Fake News: Die Macht der erfundenen Nachrichten
Digital

Fake News: Die Macht der erfundenen Nachrichten

Bild: Foto: DerLachs, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten herrscht viel Aufregung um sogenannte Fake News. Denn während des Wahlkampfes kursierten im Internet immer wieder solche gefälschten Nachrichten. Sie machten Stimmung gegen Trumps politische Gegner und versuchten Menschen mit erfundenen Geschichten gezielt zu manipulieren. Könnten sie womöglich der Grund für den Wahlerfolg des Unternehmers gewesen sein?

Seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten herrscht viel Aufregung um sogenannte Fake News. Denn während des Wahlkampfes kursierten im Internet immer wieder solche gefälschten Nachrichten. Sie machten Stimmung gegen Trumps politische Gegner und versuchten Menschen mit erfundenen Geschichten gezielt zu manipulieren. Könnten sie womöglich der Grund für den Wahlerfolg des Unternehmers gewesen sein?

Wissenschaftler bezweifeln diese Theorie inzwischen. Die Debatte um Fake News im Präsidentschaftswahlkampf hat dem Begriff jedoch zu einer eindrücklichen Karriere verholfen. So sehen das zumindest einige Sprachwissenschaftler, die Fake News kürzlich zum Anglizismus des Jahres 2016 gekürt haben. Die Begründung: Im November vergangenen Jahres habe der Begriff einen heftigen und plötzlichen Durchbruch in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft - als Bezeichnung für eine Art von Manipulationsabsichten und Wunschvorstellungen getriebene Propaganda.

Schon Napoleon wurde Opfer

Seitdem wird in der Öffentlichkeit intensiv über die Macht der falschen Nachrichten diskutiert. Fake News sind aber nicht erst seit Trump ein Problem. In Deutschland machten Vertreter sogenannter Bürgerwehren zum Beispiel bereits im Sommer 2015 mit frei erfundenen Gerüchten über Geflüchtete Stimmung - und um noch weiter zurückzugehen: Schon über Napoleon sollen bewusst Lügenmärchen in der Presse verbreitet worden sein.

Tatsächlich taucht der Begriff Fake News in diesem Zusammenhang zum ersten Mal auf. In einer Abhandlung über die Rolle und Qualität von Lokalzeitungen in den USA stellt die Autorin im Jahr 1894 fest: Außer den Wunschvorstellungen von Napoleons Gegnern gebe es keine Belege für die damals in der Zeitung beschriebenen Ereignisse. Sie fragt deshalb rhetorisch: "Or was it fake news?"

Nicht neu - aber anders

Gefälschte Nachrichten sind demnach kein neues Phänomen. Allerdings haben sie in der jüngeren Vergangenheit eine neue Dynamik entwickelt. Vor allem dank der sozialen Medien kann heutzutage im Prinzip jeder Fake News veröffentlichen und ein Publikum dafür finden. Der Weg absichtlich lancierter Falschmeldungen in die Öffentlichkeit führt nun nicht mehr zwangsläufig über Journalisten.

Außerdem verbreiten sich die gefälschten Meldungen über Facebook, Twitter & Co so schnell und so weit wie nie zuvor. Ein Beispiel: Allein die Nachricht, der Papst unterstütze Donald Trump, wurde innerhalb kürzester Zeit 960.000 Mal auf Facebook geteilt.

Automatisierte Meinungsmache

Für politische Kommunikationsberater und Aktivisten sind Fake News daher ein verführerisches Mittel, um ihre Interessen durchzusetzen. Das funktioniert auch deshalb so gut, weil professionell gemachte Falschmeldungen oft schwer von "echten" zu unterscheiden sind. Hinzu kommt: Man muss die Lügenarbeit noch nicht einmal von Menschen leisten lassen. Denn die Meinungsmache funktioniert sogar automatisiert - und wird dadurch besonders effizient.

Das klappt mit sogenannten Bots. Diese Softwareroboter kreieren künstliche Identitäten in den Sozialen Medien und arbeiten inzwischen so raffiniert, dass sie selbständig tweeten und retweeten, Inhalte teilen und kommentieren können. Auf diese Weise täuschen sie zum Beispiel Zustimmung oder Ablehnung von bestimmten politischen Meinungen vor. Sich solche Bots zunutze zu machen ist sogar für einzelne Privatpersonen ein Kinderspiel, sagen Experten.

Einflussreiche Wahlentscheider?

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt inzwischen offen vor diesen "Meinungsverstärkern". Sie forderte angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl vor kurzem bei einer Rede im Bundestag eine Debatte darüber, dass "Fake-Seiten und Bots Meinungsbildung verfälschen können". Doch wie groß ist der Einfluss gefälschter Nachrichten wirklich?

Klar scheint: Fake News und Bots sind in der Lage, Diskussionen in den sozialen Medien zu beeinflussen, Themen zu setzen und Debatten weiter zu polarisieren. Damit haben sie theoretisch auch das Potenzial, Meinungen zu manipulieren. Manche Fachleute sagen aber auch: Menschen glauben nur Dinge, die ohnehin in ihr Weltbild passen. Im Wahlkampf könnten Fake News demnach zwar Meinungen verstärken - aber keine Wähler umstimmen.

Fake wird mit der Zeit zu Fakt

Gleichzeitig offenbaren Studien jedoch: Je öfter Rezipienten einer gefälschten Nachricht ausgesetzt werden, desto glaubhafter und plausibler kommt sie ihnen nach einiger Zeit vor - und zwar auch dann, wenn sie die Nachricht ursprünglich sogar als Fake News enttarnt und für unwahr gehalten hatten. Wissenschaftler nennen dieses bereits seit den 1950er Jahren bekannte Phänomen den Sleeper-Effekt.

Demnach erinnern sich Menschen nach gewisser Zeit noch an den Inhalt einer Botschaft, haben die Quelle aber vergessen. Sie schreiben der Falschinformationen deshalb nach zeitlicher Verzögerung eine seriöse Quelle zu. Dieses Beispiel zeigt: Völlig immun gegen Fake News ist wohl niemand

Mehr aus Digital

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Digital.

Alle Digital-Artikel
Was ist ein KI-Agent? Definition, Funktionsweise und Vorteile
Digital

Was ist ein KI-Agent? Definition, Funktionsweise und Vorteile

31. Oktober 2026

KI-Agenten übernehmen Aufgaben in mehreren selbstgesteuerten Schritten – vom Planen über Werkzeugeinsatz bis zum Überprüfen des Ergebnisses. Der Beitrag ordnet ein, woraus ein Agent besteht, wie er sich von Chatbots und…

Was macht eigentlich eine WordPress-Agentur?
Digital

Was macht eigentlich eine WordPress-Agentur?

20. Oktober 2026

Eine WordPress-Agentur entwickelt individuelle Webseiten und sorgt nach dem Launch für zuverlässigen Betrieb, Updates, Sicherheit und SEO. Dieser Beitrag ordnet Leistungen, Preise und Qualitätsmerkmale ein.

Algorithmen am Hörer: Die Evolution der telefonischen Erreichbarkeit in der Wirtschaft
Digital

Algorithmen am Hörer: Die Evolution der telefonischen Erreichbarkeit in der Wirtschaft

20. Oktober 2026

Sprachbasierte Algorithmen übernehmen zunehmend die ersten Sekunden eines Telefonats, erfassen Anliegen in natürlicher Sprache und leiten sie an die richtige Fachabteilung weiter. Was das für Betriebe und Kundinnen…

Max-Planck-Institut: Menschliches Lernen entscheidet über Mensch-KI-Synergie
Digital

Max-Planck-Institut: Menschliches Lernen entscheidet über Mensch-KI-Synergie

16. Oktober 2026

Eine Reanalyse von 74 Studien durch das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung zeigt: Feedback und Erklärungen verwandeln negative Synergieeffekte in positive Mensch-KI-Teamleistung.

← Zurück zu DigitalZur Startseite