Oberfläche, wo dann etwa eine Handbreit neben dem Tunnel die bekannten, manchen Zierrasenfreund zur Weißglut treibenden Haufen entstehen. Die Tunnel liegen im Sommer bis zu 40, im Winter bis zu 60 Zentimeter unter der Oberfläche; junge Tiere graben nicht so tief. Das Nest eines Maulwurfsbaus liegt unter einem Maulwurfshügel, der deutlich größer ist als die Haufen. Regelrechte Burgen mit bis zu 90 Zentimeter Höhe und über einem Meter Durchmesser, die gleich mehrere Kammern enthalten, findet man in Gebieten mit feuchten Böden, da die Tiere das Grundwasser meiden. Können Maulwürfe in ihren Bauen ersticken? Wenn sie in den Gängen nicht für die nötige Belüftung sorgen, kann das durchaus passieren. Denn der Luftaustausch in den Bauen ist nicht zu unterschätzen. Der Stoffwechsel der Maulwürfe läuft ständig auf Hochtouren; sie atmen extrem viel Kohlendioxid aus. In Freiheit legen sie daher Belüftungsgänge um die Nestkammer an und sorgen mit ihren Haufen für den nötigen Durchzug. In Gefangenschaft ersticken sie oft an ihren eigenen Abgasen, wenn man sie nicht in feinmaschigen, von unten entlüfteten Drahtkäfigen hält. Der Europäische Maulwurf ( Talpa europaea ) wird 11–17 Zentimeter lang und bis zu 120 Gramm schwer. Er hat winzige Augen, mit denen er nur Helligkeitsunterschiede wahrnehmen kann, muschellose, aber gute Ohren, zu Grabhänden umgestaltete Vorderbeine und einen kurzen, ebenso wie die Nase dicht mit Sinneshaaren besetzten Schwanz, mit dem er stets spürt, was hinter ihm vorgeht. Obwohl viele diesen pelzigen Wühler schon gesehen haben und seine Erdhaufen ein vertrauter Anblick sind, wissen wir erstaunlich wenig über ihn. So ist die Tragzeit der Weibchen völlig unbekannt, da die Tiere schwer in Gefangenschaft zu halten sind. Maulwürfe sind ungesellig und teilen sich ihre Jagdreviere nur selten; konkurrierende Männchen bekämpfen einander in der Paarungszeit erbittert und lautstark. Auch die Paarungspartner kämpfen zunächst miteinander und gehen dann vermutlich gemeinsam auf Insektenjagd. Das Weibchen legt eine Brutkammer mit einem weichen Nest an und bekommt meist im Mai zwei bis sieben nackte, weißliche Junge, die sie bei Gefahr in ein anderes Nest trägt. Der Nachwuchs wird mit zwei Monaten selbstständig und ist mit einem Jahr geschlechtsreif; die Tiere leben etwa drei bis vier Jahre. Warum muss die Spitzmaus ständig fressen? Weil sie als echter Warmblüter ihre Körpertemperatur bei etwa 38 °C halten muss. Die Spitzmaus hat eine sehr dünne Isolationsschicht und eine im Verhältnis zu ihrem Volumen sehr große Oberfläche, weswegen ihr Stoffwechsel enorm schnell ablaufen muss, um diese Temperatur zu halten. Deshalb fressen Spitzmäuse täglich eine Menge, die 130 % ihres Körpergewichts entspricht, eine stillende Spitzmausmutter kommt sogar auf 200 %. Das Herz schlägt unglaubliche 1200 Mal pro Minute, um den Sauerstoff so schnell wie möglich im Gewebe zu verteilen, wo er für die Energiegewinnung benötigt wird. Außerdem ist dieses Organ mit einem Gewicht von 0,035 g vergleichsweise riesig: Es wiegt in Relation zum Körpergewicht dreimal so viel wie bei einem Vollblutrennpferd. Da Spitzmäuse viele Acker-, Forst- und Vorratsschädlinge vertilgen (manche aber auch Fische, Kleinvögel und Kleinsäuger, ja sogar Artgenossen), stehen sie in Deutschland größtenteils unter Naturschutz. Warum ziehen manche Spitzmäuse in einer Polonaise durchs Gras? Weil eine Spitzmausmutter auf diese Weise ihren Nachwuchs in Sicherheit bringt. Bei der zu den Weißzahnspitzmäusen zählenden Gattung Crocidura (Haus-, Garten- und Feldspitzmaus) kann man gelegentlich sog. Spitzmauskarawanen beobachten: Fühlt sich eine Mutter mit ihren Jungen im Nest gestört, so verbeißt sich ein Kleines im Fell über ihrer Schwanzwurzel, und alle anderen Kinder beißen sich jeweils an der Schwanzwurzel des Vorgängers fest. Gemeinsam ziehen sie wie eine Schlange durchs Gras. Können Igel Fratzen schneiden? Ja: Das hat ihnen die beiden Bezeichnungen Hunds- und Schweinsigel eingebracht. Wie der Volksmund noch heute, so unterschied schon Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) zweierlei Igel. In ihrer Rezeptsammlung heißt es: »Wenn ein Mensch (…) den Swinegel essen will, soll er ihn wie einen Hasen im Wasser kochen, Zimt und Bertram und Pimpernell zu gleichen Teilen pulverisieren und diese Pulver miteinander in Wein erwärmen (…). So esse er ihn, dann schadet er ihm nicht, sondern macht ihn stark und erhält ihm seine Gesundheit.« Vom Genuss des Hundsigels riet sie hingegen ab, denn sein Fleisch sei »für den Menschen ebenso wenig geeignet wie das des Hundes«. Heute weiß man, dass »Hundsigel« (stumpfe Schnauze, steile Stirn) und »Schweinsigel« (spitze Schnauze, flache Stirn) sich nur in der Mimik unterscheiden: Das Gesicht eines verschreckten Igels mit aufgestellten Stirnstacheln und eingezogenem Kopf erinnert an einen Hund, dasjenige eines stöbernden Igels, der mit vorgestreckter Nase wittert und wühlt, an ein Schwein. Wussten Sie, dass … die madagassischen Tenreks oder Borstenigel mit ihren bis zu 30 Jungen die größten Würfe innerhalb der Säugetierklasse großziehen? Maulwürfe kilogrammschwere Wintervorräte aus lebenden Würmern anlegen, die sie zuvor mit einem Biss gelähmt haben? Wie nennt man die Auswüchse im Gesicht des Sternmulls? Tentakel. Ein eigentümlicher Kranz aus 22 rosafarbenen Fortsätzen schmückt die Nasenspitze des amerikanischen Sternmulls ( Condylura cristata ). Diese unabhängig voneinander beweglichen Tentakel sind mit etwa 100 000 Nervenfasern ausgestattet, die auch noch so kleine Bewegungen der Beutetiere – Insektenlarven, Regenwürmer und kleine Krebse – wahrnehmen. Anders als sein europäischer Verwandter bevorzugt der Sternmull feuchte oder sumpfige Gebiete als Lebensraum. Sein dichtes, schwarzbraunes bis schwarzes Fell schützt ihn hervorragend gegen Kälte und Nässe, denen er beim Schwimmen und Tauchen ausgesetzt ist, denn seine Tunnelausgänge liegen meist unter Wasser. Auffallend ist auch sein langer Schwanz, in dem er Fettreserven speichern kann. Wussten Sie, dass … der Name Maulwurf mit »Maul« wenig zu tun hat, da er sich vom althochdeutschen »Molte« ableitet, das so viel wie Erde heißt? das Fell der Maulwürfe keinen eindeutigen Strich hat und die Tiere deshalb in ihren Gängen leichter rückwärts laufen können? 2,5 Millionen Etruskerspitzmäuse so viel wiegen wie ein Elefant? Spitzmäuse nur dem Namen nach etwas mit Mäusen zu tun haben, sie tatsächlich aber mit den Maulwürfen verwandt sind? Affen: Von Schmalnasen und Breitnasen Wie unterscheiden sich die Affen der Neuen und der Alten Welt? Vor allem durch die Form ihrer Nase. Für Neuweltaffen typisch sind ihre weit auseinanderliegenden und nach außen gerichteten Nasenöffnungen, die ihnen den Namen Breitnasenaffen eingetragen haben. Kennzeichen der Affen Europas, Afrikas und Asiens, also der sog. Altweltaffen, sind dagegen ihre schmale Nasenscheidewand und die nach unten gerichteten Nasenöffnungen; daher werden sie auch Schmalnasenaffen genannt. Die Breitnasenaffen Südamerikas können überdies ihren Daumen nicht den anderen Fingern gegenüberstellen, wohl aber ihre große Zehe. Auffallend ist ferner ihr langer Schwanz, der bei einigen Arten als Greifschwanz ausgebildet ist. Mit dieser »fünften Hand« können sie beim Klettern zusätzlichen Halt finden oder auch weiter entfernte Gegenstände erreichen. Innerhalb der Altweltaffen stehen den Hundsaffen, die durch etwa gleich lange Arme und Beine bzw. längere Beine und meist einen recht langen Schwanz gekennzeichnet sind, die Gruppe der schwanzlosen Menschenaffen gegenüber. Wie gelangen Kapuzineraffen an ihre Nahrung? Sie setzen, wenn nötig, Werkzeuge ein. Im Nordosten Brasiliens wurden kürzlich zu den Kapuzinern gehörende Faunaffen ( Cebus apella ) beim Werkzeuggebrauch beobachtet. Sie benutzten Steine zum Ausgraben von Knollen, Wurzeln und Insekten oder als Hammer, um Samenschalen zu knacken, hohle Äste zu öffnen oder Knollen zu mundgerechten Stücken zu zerkleinern. Mit Ästen und Zweigen stocherten sie gelegentlich in Baumlöchern oder Felsspalten nach Insekten. Kapuzineraffen sind Allesfresser mit einer breiten Nahrungspalette. Sie ernähren sich von verschiedenen Pflanzenteilen wie reifen und unreifen Früchten, Blüten und Samen. Ihren Proteinbedarf decken sie vorwiegend über Insekten, allerdings verzehren sie auch Vogeleier, Jungvögel, Kleinsäuger und Eidechsen. Pflanzen liefern aber nicht nur Futter. Von Weißschulterkapuzinern ( Cebus albus ) ist bekannt, dass sie Clematis- und Piperblätter sowie Zitrusfrüchte sammeln, zerkauen und sich den Speichelbrei im ganzen Fell verteilen. Die Insekten abstoßenden Substanzen dieser Pflanzen halten lästige Moskitos fern und schützen die Tiere wirkungsvoll vor deren Stichen. Weshalb brüllen Brüllaffen? Um ihr Revier abzugrenzen. Oft brüllt nur das stärkste Männchen einer Sippe, manchmal