Brandt
Im Innern leitete die Regierung Brandt unter dem Motto „mehr Demokratie wagen“ mehrere gesellschaftliche Reformen ein. Nachdem 1972 die knappe Mehrheit der sozialliberalen Koalition durch Fraktionsaustritte von Abgeordneten verloren gegangen war, überstand Brandt das von der CDU/CSU beantragte konstruktive Misstrauensvotum und gewann in vorgezogenen Neuwahlen eine sichere Mehrheit für die Koalition.
Für das Eindringen des DDR-Spions G. Guillaume in den Kreis seiner engsten Mitarbeiter übernahm Brandt die politische Verantwortung und trat am 6. 5. 1974 als Bundeskanzler zurück.
In der Folge näherte sich Brandt der „Friedensbewegung“ und dem linken Parteiflügel. Sicherheitspolitisch geriet er in Gegensatz zu seinem Amtsnachfolger H. Schmidt . Unter Revision früherer Äußerungen begrüßte Brandt uneingeschränkt die Wiedervereinigung Deutschlands. Er war Alterspräsident des ersten gesamtdeutschen Bundestages.
Brandt veröffentlichte u. a.: (mit R. Löwenthal) „E. Reuter“ 1957; (mit L. Lania) „Mein Weg nach Berlin“ 1960; „Draußen – Schriften während der Emigration“ (hrsg. von G. Struve) 1966; „Über den Tag hinaus“ 1974; „Begegnungen u. Einsichten. Die Jahre 1960 – 1975“ 1976; „Links u. frei. Mein Weg 1930 – 1950“ 1982; „Der organisierte Wahnsinn“ 1985; „Erinnerungen“ 1989.