Digitale Geldbörse: Bezahlen mit dem Smartphone
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Digitale Geldbörse: Bezahlen mit dem Smartphone

Bild: Foto: Santeri Viinamäki, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Zücken wir an der Kasse künftig nur noch unser Handy statt des Portemonnaies oder der EC-Karte? Die nötigen technischen Systeme dafür gibt es inzwischen längst und in andere Ländern boomt das "mobile Payment" längst. Wie aber funktionieren diese digitalen Geldbörsen? Und was sind die Vor- und Nachteile des Bezahlens per Handy?

Unser Smartphone ist längst zum Helfer in allen Lebenslagen mutiert – ob Navigation, Surfen oder E-Mails-Checken, immer mehr erledigen wir mit dem Handy. In einem Bereich aber sind wir Deutschen noch immer ziemlich zögerlich: dem Bezahlen per Handy. Während sich diese Variante des bargeldlosen Zahlens in den USA oder in China schon etabliert hat, fasst sie bei uns nur langsam Fuß.

Dabei gibt es immerhin schon einige Möglichkeiten, dieses "mobile Payment" zu nutzen, unter anderem beim Warenhaus Kaufhof, der Elektronikkette Saturn oder vielen Tankstellen. Auch bei der Bahn kann die Fahrkarte schon länger per "Touch&Travel" gebucht und bezahlt werden. Im Supermarkt bieten viele Filialen von Aldi, Edeka, Rewe und Netto inzwischen diese Bezahloption an. Laut Vodafone soll es in Deutschland bisher rund 80.000 Bezahlterminals fürs Smartphone geben.

Wie funktioniert das Zahlen per Handy?

Am gängigsten ist beim mobilen Bezahlen die Datenübertragung per "Near Field Communication" (NFC). Bei dieser Technik werden Informationen ähnlich wie bei RFID-Chips per Radiowellen ausgetauscht. Bevor Smartphone-Nutzer ihr Handy aber als digitale Geldbörse einsetzen können, müssen sie sich erst eine App herunterladen, sich registrieren und ihre Kreditkarten- oder Kontodaten hinterlegen. Mobilfunkanbieter wie die Deutsche Telekom, Vodafone, O2 und Base bieten dafür bereits entsprechende Apps an, beispielsweise MyWallet, Vodafone Wallet, mpass und Base Wallet.

Und so geht's: Der Kunde hält dafür sein mit einem NFC-Chip ausgerüstetes Smartphone dicht an das Bezahlterminal. Dadurch aktiviert sich die entsprechende Zahlungs-App und das Konto beziehungsweise die Kreditkarte wird mit dem Betrag belastet. Während bei kleineren Beträgen bis 25 Euro in der Regel dafür keine Eingabe der PIN erforderlich ist, fragt das System bei Zahlungen über 25 Euro die Geheimzahl ab.

Schnell und simpel

Die Vorteile liegen auf der Hand: Das mobile Zahlen geht schnell, langes Herumkramen nach Kleingeld wird überflüssig. Die meisten von uns haben das Handy ohnehin immer griffbereit. Zudem speichert die Bezahlapp alle Vorgänge, so dass der Nutzer jederzeit nachvollziehen kann, was er wann und wofür bezahlt hat. Aus diesem Grund nutzt einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung PriceWaterhouseCooper (PwC) zufolge immerhin schon ein Viertel der Deutschen das Bezahlen per Handy. Weitere 35 Prozent können sich das für die Zukunft vorstellen.

Allerdings: Bisher sind noch nicht alle Handys mit einem NFC-Chip ausgerüstet. Zwar kann man dies überbrücken, indem man einen speziellen NFC-Aufkleber auf die Rückseite des Smartphones klebt, aber elegant ist das eher nicht. Hinzu kommt, dass es noch eine unübersehbar große Zahl von Anbietern für solche Bezahlsysteme gibt. Wer da mit wem kompatibel ist, bleibt für die Nutzer oft kaum erkennbar.

Es könnte aber bald einfacher werden. Denn Experten schätzen, dass Branchenriesen wie Apple, Samsung und Google den Markt schon bald unter sich aufteilen werden. In den USA und in anderen Ländern sind die Apps der großen Bezahldienste dieser Unternehmen inzwischen schon auf den Handys vorinstalliert. Diese Systeme sollen bald auch bei uns laufen.

Aber wie sicher ist das Ganze?

Aber das mobile Bezahlen hat auch Nachteile – und die machen viele Menschen bei uns skeptisch. Immerhin 88 Prozent der Deutschen befürchten, dass ihre Daten gehackt oder missbraucht werden. 85 Prozent sehen eine wachsende Gefahr, dass ihr Handy gestohlen und mit den Bezahldaten Missbrauch getrieben wird. Rund drei Viertel sind besorgt, dass sie durch die regelmäßige Nutzung von Mobile Payment zum gläsernen Kunden werden oder dass sie bei leerem Handy-Akku nicht mehr in der Lage wären zu bezahlen.

Tatsächlich wäre ein Datenklau durchaus denkbar, denn die NFC-Technologie ist nicht per se verschlüsselt. Eine Verschlüsselung der Inhalte ist zudem bisher nicht vorgeschrieben. Rein theoretisch könnte man mit einem entsprechenden Gerät daher Daten abgreifen oder sogar den Bezahlvorgang manipulieren. Allerdings: Weil das Ganze nur funktioniert, wenn Handy und Terminal maximal einige Zentimeter voneinander entfernt sind, würde es schon auffallen, wenn jemand sich mit einem "Schnüffler"-Gerät herandrängt.

Und was ist wenn das Handy geklaut wird? Hier wäre es beispielsweise sinnvoll, wenn man dann seine digitale Geldbörse per Fernzugriff sperren oder löschen kann, damit ein Missbrauch verhindert wird. Entsprechend sehen auch Fachleute bei der Sicherheit noch Nachholbedarf: "Damit noch mehr Verbraucher Mobile Payment nutzen, müssen die Anbieter vor allem die Sicherheit ihrer Lösungen garantieren und die Vorteile dieser Bezahlform in den Mittelpunkt ihrer Argumentation rücken", sagt Mobile-Payment-Experte Nikolas Beutin von PwC.

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