400 Jahre Mayflower - die Ankunft der "Pilgerväter" in Amerika
Leben & Lifestyle

400 Jahre Mayflower - die Ankunft der "Pilgerväter" in Amerika

Bild: Foto: Abraham Pisarek, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons

Anfang des 17. Jahrhunderts bestimmte die anglikanische Kirche den Glauben in England: Sie war teils katholisch ausgerichtet, teils von Luthers Reformation im 16. Jahrhundert geprägt. Doch einigen religiösen Gemeinschaften vor allem unter Bauern und Handwerkern war dies nicht strikt genug. Sie folgten strengeren protestantischen Grundsätzen hin und wollten keine katholischen Einflüsse in ihrem Glauben. Diese sogenannten „Puritaner“ lehnten den kirchlichen Reichtum und die Machtfülle der englischen Bischöfe ab. Sie folgten stattdessen streng der Bibel und wollten frei ihre Meinung äußern.

William Halsall, Gemeinfrei

Anfang des 17. Jahrhunderts bestimmte die anglikanische Kirche den Glauben in England: Sie war teils katholisch ausgerichtet, teils von Luthers Reformation im 16. Jahrhundert geprägt. Doch einigen religiösen Gemeinschaften vor allem unter Bauern und Handwerkern war dies nicht strikt genug. Sie folgten strengeren  protestantischen Grundsätzen hin und wollten keine katholischen Einflüsse in ihrem Glauben. Diese sogenannten „Puritaner“ lehnten den kirchlichen Reichtum und die Machtfülle der englischen Bischöfe ab. Sie folgten stattdessen streng der Bibel und wollten frei ihre Meinung äußern.

Europa den Rücken zukehren

Aber ihre religiösen Vorstellungen machte die Puritaner zu Verfolgten: In Europa wurden sie von der Kirche und den Monarchen in die Enge getrieben, weil sie sich nicht unterwarfen, sondern zu eher demokratischen Werten bekannten. Einige von ihnen fanden zunächst Unterschlupf in Holland in der Stadt Leiden, träumten aber von einem neuen Leben ohne Angst und Unterdrückung – und sahen ihre Chance in Amerika.

Inspiriert von den ersten englischen Siedlern, die im Jahr 1607 den amerikanischen Kontinent erreichten, entschieden sich schließlich auch die Puritaner, ins Land der „unbegrenzten Möglichkeiten“ auszuwandern. Aber statt sich wie viele andere europäische Auswanderer ertragreiche Geschäfte zu erhoffen, wollten die Puritaner dort die „wahre Gemeinde Christi" gründen und frei nach ihren eigenen Vorstellungen leben – in einem „besseren“ England.

Plimoth Patuxet Museums / CC BY-ND 2.0

Turbulenzen an Bord

Die Puritaner waren aber zu arm, um die Überfahrt und die Siedlungsgründung in der Neuen Welt zu finanzieren. Sie benötigen Geldgeber und ein Landpatent, dass ihnen die Freigabe für das Siedeln in einem bestimmten Gebiet erteilte. t. Nach harter Arbeit und Verhandlungen mit englischen Händlern, die ihnen einen Kredit gaben, erhielten sie aber schließlich 1620 ein Patent der englischen Monarchen für ein Territorium in Virginia.

Am 16. September stachen dann rund 100 Auswanderer – darunter etwa 50 der gläubigen Pilger – und eine Besatzung von 30 Männern auf dem Schiff „Mayflower“ vom englischen Plymouth aus in See. Schwere Stürme, gewaltige Wellen und Unwetter erschwerten die Reise über den Nordatlantik, der Kapitän musste mehrfach die Route ändern. Die Fahrt verlangte den Reisenden viel Kraft ab. Eingepfercht auf engstem Raum - Männer, Frauen und Familien mit Kindern - litten sie unter den schlechten, hygienischen Verhältnisse an Bord. Krankheiten brachen aus und manche litten an der Seekrankheit.

Kenneth C. Zirkel / CC BY-SA 4.0vvv

Böse Überraschung bei der Ankunft

Nach 66 Tagen legte das Schiff am 21. November 1620 – vor 400 Jahren - an der Ostküste Nordamerikas an. Durch ihre Routenänderung und die schlechten Wetterverhältnisse landete die „Mayflower“ aber nördlicher als geplant am Cape Cod im heutigen Massachusetts. Statt des ihnen zugeteilten Landstrichs erwartete die Einwanderer nun eine flache, sandige Umgebung, die für eine Ansiedlung kaum geeignet war. Außerdem stand der Winter kurz bevor, sodass schon vor dem Landgang erste Konflikte entstanden.

Ein Vertrag für die gemeinsame Zukunft

Um eine friedliche gemeinsame Zukunft zu sichern, setzen die Pilger und die anderen Passagiere deshalb vor ihrer Besiedlung zunächst einen Vertrag auf - den sogenannten "Mayflower Compact". In dieser Verfassung vereinbarten sie, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben sollten. Sie bildeten außerdem eine selbst verwaltete Gemeinschaft, in der Entscheidungen nach der Mehrheit getroffen, Beamte gewählt und Gesetze verabschiedet wurden. Demnach durfte jedes männliche Mitglied der Kolonie über 21 Jahren wählen. Auf der Grundlage einer Volksabstimmung hatten die wahlberechtigten Männer auch das Recht, Gesetze zu ändern, vorzuschlagen und Amtsinhaber zu wählen oder abzusetzen.

Damit war der „Mayflower Compact“ - im Gegensatz zu den Regelungen der europäischen Monarchien - eine erste Verfassung, die vom Volk und nicht vom König festgelegt wurde. Noch heute gilt diese Idee als Vorläufer unser heutigen Demokratiesysteme.

Jean Leon Gerome Ferris / Gemeinfrei

Ansiedlung unter Gottes Obhut

Mit dieser Einigung auf ein friedliches Zusammenleben gingen die Geflüchteten schließlich an Land, fielen vor Erleichterung auf die Knie und dankten Gott für den Neuanfang. Die neue Heimat widmeten sie ihm und zudem dem englischen König, denn sie fühlten sich noch immer als Engländer.

Die männlichen Passagiere  erkundeten schließlich die Gegend, um einen geeigneten Platz für ihre Siedlung zu finden. Auf den Streifzügen durch das verschneite Land begegneten ihnen zum ersten Mal die Einheimischen – Indianer. Dereneren Vorfahren lebten schon seit mehr als 15.000 Jahren auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Meist flohen die amerikanischen Eingeborenen, sobald sie die Fremden erblickten.

Harter Winter als Bestandsprobe

Am 20. Dezember 1620 entdeckte die Gruppe der Puritaner endlich einen geeigneten Platz auf einem Hügel am Ufer, an dem sie sich niederließen – die Plymouth Plantation. Doch der Winter dort brachte viele Tote, denn sie  litten an der Kälte, Hunger und Krankheiten. Statt Häusern nutzten sie weiterhin die „Mayflower“  als Unterschlupf.

Bald aber bauten die geschwächten Einwanderer Vertrauen zum Indianerstamm der Wampanoag in ihrer Nachbarschaft auf und lernten von ihnen, wie sie sich in dem kalten Winter ernähren und wärmen konnten. Ohne die Unterstützung der Einheimischen hätten die Puritaner Vermutungen zufolge das erste Jahr in Amerika nicht überlebt. Dennoch schaffte es nur etwa die Hälfte der Siedler durch den harten Winter.

Vorläufer von Thanksgiving

Als endlich der Frühling begann, pflanzten die Siedler Nahrungsmittel wie zum Beispiel Mais an und errichteten erste Lehmbauten. Binnen weniger Wochen entstand so eine kleine Siedlung, die aus einem Lagerhaus, einem Versammlungszentrum und zwölf weiteren Gebäuden bestand. Die Gemeinde traf sich regelmäßig zu gemeinsamen Gottesdiensten und befolgte die Gebote der Bibel.

Gemeinsam mit den Einheimischen feierten sie schließlich im Frühherbst 1621 ihr erstes Erntedankfest. Es gilt als Vorläufer des traditionellen „Thanksgiving Day“ - dem wichtigsten Familienfest in den Vereinigten Staaten, das seither jährlich am vierten Donnerstag im November gefeiert wird.

Gemeinfrei

Was bis heute geblieben ist

Als Andenken an die Puritaner gibt es noch immer die Stadt Plymouth im Bundesstaat Massachusetts. Dort wird im Museumsdorf „Plymouth Plantation" das Leben der Einwanderer nacherzählt, um den Besuchern einen Eindruck der Siedler zu vermitteln. Außerdem liegt an der Küste der Nachbau des legendären Schiffs „Mayflower" und kann besichtigt werden.

Weitere Artikel auf wissenschaft.de

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite