Stresemann

Gustav, deutscher Politiker, * 10. 5. 1878 Berlin, † 3. 10. 1929 Berlin; Syndikus; 1907 – 1912 und 1914 – 1918 MdR (nationalliberal), im 1. Weltkrieg bis 1917 entschieden annexionistisch eingestellt; Mitbegründer der Deutschen Volkspartei und ihr Abgeordneter in der Weimarer Nationalversammlung. 1923 Reichskanzler einer großen Koalition, 1923 – 1929 Reichsaußenminister; beendete 1923 den Ruhrkampf und schuf durch die Annahme des Dawesplans und den Abschluss des Locarnovertrags die Grundlagen seiner Verständigungspolitik, deren Höhepunkt Deutschlands Eintritt in den Völkerbund war. Hauptsächlich wirtschaftlich orientierte Versuche eines Ausgleichs mit Frankreich (Gespräche von Thoiry 1926) konnten die politischen Gegensätze zwischen den beiden Ländern nicht völlig überbrücken, schufen aber die Voraussetzungen für die erst nach seinem Tod durch Annahme des Young-Plans erreichte Räumung des besetzten Rheinlandes. – Stresemann erhielt den Friedensnobelpreis 1926 (zusammen mit Briand).