Vögel – mühelos durch die Lüfte
Vögel – mühelos durch die Lüfte Wohl kaum eine Tiergruppe hat die Fantasie der Menschen so beflügelt wie die Vögel – und das im wahrsten Sinn des Wortes. Denn die Mühelosigkeit, mit der Vögel sich in die Lüfte erheben, Berge und Wüsten, Meere und Land überqueren können, hat wohl zu allen Zeiten eine große Faszination ausgeübt. Bester Beweis sind die zahlreichen Mythen, die sich mit dem Traum vom Fliegen beschäftigen. Der bekannteste Mythos ist sicherlich die Geschichte von Ikarus und Dädalus, die mithilfe von selbst gebastelten Schwingen aus ihrer Gefangenschaft in Kreta flohen. Ikarus kam jedoch im Übermut der Sonne zu nahe, das Wachs, das die Federn zusammenhielt, schmolz und er stürzte ins Meer. Dass es unmöglich ist, den Luftraum wie die Vögel durch Muskelkraft zu erobern, mussten auch die Pioniere der Luftfahrt erkennen. Der Erfolg stellte sich erst ein, nachdem man dem Prinzip des Vogelfluges auf die Spur gekommen war: dem Zusammenspiel von Vor- und Auftrieb. Der Auftrieb entsteht dadurch, dass über den gewölbten Flügeln die Luft schneller strömt. Deshalb entsteht dort ein Unterdruck, der die Flügel anhebt. Den Vortrieb besorgt bei den Vögeln ebenfalls der Flügelschlag, bei Flugzeugen dagegen der Propeller. Der Vogelkörper ist dem Fliegen perfekt angepasst: stromlinienförmiger Bau, hohle, leichte Knochen, ein Federkleid, das eine feine Regulierung der Luftströmung gestattet, ein starkes vierkammeriges Herz, kräftige Brustmuskeln und ein äußerst leistungsfähiges Kreislauf- und Atmungssystem. Heute gibt es über 9000 Vogelarten, die über alle Erdteile und Weltmeere verbreitet sind. Nicht wenige haben einen besonderen Bezug zum Menschen – sei es als Nutztiere wie Hühner, Gänse und Enten, als Kulturfolger wie Schwalben und Amseln, als Jagdgesellen wie Falken und Adler oder als Heimtiere wie Haustauben und Ziervögel. Nicht wenige wurden aber auch durch den Menschen an den Rand des Aussterbens gebracht, wie etwa viele Greifvogelarten. Albatrosse: Flugkünstler der Hochsee Was sind Röhrennasen? Vögel, die zur Ordnung Procellariiformes gehören. Der ungewöhnliche Name ist auf die charakteristische Bildung des geraden, an der Spitze abwärts gebogenen Schnabels zurückzuführen: Die Nasenöffnungen sind zu langen, dem Schnabel eng anliegenden Röhren ausgezogen. Außerdem haben alle Arten stark entwickelte Nasendrüsen, die überschüssiges Salz ausscheiden, das die Vögel beim Trinken und mit ihrer Nahrung aufnehmen. Zu den Röhrennasen gehören die Albatrosse, Sturmvögel, Sturmschwalben und Tauchsturmschwalben – allesamt hervorragende Segelflieger und Hochseebewohner, die nur zum Brüten an Land gehen. Etwa zwei Drittel der bislang 105 bekannten Arten leben auf der Südhalbkugel, einige ziehen im Südwinter nach Norden. Bei vielen Arten dieser Ordnung ist eine weitere Eigentümlichkeit zu finden: Sie bilden im Magen ein öliges Sekret. Dieses ranzig riechende Magenöl wird bei Gefahr hochgewürgt und dem Feind entgegengespritzt, aber auch zur Reinigung des Gefieders verwendet. Darauf ist vermutlich auch der starke Moschusgeruch zurückzuführen, der von den Vögeln ausgeht. Welches sind die größten Albatrosse? Größter Vertreter der Familie und damit auch größter Meeresvogel überhaupt ist mit einer Flügelspannweite von 3,50 Metern der Wanderalbatros ( Diomedea exulans ). Er ist südlich des Äquators zu Hause und verbringt sein Leben vorwiegend in der Luft, wobei er weite Strecken zurücklegen kann: Beobachtet wurden Flüge von 3500 bis 15 000 Kilometern, was rund 900 Kilometern am Tag entspricht. Die Vögel brüten nur alle zwei Jahre ein einziges Ei aus. Der Jungvogel, der monatelang umsorgt werden muss, wird u. a. mit Magenöl gefüttert. Ansonsten besteht die Nahrung der Vögel vorwiegend aus Tintenfischen, die von der Wasseroberfläche aufgenommen werden, aber auch Krebse und Fische werden nicht verschmäht. Wanderalbatrosse trinken – wie alle Seevögel – Meerwasser und scheiden das überschüssige Salz über Nasendrüsen aus. Übrigens: Albatrosse orientieren sich während ihrer langen Flüge an der Sonne, den Sternen und dem Magnetfeld der Erde. Als Meister des Segelfluges können Albatrosse ohne einen einzigen Flügelschlag stundenlang gleiten, indem sie die Luftströmungen über der bewegten Meeresoberfläche perfekt ausnutzen. Dabei können sie Geschwindigkeiten von durchschnittlich 80 Kilometern in der Stunde erreichen. Wie leben Sturmvögel? Sturmvögel sind sehr vielseitig im Hinblick auf ihre Ernährungsweise: Walvögel (Gattung Pachyptila ) können ihre Nahrung ausseihen, Eissturmvögel ( Fulmarus glacialis ) sind typische Abfallbeseitiger, Schneesturmvögel ( Pagodroma nivea ) dagegen suchen sich ihre Nahrung ausschließlich im Packeis. Einige Mitglieder der Sturmvögel zählen zu den geselligsten Vögeln überhaupt. Besonders in südlichen Meeren mit großem Planktonvorkommen wurden Schwärme aus Hunderttausenden von Vögeln gesichtet, aber auch beim Nisten lieben sie die Geselligkeit. Die Sturmvögel sind eine sehr artenreiche und vielfältige Familie. Einige, wie z. B. die Riesensturmvögel (Gattung Macronectes ), ähneln kleineren Albatrosarten, andere, wie viele Sturmtaucher (Gattung Puffinus ), können ähnlich wie die Tauchsturmvögel recht gut tauchen und unter Wasser schwimmen. Übrigens: Auf den Färöer und in Japan gelten Sturmvögel als Delikatesse. Dort werden jedes Jahr Tausende von Jungtieren wegen ihres fetten Fleisches gefangen. Weshalb werden Sturmschwalben auch St.-Peters-Vögel genannt? Es gibt verschiedene Erklärungen: Sturmschwalben (Familie Hydrobatidae) nehmen Nahrung von der Wasseroberfläche auf und tauchen dabei einen oder beide Füße ein. Fischer meinten wohl, sie wandelten wie Petrus »auf den Spuren Jesu« über das Wasser. Vielleicht wurde aber auch nur der englische Name »Storm Petrels« falsch übertragen. Die nur knapp 25 Zentimeter langen Sturmschwalben sind die kleinsten Seevögel. Dennoch beherrschen sie unter anderem den Rüttelflug, also das Fliegen auf der Stelle mit schnellen Flügelschlägen. Ihr Heimfindevermögen ist ausgezeichnet: Problemlos finden sie von ihren mehrere Tausend Seemeilen entfernten Winterstandorten auf hoher See zum vorjährigen Brutplatz zurück. Welche Feinde haben Albatrosse? Die größten natürlichen Feinde – v. a. der Jungvögel – sind Tigerhaie, doch am meisten gefährdet sind die Vögel heute durch die Langleinenfischerei. Die reißfesten, bis zu 130 Kilometer langen Kunststoffseile sind mit bis zu 30 000 beköderten Haken bestückt. Stürzen sich die Vögel auf die Köder, bohren sich die Widerhaken durch Schnabel und Hals, so dass die Tiere unter Wasser gezogen werden und ertrinken. Auch die Auswüchse der menschlichen Zivilisation in Form von Plastikabfällen, Verschmutzung des Meeres durch Öl, Chemikalien und Schwermetallen bedrohen die Lebensräume dieser eleganten Gleiter. Wussten Sie, dass … Seevögel einen geschätzten Dünger produzieren? Es ist der Guano, den übrigens Alexander von Humboldt 1804 aus Südamerika nach Europa mitbrachte. der Rußalbatros ( Phoebetria palpebrata ) im Mittelpunkt einer Legende steht? In den aschgrau gefärbten Vögeln sollen die Seelen ertrunkener oder bei Sturm über Bord gegangener Seeleute weiterleben. Sturmtaucher sehr alt werden können? Bislang gilt in Freiheit ein Alter von 55 Jahren als Rekord. Wat- und Möwenvögel: An Küsten und Binnengewässern Leben Möwen nur am Meer? Nein, auch im Binnenland sind sie anzutreffen. So kann man beispielsweise Silbermöwen ( Larus argentatus ) im Winter häufig auf Mülldeponien und in Häfen begegnen, wo sie auf Abfälle hoffen. Diese an der deutschen Nordseeküste häufigste Möwe, die zu den Großmöwen zählt und sich zur Brut in oft riesigen Kolonien zusammenfindet, sucht ansonsten Strand und Watt nach Nahrung ab und frisst neben Würmern und Krebsen gerne Muscheln, die sie zum Öffnen auf Felsen fallen lässt. Wird die Nahrung knapp, scheut sie sich nicht, die Eier oder Küken ihrer Artgenossen zu rauben. Da Möwenkot ein guter Dünger ist, wurde die Silbermöwe auf einigen Nordseeinseln unter Schutz gestellt. Silbermöwen leben oft in Gesellschaft von Lachmöwen ( Larus ridibundus ), der in Europa vermutlich häufigsten Möwenart. Wie sie zu ihrem Namen gekommen ist, ist nicht genau bekannt; auf jeden Fall bezieht er sich nicht auf ihr Geschrei. Die Lachmöwe ist im Winter oft in Häfen und Städten zu sehen und folgt auch gerne dem Pflug auf den Feldern. Welche Möwenarten finden wir in Europa? Neben der Lachmöwe v. a. die Mantel-, die Dreizehen- und die Sturmmöwe. Die größte europäische Möwenart ist mit 1,70 Meter Spannweite und einer Körperlänge von 76 Zentimetern die Mantelmöwe ( Larus marinus ). Sie ist an den fast schwarzen Deckflügeln, denen sie ihren Namen verdankt, leicht zu erkennen. Wenn es um ihre Nahrung geht, ist sie wie alle Möwen nicht wählerisch: Neben Abfällen frisst sie auch Eier und Jungtiere anderer Vögel, erbeutet aber auch Singvögel, Enten und sogar Silbermöwen. Die Dreizehenmöwe ( Rissa tridactyla ) ist die einzige Möwe, die außerhalb der Brutzeit auf das offene Meer hinauszieht. Der kleine, zierliche Vogel ist an seinen schwarzen Beinen und schwarzen Flügelspitzen gut von der ähnlichen Sturmmöwe ( Larus canus ) zu unterscheiden. Als Nistplatz bevorzugen Dreizehenmöwen schmale Simse an steilen Felswänden. Um nicht abzustürzen, verharren die Jungvögel meist regungslos, den Blick auf den Felsen gerichtet. Wen rauben Raubmöwen aus? Andere Seevögel, denen sie oft die Nahrung abjagen. Dabei bedrängen sie Möwen, Seeschwalben und Kormorane, ja sogar Albatrosse so lange und so heftig, bis diese die aufgesammelte Nahrung von sich geben. Die Raubmöwen ergreifen die Nahrung dann in gewagten Sturzflügen noch über dem Wasser. Sie fressen auch Aas und Abfall und stellen an Land Insekten sowie kleinen Säugern nach. Der stärkste Räuber unter ihnen, der die Größe eines Bussards erreicht, ist die Große Raubmöwe oder Skua ( Stercorarius skua ). Sie erbeutet in ihrem Verbreitungsgebiet sogar Enten, indem sie ihr Opfer zu wiederholtem Tauchen nötigt und dann das ermattete Tier mit einem Biss des starken Hakenschnabels tötet; ihre scharfen Krallen werden dabei nicht als Waffen eingesetzt. In der Antarktis zählen die in dunklem Braun gefärbten Skuas zu den größten Eier- und Jungvogeldieben und überwältigen auch junge Pinguine. Was zeichnet Seeschwalben aus? Seeschwalben sind wendige und elegante Flieger. Mit ihrem spitzen Schnabel, ihren schmalen Flügeln und dem langen, oft gegabelten Schwanz haben diese Möwenvögel große Ähnlichkeit mit den im Binnenland lebenden Schwalben. Rekordverdächtig sind auch die Wanderungen, die einige Arten unternehmen, wie z. B. die Küstenseeschwalbe ( Sterna paradisea ): 33 000 bis 35 000 Kilometer legt sie zwischen ihren Brutgebieten im hohen Norden und dem Überwinterungsquartier in der Antarktis zurück – und das zweimal pro Jahr! Auf diese Weise lebt sie sozusagen immer im Sommer, da sie sowohl den nördlichen als auch den südlichen Polarsommer »mitnimmt«. Seeschwalben ernähren sich vorwiegend von Fischen, die einige Arten im Stoßtauchen erbeuten, im Wasser lebenden Krebstieren, Insekten und Würmern. Die Rußseeschwalbe ( Sterna fuscata ) allerdings taucht nicht, sondern nimmt im Flug die Fische von der Wasseroberfläche auf. Die meisten der etwa 40 Arten dieser Familie sind in den Tropen und auf der Südhalbkugel zu Hause. Die Raubseeschwalbe ( Hydroprogne caspia ) brütet aber auch an unseren Küsten. Sie ist die größte Seeschwalbenart und an ihrem gewaltigen, leuchtend roten Schnabel weithin zu erkennen. Ihre Nester sind an flachen Kies- und Sandufern auch an Gewässern im Binnenland zu finden. Welche Arten sind typische Watvögel? Der Austernfischer, der Sandregenpfeifer, der Steinwälzer und der Säbelschnäbler. Austernfischer ( Haematopus ostralegus ) ernähren sich hierzulande nicht von Austern, wie ihr Name nahelegt, denn sie sind häufige Brutvögel an der deutschen Nord- und Ostseeküste – und dort gibt es keine Austern. Vielmehr muss der Austernfischer mit Strandkrabben, Strandschnecken und Plattmuscheln vorlieb nehmen, die er mit seinem Schnabel wie mit einem Meißel geschickt aufbricht. Seine Hauptnahrung sind jedoch Pierwürmer, die er aus ihren Wohnröhren herauszieht. Ebenfalls an der Küste brütet der Sandregenpfeifer ( Charadrius hiaticula ). Anders als bei Fluss- und Seeregenpfeifer, seinen Verwandten aus der Familie der Regenpfeifer (Charadridae), sind seine Beine orange, ebenso der halbe Schnabel. Die Sandregenpfeifer zeigen ein ungewöhnliches Brutverhalten: Während das Männchen die schon größeren Jungvögel noch in der einen Hälfte des Nestes füttert, brütet das Weibchen in der anderen Hälfte bereits das zweite Gelege aus. Droht dem Nest Gefahr, täuscht einer der Altvögel vor, krank oder verletzt zu sein, und lockt den Feind so vom Nest weg. Dieses »Verleiten« ist ein in der Vogelwelt häufig zu beobachtendes Verhalten. Ein interessantes Mitglied der Regenpfeiferfamilie ist auch der Steinwälzer ( Arenaria interpres ), der seinen Namen zu Recht trägt: Er dreht nämlich Steine um und frisst die unter diesen verborgenen Kleintiere. Dabei bewältigt der Steinwälzer Steine von bis zu 180 Gramm – obwohl er selbst gerade einmal 100 Gramm auf die Waage bringt. Weshalb ist der Schnabel des Säbelschnäblers so merkwürdig gebogen? Der lange, dünne, nach oben gebogene Schnabel ist eine perfekte Anpassung an seine Ernährungsweise. Auf der Suche nach Nahrung durchwaten Säbelschnäbler ( Recurvirostra avosetta ) seichte Gewässer und bewegen dabei den leicht geöffneten Schnabel hin und her, um Krebse, Würmer und Insekten auszuseihen. Die geselligen Säbelschnäbler sind nur an Salzwasser zu finden, da sie sich ausschließlich von im Schlick lebenden Kleintieren ernähren. Sie brüten oft in lockeren Kolonien zusammen mit Austernfischern, Seeschwalben und Lachmöwen und wenden den gleichen Trick an wie Sandregenpfeifer, um Feinde von ihrem Nest fernzuhalten: Sie lenken diese durch vorgetäuschte Schwäche ab. Wer verbirgt sich hinter dem Namen »Himmelsziege«? Die Gemeine Bekassine oder Sumpfschnepfe ( Gallinago gallinago ). Die Männchen vollführen über ihrem Brutrevier oft spektakuläre Sturzflüge. Dabei erzeugt der Luftzug an den äußersten Schwanzfedern, den sog. Schallfedern, ein meckerndes Geräusch, dem die Bekassinen den Namen »Himmelsziege« verdanken. Die Sumpfschnepfe gehört zu den Regenpfeifervögeln, die sich feuchte Wiesen und Wälder, Sumpfgelände und Moore als Lebensraum erobert haben. Anhand der längslaufenden Zeichnung ihres Kopfgefieders ist sie leicht von der Waldschnepfe ( Scolopax rusticola ) zu unterscheiden, die eine Querzeichnung trägt. Der Lebensraum der Bekassine sind bodenfeuchte Wälder, wo sie Deckung und Nahrung findet. Mit ihrem langen Schnabel spürt sie Würmer, Schnecken, Insekten und deren Larven im Waldboden auf und zieht sie wie mit einer Pinzette heraus. Übrigens: Waldschnepfen sind auch heute noch ein beliebtes Jagdwild. Welches ist der größte Schnepfenvogel in Europa? Der Große Brachvogel ( Numenius arquata ). Er hat eine Körperlänge von 50 bis 60 Zentimetern, ein Gewicht von bis zu 900 Gramm und eine Flügelspannweite von fast einem Meter. Typisch für ihn, wie für alle Brachvögel, sind die langen Beine und der nach unten gekrümmte Schnabel, vor allem aber sein auffälliger Singflug mit den melodischen Flötenrufen und Trillern, den er während der Balzzeit zeigt. Die Standorttreue dieser imposanten Vögel macht sie besonders anfällig für Eingriffe in ihren Lebensraum, beispielsweise durch die Intensivierung der Landwirtschaft. Inzwischen wird der Große Brachvogel in Deutschland zu den stark gefährdeten Arten gerechnet und steht unter Schutz. Wer ist für seine waghalsigen Flugmanöver berühmt? Der Kiebitz ( Vanellus vanellus ). Während der Balzzeit zeigt das Männchen halsbrecherische Flugkünste: Im Sturzflug wirft es sich auf den Rücken, schlägt laut rufend purzelbaumähnliche Rollen und schießt trudelnd herab, bis es den Sturz kurz vor dem Boden abfängt. Bemerkenswert ist ein Verhalten, das als »Scheinnisten« bezeichnet wird: Das Männchen führt vor dem Weibchen scharrende Bewegungen in einer imaginären Nistmulde aus und spreizt dabei den Schwanz so auffällig, dass der Kiebitz in einigen Gegenden auch »Wiesenpfau« genannt wird. Hauptnahrung der Kiebitze sind Insekten, Schnecken und Würmer, die sie mit Bodenklopfen oder Fußtrillern aus dem Boden locken. Der früher häufig vorkommende Vogel, dessen Eier einst als Leckerbissen galten, ist in Deutschland inzwischen trotz umfangreicher Schutzmaßnahmen selten geworden. Wie viele Vogelarten, die auf Feuchtgebiete angewiesen sind, leidet er vor allem unter der Trockenlegung von Mooren und Sümpfen. Und die intensive Bewirtschaftung von Wiesen und Feldern verhindert oft, dass der Nachwuchs in Ruhe aufgezogen werden kann. Übrigens: Das »Kiebitzen«, also das mehr oder weniger aktive Zuschauen bei Skat und anderen Spielen, hat seinen Namen nicht von dem Vogel Kiebitz, sondern stammt wohl aus der alten »Gaunersprache« Rotwelsch und bezeichnete dort das gemeinsame Begutachten des Diebesguts. Gab es Pinguine auf der Nordhalbkugel? Zumindest dem Namen nach, denn der 1844 ausgerottete Riesenalk hieß wissenschaftlich Pinguinus impennis . Alke sind eine Unterordnung der Wat- und Möwenvögel. Der Riesenalk wurde bis zu 80 cm lang und bis zu 5 kg schwer. Seine Flugfähigkeit hatte er gänzlich verloren. Für die Herkunft des Wortes »Pinguin« gibt es u. a. die Erklärung, es stamme aus dem Walisischen und bedeute »Weißer Kopf«. Riesenalk und »echte« Pinguine haben zumindest weiße Flecken am Kopf. Übrigens: In unseren Breiten gibt es zwar keine echten Pinguine aus der Familie Spheniscidae, doch das Verbreitungsgebiet dieser Tauchspezialisten ist keineswegs auf die südlichen Polargebiete beschränkt: Der Galapagos-Pinguin ( Spheniscus mendiculus ) lebt auf der gleichnamigen, zu Ecuador gehörenden Inselgruppe und damit direkt am Äquator. Wussten Sie, dass … Möwenküken sofort nach dem Schlüpfen laufen und schwimmen können? Dennoch bleiben sie meist im Nest sitzen und werden von den Altvögeln gefüttert. das Kreischen der Silbermöwen mehrere Bedeutungen hat? Es ist sowohl ein Warnruf, der Feinde einschüchtern soll, als auch ein Begrüßungsruf; Jungvögel kreischen auch lautstark nach Futter. Welcher Seevogel brütet in Erdhöhlen? Der etwa 30 Zentimeter große Papageitaucher ( Fratercula arctica ) aus der Familie der Alken (Alcidae). Unübersehbar ist sein breiter bunter Schnabel, der jedoch außerhalb der Brutzeit schwarzweiß ist. Papageitaucher leben auf dem offenen Meer und kommen nur zur Aufzucht des Nachwuchses an Land. Die größte Population der Welt brütet in Island. Das Nest für das einzige Ei wird in Kaninchenröhren oder selbst gegrabenen Erdlöchern, oft auch in Felsspalten angelegt. Seine Nahrung besteht vorwiegend aus Fischen, aber er verspeist auch verschiedene Weich- und Krebstiere. Bei welcher Gelegenheit wird der Schnepfenkönig gekürt? Bei der Schnepfenjagd verlieh man besonders erfolgreichen Jägern diesen Titel; mitunter wurden sie auch mit eigens geprägten »Schnepfenpfennigen« und »Schnepfendukaten« geehrt. Schnepfen waren als Wildgeflügel schon immer geschätzt. Wohl deshalb war die Schnepfenjagd so beliebt, aber wahrscheinlich auch, weil das Aufspüren der recht versteckt lebenden, hervorragend getarnten Waldschnepfe und die Jagd auf die im Zickzack fliegende Bekassine eine Herausforderung für jeden Schützen ist. Wussten Sie, dass … der Pazifische Goldregenpfeifer ( Pluvialis dominica fulva ) bei seiner jährlichen Wanderung eine Strecke von über 3500 Kilometern zurücklegt und damit den Rekord im Nonstopflug hält? der Stelzenläufer ( Himantopus himantopus ) im Verhältnis zu seiner Körpergröße die längsten Beine aller Vögel hat? Sie machen 60 Prozent seiner Körpergröße von 43 Zentimetern aus. Störche und Verwandte: Auffällig lange Beine Welcher Reiher kommt bei uns am häufigsten vor? Der Graureiher ( Ardea cinerea ). Wie alle Reiher ernährt er sich vorwiegend von Fischen, aber auch Amphibien und Kleinsäuger, die er mit seinem langen, dolchförmigen Schnabel blitzschnell aufspießt, gehören zu seinem Nahrungsspektrum. Reiher sind Bewegungsjäger, das heißt, sie können Tiere nur fangen, wenn diese sich bewegen. Verhält sich die Beute jedoch still, wird sie schlichtweg übersehen. Reiher sind an ihrer Haltung sofort zu erkennen: Im Flug und beim Lauern auf Beute halten Reiher ihren Hals in der typischen S-Form gebogen. Übrigens: Schon 1586 berichteten Chroniken von einer Jahrhunderte alten Reiherkolonie an der Jagst, um die sogar ein »Reiherkrieg« entbrannte, da Reiher damals als Hochwild galten. Und Hochwild war den »hohen Herren«, also den Adligen, zur Jagd vorbehalten, während das Niederwild auch von der »niederen« Bevölkerung erlegt werden durfte; besonders beliebt war damals die Reiherjagd mit Falken. Wie schützen Reiher ihr Gefieder vor Nässe? Im Gegensatz zu anderen Vogelarten fetten Reiher ihr Gefieder nicht mit Öl ein – ihre Bürzeldrüse ist verkümmert –, sondern mit Puder, das von speziellen Puderdunen produziert wird. Hinter diesen speziellen Dunen verbergen sich stetig von der Basis nachwachsende, verästelte Federn des Untergefieders, die an ihren Spitzen zu Puder zerfallen. Um den Puder besser verteilen zu können, benutzen sie die Kralle der Mittelzehe, die zu einer »Putzkralle « mit gezähntem Rand umgebildet ist. Der Puder hält das Gefieder glatt und wasserabstoßend und reinigt es gleichzeitig. Er übernimmt also bei den Reihern – ebenso wie bei Papageien, Tauben, Tukanen, Rallen und Steißhühnern – die Aufgabe des wachsartigen Öls der Bürzeldrüse, das andere Vogelarten zur Gefiederpflege einsetzen. Bekannter als die Puderdunen sind die Schmuckfedern, die viele Reiher während der Brutzeit an Rücken, Halsansatz und Kopf tragen. Diese Prachtfedern wurden besonders dem Silberreiher ( Casmerodius albus ) und dem Seidenreiher ( Egretta garzetta ) zum Verhängnis, da sie früher bei adligen Damen als Hutschmuck sehr beliebt waren. Feinde unter ihren tierischen Nachbarn haben erwachsene Reiher nicht, Eier und Jungtiere jedoch sind durch Nesträuber, darunter vor allem Saatkrähen, gefährdet. Die jungen Reiher gehören nämlich zu den Nesthockern, die so lange im Nest bleiben, bis sie ihre Flugfähigkeit erlangt haben. Welcher Vogel steckt hinter der »Moorkuh«? Die Rohrdommel, deren dumpfe, laute Rufe ihr im Volksmund den Namen »Moorkuh« oder auch »Wasserochse« eingebracht haben. In unseren Breiten heimisch sind die Rohrdommel ( Botaurus stellaris ) und die Zwergrohrdommel ( Ixobrychus minutus ). Letztere ist nicht nur die kleinste Reiherart, sondern weist noch eine Besonderheit auf: Als einzige in der Reiherfamilie tragen Männchen und Weibchen ein unterschiedlich gefärbtes Federkleid. Dommeln führen ein heimliches Leben an schilfbestandenen Ufern langsam fließender oder stehender Gewässer. Bei Gefahr nehmen sie, wie übrigens viele andere Reiherarten auch, die typische sog. Pfahlstellung ein: Sie recken Hals und Schnabel senkrecht nach oben, so dass sie zwischen den schlanken Schilfstängeln so gut wie unsichtbar sind. Übrigens: Rohrdommeln waren einst ein beliebtes Federwild, stehen heute aber unter Naturschutz. Größere Rohrdommelbestände sind noch am Neusiedler See in Österreich zu finden. Warum sind Störche so beliebt? Störche sind nicht erst seit heute bekannt und beliebt. Im 17. und 18. Jahrhundert begrüßten in manchen Städten die Turmwächter die ersten Störche mit Trompetenschall, galten sie doch als Glücksboten, was noch in dem volkstümlichen Namen Adebar (Glücksbringer) anklingt, aber auch als Kinderbringer. Sie wurden in Märchen verewigt – wer kennt nicht »Kalif Storch«? –, sind aber auch mit abergläubischen Vorstellungen verknüpft. So soll es einer Bauernregel zufolge bald regnen, wenn der Storch nach langer Trockenheit auffallend schmutzig ist. Und eine frühe Abreise der Störche in den Süden wurde als Vorzeichen für einen frühen Wintereinbruch gedeutet. Wenn man den ersten Storch des Jahres sieht, sollte man Geld in der Tasche haben, dann hat man angeblich das ganze Jahr über reichlich Bares. Sind Störche ortstreu? Ja, zumindest die Weißstörche ( Ciconia ciconia ); sie kehren stets zu ihren alten Horsten zurück und bauen diese Jahr für Jahr weiter aus. Die großen bis sehr großen Stelzvögel, die etwa 1,10 Meter Körperlänge und eine Flügelspannweite von rund 2,20 Metern erreichen, haben sich dem Menschen eng angeschlossen, sind sie ihm mit ihren Nestern doch buchstäblich aufs Dach gestiegen. Nahrung finden sie auf feuchten Wiesen und Feldern: Gemessenen Schrittes schreiten sie das Gelände ab und packen ihre Beutetiere, zu denen Frösche, Mäuse, Schnecken und Insekten, vor allem aber Heuschrecken gehören, blitzschnell mit dem großen spitzen Schnabel. Übrigens: Weißstörche verständigen sich durch das weithin hörbare Schnabelklappern, das ihnen auch den Namen »Klapperstorch« eingebracht hat. Dieses Begrüßungsritual wiederholt sich jedesmal, wenn einer der beiden Partner zum Nest zurückkommt. Weshalb sind Störche hierzulande so selten geworden? Weil viele ihrer Nahrungsgründe zerstört wurden. Damit die Jungstörche im Nest aber satt werden, müssen die Eltern pro Kopf ein Pfund Futter erbeuten. Solch ein reichliches Nahrungsangebot bieten nur Sumpflandschaften sowie feuchte Flussniederungen mit nassen Wiesen und Teichen, denn die Übergangszone zwischen Wasser und Land ist besonders artenreich. Doch vor allem in Westeuropa wurden nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur Flüsse begradigt, sondern auch Feuchtgebiete trockengelegt, um intensive Landwirtschaft betreiben zu können. Damit wurde nicht nur artenreicher Lebensraum vernichtet, sondern auch die Nahrungsgrundlage der Störche, die sich während des Brutgeschäfts nicht weit vom Nest entfernen. Um die Zahl der Störche konstant zu halten, muss ein Paar jährlich zwei Junge großziehen. Das ist z. B. in Deutschland und den Niederlanden nicht mehr gewährleistet, weil es nicht genug Nahrung gibt. Wenn hier dennoch eine Zunahme der Störche registriert werden kann, so ist dies der Zuwanderung von Vögeln aus Osteuropa zu verdanken. Die letzte internationale Zählung hat erfreulicherweise gezeigt, dass der dramatische Rückgang der Storchenpopulationen gestoppt ist: Gab es 1934 in Deutschland noch 9035 Brutpaare, so waren es 1988 nur noch 2949, 2002 jedoch bereits wieder 4197. Ziehen alle Störche im Winter nach Afrika? Nein, manche überwintern auch in Indien. Die meisten der in Nordeuropa brütenden Weißstörche brechen jedoch Ende August in ihre afrikanischen Winterquartiere auf. Dabei wählen sie – je nach Ausgangsort – zwei unterschiedliche Routen: Die westlichen Störche fliegen über Spanien und Gibraltar nach Westafrika, die östlichen Populationen bevorzugen die Strecke über den Bosporus, Libanon und Ägypten. Als gute Segler nutzen sie die vom Land aufsteigenden Luftströmungen, vermeiden aber offenes Wasser. Dabei legen sie Strecken von 10 000 km zurück. Übrigens: Die Mitteleuropäer fragten sich lange vergebens, wohin ihr Glücks- und Kinderbringer Adebar im Herbst entflieht – bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Däne auf die Idee kam, Störche zu beringen. Nun konnte man ihre jährlichen Wanderungen nachvollziehen. In den afrikanischen Savannen treffen die Weißstörche dabei häufig auf einen Verwandten, den Marabu ( Leptoptilos crumeniferus ), der zu den Kropfstörchen – den Aasfressern der Familie – gehört. Kennzeichen sind der nackte, aufgeblasene Kropfsack und der große, keilförmige Schnabel. Im Flug, aber auch aufgrund ihres fast nackten Kopfes haben Marabus eine gewisse Ähnlichkeit mit Geiern. Wie ernähren sich Flamingos? Die Nahrungsaufnahme der Flamingos, ist einzigartig unter den Schreitvögeln. Je nach Leistungsfähigkeit ihres Filterschnabels ernähren sich die Arten unterschiedlich: von winzigen Algen oder kleinen Krebsen bis hin zu größeren Weichtieren, die sie aus dem Wasser herausfiltern. Diese Filtertechnik wird durch einen speziell konstruierten Schnabel möglich, der ungefähr in der Mitte einen scharfen Knick aufweist. Der Unterschnabel ist groß und geräumig, der Oberschnabel ist klein und liegt wie ein Deckel auf. Das Schnabelinnere ist dicht mit Lamellen besetzt. Zur Aufnahme der Nahrung senken Flamingos den Kopf und durchkämmen mit nach unten zeigender Schnabeloberseite das flache Wasser. Dabei ziehen sie ihre Zunge zurück, so dass ein Sog entsteht, der das Wasser und mit ihm Nahrungsteilchen in den Schnabel strömen lässt. Pressen die Vögel anschließend die Zunge nach vorne, wird das Wasser durch die Lamellen herausgedrückt, während die Nahrungsteilchen hängen bleiben. Ideale Verhältnisse finden die Vögel an Brack- und Salzwasserseen, in denen sich z. B. Salinenkrebse ( Artemia salina ) oft massenhaft vermehren. Zum Trinken benötigen Flamingos allerdings salzarmes oder salzfreies Wasser. Ist Trinkwasser knapp, fangen Flamingos das über ihr Gefieder herabrinnende Regenwasser auf. Übrigens: Flamingos können bis zu 1,30 Meter groß und 2,8 Kilogramm schwer werden. Wie kümmern sich Flamingos um ihre Jungen? Sie füttern sie zunächst mit einer leuchtend rote Nährflüssigkeit, die die Altvögel im Schlund absondern. Sie hat einen ähnlich hohen Nährwert wie Milch. Erst nach etwa 70 Tagen ist der Filterschnabel der Jungvögel voll funktionsfähig, so dass der Nachwuchs eigenständig nach Futter suchen kann. Flamingos nisten in großen Kolonien und bauen ihre kegelförmigen Nester aus Lehm und Sand, wobei ihnen der unförmig wirkende Schnabel erstaunlich gute Dienste leistet: Wie mit einem Bagger schieben die Vögel den Schlamm zusammen und klopfen ihn mit dem Oberschnabel fest. Die Jungen haben leuchtend rote, dicke Beine, auf denen sie in den ersten Tagen noch nicht stehen können; ihr Daunenkleid ist weißgrau. Welche Flamingoarten sehen wir im Zoo? Meist sind Flamingos der Gattung Phoenicopterus anzutreffen, etwa der Rosaflamingo ( Phoenicopterus ruber ) oder der Chileflamingo ( Phoenicopterus chilensis ). Ihre Heimat sind die salzhaltigen und bis zu 4000 Meter hoch gelegenen Seen Boliviens und Perus. Wussten Sie, dass … Reiher, Störche und Ibisse auch als Stelzvögel bezeichnet werden? Der Name bezieht sich auf ihre langen Beine, die ein kennzeichnender Unterschied zu anderen an und im Wasser lebenden Vögeln sind. Stelzvögel sich bei Gefahr anders verhalten als Laufvögel? Sie rennen nicht weg, sondern fliegen auf. Weshalb »reihern« Reiher? Auf keinen Fall weil sie Magenprobleme haben! Reiherjunge werden meist von beiden Elternteilen gemeinsam betreut. Nach der Jagd bringen die Altvögel das Futter für den Nachwuchs im Magen zum Nest, wo sie es direkt in den Schlund der Jungtiere oder ins Nest erbrechen – sie reihern. Ältere Jungvögel lösen den Würgereiz bei den Eltern aus, indem sie deren Schnabel seitlich packen und nach unten ziehen. In der Umgangssprache hat sich der Begriff »reihern« für »sich übergeben« eingebürgert. Wussten Sie, dass … die volkreichste Flamingokolonie in Nordwestindien zu finden ist? Wenn die große Salzwüste bei Kutch überflutet wird, finden sich dort oft mehr als 120 000 Brutpaare ein. Flamingos und Störche bei Wind und Kälte gern auf einem Bein stehen? Damit verhindern sie, dass über die ungefiederten Beine zu viel Körperwärme verloren geht. die nördlichste Brutkolonie von Flamingos in Nordrhein-Westfalen liegt? Im Zwillbrocker Venn brüten etwa 40 Tiere, die im nahen Holland überwintern. Welcher Storch wurde einst als heilig verehrt? Der Heilige Ibis ( Threskiornis aethiopica ) galt den alten Ägyptern als Verkörperung des Gottes Thot – des Gottes der Wissenschaft und der Schreibkunst – und genoss damit hohes Ansehen. So wurden Ibisse auf eigenen Friedhöfen beigesetzt oder Herrschern mit ins Grab gegeben. Die 50 bis 90 Zentimeter großen, im Alter völlig schwarzen Vögel sind in flachen Binnen- und Küstengewässern des afrikanischen und asiatischen Kontinents heimisch. Einst bei steigender Nilflut in Ägypten weit verbreitet, kommt der Ibis dort seit Anfang des 19. Jahrhunderts als Brutvogel nicht mehr vor. Greifvögel: Verehrt und verfolgt Weshalb sind Greifvögel für ein Ökosystem so wichtig? Weil sie erheblich zur Gesunderhaltung des Wildbestandes in ihrem Lebensraum beitragen. Denn sie sprechen vor allem auf Tiere an, die in ihren Bewegungen behindert sind, so dass ihnen überwiegend kranke und alte Tiere zum Opfer fallen. Dank ihrer sprichwörtlichen scharfen »Adleraugen« sind Greifvögel in der Lage, ihre Beute oft aus großer Höhe zu erspähen. Mit der Nahrung nehmen sie oft unverdauliche Bestandteile wie Federn und Haare auf; sie ballen sich im Magen zusammen und werden von den Vögeln als Speiballen oder Gewölle ausgeschieden, die genaue Auskunft über ihr Nahrungsspektrum geben. Greifvögel sind auch für den Laien eindeutig an ihrem kurzen, hakig gebogenen Schnabel und den starken, langzehigen Füßen mit den scharfen Krallen zu erkennen. Allen gemeinsam ist die Fähigkeit, lebende Beutetiere, meistens Zugvögel, zu erjagen. Weihen und Wanderfalken z. B. legen jedes Jahr Tausende von Kilometern zurück, um in ihre Überwinterungsgebiete und im Frühling wieder zu ihren Brutplätzen zu gelangen. Bei ihren Flügen nutzen sie geschickt die Thermik, also die warmen, aufwärts gerichteten Luftströme, mit deren Hilfe sie sich in weiten Kreisen immer höher schrauben, um dann im Gleitflug vorwärts zu fliegen. Vor allem die Geier haben die Kraft sparende Kunst des Gleitens zu höchster Perfektion entwickelt und bleiben stundenlang in der Luft. Welcher Vogel ist der König der Lüfte? Der Steinadler ( Aquila chrysaetos ), der mit seiner imposanten Spannweite von bis zu 2,30 m zu den größten Vögeln Europas gehört. Die langen, breiten Schwingen mit den leicht nach oben gebogenen Spitzen charakterisieren ihn als hervorragenden Segler, der bei der Suche nach Futter oft stundenlang am Himmel kreist. Dennoch ist der Steinadler für seine Größe ein wendiger Flieger. Besonders eindrucksvolle Flugmanöver zeigen die Adler während der Balz: Sie lassen sich beim sog. Girlandenflug mit der Thermik hoch hinauftragen, um dann mit kurzen Abschwüngen eine Reihe von Bögen zu fliegen; oder sie machen Sturzflüge auf den tiefer fliegenden Partner, der sich dann auf den Rücken dreht und den Herannahenden mit vorgestreckten Fängen abwehrt. Wie viele Steinadler brüten in den Alpen? In den letzten Jahren wurden im gesamten Alpengebiet wieder etwa 1100 Brutpaare gezählt. Obwohl der Steinadler als Lebensraum einsame felsige Gegenden mit steilen Felswänden bevorzugt, hat ihm der Mensch stark zugesetzt. Anfang des 20. Jahrhunderts in den Alpen fast völlig ausgerottet, scheinen sich die Bestände inzwischen wieder langsam zu erholen. Dieser Erfolg ist vor allem den strengen Schutzbestimmungen und dem rückläufigen Einsatz von Pestiziden zu verdanken. Übrigens: Steinadler können recht große Tiere wie Hasen, Füchse, Marder und Rehkitze erbeuten, ihre Hauptnahrung sind jedoch Murmeltiere; im Winter verschmähen sie auch Aas nicht. Berichte, denen zufolge Steinadler auch kleine Kinder schlagen, stammen indes aus unseriösen Quellen und gehören ins Reich der Fantasie. Welche Adler fangen Fische? Der heute selten gewordene Fischadler ( Pandion haliaetus ) sowie der Seeadler ( Haliaetus albicilla ). Der Fischadler ist der einzige Greifvogel, der sich ausschließlich von Fischen ernährt. Als Fangtechnik bedient er sich des Stoßtauchens: Aus einer Höhe von 10 bis 50 Metern stürzt er sich nach kurzem Rüttelflug mit angewinkelten Flügeln und vorgestreckten Fängen in einem Winkel von 45 bis 90 Grad ins Wasser, greift sich den Fisch und erhebt sich mit schweren Flügelschlägen wieder in die Luft, während er sich das Wasser aus dem Gefieder schüttelt. Da er häufig kranke Fische erbeutet, ist er für Fischzüchter eher von Nutzen als eine Last. Auf der Speisekarte des Seeadlers stehen neben Fischen auch Wasservögel. Ein kurzer, keilförmiger Schwanz, ein mächtiger gelber Schnabel und eine Flügelspannweite von bis zu 2,5 Metern kennzeichnen den größten Greifvogel Europas. Als Küstenvogel war er einst im Norden Eurasiens weit verbreitet und sogar an der Ostsee anzutreffen. Aber Pestizide und Schwermetalle, die sich in den Fischen anreichern, ließen die Bestände ebenso zurückgehen wie »Liebhaber«, die seine Eier aus den Nestern entfernten und ihn trotz Verbots als begehrte Trophäe weiterhin abschossen. Im Jahr 2000 wurden in Deutschland etwa 360 Brutpaare gezählt. Ist der Weißkopfseeadler vom Aussterben bedroht? Heute zum Glück nicht mehr. Aber wie dem europäischen Seeadler, erging es seinem nordamerikanischen Vetter: Vor allem die starke Bejagung und Umweltgifte wie DDT brachten den Weißkopfseeadler ( Haliaetus leucocephalus ) an den Rand der Ausrottung, bis er 1973 unter Schutz gestellt wurde und sich der Bestand des amerikanischen Wappenvogels wieder erholen konnte. Übrigens: Bei den nordamerikanischen Indianern genoss der Weißkopfseeadler hohes Ansehen. Stammesmitglieder, die sich besonders ausgezeichnet hatten, durften Adler töten und sich als Zeichen der Tapferkeit mit ihren Federn schmücken. Was ist ein Terzel? Ein männlicher Habicht, der etwa ein Drittel leichter ist als das bis zu 120 Gramm schwere Weibchen. Der bevorzugte Lebensraum des Habichts ( Accipiter gentilis ) ist der Nadelwald. Da er ein sehr wendiger, auf kurzen Strecken sogar außerordentlich schneller Flieger ist, kann er seine Beute auch noch in dichtem Gebüsch mühelos verfolgen. Zu seinen Beutetieren zählen Rebhühner, Elstern, Kaninchen, Ringeltauben und Rabenkrähen. Dass er auch Haushühner und anderes Zuchtgeflügel nicht verschmäht, hat ihm seinen schlechten Ruf als Hühnerdieb und die erbitterte Verfolgung durch den Menschen eingebracht, so dass er unter Schutz gestellt werden musste. Andererseits ließ seine Wendigkeit den Habicht bereits im Mittelalter zu einem begehrten Vogel für die Beizjagd werden. Am besten sind Habichte im zeitigen Frühjahr zu beobachten, wenn sich die Paare zur Balzzeit in die Lüfte schrauben, immer wieder hinabgleiten und erneut aufsteigen. Ansonsten führen sie als Waldbewohner ein eher unbemerktes Leben. Übrigens: Zur Gattung Habichte ( Accipiter ) gehört auch der Sperber ( Accipiter nisus ), ein schneller Überraschungsjäger, der die gleichen Lebensräume wie sein großer Vetter besiedelt. Er bevorzugt als Beute kleinere Vögel wie Finken, Ammern, Stare und Sperlinge, das Weibchen kann auch Vögel bis Taubengröße schlagen. Im Vorderen Orient werden Sperber auch heute noch vor allem für die Beizjagd auf Wachteln eingesetzt. Wie gut kann ein Bussard sehen? So gut, dass er noch aus drei Kilometern Entfernung erkennen kann, ob ein Kaninchen mit den Ohren zuckt – einem Menschen mit sehr guten Augen gelingt dies lediglich auf eine Entfernung von 100 Metern! Mäusebussarde ( Buteo buteo ) sind häufig am Himmel zu sehen, wenn sie sich in ruhigem Segelflug von Aufwinden immer höher tragen und dabei ihren charakteristischen miauenden Schrei ertönen lassen, denn für die Jagd sind sie auf offenes Gelände angewiesen. Wie der Habicht ist der Bussard eigentlich ein Ansitzjäger: Von einer erhöhten Warte wie Bäumen, Zäunen und Pfosten an Straßenrändern aus hält er nach Beutetieren Ausschau, die er dann im Stoßflug fängt. Wie sein Name schon sagt, hat er es vor allem auf Feldmäuse abgesehen. Wie schnell ist ein Jagdfalke im Sturzflug? Bis zu 300 Stundenkilometer. Damit sind die Falken (Familie Falconidae) zweifellos die schnellsten und geschicktesten Jäger unter den Greifvögeln. Und so verwundert es nicht, dass sie zu den begehrtesten Beizvögeln gehören – und das seit Jahrtausenden. Vor allem der Gerfalke ( Falco rusticolus ) aus der Gattung der Edelfalken oder Echten Falken ( Falco ) gilt seit alters als wertvollster und edelster Jagdfalke, der seinem Besitzer nicht nur Jagderfolg, sondern auch einen hohen Prestigegewinn garantierte. Gerfalken besiedeln Tundren und Gebirge. Sie sind im Norden Russlands ebenso anzutreffen wie in Island und Skandinavien. Ihre wichtigsten Beutetiere sind Schneehühner, aber sie schlagen auch Lemminge und gelegentlich Schneehasen. Beherrschen auch andere Falken den Sturzflug?