Mythos Apple: Fünf Gründungsmythen der Computerfirma im Test
Digital

Mythos Apple: Fünf Gründungsmythen der Computerfirma im Test

Bild: Foto: Mictlancihuatl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Um keine Computerfirma und ihre Produkte ranken sich so viele Mythen wie um Apple. Der Wettstreit der beiden Rechnerwelten – PC oder Mac – um die Vorherrschaft ist legendär und spaltet bis heute die Computernutzer. Jetzt kommt ein Film über den Gründer von Apple, Steve Jobs, in die Kinos. Aus diesem Anlass nehmen wir in paar der gängigen Apple-Gründungsmythen näher unter die Lupe.

Mythos 1: Alles begann in einer Garage

Die Erfolgsgeschichte von Apple hat wirklich etwas mit einer Garage zu tun – allerdings zunächst nicht mit der von Steve Jobs. Denn der Hardware-Mastermind und Bastler hinter dem ersten Apple-Computer ist Stephen Wozniak. Er beginnt schon Anfang 1976 in seiner Garage damit, einen ersten Mikrocomputer zu bauen, der nicht nur Tastatur und Basic-Programmierung besaß, sondern den man auch an einen Fernseher anschließen kann – für damalige Zeit war dies etwas Neues, denn viele Rechner hatten damals kein echtes Display, sondern waren nur an Teleprinter angeschlossen. Als Wozniak dieses Gerät Steve Jobs vorstellt, erkennt dieser sogleich das Potenzial und schlägt vor, eine Firma zu gründen und diese Rechner zu vermarkten.

Mythos 2: Ein VW-Bus lieferte das Startkapital

Stimmt: Um die Gründung von Apple und die Produktion des Apple I zu finanzieren, verkaufte Steve Jobs seinen roten VW-Bus für 1.500 US-Dollar und Wozniak brachte 250 Dollar ein, die er durch den Verkauf seines programmierbaren Hewlett-Packard Taschenrechner erhalten hatte. Weil beide damit den Löwenanteil des mageren Budgets trugen, erhielten sie jeweils 45 Prozent Anteil an der neugegründeten Firma Apple. Der Dritte im Bunde, Ronald Wayne, erhielt nur zehn Prozent und stieg auch bald wieder aus.

Mythos 3: Der Name "Apple" war eine Notlösung

Zur Herkunft des typischen Apfels im Namen und Logo der Firma Apple-Logo gibt es mehrere Legenden. Steve Jobs sagte dazu selbst: "Wir mochten den Namen Apple, weil er einfach klang und weil das Wort Apple, besonders im Zusammenhang mit Computern, das Interesse der Leute weckte. Zudem standen wir damit vor Atari im Telefonbuch." Er berichtet, er habe den Namen eigentlich eher im Scherz und als Notlösung vorgeschlagen, als Drohung, damit endlich jemand einen endgültigen Namen findet. Stephen Wozniak erzählt, eine Fahrt vorbei an einer Apfelplantage habe den Anstoß für den Namen gegeben.

Ronald Wayne, der dritte Gründungspartner von Apple, entwarf 1976 nach der Gründung der Firma ein erstes Logo, in dem Isaac Newton unter einem Apfelbaum zu sehen war – in Anspielung auf den legendären Versuch zur Schwerkraft dieses Physikers. Das Logo in seiner endgültigen Form entstand später im Jahr 1976 und wurde vom Grafiker Rob Janoff entworfen. Es zeigte den angebissenen Apfel in Regenbogenfarben. Angeblich soll das Angebissene an den Apfel von biblischen Baum der Erkenntnis erinnern, den Adam und Eva im Paradies aßen. Die Regenbogenfarben standen für die Farbfähigkeit des 1977 lancierten Apple II. Seinen einfarbigen Stil erhielt das Apple-Logo erst mit den iMac: Auf den bunten Gehäusen wirkte ein schlichteres Logo einfach besser.

Mythos 4: Der erste Apple-Computer war ein Bausatz

Stimmt: Der 1976 entwickelte Apple 1 wurde in Einzelteilen verkauft – zu 666,66 Dollar das Paket. Der Rechner musste erst vom Käufer fertig zusammengesetzt werden. Als Zubehör gab es ein Netzteil, eine Tastatur, einen Bildschirm und ein Gehäuse. Erst der Apple II war schon fertig zusammengebaut – er verkaufte sich auch prompt deutlich besser. Im Jahr 1977 verkaufte die junge Minifirma Apple davon immerhin mehrere tausend Exemplare, 1978 bereits 10.000.

Mythos 5: Apple hat die grafische Benutzeroberfläche erfunden

Stimmt nicht ganz. Denn Steve Jobs hat die Idee zum berühmten "Desktop" eigentlich abgeguckt. Das Palo Alto Research Center (PARC) von Xerox hatte bereits 1973 einen Computer mit einer einfachen grafischen Oberfläche entwickelt – mitsamt Symbolen und Menüs. Als Steve Jobs 1979 diesen Rechner sah, erkannte er das Potenzial für einen einfachen, intuitiv bedienbaren Heimcomputer.

Jobs schildert diese Begebenheit so: "Als ich 1979 ins Xerox PARC ging, sah ich eine sehr rudimentäre grafische Benutzeroberfläche. Sie war weder vollständig noch fehlerfrei. Aber innerhalb von zehn Minuten wurde mir klar, dass eines Tages jeder Computer auf der ganzen Welt auf diese Art und Weise funktionieren würde." Und er sollte Recht behalten.

Ironie des Schicksals: Rund ein Jahrzehnt später wird Apple selbst kopiert: von Microsoft-Gründer Bill Gates. Dieser nutzt für sein neues Betriebssystem Windows viele grafische Elemente, die denen der Benutzeroberfläche der Macintosh-Rechner auffallend ähneln. 1988 verklagt Apple Microsoft wegen dieser Plagiate, der Rechtsstreit geht über Jahre, letztlich setzt sich Microsoft aber durch. 1989 bekommt Apple seinerseits eine Klage von Xerox wegen der Benutzeroberfläche. Doch Jobs und Co haben Glück: Sie wird ein Jahr später abgewiesen.

Steve Jobs – der Film

Wie es mit Apple und seine Gründern nach diesen ersten Anfängen weiterging, davon berichtet auch der am 12. November 2015 anlaufende Kinofilm "Steve Jobs". In ihm stehen die Ereignisse hinter drei wichtigen Meilensteinen von Apple im Mittelpunkt: den Präsentationen von Macintosh (1984), NeXT (1988) und iPod (2001). Basierend auf der 2011 erschienen Jobs-Biografie von Walter Isaacson zeichnet der Film ein Portrait des Apple-Gründers, der zeitlebens ebenso legendär wie umstritten war.

Mehr aus Digital

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Digital.

Alle Digital-Artikel
Was ist ein KI-Agent? Definition, Funktionsweise und Vorteile
Digital

Was ist ein KI-Agent? Definition, Funktionsweise und Vorteile

31. Oktober 2026

KI-Agenten übernehmen Aufgaben in mehreren selbstgesteuerten Schritten – vom Planen über Werkzeugeinsatz bis zum Überprüfen des Ergebnisses. Der Beitrag ordnet ein, woraus ein Agent besteht, wie er sich von Chatbots und…

Was macht eigentlich eine WordPress-Agentur?
Digital

Was macht eigentlich eine WordPress-Agentur?

20. Oktober 2026

Eine WordPress-Agentur entwickelt individuelle Webseiten und sorgt nach dem Launch für zuverlässigen Betrieb, Updates, Sicherheit und SEO. Dieser Beitrag ordnet Leistungen, Preise und Qualitätsmerkmale ein.

Algorithmen am Hörer: Die Evolution der telefonischen Erreichbarkeit in der Wirtschaft
Digital

Algorithmen am Hörer: Die Evolution der telefonischen Erreichbarkeit in der Wirtschaft

20. Oktober 2026

Sprachbasierte Algorithmen übernehmen zunehmend die ersten Sekunden eines Telefonats, erfassen Anliegen in natürlicher Sprache und leiten sie an die richtige Fachabteilung weiter. Was das für Betriebe und Kundinnen…

Max-Planck-Institut: Menschliches Lernen entscheidet über Mensch-KI-Synergie
Digital

Max-Planck-Institut: Menschliches Lernen entscheidet über Mensch-KI-Synergie

16. Oktober 2026

Eine Reanalyse von 74 Studien durch das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung zeigt: Feedback und Erklärungen verwandeln negative Synergieeffekte in positive Mensch-KI-Teamleistung.

← Zurück zu DigitalZur Startseite