Handy-Meldung statt Sirene: Apps warnen vor Katastrophen und Gefahren
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Handy-Meldung statt Sirene: Apps warnen vor Katastrophen und Gefahren

Bild: Foto: Sam Kriegman, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Früher heulten die Sirenen, wenn eine Katastrophe sich anbahnte, heute pingt höchstens noch unser Smartphone. Denn längst sorgen gleich mehrere Handy-Apps dafür, dass wir bei drohendem Unwetter, bei einem Großbrand oder im Falle eines Terroranschlags so schnell wie möglich Bescheid wissen. Was aber bringen diese Warn-Apps und wie funktionieren sie?

Als am 22. Juli 2016 in München ein Amokschütze in einem Einkaufszentrum um sich schoss und neun Menschen tötete, waren einige Münchener schnell über die Gefahr informiert. Denn sie hatten die App "Katwarn" auf ihrem Smartphone, ein Programm, über das nationale und kommunale Behörden vor Gefahren warnen. Im Falle München lautet die Meldung: "Amoklage: Zu Ihrer Sicherheit Plätze und Straßen meiden; Täter flüchtig; Bahn- und Busverkehr eingestellt; Radio und Fernseher einschalten."

Warnmeldung per Handy

Inzwischen gibt es gleich mehrere solcher kostenlosen Warn-Apps, die vor Extremwetter, Naturkatastrophen, Terror und anderen Gefahren warnen. Die Behörden setzen bewusst auf das Handy als Übermittler solcher Warnungen, weil heute nahezu jeder ein solches Gerät hat und es meist immer mit sich trägt – dadurch erreicht man möglichst viele Menschen. Radiomeldungen oder Sirenen dagegen bekommt längst nicht jeder mit.

Zudem können diese Warn-Apps den Standort des Handys erkennen – sofern der Ortungsdienst nicht deaktiviert ist – und daher gezielt Warnungen an alle schicken, die sich in der von der Bedrohung betroffenen Gegend befinden. Ein weiterer Vorteil: "Eine Sirene kann nur Signale aussenden, aber ein Smartphone kann beispielsweise auch eine Evakuierungsroute anzeigen", erklärt Christoph Unger vom Bundesamt für Katastrophenschutz. "Wir brauchen einen Mix aus Endgeräten. Da ist das Smartphone mit der App ein guter Weg, weil wir damit auch gleichzeitig Handlungsempfehlungen verbreiten können."

Katwarn: Vor allem in Süddeutschland und Berlin

Das Warn- und Informationssystem "Katwarn" gibt es seit 2011. Es wurde vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) ursprünglich im Auftrag öffentlicher Versicherer entwickelt. Übermittelt werden aber ausschließlich offizielle Warnmeldungen von Behörden, Kommunen, Feuerwehrleitstellen oder dem Deutschen Wetterdienst (DWD). Einige Unternehmen und kommunale Betriebe wie beispielsweise Verkehrsbetriebe nutzen die Katwarn-App auch, um ihre Mitarbeiter gezielt und intern vor Gefahren zu warnen.

Allerdings ist Katwarn bisher noch nicht in allen Bundesländern und Kommunen aktiv - auch weil diese für das System zahlen müssen, während es für die Nutzer kostenlos ist. Gewarnt wird über Katwarn bundesweit vom Deutschen Wetterdienst vor Unwettern und anderen wetterbedingten Gefahren. Bei Katastrophen oder Bedrohungen auf regionaler und lokaler Ebene wird die App bisher vor allem in Bayern, Berlin, Hamburg und Rheinland-Pfalz eingesetzt. In Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern dagegen nutzen die Behörden diesen Warndienst bisher kaum.

NINA: Sinnvoll in NRW und Ostdeutschland

Eine Alternative – vor allem dort, wo Katwarn nicht verbreitet ist - ist die Warn-App NINA, kurz für "Notfall-Informations- und Nachrichten-App". Sie wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) betrieben. Ihre Meldungen stammen von den Behörden und Leitstellen, dem Bevölkerungsschutz und für das Wetter vom DWD. Vom örtlichen Großbrand über das Hochwasser bis zur Unwetterwarnung für ganz Deutschland ist alles dabei. Allerdings gilt auch hier: Nicht überall wird dieser Dienst gleichermaßen genutzt. So blieb beispielsweise beim Amoklauf in München die Warnung über NINA aus, in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Berlin, Hamburg und Bremen sowie Thüringen und Brandenburg ist NINA im Einsatz.

Das Prinzip: Die Nutzer wählen per Klick, für welche Ereignisse sie Warnmeldungen bekommen möchten. Auch bestimmte Orte lassen sich per Klick sozusagen "abonnieren", zusätzlich wird der aktuelle Standort ausgelesen. Die Warnmeldungen werden - auf Wunsch per Push-Mitteilung –übermittelt und enthalten Informationen über die Art der Gefahr, die Handlungsempfehlung, das betroffene Gebiet und eine Karte, die die Lage zeigt.

Zusätzlich gibt es in der NINA-App den Bereich "Notfalltipps", in dem allgemeine Verhaltens-Empfehlungen für verschiedenen Notfälle und Gefahren nachzulesen sind. Die Spannbreite geht vom Verhalten bei Erdbeben oder Hochwasser, bei Terroranschlägen bis hin zur Frage, was am besten in unsere Hausapotheke gehört.

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