Bismarck

Nachdem das „Kartell“ aus Konservativen und nach rechts geschwenkten Liberalen 1887 in einem von der Außenpolitik bestimmten Wahlkampf noch einmal gesiegt hatte, erlitten diese Parteien 1890 eine schwere Wahlniederlage. Als Bismarck den seit 1888 regierenden u. auf Unabhängigkeit vom Kanzler bedachten Kaiser Wilhelm II. zu einem neuen Kampfprogramm gegen den Reichstag, möglicherweise aber auch zu einer Kooperation mit dem Zentrum bewegen wollte, wurde er von diesem 1890 entlassen.

Die unwürdige Form seiner Entlassung durch Wilhelm II. brachte Bismarck in offenen Gegensatz zur Regierung des jungen Kaisers, die sich in der Außenpolitik von Bismarcks Bündnispolitik absetzte (Nichterneuerung des Rückversicherungsvertrags). 1894 folgte eine äußerliche Aussöhnung mit Wilhelm II. 1895 lehnte der Reichstag einen Glückwunsch zum 80. Geburtstag ab, und bei seinen Gegnern galt er weiterhin als „Blut-u.-Eisen“-Politiker. Noch zu seinen Lebzeiten setzte eine lang anhaltende, nahezu mythische Verehrung des „Eisernen Kanzlers“ ein. Seine Memoiren „Gedanken u. Erinnerungen“ sind, obwohl historisch nicht völlig zuverlässig, eine bedeutende schriftstellerische Leistung und wichtige Quelle. – Gesammelte Werke, 15 Bände. 1924 – 1935.