Self-Tracking - Das vermessene Ich
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Self-Tracking - Das vermessene Ich

Bild: Foto: Zeroping, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Self-Tracking: Immer mehr Menschen messen ihre Aktivität und Körperdaten über Sensoren oder das Handy und werten sie über Self-Tracking Programme aus. wissen.de blickt hinter diesen Trend.

Was ist Self-Tracking?

Jeder Mensch produziert täglich Unmengen an messbaren Informationen: Wie hoch sind Pulsschlag, Blutdruck und Blutzuckerwerte? Wie viele Kilometer bin ich gejoggt? Was habe ich gegessen? Wie viele Zigaretten habe ich geraucht? Wie war meine Laune? Der eigene Körper wird für Self-Tracker zur Datenquelle. Sie erheben ihre Werte in regelmäßigen Abständen, sammeln sie, werten sie aus und teilen die Ergebnisse in sozialen Netzwerken. Dabei helfen intelligente Mobiltelefone (Smartphones), eine Vielzahl von Apps und kleine technische Apparate (Gadgets). Mit ihren immensen Datenspeichern können die Hilfsmittel das ganze Leben erfassen. Das Motto der Selbstvermesser lautet „self knowledge through numbers“, also Selbsterkenntnis durch Zahlen. Der amerikanische Journalist Gary Wolf hat die Bewegung „The Quantified Self“ (Das gemessene Selbst) zusammen mit seinem Kollegen Kevin Kelly im Jahr 2007 ins Leben gerufen. Seitdem findet sie weltweit immer mehr Anhänger. Meist sind es junge, gesunde, technik-affine Männer, die sich für die Messungen begeistern.

Welche Ziele verfolgen die Self-Tracker?

Die Auswertung der Daten ermöglicht es, Gewohnheiten oder bisher unbeachtete Zusammenhänge zu erkennen. Die Ergebnisse können beispielsweise Auskunft geben über schlechte Angewohnheiten oder ungesunde Ernährungsweisen. Hintergrund ist, dass Menschen sich nur schwer selbst einschätzen können, Werte wie die Höhe des Cholesterinspiegels oder Hirnströme sind ohne spezielle Messungen gar nicht zu erfassen. Die Analyse der Self-Tracker soll eine Antwort auf die Frage „Wer bin ich eigentlich?“ geben. Ein Anspruch der Selbstvermesser ist Selbstoptimierung: Wer sein Verhalten kennt, kann es ändern und sich zu dem Menschen entwickeln, der er sein möchte. Ziele der Quantified-Self-Anhänger sind beispielsweise: Gewicht abzunehmen, einen Marathon zu laufen, weniger zu rauchen oder Stress zu reduzieren. Dahinter steht der Wunsch, die eigene Leistungsfähigkeit zu verbessern gesund zu Leben, fit und leistungsfähig zu sein.

Welche technischen Hilfsmittel gibt es?

Es gibt eine Reihe von technischen Spielereien, die dabei helfen sollen, die Körperdaten zu erheben und auszuwerten. Über spezielle Lauf-Apps kann man beispielsweise die tägliche Joggingrunde messen. Die Programme berechnen auch die Durchschnittsgeschwindigkeit oder den Kalorienverbrauch. Mit Smartphone-Apps und Sensor-Armbändern kann man seinen Schlaf überwachen und erhält detaillierte Angaben über Tiefschlaf- und Wachphasen. Es gibt Körperwaagen, die sich über WLAN mit dem Internet verbinden und die Körperfettwerte übermitteln. Kleine kabellose Sensoren können jeden Schritt und jede erklommene Treppenstufe aufzeichnen. Über Stimmungsbarometer wird die Tageslaune festgehalten. Selbst Geräte, die die Hirnströme messen, sind mittlerweile für den Hausgebrauch zu haben. Anwendung wie Forsquare ermöglichen es, die eigenen Bewegungsmuster aufzuzeichnen. In Sachen Ernährung kann man sich ebenfalls über das Mobiltelefon Hilfe holen: Das Essen wird abfotografiert und über eine App hochgeladen. Andere Nutzer können dann bewerten, wie gesund das Essen war. Wem das noch nicht ausreicht, der kann auch für wenige hundert Euro bei einem Onlinedienst seine Gene analysieren lassen. Ein bisschen Spucke sei alles, was man braucht. Die Messergebnisse werden meist in sozialen Netzwerken geteilt und verglichen.

Freiheit oder Überwachung?

Während die Anhänger der Bewegung die Freiheit schätzen, sich selbst zu analysieren, warnen Kritiker vor permanenter Überwachung. Datenschützer geben zu bedenken, dass die erhobenen Daten sensible Informationen enthalten und sie nicht genügend geschützt würden. Wenn die Ergebnisse beispielsweise in sozialen Netzwerken geteilt werden, erhalten die Anbieter der Plattform häufig Nutzungsrechte an den Daten. Diese Informationen interessieren vor allem Pharmafirmen, Krankenkassen oder Marketingchefs.

Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht könnten mit stetiger Selbstvermessung bekämpft werden, glauben die Anhänger von Quantified-Self. Außerdem könne das Gesundheitswesen demokratischer gestalten werden, wenn die Informations- und Deutungshoheit nicht mehr nur bei den Ärzten liegen. Jeder Einzelne kann mit den Messungen etwas über seinen Gesundheitszustand erfahren und damit auch ärztliche Diagnosen unterstützen. Kritiker bemängeln dagegen das blinde Vertrauen in die Zahlenkolonnen und statistischen Auswertungen und geben zu bedenken, dass meist viele verschiedene Faktoren bei einer Krankheit zusammenfließen, auch solche, die bei den Analysen nicht erfasst werden.

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