bürgerliches Trauerspiel

ein Trauerspiel, dessen Personen in bürgerlicher Umwelt und Geisteshaltung leben, im Gegensatz zur vorher üblichen heroischen oder aristokratischen Tragödie. Das bürgerliche Trauerspiel entstand mit dem Aufstieg des Bürgertums im 18. Jahrhundert (G. Lillo : „The London Merchant or the History of George Barnwell“ 1731). G. E. Lessing folgte dem englischen Beispiel („Miss Sara Sampson“ 1755). Wichtiges Thema war die Auseinandersetzung mit dem absolutistischen Regime (Lessing: „Emilia Galotti“ 1772; F. v. Schiller : „Kabale und Liebe“1784). Seit F. Hebbel („Maria Magdalena“ 1844) und G. Büchner („Woyzeck“, Erstveröffentlichung 1879) trat die Problematik des Bürgertums selbst in den Vordergrund; im Naturalismus (H. Ibsen , G. Hauptmann ) kam es zur kritischen Auseinandersetzung mit der sozialen Lage bürgerlicher Kreise.