Arbeiterlied

das politische Liedgut der deutschen Arbeiterbewegung, entstanden in den Kämpfen um Organisation und Anerkennung der Arbeiterklasse ab Mitte des 19. Jahrhunderts und in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg; das Arbeiterlied griff oft auf bekannte volkstümliche Melodien zurück und unterlegte diese mit neuen Texten (u. a. „Leunalied“ 1921) oder setzte auf dem revolutionären Liedgut anderer Länder auf („Arbeitermarseillaise“ 1864; „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ 1918). Neukompositionen entstanden vor allem ab Ende der 1920er Jahre, meist als politisch zugespitztes Kampflied innerhalb des Lehrtheaters und der Agitprop-Bewegung (Hanns Eisler , Bert Brecht ). Getragen wurde das Arbeiterlied von Laienmusiziergruppen (erste Arbeiterchöre ab 1860), die in Arbeiterbildungsvereinen und ab 1908 größtenteils im Deutschen Arbeiter-Sängerbund organisiert waren. Nach 1933 fanden sich Elemente des deutschen Arbeiterliedes nur noch im Exil und im antifaschistischen Widerstand („Die Moorsoldaten“ 1933; „Thälmann-Kolonne [Spaniens Himmel]“ 1936), nach 1945 wurde es u. a. vom Protestsong US-amerikanischer Prägung beeinflusst; in der DDR versuchte ab 1965 die Singebewegung das Arbeiterlied politisch zu kanalisieren. Bedeutender Interpret von Arbeiterliedern war Ernst Busch.

Auch: Arbeitermusikbewegung