24. Juni 1948 - Auf Anordnung der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) wird der gesamte Eisenbahnverkehr zwischen den Westsektoren Berlins und den westlichen Besatzungszonen unterbrochen. Mit diesen Sperrmaßnahmen sind die Westsektoren von Berlin nun vollständig blockiert. Als einzige Verbindung zu den Westzonen stehen noch die drei alliierten Luftkorridore offen. Zugleich verfügt die SMAD die Einstellung aller Stromlieferungen aus umliegenden Kraftwerken in den Westteil der Stadt und untersagt die Belieferung der Westsektoren mit Lebensmitteln aus der Ostzone.
Etappen auf dem Weg zur Blockade
- 24. Januar: Ein mit westalliierten Soldaten besetzter Eisenbahnzug wird auf der Fahrt von Helmstedt nach Berlin elf Stunden lang in der Ostzone festgehalten.
- 30. März: Der stellvertretende sowjetische Militärgouverneur in Deutschland, General Michail J. Dratwin, kündigt verschärfte Kontrollen auf den Verbindungswegen von und nach Berlin an.
- 2. April: Der US-amerikanische Militärgouverneur in Deutschland, General Lucius D. Clay, ordnet als Reaktion auf die zunehmenden Behinderungen des alliierten Verkehrs von und nach Berlin die Errichtung der "Kleinen Luftbrücke" zur Versorgung der US-amerikanischen Garnison in der Stadt an.
- 15. Juni: Die Autobahn zwischen Berlin und Helmstedt wird wegen angeblich notwendiger Reparaturarbeiten an der Elbbrücke bei Magdeburg gesperrt.
- 19. Juni: Die sowjetischen Besatzungsbehörden beginnen mit der Unterbrechung des gesamten Personenverkehrs auf Straße, Schiene und Wasserwegen.
Als die Westalliierten am 18. Juni für ihre Besatzungszonen eine Währungsreform ankündigten, verschärfte sich die Situation dramatisch. Kern des Streites ist die Frage, in welches Währungsgebiet die Westsektoren Berlins einbezogen werden. Die UdSSR betrachtet dagegen die Westsektoren Berlins als wirtschaftlichen Bestandteil ihrer Besatzungszone.
Blockade gefährdet Viermächtestatus
Die Blockade der Westsektoren Berlins durch die sowjetische Besatzungsmacht ist eine unmittelbare Reaktion auf die Währungsreform in den drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands.
Schon seit Jahresbeginn wirft die UdSSR den Westalliierten vor, die im Potsdamer Abkommen von 1945 getroffenen Vereinbarungen über eine gemeinsame Deutschlandpolitik gebrochen zu haben. Auf die Pläne der Westmächte, in ihren Besatzungszonen die Gründung eines Staatswesens vorzubereiten, reagierte die UdSSR bereits am 20. März mit ihrem Auszug aus dem Alliierten Kontrollrat. Nach ihrer Auffassung hat die Viermächteverwaltung Deutschlands aufgehört zu existieren. Sie sieht daher für die Präsenz der Westmächte in Berlin keine rechtliche Grundlage mehr.
Mit der Blockade Berlins ist der Fortbestand des Viermächtestatus der Stadt akut gefährdet. Zwar hatten sich die vier Alliierten auf eine gemeinsame Besetzung der Stadt geeinigt; mit Ausnahme der Luftwege sind aber keine Vereinbarungen über die Verkehrsverbindungen getroffen worden.



