Adenauer
Als Adenauer 73-jährig die Regierungsverantwortung der Bundesrepublik Deutschland übernahm, war es sein Ziel, dem deutschen Namen wieder Vertrauen und einem neuen deutschen Staatswesen Handlungsfähigkeit und Sicherheit zu erwerben.
Unter dem Eindruck der internationalen Isolierung, überzeugt von einer Bedrohung durch die Sowjetunion, betrieb Adenauer konsequent eine Politik der Westintegration (1951 Montanunion und Europarat; 1952 Deutschlandvertrag; 1954/55 WEU und NATO, Wiedererlangung der Souveränität; 1957/58 EWG und Euratom).
Das Kernstück dieser Politik war die Aussöhnung mit Frankreich als Voraussetzung für einen europäischen Zusammenschluss im Rahmen eines atlantischen Bündnisses mit den USA. Die westliche Allianz sollte Adenauer die Teilhabe an einer „Politik der Stärke“ ermöglichen, von der allein er sich die Gewährleistung der westlichen Sicherheit und eine Verständigung über die deutsche Frage versprach. Bis zu einer Wiedervereinigung sollte einzig die aus freien Wahlen hervorgegangene Regierung der Bundesrepublik Deutschland für Deutschland völkerrechtlich sprechen und handeln (Alleinvertretungsanspruch).
Mit der UdSSR vereinbarte Adenauer 1955 die Aufnahme diplomatischer Beziehungen und erreichte dabei die Freilassung von 10 000 deutschen Kriegsgefangenen. Neben der Verankerung der Bundesrepublik Deutschland im westlichen Bündnis war die Wiedergutmachung an Israel (deutsch-israelisches Abkommen 1952) ein besonderes Anliegen Adenauer'scher Außenpolitik.