VoIP, Skype und Co: Telefonieren über das Internet
Digital

VoIP, Skype und Co: Telefonieren über das Internet

Bild: Foto: Bärwinkel,Klaus, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wer fürs Festnetz-Telefonieren einen anderen Anbieter als die Telekom nutzt und sein Telefon am heimischen Router hängen hat, der nutzt bereits Voice over IP (VoIP). Aber auch die Telekom stellt nach und nach die normalen Festnetz-Anschlüsse auf die Internet-Telefonie um. Bis 2022, so der Plan, sollen daher alle Festnetz-Anschlüsse auf VoIP umgestellt werden. Das ISDN-Netz wird dann endgültig abgeschaltet.

iStock.com, scyther5

Festnetz ist kein Festnetz mehr

Wer fürs Festnetz-Telefonieren einen anderen Anbieter als die Telekom nutzt und sein Telefon am heimischen Router hängen hat, der nutzt bereits Voice over IP (VoIP). Aber auch die Telekom stellt nach und nach die normalen Festnetz-Anschlüsse auf die Internet-Telefonie um. Bis 2022, so der Plan, sollen daher alle Festnetz-Anschlüsse auf VoIP umgestellt werden. Das ISDN-Netz wird dann endgültig abgeschaltet.

Der Grund dafür: Das klassische Festnetztelefonieren mit ISDN braucht für seine analogen elektrischen Signale eine große Bandbreite und blockiert daher fast die gesamte Leitung. Zudem werden für klassische Festnetztelefonieren eigene Netzwerke, Vermittlungsstellen und Knotenpunkte benötigt – für die Betreiber ist dies ein großer Aufwand. Die Internettelefonie dagegen erlaubt es, alle Daten über das gleiche Netz zu schicken.

iStock.com, P_Wei

Wie funktioniert VoIP?

Die Internet-Telefonie überträgt unsere Gespräche nicht als analoge elektrische Impulse, sondern digitalisiert die Informationen und zerlegt sie in kleine Datenpakete – nicht viel anders als bei einer E-Mail oder einem Videostream. Diese Datenpakete werden über das Internet-Protokoll (IP) durch das Netz an den Empfänger geschickt. Beim Gesprächspartner werden die Pakete wieder zusammengesetzt und in Sprache zurückübersetzt.

Der große Vorteil: Diese Art der Datenübertragung benötigt nur wenig Bandbreite. Dadurch bleibt mehr Platz für andere Internetanwendungen, aber auch Konferenzschaltungen mit vielen Teilnehmern werden möglich. Damit das Gespräch bei einem "Stau" auf der Datenautobahn nicht abbricht, bekommen Telefoniedaten im Netz immer Vorfahrt. Unter anderem deshalb ist die Sprachqualität von VoIP inzwischen nicht schlechter als beim klassischen Festnetztelefonieren. Besonders hohe Qualität haben Gespräche, die mit dem Standard G.722 kodiert wurden.

Ebenfalls praktisch: Weil die Gesprächsdaten über das Internet verschickt werden, kann ich theoretisch von überall aus "per Festnetz" telefonieren. Mithilfe spezieller VoIP-Apps kann auch mein Smartphone zur Nebenstelle des Festnetz-Telefons werden – zumindest im heimischen WLAN. Im mobilen Netz blockieren bisher noch viele Anbieter die sogenannte "nomadische" Nutzung von VoIP.

Die Nachteile der Internettelefonie

Natürlich ist auch die Internettelefonie nicht frei von Nachteilen. Ein großes Manko: Während das analoge Festnetztelefon selbst bei Stromausfall noch funktionierte, ist dies bei VoIP nicht der Fall: Fällt der Strom aus, bleibt auch das Telefon tot. Im Notfall kann man daher die Feuerwehr oder Polizei nur übers Handy erreichen. Probleme kann es auch geben, wenn die Internetverbindung zu langsam oder gestört ist. Dann bricht das Gespräch ab oder hat immer wieder Aussetzer.

Und noch einen Nachteil gibt es: Weil das Gespräch über ganz normale digitale Daten durch das Internet geschickt wird, können diese Daten auch abgefangen werden. Der "Lauscher" muss nur die entsprechenden Pakete abfangen und kann dann das Gespräch mithören. Besonders einfach geht dies, wenn das Telefon mittels WLAN mit dem Router und damit dem Internet kommuniziert. Bei Gesprächen mit sensiblem Inhalt sollte daher aus Sicherheitsgründen eine Verschlüsselung gewählt werden.

Tumi-1983 / CC BY-SA 3.0

Problemfall Fax

Das Fax ist entgegen anders lautenden Gerüchten keineswegs ausgestorben. Tatsächlich verschickten laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom auch 2018 fast zwei Drittel aller deutschen Unternehmen regelmäßig Faxe.

Gründe dafür gibt es genug: Durch die Sendebestätigung wissen die Nutzer, dass ihre Nachricht angekommen ist. Faxe bleiben nicht im Spamfilter hängen und auch Hacker haben kaum keine Chance. Im Gegensatz zur E-Mail ist die Technik kaum manipulierbar, denn bei jedem Versuch, ein Fax abzufangen, bricht der Sendevorgang ab. Hinzu kommt, dass unterschriebene und gefaxte Dokumente in der Geschäftswelt und bei Behörden als rechtssicher anerkannt werden.

In der Theorie gilt das Problem des Faxens in IP-Netzen zwar seit langem als gelöst. Fax-over-IP kennt zwei Standards: T.37 für die Store- and Forward-Übermittlung von Dokumenten und T.38 für die Faxübermittlung in Echtzeit. Mit einem Adapter lassen sich damit theoretisch auch analoge Geräte weiterbetreiben. Leider unterstützen aber längst nicht alle Netzbetreiber diese Standards. An den Netzübergabepunkten fällt die Übertragung dann auf das Standardprotokoll zur Sprachübertragung zurück und die Datenpakete kommen beim Empfänger nur unter perfekten Bedingungen ohne Verluste und in der richtigen Reihenfolge an.

Vor fast unlösbaren Problemen stehen zahlreiche andere Geräte wie Alarmanlagen, Notrufanlagen in Aufzügen, Türfreisprecheinrichtungen, Frankiermaschinen oder Kartenterminals. Sie verwenden oft Protokolle, die gar nicht für die Kommunikation im ISDN-Netz gedacht waren. In solchen Fällen ist ein Anschluss über einen Adapter praktisch ausgeschlossen und guter Rat ist teuer.

VoIP mit dem Smartphone

Skype hat es vorgemacht, inzwischen geht es auch per WhatsApp, Apple Facetime, Facebook Messenger oder Google Hangout: Auch auf dem Handy liegt die Internettelefonie im Trend. Statt der normalen Mobilfunk-Signale kommt hier ebenfalls die VoIP-Technologie zum Tragen. Die digitalisierten Sprachdaten laufen dadurch über die Datenverbindung des Handys und zählen nicht als Telefonat. In der Regel muss ich als Nutzer dabei kaum etwas einstellen, die Apps übernehmen das für mich.

Der große Vorteil: In vielen Fällen kann die Internettelefonie per Handy billiger sein als das Gespräch über die normale Telefonverbindung. Das gilt beispielsweise für Mobilfunk-Verträge, die nur eine begrenzte Anzahl von Inklusivminuten umfassen. Auch bei Telefonaten ins Ausland können die VoIP-Apps punkten. Wenn die Signale über das WLAN laufen, zählt das nicht als Roaming und es fallen keine erhöhten Gebühren an. Vorsicht ist bei der VoIP-Telefonie allerdings geboten, wenn der Handytarif nur ein begrenztes Datenvolumen beinhaltet: Wer dann nicht über das WLAN spricht, riskiert eine Drosselung oder Zusatzkosten.

Weitere Artikel auf wissenschaft.de

Mehr aus Digital

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Digital.

Alle Digital-Artikel
Was ist ein KI-Agent? Definition, Funktionsweise und Vorteile
Digital

Was ist ein KI-Agent? Definition, Funktionsweise und Vorteile

31. Oktober 2026

KI-Agenten übernehmen Aufgaben in mehreren selbstgesteuerten Schritten – vom Planen über Werkzeugeinsatz bis zum Überprüfen des Ergebnisses. Der Beitrag ordnet ein, woraus ein Agent besteht, wie er sich von Chatbots und…

Was macht eigentlich eine WordPress-Agentur?
Digital

Was macht eigentlich eine WordPress-Agentur?

20. Oktober 2026

Eine WordPress-Agentur entwickelt individuelle Webseiten und sorgt nach dem Launch für zuverlässigen Betrieb, Updates, Sicherheit und SEO. Dieser Beitrag ordnet Leistungen, Preise und Qualitätsmerkmale ein.

Algorithmen am Hörer: Die Evolution der telefonischen Erreichbarkeit in der Wirtschaft
Digital

Algorithmen am Hörer: Die Evolution der telefonischen Erreichbarkeit in der Wirtschaft

20. Oktober 2026

Sprachbasierte Algorithmen übernehmen zunehmend die ersten Sekunden eines Telefonats, erfassen Anliegen in natürlicher Sprache und leiten sie an die richtige Fachabteilung weiter. Was das für Betriebe und Kundinnen…

Max-Planck-Institut: Menschliches Lernen entscheidet über Mensch-KI-Synergie
Digital

Max-Planck-Institut: Menschliches Lernen entscheidet über Mensch-KI-Synergie

16. Oktober 2026

Eine Reanalyse von 74 Studien durch das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung zeigt: Feedback und Erklärungen verwandeln negative Synergieeffekte in positive Mensch-KI-Teamleistung.

← Zurück zu DigitalZur Startseite