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40 Jahre Post-Its
Bildquelle nicht angegeben
Leben & Lifestyle

40 Jahre Post-Its

Sie sind knallbunt, haften an fast allen Oberflächen und lassen sich rückstandslos wieder entfernen: Post-Its. Die kleinen Zettelchen, mit denen wir Seiten in Büchern markieren, Kollegen eine Nachricht auf dem Schreibtisch hinterlassen oder am heimischen Kühlschrank an die zu erledigenden Einkäufe erinnern, sind aus…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Leben & Lifestyle
Artikelbild

Signe Dons / Public Domain

Sie sind knallbunt, haften an fast allen Oberflächen und lassen sich rückstandslos wieder entfernen: Post-Its. Die kleinen Zettelchen, mit denen wir Seiten in Büchern markieren, Kollegen eine Nachricht auf dem Schreibtisch hinterlassen oder am heimischen Kühlschrank an die zu erledigenden Einkäufe erinnern, sind aus dem Alltag vieler Menschen kaum noch wegzudenken – die Haftnotizen sind einfach zu praktisch.

Das Geheimnis der Zettel ist ihre besondere Klebeeigenschaft. Der spezielle Klebstoff auf ihrem Haftstreifen besteht aus winzigen Kügelchen mit feinen Härchen. Diese wirken wie Tentakeln, die das Papier beispielsweise an einer Buchseite festhalten. Gleichzeitig sorgt die perlenartige Form des Klebers dafür, dass sich die Kontaktfläche zwischen Post-It und Untergrund verkleinert. So kann die Notiz leicht wieder abgezogen und viele Male neu verwendet werden. Lediglich durch Staub oder anderen Schmutz verliert sich die Klebewirkung mit der Zeit.

Ein Kleber ohne Verwendung

Dieses findige Patent haben wir zwei US-amerikanischen Wissenschaftlern und einem Zufall zu verdanken. Alles begann damit, dass der Chemiker Spencer Silver für die Firma 3M an einem neuen Superkleber forschte. Nach monatelanger Arbeit hatte Silver eine Klebemasse auf Basis sogenannter Mikrokugeln entwickelt. Sie klebte wie erhofft auf allen möglichen Materialien – doch leider löste sie sich auch sehr leicht wieder davon.

"Wir wollten damals stärkere, robustere Klebstoffe entwickeln. Dieser Kleber gehörte definitiv nicht dazu", berichtet Silver von seinem Misserfolg. Jahrelang fand sich daher keine Verwendung für den neuen Klebstoff. Trotzdem reichte Silver seinen Kleber beim Patentamt ein und erzählte immer wieder Kollegen davon, zum Glück. Denn einer dieser Kollegen, Arthur Fry, erinnerte sich eines Tages beim Singen im Kirchenchor an die Erfindung. Ihm fielen damals, im Jahr 1974, ständig die Lesezeichen aus seinem Gesangbuch. Wäre Silvers Kleber nicht die ideale Lösung für das Problem?

Artikelbild

ZEISS Microscopy / CC BY-NC-ND 2.0

Die entscheidende Idee

Genau dies testete Fry am nächsten Sonntag in der Kirche. Er trug den Kleber auf seine Merkzettel auf und war begeistert. Daraufhin schlossen er und Silver sich zusammen, um ein Produkt nach diesem Vorbild zu entwickeln: selbsthaftende und rückstandslos entfernbare Lesezeichen. Schnell zeichnete sich dabei ab, dass die Markierung von Buchseiten mitnichten die einzige Anwendungsmöglichkeit der Haftzettel war. Kollegen, denen Fry und Silver ihre Zettel zum Testen gaben, nutzten diese auch, um Nachrichten auf Telefone, Briefe und Unterlagen zu heften – ein ganz neues Kommunikationsmittel war geboren.

"Wie viele bahnbrechende Innovationen war unsere Erfindung ein Produkt, von dem niemand dachte, dass er es brauchen würde – bis es auftauchte", sagt Silver. Trotzdem sollte es noch eine Zeitlang dauern, bis 3M die vielseitig einsetzbaren Zettelchen auf den Markt brachte. Erst am 6. April 1980 erfolgte die US-weite Markteinführung der Post-Its. Es war der Beginn eines Welterfolgs.

Artikelbild

Michael Arrighi / CC BY-NC 2.0

Viel mehr als nur Büro-Utensil

Heute werden die ursprünglich kanariengelben Zettel in allen möglichen Farben und Formen und von zahlreichen unterschiedlichen Anbietern produziert. Sie sind in Büros ebenso allgegenwärtig wie in den privaten vier Wänden vieler Menschen weltweit und haben sich sogar in der Populärkultur etabliert.

So entstehen aus den Klebezetteln regelmäßig Kunstwerke an Wänden und Fensterscheiben – ein berühmtes Beispiel ist das Konterfei von Apple-Firmengründer Steve Jobs, das nach dessen Tod an die Wand in einem Münchner Büro des Unternehmens geklebt wurde. Auf der Online-Pinnwand Pinterest gibt es sogar eine Rubrik mit dem Titel "Post-It Art". Auch in Filmen und TV-Serien tauchen die bunten Haftnotizen immer wieder auf. Im Staffelfinale von "Grey's Anatomy" schrieben die beiden Protagonisten Meredith Grey und Derek Shepherd zum Beispiel ihre Ehegelübde darauf.

Artikelbild

Andreas Kopp / CC BY 2.0

Es gibt sie auch in digital

Die Zettel sind so praktisch, dass viele Verbraucher selbst in der digitalen Welt nicht auf sie verzichten mögen. Deshalb gibt es inzwischen auch Post-It-Versionen für Smartphone und PC. Die elektronischen Haftnotizen funktionieren nach demselben Prinzip wie das Original aus Papier und sind genauso nützlich: Sie helfen dabei, schnell zu informieren, sich einfach zu erinnern und stets den Überblick zu behalten.

Wahrscheinlich ist es nicht übertrieben, zu behaupten, dass die Post-Its unseren Alltag revolutioniert haben. Nicht ohne Grund hat die US-Zeitschrift "Fortune" die Klebezettel einmal zu einer der wichtigsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts erklärt – zusammen mit dem modernen Kühlschrank, der Boeing 707 und der CD.

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