21. Februar: Tag der Muttersprache
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21. Februar: Tag der Muttersprache

Bild: Foto: Markus Willimann, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Spracherwerb beginnt am Wickeltisch. Schon wenige Monate alte Säuglinge erkennen die typischen Laute und die Sprachmelodie ihrer Muttersprache. Denn jede Sprache besitzt einen jeweils eigenen Laut-Code, im Chinesischen kommt es beispielsweise entscheidend auf die auf- oder absteigende Tonhöhe der Silben an, im Deutschen spielt diese Melodie dagegen kaum eine Rolle. Säuglinge reagieren schon kurz nach der Geburt auf die für ihre Sprache typischen Laute, wie Studien zeigen.

Egal, wo wir leben und arbeiten: Unsere Muttersprache ist wichtig. Denn haben wir sie nicht richtig gelernt, dann fehlen uns wichtige Grundlagen für unsere Persönlichkeit, aber auch für das Erlernen weitere Sprachen. Der Tag der Muttersprache soll daran erinnern.

Spracherwerb beginnt am Wickeltisch. Schon wenige Monate alte Säuglinge erkennen die typischen Laute und die Sprachmelodie ihrer Muttersprache. Denn jede Sprache besitzt einen jeweils eigenen Laut-Code, im Chinesischen kommt es beispielsweise entscheidend auf die auf- oder absteigende Tonhöhe der Silben an, im Deutschen spielt diese Melodie dagegen kaum eine Rolle.  Säuglinge reagieren schon kurz nach der Geburt auf die für ihre Sprache typischen Laute, wie Studien zeigen.

Prägung in den ersten Lebensmonaten

Die ersten Monate sind dabei eine wichtige Prägungsphase: "Das Kindergehirn stimmt sich in dieser sensiblen Entwicklungsperiode auf die Klänge einer Sprache ein", erklärt der Sprachforscher Adrian Garcia-Sierra von der University of Washington. Die Prägungsphase ist normalerweise im Alter von zehn bis zwölf Monaten abgeschlossen. Jetzt hat das Gehirn des Kindes die typischen Laute der Muttersprache gelernt und reagiert nun nur noch auf diese Laute. Laute einer Fremdsprache lösen dagegen keine Reaktion mehr aus. Damit ist das Fundament für das Sprechenlernen gelegt. Auf Basis dieser eingeprägten Lautmuster beginnt das Kind nun selbst, Silben und Worte zu formen.

Weil diese Form der Prägung bei später erlernten Sprachen fehlt, hört man es meistens am Akzent, wenn jemand nicht Muttersprachler ist. Auch das Lernen und Verstehen der Grammatik fällt bei der Zweitsprache meist schwerer. Für Eltern, die aus einem andern Sprachraum kommen und in Deutschland leben, stellt sich daher die Frage: In welcher Sprache soll ich mit meinem Kind reden? Sprechen sie beispielsweise türkisch mit ihrem Kind, müssen sie befürchten, dass dieses dann später mit dem Deutschen Probleme bekommt und benachteiligt ist. Andererseits beherrschen sie selbst möglicherweise das Deutsche nur zum Teil, sollen sie dann trotzdem, trotz ihrer eigenen begrenzten Sprachkenntnisse ihrem Kind zuerst die für sie fremde Sprache beibringen?

Gut ist wichtiger als welche Sprache

Tatsächlich wird immer wieder die Forderung erhoben, dass Migranten zu Hause mehr Deutsch sprechen sollten. Auch, weil die Deutschkenntnisse von Grundschülern trotz umfangreicher Fördermaßnahmen immer schlechter werden. Doch die Wissenschaft widerlegt diese Forderung: Es ist gut, wenn Eltern mit ihren Kindern die Sprache sprechen, die sie selbst am besten beherrschen. Meist ist dies ihre Muttersprache. Denn Studien zeigen, dass es für kleine Kinder immens wichtig ist, in einer qualitativ und quantitativ hochwertigen sprachlichen Umgebung aufzuwachsen. Denn nur wenn eine Sprache richtig von Grund auf gelernt wird, kann auch eine zweite dazukommen.

Und dass bedeutet, dass die Eltern mit ihrem Kind in ihrer Muttersprache sprechen sollten – auch wenn sich die Familien in einem anderen Land befinden. Eine Studie mit russischsprachigen Kindern, durchgeführt am Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS) in Berlin, belegt beispielsweise:
Wenn Migranten mit ihren Kindern Deutsch anstelle ihrer Herkunftssprache sprechen, verschlechtert sich die Herkunftssprache bei den Kindern, ohne dass sich die Deutschkenntnisse verbessern. Außerdem kann eine schlechte Kenntnis der Muttersprache bei den Kindern langfristig sogar zu Identitäts- und Beziehungsproblemen in der Familie führen.

Früher Kontakt mit Zweitsprache ist dennoch wichtig

Damit die Kinder trotzdem gut und rechtzeitig vor der Einschulung Deutsch lernen, empfehlen die Experten des Zentrums für Allgemeine Sprachwissenschaft, diese regelmäßig in eine Kinderkrippe oder Kita zu schicken. Dort bewegen sich die Kinder in einem deutschsprachigen Umfeld und haben so die Möglichkeit, diese Sprache ebenfalls wieder von Muttersprachlern zu lernen – und damit gleich richtig. Wenn die Eltern in der Muttersprache und die Erzieher auf Deutsch mit den Kindern sprechen, reicht das meist schon aus, um beide Sprachen im Gehirn des Kindes zu verankern, so die Experten.

Eine Besonderheit gibt es bei Kindern, die von Beginn an zweisprachig aufwachsen – beispielsweise weil Mutter und Vater unterschiedliche Muttersprachen haben und diese jeweils mit dem Kind sprechen: "Das Gehirn bilingualer Babys legt sich offenbar nach einem anderen Zeitplan auf eine Sprache fest als einsprachige", sagt Garcia-Sierra. Sind die Säuglinge sehr früh Lauten aus beiden Sprachen ausgesetzt, verzögert sich ihre Prägungsphase. Sie reagieren auch in einem Alter von zwölf Monaten noch auf Laute beider Sprachen. Offenbar bleibt ihr Gehirn flexibler, um die große Vielfalt der unterschiedlichen Sprachlaute in zweisprachigen Umgebungen besser verarbeiten zu können.

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