2 DM pro Nacht
Leben & Lifestyle

2 DM pro Nacht

Bild: Foto: unbekannt, Public domain, via Wikimedia Commons

Für die meisten Deutschen war eine Reise im Sommer 1948 in die bekannten und beliebten Urlaubsorte der Alpen sowie an der Nord- und Ostseeküste immer noch ein unerschwingliches Vergnügen. In den Zeiten des Hungers und Elends lagen zudem Gedanken an einen erholsamen Ferienaufenthalt fern.

Währungsreform löst Krise aus

Mit der Währungsreform im Juni änderte sich dieses Bild radikal: Die meisten Gäste verließen überstürzt ihr Urlaubsdomizil; allein 30 000 in der Gegend um Garmisch-Partenkirchen. Sie fürchteten, am nächsten Tag nur noch wertloses Papier in der Brieftasche zu tragen. Dabei spielten sich auf den Bahnhöfen häufig groteske Szenen ab. Es kam zu Tumulten: Für einen Platz in den überfüllten Zügen wurden den Schaffnern bis zu 3000 RM geboten.

Für Hotel- und Restaurantbesitzer in den Urlaubszentren hatte die Währungsreform zunächst katastrophale Folgen. Viele Hotels standen leer, Personal musste entlassen werden. So waren z. B. in Bad Reichenhall über 11 000 Betten frei. Lediglich die Gäste aus den USA, die, wie die US-amerikanischen Besatzungssoldaten, über die begehrten US-Dollars verfügten, blieben den Urlaubsgebieten treu.

Auch die Reichsbahn spürte die Auswirkungen der Währungsreform. Weil das Geld plötzlich knapp geworden war, blieben die Züge leer. Sie verkündete daraufhin drastische Tarifsenkungen. Der Preis für Fernfahrkarten wurde um 25 %, der für Gesellschaftsfahrten um bis zu 50% gesenkt. Gleichzeitig wurde auch der Komfort der Reisezüge deutlich verbessert. Auf einigen Strecken setzte die Mitropa wieder Speise- und Schlafwagen ein.

Urlaub auf Balkonien

Kurverwaltungen und Reisebüros entschlossen sich nach der Währungsreform, bei den Deutschen wieder die Reiselust zu wecken. Große Reklameaktionen wurden gestartet und ungewöhnliche Billigangebote offeriert. So konnte man mitunter in den besten Hotels ein feudales Schlafgemach schon für 2 DM pro Nacht mieten! Trotzdem blieben im Sommer 1948 die meisten Deutschen während ihres Urlaubs zu Hause. Sie suchten an den nahen Ufern von Flüssen und Seen Erholung oder verbrachten die Ferien ganz einfach auf dem heimischen Balkon. Die Ausnahme: Deutschlands Kur- und Urlaubsorte wie z. B. Berchtesgaden oder Westerland auf Sylt, konnten sich dennoch über fehlende Gäste zunächst nicht beklagen. Neben einigen wenigen Gutsituierten waren es jedoch vor allem Schwarzhändler und Großschieber, die Hotels und Pensionen bevölkerten.

Weitere Artikel auf wissenschaft.de

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite