Von Prügelorgien zum Fair Play

Seit dem 18. Jahrhundert wurden in England regelmäßig, etwa auf Jahrmärkten, Preisboxkämpfe ausgetragen. Es handelte sich dabei um blutige und wüste Prügelorgien mit nackter Faust und ohne feste Regeln. Vor allem Herren aus der besseren Gesellschaft machten sich einen Spaß daraus, für Geld ungeschlachte Kerle von der Straße aufeinander zu hetzen und auf den Kampfausgang Wetten abzuschließen. Nachdem ein Kämpfer wieder einmal tödlich verletzt wurde, arbeitete der Brite John Broughton 1743 erstmals Regeln aus, die z.B. ausschlossen, einen am Boden liegenden Gegner zu schlagen oder ihn an den Haaren zu ziehen.
Ein weiterer Versuch, den Faustkampf zu disziplinieren und dem Gedanken des Fair Play wenigstens annäherungsweise Geltung zu verschaffen, waren die London Prize Ring Rules von 1838. Sie verboten u.a. Tiefschläge und Kopfstöße. Nach einem Niederschlag erhielt der Kämpfer 30 Sekunden Erholungszeit. Noch immer zählte man die Runden von Niederschlag zu Niederschlag – und da es oft genug vorkam, dass der Boxer innerhalb der zugestandenen 30 Sekunden den Kampf wieder aufnahm, gab es Fights, die manchmal 50 gelegentlich sogar über 100 Runden währten.
Die grundlegendste Reform des Box-Regelwerks vollzog John Sholto Douglas, neunter Marquess von Queensberry im Jahr 1867. Er schrieb die Verwendung von gepolsterten Lederhandschuhen sowie die Einführung von nach Körpergewichten abgestuften Kampfklassen vor. Zudem begrenzte Queensberry die Rundendauer auf drei Minuten und erkannte auf unwiderrufliches K.o nach zehn Sekunden Kampfunfähigkeit. Die Queensberry-Regeln setzten sich nur langsam durch. Im Jahr 1889 siegte der Schwergewichtsweltmeister John L. Sullivan im letzten offiziellen Kampf mit nackten Fäusten. Beim ersten WM-Kampf nach den Queensberry-Regeln verlor er 1892 in New Orleans seinen Titel an James J. Corbett.




