Das Tempo der technischen Entwicklung wird immer rasanter: Ständig kommen neue Geräte, Standards und Anwendungen auf den Markt. Andere Neuerungen zeichnen sich bereits am Horizont ab. IT- und Telekommunikations-Experten des internationalen Beratungsunternehmen Deloitte analysieren regelmäßig die Trends der IT-Branche und haben nun für das Jahr 2017 erste Prognosen gewagt.
Tablets: Der Anfang vom Ende?
Für Tablets sagen die Experten wenig Gutes voraus. Die Verbreitung der flachen Mobilrechner hat bereits ein Plateau erreicht, 2017 werden die Verkaufszahlen deutlich zurückgehen. Prognostiziert werden etwa 160 Millionen weltweit abgesetzte Geräte – immerhin rund zehn Prozent weniger als noch im Vorjahr.
Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Der Trend zu immer größeren Smartphones und leichteren Laptops macht Tablets zunehmend überflüssig. Das Tablet kann sich gegen diese Konkurrenz nicht durchsetzen, weil es im Prinzip keine Anwendung gibt, die nur auf dem Tablet möglich ist. "Bei allen möglichen Online-Aktivitäten werden Tablets zwar genutzt, aber es gibt eigentlich nichts, was wir nicht auch mit einem anderen Gerät machen könnten", so die Deloitte-Experten. Ihrer Ansicht nach bräuchte es neue, innovative Features sowie eine spürbar bessere Performance, um die Verkäufe wieder anzukurbeln.
Maschinelles Lernen: Raus aus der Cloud
Lernende Maschinen sind in Zeiten intelligenter Sprachassistenten und Übersetzungsprogramme nichts Ungewöhnliches mehr. Neu ist ihre Unabhängigkeit von Datennetzen: Im Jahr 2017 könnten 300 Millionen Smartphones bereits lernfähige Software an Bord haben – das entspricht immerhin einem Fünftel aller neu gekauften Smartphones. Diese Programme können dann Sprache, Gesichter oder Objekte erkennen lernen, ohne dass sie dafür die massive Rechenkapazität auf den Servern der Anbieter benötigen. Unsere Handys sind dann sozusagen auch offline intelligent und lernfähig.
Auch für andere Geräte könnte nach Ansicht der Experten 2017 die Ära des maschinellen Lernens beginnen: Drohnen, VR-Brillen oder Geräte für das "Internet der Dinge". Möglich wird dies durch neue, leistungsfähigere Prozessoren, Grafikkarten und flexibel rekonfigurierbare Chips, durch die dann selbst neuronale Netzwerke aufs Handy kommen können, wie die Experten erklären. "Das wird Möglichkeiten und Industrien schaffen, die wir uns nicht einmal vorstellen können", schreiben sie. "Vielleicht sollten wir dann einfach unser Smartphone fragen, was genau diese Technik bringen wird."
Mobilfunk: Immer schnellere Netze
2017 wird sich auch im Mobilfunk-Netzen einiges tun. Die Deloitte-Experten prognostizieren, dass sich der erweiterte LTE-Standard im Jahr 2017 weiter ausbreiten wird. Demnach sollen bis Ende 2017 mindestens 200 Netzanbieter weltweit den Standard LTE-Advanced in ihren Netzen ermöglichen. Immerhin rund 20 könnten den noch leistungsfähigeren Standard LTE Advanced Pro anbieten.
LTE-A ermöglicht theoretisch Downloadraten von bis zu drei Gigabit pro Sekunde, LTE-A Pro sogar noch mehr. In der Praxis sind immerhin noch bis zu 600 Megabit pro Sekunde möglich. Die IT-Experten erwarten, dass bis Ende 2017 weltweit hundert Millionen von Nutzern von diesen neuen Standards profitieren. Sie könnten dank neuer Handys und schneller Netze im Mobilfunk dann Übertragungsraten erreichen, die bisher nur bei festen Breitband-Verbindungen möglich sind.
Noch spannender aber: Diese optimierten 4G-Netze beinhalten bereits viele technische Komponenten, die für den Nachfolger 5G benötigt werden. Ziel der großen Anbieter ist es, bis 2020 zumindest in einigen Netzen und Gebieten mit diesem noch schnelleren und leistungsfähigeren Standard zu beginnen. Bis dahin ist es jedoch noch ein langer Prozess mit vielen Zwischenstationen. Bis dahin könnte sich LTE Advanced Pro bereits zur echten Alternative zum traditionellen Festnetz entwickelt haben.
GPS für Gebäude
Von den immer leistungsfähigeren Mobilfunknetzen könnte auch die Navigationssysteme profitieren. Denn dort, wo die Signale der GPS-Satelliten nicht oder kaum hinkommen, müssen andere Signale ihre Funktion übernehmen. "Die GPS-Systeme haben einen blinden Fleck: Ihre Signale sind oft zu schwach, um Dächer und Gebäudemauern zu durchdringen", erklären die Deloitte-Experten. "Doch es gibt Milliarden von Objekten, von Fahrzeugen über Werkzeuge bis zu Läden in Shoppingmalls, die man vielleicht orten möchte, aber die sich unter einem Dach befinden."
Die Ortung in Gebäuden ist bisher über WLAN oder Mobilfunksignale möglich, aber noch relativ ungenau. Mit den leistungsfähigeren Mobilfunknetzen, aber auch Bluetooth-Sendern und den Sensoren der Smartphones könnte sich diese Indoor-Navigation aber künftig verbessern und zum neuen Trend werden. Spätestens bis 2022 könnte schon ein Viertel aller Navigationsanwendungen auch für Gebäude geeignet sein oder sogar komplett für den Indoor-Einsatz ausgelegt sein, so die Prognose der IT-Experten.
Vinyl: Wie Phönix aus der Asche
Einen erstaunlichen Aufschwung erlebt dagegen ein Dinosaurier der Technik: die gute alte Schallplatte. Nachdem die Vinyl-Schallplatte im Grunde von der Bildfläche verschwunden war, ist seit einer Weile eine erstaunliche Renaissance zu beobachten. Im Jahr 2017 wird die Zahl der weltweit verkauften Tonträger bei 40 Millionen liegen. Mittlerweile ist die LP ein klares Premium-Produkt, das sich mit einem durchschnittlichen Preis von 20 Euro an echte Fans wendet.
"Knapp vier Jahrzehnte nach ihrer Ablösung durch die CD gewinnt die Vinyl-Schallplatte wieder auf breiter Front an Popularität", erklärt Andreas Gentner von Deloitte. "Die Gründe sind vielfältig: Neben purer Nostalgie und dem besonderen Klang fasziniert besonders das haptische Erlebnis der LP. Viele Verbraucher nehmen dafür die Nachteile, zum Beispiel beim Handling, gerne in Kauf."
Nachdem die Vinyl-Schallplatten in den vergangenen Jahren immer zahlreicher wurden, wird den Prognosen nach ihr Wachstum im Jahr 2017 einen vorläufigen Höhepunkt erreichen, um dann in der Folgezeit wieder etwas nachzulassen. Bis dahin werden Vinyl-Platten immerhin etwa 15 bis 18 Prozent aller verkauften physischen Tonträger ausmachen.




