Im Jahr der Oktoberrevolution steckte Russland mitten im Ersten Weltkrieg - und es lief nicht gut. Deutschland und Osterreich-Ungarn hatten bereits viele Gebiete des Landes erobert. Den Soldaten ging es schlecht, weil sie nicht genügend Nahrungsmittel und Medikamente erhielten. Auch die Bevölkerung litt. Da die Kriegsführung viel Geld verschlang, ging es wirtschaftlich bergab. Viele Arbeiter steckten im sozialen Elend und den Menschen fehlte es an so grundlegenden Dingen wie Brot.
Mit dem Hunger wuchs auch der Unmut in der Bevölkerung: Hungerrevolten, Streiks und Plünderungen gehörten zur Tagesordnung. Zahlreiche Menschen gingen gegen Zar Nikolaus Alexander II. und seine Regierung auf die Straße. Der zeigte sich hart gegenüber den Demonstranten und ließ die Aufständischen von seinen Soldaten niederschlagen. Doch im Februar - nach unserem heutigen Kalender im März - eskalierte die Situation: Soldaten liefen zu den Demonstranten über und es kam zur sogenannten Februarrevolution. Dabei wurde der Zar entmachtet und ein Parlament, das Duma, übernahm mit einer provisorischen Regierung die politischen Geschäfte.
Problematische Doppelherrschaft
Doch damit kehrte noch lange keine Ruhe in Russland ein - im Gegenteil. Denn mit den Sowjets hatte sich eine große Bewegung entwickelt, die nun ebenfalls Ansprüche auf die Regierung erhob. Schließlich hatten diese Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte einen großen Anteil am Sturz des Zaren gehabt. Dabei gaben vor allem die Bolschewiken unter der Führung von Lenin und Trotzki den Ton an. Schlussendlich kam es zu einer Art Doppelherrschaft zwischen der aus bürgerlichen Politikern und Gutsbesitzern zusammengesetzten Übergangsregierung auf der einen und den Sowjets auf der anderen Seite.
Die beiden Parteien waren sich jedoch in vielen Fragen uneinig. Während Lenin in seinen berühmten Aprilthesen unter anderem den Waffenstillstand, die Enteignung von Großgrundbesitzern und Land für die Bauern sowie eine Verstaatlichung der Produktionsmittel forderte, führte die kapitalistisch orientierte Regierung den Krieg trotz der großen Hungersnot im eigenen Land weiter und schien sich Problemen wie der Nahrungsmittelknappheit oder der Landfrage nur zögerlich anzunehmen.
"Brot, Frieden und Freiheit"
Lenin forderte deshalb den Sturz der Übergangsregierung. Was selbst vielen seiner Anhänger zunächst zu radikal erschien, stieß in der Bevölkerung auf immer mehr Zustimmung. Denn trotz der Entmachtung des Zaren waren die Nöte der "normalen Bürger" noch immer nahezu dieselben wie vor der Februarrevolution. Mit seinem Versprechen von "Brot, Frieden und Freiheit" traf Lenin den Nerv vieler Menschen.
Als sich mit der Zeit immer mehr abzeichnete, dass die provisorische Regierung weder hinsichtlich einer Landreform noch in Bezug auf Friedensverhandlungen mit Deutschland entschlossen handelte, wuchs die Unterstützung für Lenins Parteiprogramm auch bei vielen, die es zunächst für zu drastisch erachtet hatten. So beschloss das Zentralkomitee der bolschewistischen Partei schließlich den bewaffneten Aufstand gegen die Regierung.
Sturm auf den Winterpalast
Am 7. November stürmten die Bolschewiki unter Trotzkis Kommando den Winterpalast sowie weitere wichtige Gebäude in St. Petersburg und verhafteten die Mitglieder der Regierung. Die Revolte verlief weitestgehend unauffällig. Zu großen Straßenschlachten kam es nicht, da die Revolutionäre auf wenig Widerstand stießen. Ein eilig zusammengerufener "Allrussischer Sowjetkongress" billigte am Abend der Revolution den Umsturz und die nächsten Schritte der neuen Regierung.
Lenin übernahm die Führung und proklamierte im Rat der Volkskommissare die Sozialistische Sowjetrepublik. Die Bolschewiki, die sich nun KPdSU nannten, regierten praktisch allein und setzten sich zunächst für die Enteignung der Grundbesitzer und den Waffenstillstand mit dem Deutschen Reich ein. Mit dem Friedensvertrag von 1918 verlor Russland rund 1,4 Millionen Quadratkilometer seines Staatsgebiets - und damit wichtige Kornkammern und Industriestandorte.
Bürgerkrieg und Gründung der Sowjetunion
Die Oktoberrevolution sicherte den Bolschewiki um Lenin und Trotzki zunächst nur die Macht in St. Petersburg und bildet deshalb nur einen Schritt auf ihrem Weg zur Herrschaft in Russland. Um ihre Macht ausbreiten und erhalten zu können, schreckten die Bolschewisten in den kommenden Jahren vor nichts zurück. Bereits im Dezember 1917 wurde die Tscheka gegründet, die Staatssicherheit, die politische Gegner gewaltsam ausschaltete.
In den Jahren nach der Oktoberrevolution tobte ein heftiger Bürgerkrieg. Den Sieg trug schließlich die Rote Armee von Lenin davon. Als Folge kam es zur Gründung der Sowjetunion - eine für Europa folgenreiche Gewaltdiktatur, die unter Lenins Nachfolger Stalin vom Agrarstaat zur Weltmacht wurde und erst 1991 unter Gorbatschow endete.



