450 Jahre William Shakespeare
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450 Jahre William Shakespeare

Bild: Foto: Balou46, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Er ist der berühmteste Dichter Englands und bis heute einer der bekanntesten Schriftsteller weltweit: William Shakespeare. Erst sein Werk machte Romeo und Julia zum Sinnbild tragischer Liebe und brachte uns die tragischen Helden Hamlet, Othello oder Macbeth nahe. Shakespeares Komödien und Sonette gehören zu den Höhepunkten feinsinniger Dichtkunst. Doch wer William Shakespeare wirklich war und ob der Kaufmannssohn aus der Provinz wirklich all diese wunderbaren Werke schuf, darüber rätselt man bis heute.

Schon sein Geburtstag ist eigentlich unbekannt: Laut Kirchenregister wurde William Shakespeare am 26. April 1564 in Stratford-upon-Avon getauft – und damit vermutlich wenige Tage nach seiner Geburt. Traditionellerweise wird deshalb der 23. April als sein Geburtstag gefeiert und in England zum nationalen "Shakespeare Day" erklärt. In diesem Jahr steht nun Shakespeare-Enthusiasten eine besondere Feier ins Haus, denn der Dichter hätte in diesem Jahr 450. Geburtstag.

Zeitlose Gefühle – zutiefst menschlich

Was aber macht den Dichter und seine Werke so besonders? Immerhin erfreuen sich seine Werke ungebrochener Begeisterung. Noch immer gehören seine großen Dramen, aber auch Komödien wie der Sommernachtstraum in Theatern weltweit zum festen Repertoire, seine Stücke werden immer wieder neu verfilmt. In Schulen rund um den Globus sind es seine Sonette und Dramen, die zum festen Kanon des Englisch-Lehrplans gehören.

Ein Grund ist sicher dieser: Trotz zeittypischen Kontextes und Sprache sind die Figuren und ihre Konflikte zeitlos. So verkörpern Romeo und Julia den Archetypus der Liebenden, die nicht zueinander kommen – ein Motiv, das sich bis heute durch die Weltliteratur zieht. Es ist sicher kein Zufall, dass auch modernen Bestseller oft nach genau diesem Prinzip gestrickt sind: Ein Paar verliebt sich, wird aber durch Familie, Fehden oder andere Umstände an der Erfüllung dieser Liebe gehindert.

Oder Othello, ein von Zweifeln und Eifersucht zerfressener Held, der nicht weiß, wem er glauben kann – und damit letztlich sich und seine Ehe zerstört. Archetypisch auch King Lear, der alternde Monarch, der vor der Frage steht, welches seiner Kinder ihn wirklich liebt – und an den Antworten fast zerbricht. Selbst in Shakespeares Komödien und Sonetten geht es immer wieder um zutiefst menschliche Gefühle – und damit um Themen, die zeitlos sind.

Der tiefe Einblick in unsere Psyche und dessen geschickte, unterhaltsame Verpackung machte Shakespeare schon zu Lebzeiten zum Star und seine Werke bis heute unsterblich. Zu dieser Verpackung gehört auch eine variantenreiche und bildhafte Sprache, die seine Figuren und ihre Schicksale lebendig werden lassen. Es ist sicher auch kein Zufall, dass viele geflügelte Worte aus seinen Werken stammen.

Shakespeare selbst in Bollywood

Und auch kulturübergreifend kann der Barde bis heute Menschen bewegen. So erleben Shakespeares Stücke gerade einen wahren Boom in Bollywood – im indischen Kino. "Indische Filmmacher sind fasziniert von dem intensiven Drama der Shakespeare'schen Stücke", erklärt Koel Chatterjee von der Royal Holloway University of London. "Bollywood ist inspiriert von den Motiven seiner Stücke, wie bei der Geburt getrennten Zwillingen, Kleidertausch zwischen Mann und Frau, getrennten Liebenden oder Narren." Allein drei Varianten von Hamlet auf die indische Art werden zurzeit produziert, zwei Komödien der Wirrungen und auch King Lear wurde bereits im Bollywood-Stil verfilmt.

Das Rätsel des Menschen hinter dem Werk

Wer allerdings hinter diesen Werken steht, ist bis heute umstritten. Denn nicht wenige können es sich einfach nicht vorstellen, dass der Sohn eines Handschuhmachers, der zwar eine höhere Schule, aber nie eine Universität besuchte, Werke so voller Intelligenz und Weltläufigkeit verfasst haben soll. Zum geheimnisvollen Nimbus des Barden trägt auch bei, dass über seine Zeit vor dem ersten Auftauchen in London kaum etwas bekannt ist. 1592 wird er dann plötzlich - wie aus dem Nichts - erstmals als Autor von Theaterstücken erwähnt. –Der Dichter Robert Greene verspottet ihn in einem Schüttelreim als "emporgekommene Krähe, durch unsere Federn verschönt". Zu diesem Zeitpunkt muss Shakespeare bereits relativ populär und bekannt gewesen sein und wurde regelmäßig aufgeführt.

Innerhalb weniger Jahre entstehen nun alle seine großen Werke – 38 Dramen, 154 Sonette und einige epische Versdichtungen. Er erweist sich als geschäftstüchtiger Unternehmer, der Mitbesitzer des Londoner Globe Theatre wird, sich das zweitgrößte Haus in seinem Geburtsort Stratford-upon-Avon kauft und einiges an Vermögen anhäuft. Über die Person Shakespeare ist aber auch aus dieser Zeit kaum etwas bekannt. 1598 zieht sich der Dichter dann aus London zurück in seinen Heimatort. Am 23. April 1616 stirbt er. Sein Geburtstag ist damit möglicherweise gleichzeitig sein Todestag.

War Shakespeare der Autor?

Bei den meisten Literaturwissenschaftlern gibt es heute keine Zweifel daran, dass William Shakespeare tatsächlich der Autor seiner Werke war. Denn entgegen früheren Annahmen war der Dichter, wie man heute weiß, trotz fehlender Universitäts-Ausbildung keineswegs ungebildet. Die Grammar-Schools der Renaissance könnten ihm durchaus das Wissen vermittelt haben, das er benötigte. Auch die Tatsache, dass es keine handschriftlichen Versionen seiner Werke gibt, halten Forscher nicht für ungewöhnlich. Denn auch von anderen Autoren dieser Zeit gibt es kaum Handschriftliches.

Dennoch gibt es seit 150 Jahren immer wieder Versuche, andere zeitgenössische Persönlichkeiten als die wahren Autoren der Shakespeare'schen Stücke zu enthüllen. Zu ihnen gehört Edward de Vere, 17. Earl of Oxford, Angehöriger des Hofes von Elisabeth I. und selbst ein talentierter Hobby-Dichter. Auch Christopher Marlowe, selbst ein berühmter Dramatiker und Dichter, wird als Autor der Stücke gehandelt. Allerdings: Marlowe starb bereits 1593 – und damit eigentlich zu früh, um einige Werke Shakespeares geschrieben zu haben.

Lange Zeit als der führende Kandidat galt Sir Francis Bacon, der als Philosoph, Wissenschaftler und Staatsmann in jedem Falle den nötigen Wissenshintergrund für die Theaterstücke mitbrachte. Vertreter dieser Theorie wollen in den Schriften Bacons Ähnlichkeiten in Stil und Ausdrucksweise zu den Shakespeare'sche Stücken ausmachen. Literaturwissenschaftler sehen dies allerdings anders. Sie sehen weit mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten.

Die große Feier zum 450.

Schon in normalen Jahren ist der Geburtstag des Nationaldichters William Shakespeare für England und im Speziellen für seinen Geburtsort Stratford-upon-Avon ein Grund zum Feiern. In der Stadt werden dann die Glocken geläutet, eine Prozession zieht zu Shakespeares Grab und zahlreiche weitere Aktionen erinnern an den großen Barden. In diesem Jahr, zum 450. Geburtstag, werden diese Feiern ihren vorläufigen Höhepunkt erleben. In Stratford werden tausende von Gästen erwartet, die Royal Shakespeare Company gibt ihren Namensgeber zu Ehren mehrere Aufführungen, es werden seine Sonette rezitiert und Workshops veranstaltet.

In London bildet das Globe Theatre ein Zentrum der Feierlichkeiten. Hier finden ebenfalls besondere Aufführungen statt, außerdem beginnt an Shakespeares Geburtstag eine "Hamlet"-Welttournee: Schauspieler des Globe reisen durch die ganze Welt und führen das Shakespeare-Drama um den Dänenprinzen an verschiedensten Orten und mit internationaler Besetzung auf. Das Londoner Victoria and Albert Museum ehrt den Barden mit der Sonderausstellung: "Shakespeare: Greatest Living Playwright". Hier sind unter anderem Ausstattungsstücke aus Aufführungen zu bewundern, Bühnenbilder und Kostüme.

Die Gesamtausgabe von Shakespeares Werken im Internet

Shakespeare Online - Umfangreiche Informationen über Shakespeare seine Werke und alles Drumherum

Website zu den Feierlichkeiten von Shakespeares 450. Geburtstag in Großbritannien

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