Weihnachten ist die Zeit der Geschenke – und sehr oft liegen dabei neue Smartphones und Tablets auf den Gabentisch. Immerhin fünf von sechs Menschen in Deutschland verschenken zu Weihnachten digitale Technik. Das aber bedeutet: Das alte Gerät, selbst wenn es noch funktioniert, ist jetzt meistens überflüssig. Wohin nun damit? Ab in die Schublade und oder den Müll? An Verwandte oder Freunde weitergeben oder sogar verkaufen?
Egal, was mit dem Altgerät passieren soll: Entscheidend wichtig ist vorher das richtige Löschen unserer Daten und Zugangsinformationen. "Allzu häufig wird vergessen, die Daten auf den älteren Smartphones und Tablets unwiederbringlich zu löschen, bevor diese weiterverschenkt oder auf den Müll geworfen werden", sagt Markus Schaffrin vom eco-Verband der Internetwirtschaft. Was viele nicht wissen: Einfaches Löschen reicht dafür auf keinen Fall aus.
Löschen oder Formatieren reicht nicht
Wer glaubt, mit dem "Löschen"-Befehl sind alle persönlichen Daten und Programme vom Gerät entfernt oder zumindest unbrauchbar gemacht, der irrt. Denn beim normalen Löschen per Befehl wird nur der Indexeintrag, also gewissermaßen das Inhaltsverzeichnis der Festplatte, gelöscht und der Speicher zum Überschreiben freigegeben. Die Daten selbst sind aber noch vorhanden und können mit speziellen Programmen problemlos wieder rekonstruiert werden.
Selbst das vollständige Formatieren einer Festplatte oder eines Datenträgers reicht manchmal nicht aus, wie Experten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik erklären. Denn beim Formatieren wird auch nur das Inhaltsverzeichnis gelöscht und die Dateisystemstruktur neu angelegt. Auch hier liegen die digitalen Daten noch auf dem Datenträger.
Nur Überschreiben schützt
Vollständig vernichtet sind unsere Daten erst, wenn sie mindestens einmal überschrieben wurden. Für PCs und andere Rechner mit herkömmlichen Festplatten gibt es dafür spezielle Zusatzprogramme, die teilweise kostenlos sind. Auf Windows-Systemen kann dafür das Programm Secure Eraser oder, zum Löschen ganzer Festplatten, das bootfähige, betriebssystemunabhängige Dban verwendet werden. Sie überschreiben die Daten mit vorgegebenen Zeichen oder Zufallszahlen und machen sie so unkenntlich.
In den meisten Tablets, Smartphones und Laptops stecken heute sogenannte SSD-Festplatten. Sie haben einen speziellen Löschbefehl direkt integriert, den sogenannten ATA-Secure-Erase" Befehl. Dieser Befehl ist eine Erweiterung der Firmware und nicht ohne weiteres für uns Nutzer zugänglich. Einige Hersteller liefern aber zu ihrem Gerät passende Dienstprogramme mit aus, die die Option des sicheren Löschens mit ATA Secure Erase beinhalten. Ist dies nicht der Fall, müssen Zusatzprogramme genutzt werden. Wer sich nicht sicher ist, ob er sich das sichere Löschen und den Umgang mit den Zusatzprogrammen zutraut, sollte dies lieber einem Experten überlassen.
…oder schiere Gewalt
Soll das Gerät ohnehin weggeworfen oder als Elektroschrott entsorgt werden, geht es auch einfacher: Machen Sie den Speicher einfach kaputt - mit rabiater Gewalt. Am besten dafür das Gerät aufschrauben und dann die Festplatte mit dem Hammer oder einer Zange so stark zerstören wie möglich. Je gründlicher und flächendeckender die Schäden sind, desto besser.
Cloud-Speicher als Datenfalle
Was gerne übersehen wird: Viele Geräte speichern ihre Daten zusätzlich in der Cloud ab. Das bloße Löschen der Informationen auf dem Smartphone oder Tablet reicht daher nicht aus, um sie für Nachbesitzer des Tablets oder Smartphones unzugänglich zu machen. Oftmals kann der neue Besitzer die vermeintlich gelöschten Daten aus der Cloud wieder auf das Gerät herunterladen.
"Der Cloud-Speicher kann zur Datenfalle werden. Das gesamte Adressbuch, persönliche Bilder, der Terminkalender, wichtige Dokumente, sogar Passworte und PIN-Codes können durch diese Nachlässigkeit in fremde Hände geraten", warnt Schaffrin. Wird nicht der gesamte Speicher mitsamt allen Programmen sicher gelöscht, sollten auch die Cloudspeicher gelöscht oder mit neuen Passwörtern versehen werden.
Weitergeben ist besser als wegwerfen
Alle zwei Jahre ein neues Smartphone oder Tablet? Das ist heute keine Seltenheit mehr, sondern sogar eher schon Durchschnitt. Denn immer neue Modelle und Apps, die immer mehr Leistung vom Gerät verlangen, verführen dazu, sich ein neues Gerät zu kaufen oder schenken zu lassen, obwohl das alte noch voll funktionstüchtig ist. "Die heute vermeintlich überholten Geräte waren noch ein oder zwei Jahre zuvor der aktuelle Stand der Technik", sagt Schaffrin.
Umso sinnvoller ist es, das Altgerät nicht einfach zu entsorgen, sondern es lieber weiterzugeben. "Viele Menschen freuen sich, wenn sie diese in der Regel noch gut erhaltenen Smartphones oder Tablets geschenkt bekommen", so der IT-Experte. In vielen Fällen kann man das Gerät sogar noch gebraucht verkaufen. Das bringt nicht nur ein bisschen Geld, es trägt auch dazu bei, dem wachsenden Berg an Elektroschrott entgegen zu wirken.
Bisher allerdings tun dies die wenigsten: Studien zufolge hat nicht einmal die Hälfte aller Deutschen jemals ein Smartphone weiterverkauft, verschenkt oder zu einer Recyclingstelle gebracht. Die meisten lassen ihre Altgeräte schlichtweg zu Hause in der Schublade liegen. Allein in deutschen Haushalten liegen demnach mehr als 100 Millionen nicht mehr benutzten Smartphones herum.




