provençalische Literatur
die älteste romanische Literatur in Südfrankreich, auch außerhalb der Provence und von großem Einfluss auf die abendländische Kunstlyrik. Das älteste erhaltene Werk ist ein Eposfragment vom Leben des Boethius (verfasst um 1050); die Blütezeit lag zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert (Versroman „Flamenca“ 1235) und wurde durch die Lyrik der Troubadours für Europa wichtig. Durch den Verlust der südfranzösischen Selbständigkeit im 14. Jahrhundert klang die provençalische Literatur aus, bis sie in neuerer Zeit (Romantik) neu belebt wurde. 1852 gab J. Roumanille eine Anthologie provençalischer Dichter heraus, 1854 wurde der Dichterbund des „Felibrige“ gegründet, von dem entscheidende Impulse ausgingen. Hervorragende Gestalt war F. Mistral (Epos „Mireio“ 1859), der auch die folgenden Generationen beeinflusste. Lyrik und Erzählung stehen an vorderster Stelle; das ländliche Leben bildet die wichtigste Stoffquelle, doch treten soziale Fragen und Zivilisationsprobleme in sehr persönlich gefärbter Darstellung in den Vordergrund. Autoren waren M. Bonnet , E. Bonnel , M. Rouquette , J. Mouzat , der Bühnenautor F. Dezenze u. a.