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Journalismus & Recherche
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Journalismus & Recherche

Vieles davon und noch mehr findet sich in größeren öffentlichen Bibliotheken. Auch ein Zeitungsarchiv leistet häufig gute Dienste. Viele Zeitungen und manche Universitätsinstitute verfügen über ein Archiv, das öffentlich zugänglich ist. Ein eigenes kleines Archiv leistet ebenso gute Dienste.
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
6 Minuten
Rubrik
Leben & Lifestyle

Was bedeutet Recherche?

Handwerkszeug und Alltag

Vieles davon und noch mehr findet sich in größeren öffentlichen Bibliotheken. Auch ein Zeitungsarchiv leistet häufig gute Dienste. Viele Zeitungen und manche Universitätsinstitute verfügen über ein Archiv, das öffentlich zugänglich ist. Ein eigenes kleines Archiv leistet ebenso gute Dienste.

Das Telefon ist das wichtigste Arbeitsinstrument des Journalisten. Manchmal muss er Gott und die Welt anrufen, sich von Pressesprecherin Hunz zu Abteilungsleiter Kunz zu Referent Funz verbinden lassen. Auch wenn er sich dabei manchmal vorkommt wie der Schreinermeister Karl Valentin bei seiner Telefonodyssee - nicht aufgeben, freundlich bleiben, bis der Rechercheur am Ziel angelangt ist. Wichtig: Bei Behörden und viel Unternehmen darf nur die Pressestelle Fragen beantworten - manchmal wird dann von dort aus weiterverbunden zum Fachmann im Hause. Nur wer Brisantes nachchecken will und Angst hat, die Pressestelle könnte blocken, sollte versuchen, sich direkt verbinden zu lassen - wenn man weiß, wer zuständig ist.

Das Internet ist eine Welt, in der es nahezu unendlich viele Informationen gibt. Vieles davon kann nützlich sein und den Rechercheur auf den richtigen Pfad bringen. Aber oft sind diese Informationen auch unglaubwürdig, dubios, stark interessengeleitet oder schlichtweg falsch. Der Journalist muss sich also stets fragen, wie weit er den Internetquellen trauen kann. Private Homepages sollten zum Beispiel mit mehr Skepsis aufgenommen werden als offizielle, zumal wenn diese von anerkannten Institutionen sind. So darf man der Homepage der Bundesregierung, des heimischen Landratsamtes oder der New York Times eher trauen als dem, was irgend eine unbekannte Quelle ins Netz gesetzt hat.

Selbstvertrauen

Bei der Recherche benötigt der Journalist seine Portion Selbstvertrauen und eine gewisse Frechheit, sich nicht alles gefallen zu lassen, sondern freundlich, aber bestimmt nachzuhaken. Auch junge Volontäre und Redakteure haben ein Recht, ernst genommen zu werden und Auskunft zu erhalten. Will der Gesprächspartner partout nichts sagen, sollte ihn der Journalist darauf aufmerksam machen, dass dann in der Zeitung steht: „XY weigerte sich, gegenüber der Zeitung ZT eine Stellungnahme abzugeben.“ In bestimmten Fällen kann es aber auch heißen: „XYZ konnte keine Stellungnahme abgeben“ bzw. „YX war nicht zu erreichen“, wenn sich der Betreffende selber erst informieren muss oder nicht erreichbar ist.

Pressemitteilungen

Viele Behörden und Institutionen geben regelmäßig Pressemitteilungen heraus. An sie kann der Redakteur sich wenden und fragen, ob er in den Verteiler aufgenommen wird. Oftmals kann man sie sich per E-Mail zuschicken lassen. Auch ein großer Bekanntenkreis hilft immer, die neuesten Informationen und Gerüchte rechtzeitig zu hören. Kontaktscheue ist für den Journalisten eher hinderlich. Allerdings kann er auch lernen, sie zu überwinden. Schließlich er muss ja mit anderen sprechen, bevor er die erste Zeile schreiben kann.

Und schließlich das vielleicht wichtigste von allem: eine nimmersatte Neugier. Ein guter Reporter könne an keinem Haus vorbeigehen, ohne die Namensschilder an der Tür zu lesen, soll Egon Erwin Kisch einmal gesagt haben. Ein guter Journalist klopft alles, was er hört, sieht oder liest darauf ab, ob eine interessante Story dahintersteckt.

Vor Beginn der Recherche erstellt ein guter Journalist einen „Fahrplan“:

Dieser „Fahrplan“ hört sich sicherlich sehr formal an. Mit gewisser Erfahrung geschieht dies quasi von allein. Gerade aber Anfänger sollten diese Reihenfolge einhalten und auch schriftlich notieren. Aus diesem Fahrplan ergibt sich auch:

Tipp:
„Der Journalist recherchiert nicht, bis er alles weiß (dann dauert’s ewig), sondern so lange, bis alle naheliegenden Fragen plausibel beantwortet sind.
(Walter von LaRoche)

Informantenschutz

Was ist, wenn ein Informant anonym bleiben will? Das kann vorkommen: Zum Beispiel eine Angestellte im Rathaus hat Angst um ihren Arbeitsplatz, wenn sie gewisse Vorwürfe gegen einen Amtsleiter öffentlich formuliert. Der Journalist muss dann die Glaubwürdigkeit des Informanten prüfen. Ist er glaubwürdig, kann die Nachricht verbreitet werden mit dem Hinweis „Nach Informationen dieser Zeitung...“ (Diese Informationen muss es wirklich geben - nichts ist verwerflicher als Informanten zu erfinden!). Über eines sollte man sich klar sein: Informantenschutz ist heilig! Wer ihn einmal zugesagt hat, muss ihn einhalten - auch unter Druck, wenn der Pressesprecher droht, der Bürgermeister oder Schulleiter tobt.

Zum Schutz von Informanten ist die 1-2-3-Regel gebräuchlich und wird von jedem - sowohl Pressesprechern, Politikern, Unternehmen als auch Journalisten - verstanden:

„Audiatur et altera pars“ – Immer auch die andere Seite hören

Ein alter römischer Rechtsgrundsatz, der auch für Journalisten gilt! Die meisten Themen haben zwei oder gar noch mehr Seiten: Ein örtlicher Fleischermeister bekommt plötzlich keine Aufträge mehr für die kulinarische Versorgung auf den Empfängen der Stadt und behauptet, die Bürgermeisterin benachteilige ihn, weil er für die gegnerische Partei in der Stadtverordnetenversammlung sitze. Eine Geschichte für die Zeitung! Aber noch ist es nicht soweit, dass die Schlagzeile „Falsche Partei: Da verschmähte Bürgermeisterin P.O. die Wurstbrötchen“ formuliert werden könnte. P.O. wird die Sache wahrscheinlich völlig anders sehen: Möglicherweise weist sie darauf hin, dass die Wurst immer drei Tage alt gewesen sei, grünlich geschimmert und ziemlich schal geschmeckt habe. Einem wichtigen Mäzen des Heimatmuseums sei auf des Fleischmeisters Wurst sogar übel geworden.

Sagt P.O. allerdings: „Mit Ihnen rede ich überhaupt nicht!", dann könnte es im Artikel heißen: „Der Fleischermeister XY behauptet, dass...“ und „Bürgermeisterin P.O. war nicht zu einer Stellungnahme bereit.“. Anschließend folgt das Ergebnis einer guten Recherche: „Schon vor einem halben Jahr hatte der Bäcker U.Z. ähnliche Vorwürfe erhoben... Der Fraktionsvorsitzende R.R. gegenüber der Zeitung: ‘Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich stehe voll hinter P.O.’ ... Der zuständige Regierungspräsident, Dr. I.L., versprach, die Vorwürfe zu untersuchen...“

Recherche im Internet

Von Online-Diensten und elektronischen Medien können alle Journalisten profitieren: sie haben einen schnellen und einfachen Zugang zu Informationen. Dies gilt besonders für Schülerzeitungen, die kein eigenes Archiv besitzen und meist auch keinen Zugang zu einem anderen (beispielsweise der örtlichen Tageszeitung) haben. Gerade dann bietet sich das Internet hervorragend an, da hier zahlreiche Informationen kostenlos erhältlich sind. Auch in anderen Onlinediensten wie T-Online der Telekom werden Datenbanken angeboten, die jedoch (teilweise hohe) Gebühren berechnen. Der Internet-Zugang ist hingegen kostengünstig oder über die Schule sogar kostenlos (manche Internet-Anbieter wie AOL und T-Online gewähren Journalisten Sonderkonditionen).

Das Internet bietet Informationen auf drei Wegen:

Aber wie finde ich nun in den zig Millionen Web-Seiten die Information, die ich suche? In diesem Fall gibt es verschiedene Hilfsmittel:

Besonders bewährt haben sich die Suchmaschine Google (http://www.google.de) und der Katalog Yahoo (http://www.yahoo.de). Beide Angebote archivieren oder finden Internet-Seiten, nach denen dann per Stichwort (beispielsweise „Fußball“ oder „Arnold Schwarzenegger“ gesucht werden kann. Unterschied zwischen Suchmaschine und Katalog: Die Suchmaschine sucht in allen Internetseiten nach dem Stichwort, im Katalog sind die Angebote bereits vorsortiert, beispielsweise geographisch nach Ländern oder thematisch nach Medien, Behörden oder Sport. Durch dieses Verfahren gibt es auch verschiedene Wege, eine Information zu finden. Über den Suchbegriff, der besonders eng gefasst sein sollte, geben Suchmaschine oder Katalog den Link zu der entsprechenden Seite. Vorsicht: Manchmal werden mehrere Dutzend oder gar mehrere hundert Seiten angeboten. Dann sollte der Suchbegriff enger gefasst werden. Auch die Newsgroups können sehr interessant sein, da sich hier die Meinung vieler, des „Volkes“, widerspiegelt.

Auch hier gilt, Informationen aus dem Internet nicht ungeprüft übernehmen. Am besten ist es, noch eine zweite, Nicht-Internet-Quelle zu finden, die sie bestätigt.

Nachteil von Suchmaschine und Katalog ist, das diese nur in den reinen Internet-Seiten suchen, nicht aber in Archiven von Tageszeitungen und anderen Medien.

Einige gute Archive:

Viele Regionalzeitungen bieten ebenfalls Archive an, zum Teil aber nur einige Tage oder Wochen zurück (so auch die Süddeutsche Zeitung, die nur einen kleinen Teil ihrer veröffentlichten Artikel kostenlos ins Online-Archiv stellt).

Für Journalisten interessant sind darüber hinaus folgende Medien-Nachrichtendienste:

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