Die Blu-Ray-Disc
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Die Blu-Ray-Disc

Bild: Foto: Asurnipal, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Kinohits wie “Matrix“, “Gladiator“, “Harry Potter“ oder “Herr der Ringe“ haben als DVD-Film erst richtig abgeräumt. Die Player und Digitalfilme gehen weg wie Freibier. Doch das Ende der DVD scheint trotzdem besiegelt: Neun namhafte Elektronikhersteller entwickeln die Blu-Ray-Disc. Speicherkapazität: Satte 27 GByte. So viel passt nur auf sieben Standard-DVDs.

Mehr Speicher durch andere Lasertechnik

Gute zwei Stunden Videofilm in allerhöchster Bild- und Ton-Brillanz oder wahlweise 13 Stunden Fernsehprogramm (in Standard-Qualität) würden auf eine Blu-Ray-Disc der ersten Generation passen. Und die Technologie hat Reserven: In weiteren Entwicklungsstufen soll die Speicherkapazität in Richtung 50 Gigabyte wachsen. Dabei ist die Blu-Ray-Disc nicht größer als eine herkömmliche DVD oder CD-ROM.
Möglich wird diese Speicherdichte bei gleichbleibender Scheibengröße (12 cm) durch die Verwendung eines blau-violetten Lasers. Dessen Wellenlänge ist mit 410 Nanometern kürzer als jene der herkömmlichen roten Laser (650 Nanometer). „So können die Schreib- und Lese-Rillen auf den Medien enger beieinander liegen. Durch den Zugewinn an Platz passt mehr Rillenlänge und damit mehr Kapazität auf das Medium“, erklärt Sönke Plath, Junior Produktmanager bei Panasonic Europa.
Weiterer Vorteil: Der blaue Laser brennt nicht so heiß wie der rote Laser, der heute gewöhnlich in den CD-Brennern arbeitet. Darum könnten Blu-Ray-Brenner sogar das empfindliche doppellagige Format (Double Layer) verwenden, was zu noch höherer Speicherkapazität führt. Das Double Layer Format kam bislang nur bei industriell gepressten Medien zum Einsatz.

Geplante Einsatzmöglichkeiten

Bei der CD-ROM dauerte es Jahre, bis Endverbraucher selbst CDs brennen durften. Bei der DVD sorgen heute untereinander nicht kompatible Brennstandards für Verdruss beim Datenaustausch. Die Blu-Ray-Disc dagegen soll von Anfang an beides sein: reines Abspielmedium - für Videofilme und Software - und gleichzeitig auch beschreibbares Speichermedium, das sowohl Kopien (Backups) wichtiger Computerdaten aufnimmt als auch Film- und Tonformate. Die Blu-Ray-Disc funktioniert ähnlich wie die heutige DVD-RAM und ist somit problemlos mehrfach wiederbespielbar. Analog zur DVD wird die Blu-Ray-Disc sowohl innerhalb als auch außerhalb der PC-Welt eingesetzt werden. Panasonic zum Beispiel überlegt, als erstes einen Blu-Ray-Videorekorder auf den Markt zu bringen.

Kompatibilität mit anderen Medien

Fast jeder besitzt heute Medien wie DVD, CD-ROM, CD-R, CD-RW oder Audio-CD. Damit Sie künftig nicht für jedes Medium einen eigenen Player betreiben müssen, sollen die geplanten Blu-Ray-Geräte die wichtigsten Medienstandards lesen können. Doch es gibt Unterschiede zwischen den Herstellern. Pioneer und Panasonic verfolgen den ehrgeizigen Plan, gleich alle Standards unterstützen zu wollen - inklusive DVD-R, DVD-RW und DVD-RAM. Myriam Hoffmann, Produktmanagerin bei Sony Deutschland, ist hinsichtlich der wiederbeschreibbaren DVD noch skeptisch: „Nach unserem Wissensstand wird ein Blu-Ray-Player aufgrund der unterschiedlichen Laser nicht mit DVD-RAM und DVD-RW kompatibel sein.“

Für den Großteil der Konsumenten ist diese Frage ohnehin belanglos, da DVD-Brenner wegen der hohen Anschaffungskosten bislang selten den Weg in den Privathaushalt gefunden haben. Interessanter dürfte da schon die Ankündigung von LG Electronics Deutschland sein, dass die Blu-Ray-Technik komprimierte Musikdateien im MP3-Format unterstützen werde. Ein 27 GByte-Medium würde rechnerisch genug Lieder fassen, um rund drei Wochen lang nonstop Musik spielen zu können - ohne dass sich ein Lied wiederholt. Eine einzige Blu-Ray- Disc könnte also die gesamte Kollektion an Audio-CDs, die sich in einem typischen Haushalt angesammelt hat, aufnehmen.

Gemeinsamer Standard?

Mancher Zeitgenosse erinnert sich noch an die Einführung der Videorekorder. Ende der 70er Jahre buhlten gleich drei Systeme mit jeweils inkompatiblen Kassetten um die Gunst der Kunden. VHS setzte sich durch - und die Besitzer von teuren (und auch besseren) Betamax- und Video2000-Rekordern konnten ihre Geräte samt Kassetten kurz darauf wegwerfen. Ein ähnliches System-Wirrwarr herrscht derzeit noch bei den DVD-Brennern (DVD RAM, DVD-R, DVD-RW): Selbst gebrannte Scheiben laufen längst nicht in allen DVD-Playern. Damit dieses Hickhack bei Blu-Ray nicht erneut aufkommt, haben sich die großen Hersteller der Branche auf einen Standard geeinigt. Unterstützt wird Blu-Ray von Hitachi, LG Electronics, Matsushita Electric Industrial (Panasonic), Pioneer, Royal Philips Electronics, Samsung Electronics, Sharp, Sony und Thomson Multimedia. Die großen Neun haben andere Unternehmen der Branche dazu aufgerufen, den Blu-Ray Standard künftig ebenfalls zu beachten.

Zukunftsaussichten

Während die japanischen Hersteller wie Sony oder Lucky Goldstar mit einem Erfolg der Blu-Ray-Disc fest rechnen, gibt man sich beim niederländischen Philips-Konzern zurückhaltend. „Wir betrachten Blu-Ray in erster Linie als Speichermedium für Daten oder hochauflösende Digitalbilder und HDTV", erläutert Klaus Petri, Sprecher der deutschen Philips-Niederlassung in Hamburg. HDTV (High Definition Television/ hochauflösendes Fernsehen) sei in Japan schon eingeführt. In den USA gebe es einen sehr kleinen Markt und von Europa sei HDTV noch sehr weit entfernt. „Ob Blu-Ray überhaupt in Europa auf den Markt kommt, und wenn ja, wann, ist daher sehr fraglich“, betont Petri. Er sehe das Hindernis, dass eine Blu-Ray-Scheibe nicht auf den Millionen bislang verkauften DVD-Playern und DVD-ROM-Laufwerken abgespielt werden könne. Dagegen rechnet Renate Stoffel von LG Electronics mit der möglichen Markteinführung der Blu-Ray-Disc „ab dem Jahr 2003“.

Bei den Entwicklern wird unterdessen nach weiteren Einsatzmöglichkeiten der neuen Technologie geforscht. So gibt es Überlegungen, digitale Videokameras mit der Blu-Ray-Technologie auszustatten. Die 12 cm große Silberscheibe könnte je nach Qualitätsanspruch zwischen zwei und 13 Stunden Film in Echtzeit aufzeichnen. Zuhause angekommen, wird der Film per Player direkt am Fernseher geprüft und am PC weiter verarbeitet. Wie viel der Nutzer eines Blu-Ray-Systems für die neue Technologie wird bezahlen müssen, ist derzeit noch völlig unklar.

Glossar

CD (Compact Disc): Die Ur-CD. 1982 von Sony und Philips entwickelter Nachfolger der Schallplatte. Zunächst für Speicherung von Musik, später auch für Daten verwendet. Speicherkapazität: 640 MB. Seit Ende der 90er Jahre 700 bis 800 MB.

CD-R (Compact Disc Recordable): Mit Hilfe eines CD-Brenners einmal beschreibbare CD. Eine unbeschriebene CD-R heißt Rohling.

CD-RW (Compact Disc Rewritable): Bis zu tausendmal wiederbeschreibbare CD.

DVD (Digital Versatile Disc): Nachfolger der CD-ROM. Speicherkapazität: 4,7 GB. Wird vor allem in Zusammenspiel mit der Videokomprimierung MPEG-2 zum Speichern von Filmen eingesetzt.

DVD-R: Mittels DVD-Brenner nur einmal beschreibbare DVD. Kapazität: 4,7 GB.

DVD-RAM: Wiederbeschreibbare DVD. Jede Seite einer RAM-Disc kann mit 2,6 GB Daten beschrieben werden. Die gebrannten DVDs können von älteren DVD-Playern nicht gelesen werden.

DVD-RW: Ebenfalls wiederbeschreibbare DVD. Gleiche Speicherkapazität wie DVD-RAM. Gebrannte RAM-Medien sind von RW-Brennern nicht lesbar und umgekehrt

Blu-Ray-Disk: Geplanter Nachfolger der DVD. Speicherkapazität: 27 GB, später bis 50 GB. Medien sind immer wiederbeschreibbar.

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