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Die Selbstdarstellung im Netz: Risiken und Potenziale
Bildquelle nicht angegeben
Digital

Die Selbstdarstellung im Netz: Risiken und Potenziale

pixabay.com, LoboStudioHamburg (CC0 1.0)
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Digital
Artikelbild

pixabay.com, LoboStudioHamburg (CC0 1.0)

Der gläserne Mensch

Die Bezeichnung des gläsernen Menschen wird immer treffender: viele Nutzer sozialer Netzwerke geben inzwischen so viel von sich preis, dass ihr Privatleben vollkommen transparent wird. Was George Orwell in seinem dystopischen Roman „1984“ noch als Zukunftsvision vor Augen hatte, nämlich die totale Überwachung der Bürger eines Staates, wird immer mehr zur Realität. Und zwar nicht nur, weil die staatlichen Überwachungsmaßnahmen infolge zunehmender Terrorgefahren verstärkt werden. In erster Linie auch sind es die Bürger selbst, die sich freiwillig zu Gefangenen und Überwachten machen.

Besonders kritisch wird das, wenn freiwillig vermeintlich „smarte“ Geräte in den Haushalt gelassen werden und der gesamte Haushalt vernetzt wird. Dann herrscht in keinem Zimmer mehr Privatsphäre, denn in gewisser Weise sind die Geräte schon etwas zu smart: sie verstehen fast alles, was gesprochen und gemacht wird und überwachen einen damit auf Schritt und Tritt. Nicht nur Unternehmen, sondern auch Geheimdienste und staatliche Einrichtungen profitieren davon. Und müssen nichts dafür tun. „Der Bürger“, so schreibt Adrian Lobe in einem Beitrag der Süddeutschen Zeitung mit Rückgriff auf Foucault, „wird zum Komplizen der Polizeigewalt, zum Überwachten und Überwacher in einer Person.“

Die Selbstdarstellung vor Publikum

Snapchat, YouTube und Co.

Kleinere Problemchen mit sich selbst und mit dem, was so um einen herum geschieht, hat letztlich fast jeder Mensch. Das Problem digitaler Plattformen, wie Snapchat und YouTube ist, dass sie sich als gruppentherapeutische Einrichtungen ganz einfach und bestens nutzen lassen. Die Therapie wird also aus dem Inneren in den öffentlichen Raum verlagert und man erhofft sich, dort Heilung zu erfahren. Das Problem ist dabei unter anderem die breite Palette an heterogenem Feedback. Der Empfänger der ausgesendeten Selbstdarstellungen und Botschaften ist kein Therapeut mehr – stattdessen sitzen die unterschiedlichsten Leute vor den Geräten und sagen und schreiben, was ihnen gerade so lieb ist. Wer sich den Feedbackprozessen zu stark verschreibt, beginnt, sein Selbst über die Meinungen anderer aufzubauen, statt auf sein Inneres zu hören.

Selfiewahn

Spontan geschossene Fotos, lustige Schnappschüsse und peinliche Bilder finden sich fast kaum noch auf öffentlichen Profilen. Kein Wunder, wenn einem überall Angst gemacht wird, dass der Chef einen eventuell feuern könnte, wenn ihn dieses oder jenes Partybild erreicht. Stattdessen legen User jetzt großen Wert auf die „perfekte“ Selbstinszenierung per Selfie. Aber was heißt in diesem Fall perfekt? Inszeniert man sich dadurch nicht automatisch so, wie man gerne gesehen werden möchte und nicht, wie man wirklich ist? Und was passiert, wenn die Bestätigung auf das vermeintlich perfekte Selfie ausbleibt und niemand ein Like dalässt?

Artikelbild

pixabay.com, Ben_Kerckx (CC0 1.0)

Das Potenzial des Internets nutzen

Die Selbstdarstellung im Netz, die berechtigterweise so oft einen negativen Beiklang hat, kann natürlich auch auf produktive und gesunde Weise genutzt werden. Voraussetzung dafür ist ein bewusster und reflektierter Umgang mit dem Medium.

Artikelbild

pixabay.com, silviarita (CC0 1.0)

Dass die Bestätigungssucht im Internet wie jede andere Sucht zu nichts als dem Verlangen nach der nächsten kurzen Befriedigung führt und dann wieder von vorne beginnt, sollte selbstverständlich sein. Die Alternativen dafür sind simpel zu verstehen, gleichzeitig aber nicht unbedingt einfach umzusetzen.

Denn oftmals gehen sie mit einer Einschränkung des bisherigen Konsum- und Produktionsverhaltens des Selbst und des Anderen im Netz einher. Das heißt: einfach mal die Kanäle abschalten. Weniger am Handy oder vor dem PC hängen und wieder mehr mit sich dem inneren Selbst und den Antworten, die sich von dort eröffnen, befassen.

Wem das durch Besinnung, Meditation oder sonstige geistesentspannende Techniken nicht gelingen will, der kann es einfach mal mit mehr Bewegung und Sport probieren. Oder sich wieder mit Freunden treffen, statt sie nur im Chat über die eigenen Probleme zu informieren. Letztlich wissen die meisten sowieso, was zu tun ist. Wenn sie nur kurz mal ehrlich zum nicht digitalen Selbst sind.

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