200 Jahre Frankenstein: Faszination Monster
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200 Jahre Frankenstein: Faszination Monster

Bild: Foto: Markus Willimann, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

In der Popkultur ist es unter dem Namen seines Schöpfers Frankenstein eingegangen. Im Roman heißt das Monster jedoch nur das "Wesen", der "Dämon" oder der "Teufel": eine aus Leichenteilen zusammengestückelte menschliche Kreatur, mit den Mitteln der Naturwissenschaft zum Leben erweckt. Sie ist das Werk eines genial-wahnsinnigen Forschergeistes, der daran tüftelt, Herr über Leben und Tod zu werden.

In der Popkultur ist es unter dem Namen seines Schöpfers Frankenstein eingegangen. Im Roman heißt das Monster jedoch nur das "Wesen", der "Dämon" oder der "Teufel": eine aus Leichenteilen zusammengestückelte menschliche Kreatur, mit den Mitteln der Naturwissenschaft zum Leben erweckt. Sie ist das Werk eines genial-wahnsinnigen Forschergeistes, der daran tüftelt, Herr über Leben und Tod zu werden.

Entsprungen sind die Figuren des Grenzen überschreitenden Wissenschaftlers und seiner hässlichen Schöpfung der Feder von Mary Shelley. Die Achtzehnjährige reist 1816 mit einer Gruppe junger Engländer durch Europa. Es ist das Jahr ohne Sommer: Der Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien hat Europa in eine Decke aus Aschewolken gehüllt und ungemütliche Kälte gebracht. In der Schweiz flüchten sich die Reisenden vor der notorisch schlechten Witterung unter das Dach des Poeten Lord Byron. Passend zur Wetterlage entsteht eine düstere Idee. Man verabredet einen Wettstreit im Schauergeschichtenschreiben.

Von zuckenden Leichnamen

Ihr Material findet Shelley in den philosophischen und naturwissenschaftlichen Themen ihrer Zeit. Anfang des 19. Jahrhunderts scheint die Menschheit kurz davor zu stehen, selbst zum Erschaffer von Leben zu werden. Denn der Arzt Luigi Galvani hat entdeckt, dass durch Stromstöße Muskelbewegungen erzeugt werden können - auch bei toten Lebewesen. In Glasgow wird daraufhin der Leichnam eines hingerichteten Verbrechers vor großem Publikum an eine Stromquelle angeschlossen. Dieser zuckt und windet sich.

Kann der Mensch bald wirklich den Tod besiegen? Wenn ja, darf er das? Und was ist eigentlich das Wesen des Lebens? Fragen wie diese beschäftigen damals die Öffentlichkeit. Sie inspirieren auch die junge Autorin. So entsteht die Geschichte eines künstlichen Menschen, dem von der Welt und sogar von seinem eigenen Schöpfer nur Abscheu und Hass entgegenschlagen - und der dadurch schließlich zum sich rächenden Mörder wird.

Ein menschliches Monster

Am 1. Januar 1818 wird Shelleys Schauergeschichte erstmals veröffentlicht. Zunächst wird der Roman verrissen. Doch die Idee von Frankenstein und seinem Monster zündet: Theater bringen Frankenstein-Geschichten, 1910 gibt es den ersten Stummfilm und 1931 kreiert Regisseur James Whale mit dem britischen Schauspieler Boris Karloff in der Hauptrolle das berühmte Bild des klobigen Riesen mit dem turmartigen Schädel.

Bis heute werden Kino, Fernsehen und Literatur nicht müde, das inzwischen 200 Jahre alte Monster in zahllosen Versionen hochleben lassen. Denn noch immer übt die Geschichte eine schier ungebrochene Faszination auf Zuschauer und Leser aus. Das liegt gewiss nicht nur daran, dass wir uns vor dem mordenden Wesen aufs Genüsslichste gruseln können und es in seiner Ambivalenz gleichzeitig so ungemein menschlich ist.

Aktueller denn je

Vor allem scheint sich der Erfolg des Frankenstein-Motivs dadurch erklären zu lassen, dass es in den Zeiten der modernen Wissenschaften aktueller ist denn je. Forscher verschieben als moderne Frankensteins heute regelmäßig die Grenzen des Vorstellbaren: Sie arbeiten an Maschinen mit künstlicher Intelligenz, die sich selbst Strategiespiele beibringen und den menschlichen Geist bezwingen können. Sie klonen Lebewesen, kreieren das perfekte "Designer-Baby", versuchen Krankheiten auszurotten oder ausgestorbene Tiere wieder zum Leben zu erwecken.

Mit jedem Fortschritt stellen sich dabei immer wieder auch moralisch-ethische Fragen: Wie weit darf die Wissenschaft gehen? Welche Konsequenzen hat das Experimentieren mit Leben und Tod? Und wie können wir sicher sein, dass unsere Innovationen nicht genauso folgenschwer außer Kontrolle geraten wie Frankensteins Monster in Mary Shelleys Roman?

Wissenschaft braucht Verantwortung

Mary Shelley ist ihrerzeit übrigens keineswegs eine Gegnerin des Fortschritts. Als Tochter einer Frauenrechtlerin und eines politischen Reformers ist sie mit radikal-aufklärerischen Gedanken vertraut. Dass Wissenschaft Grenzen überschreiten muss, wenn sie Neues liefern soll, ist für sie kein abwegiger Gedanke. Doch das Überschreiten von Grenzen, so kritisiert sie mit ihrem "Frankenstein", darf nicht um jeden Preis geschehen: Nicht sein darf eine Wissenschaft, die auf menschlichem Hochmut ohne Weitsicht, Mitgefühl und Verantwortung basiert - ein zeitloses Credo, das 1818 genauso aktuell ist wie 2018.

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