Zeitalter der Ritter
Schaut euch mal in eurer Umgebung um. Ihr werdet staunen, wie viele Burgen und Schlösser es gibt. Manche davon sind ganz verfallen, andere wurden wieder aufgebaut und dienen z.B. als Museum.
Die meisten Burgen entstanden im Zeitalter der Ritter, dem Mittelalter. Das ist ein ziemlich langer Abschnitt der Geschichte, der von ungefähr von 500 bis 1500 n. Chr. reicht.
Feindliche Nachbarn
Im Mittelalter gab es in Deutschland viele kleine Fürstentümer oder Stadtstaaten. Die Menschen lebten in großer Angst, dass ihr Nachbar sie überfallen und ihr Land klauen wollte.
Zur Sicherheit bauten sie große Burganlagen mit Mauern, Türmen und Gräben. Das Burgtor war meist durch ein schmiedeeisernes Falltor gesichert.
Im Inneren der Burg lebten viele Menschen: Die Ritter, die im Kriegsfall das Fürstentum verteidigen sollten, Handwerker und Bedienstete.
Im Burggarten wuchs frisches Obst und Gemüse, im Burghof tummelten sich Hühner oder Gänse. So hatten die Menschen zu essen und konnten einer Belagerung standhalten.
Ungemütliches Ritterleben
Würdet ihr gern euer Zimmer gegen eine Kemenate, einen Schlafraum, im Palas, dem Hauptgebäude der Burg, tauschen? Überlegt euch das gut.
Wirklich gemütlich war es bei den Rittern nämlich nicht. Im Winter war es kalt und zugig, Menschen schliefen zusammen mit Hunden auf Strohsäcken und das „heimlich Gemach“, wie man die Toilette damals nannte, war ein schlichtes Plumpsklo.
Mächtige Herrscher
Wir leben heute in einer Demokratie. Das Volk bestimmt, wer über das Land regiert. Früher war das anders. Der König war der König und ein Bauer blieb ein Bauer, sein Leben lang. Die Menschen glaubten, dass ihr Schicksal von Gott vorherbestimmt sei.
Für die königlichen Familien war es wichtig, dass alle Menschen sehen konnten, wie reich und mächtig sie waren. Deshalb umgaben sie sich mit allem erdenklichen Prunk und Luxus. Auch wenn sie manchmal gar nicht so viel Geld hatten und Schulden machen mussten.
Die meisten Könige hatten mehrere Schlösser: eine Residenz in der Hauptstadt und einen Sommerpalast auf dem Land. Dazu oft noch ein paar kleine Lustschlösschen für Feste, Feiern oder Jagdausflüge.
Märchenkönig
Ein echtes Traumschloss ist Neuschwanstein. Es wurde im 19. Jahrhundert von dem bayerischen Märchenkönig, Ludwig II., erbaut und ist vielleicht das berühmteste Schloss der Welt - hoch auf einer Bergspitze gelegen, mit Türmchen, Zinnen und Erkern geschmückt.
Jedes Jahr reisen Millionen von Menschen aus aller Welt nach Deutschland, um die Schlösser von Ludwig II. zu besichtigen.
Das hätte dem Märchenkönig vermutlich nicht gefallen. Er selbst war nämlich ein überaus scheuer Träumer. Am liebsten zog er sich in eine künstliche Grotte zurück und tafelte mit Fantasiegästen.
Um keine Menschenseele sehen zu müssen, ließ Ludwig II. ein Tischlein-deck-dich bauen: Der Esstisch wurde im Boden versenkt, an langen Seilen in die Küche gezogen und von der Dienerschaft gedeckt.
Anschließend tauchte der mit Speisen und Getränken üppig bestückte Tisch wie durch Zauberhand wieder im Gemach des Königs auf.
Eltern-Tipp
Kinder lernen spielend. Geschichte ist für sie kein Schlachtfeld aus Zahlen und Daten, sondern eine vergangene Zeit, in der Menschen lebten.
Es gibt viele gute Kinderbücher über das Mittelalter. Vergleichen Sie damals und heute: Was war die Lieblingsspeise der Ritter, wie kleideten sich die Edelfräulein, was spielten die Kinder. Oder erproben Sie ihr Geschick bei unserem Ritterturnier.
Gut vorbereitet wird Ihr Ausflug auf die Burg sicher ein Volltreffer.
Vielleicht wollen sie in den nächsten Ferien mal zu einer Burgen- und Schlössertour aufbrechen. Spannende Reiseziele warten: Das Rheintal, die Burgenstraße von Mannheim bis Prag, die Romantische Straße von Würzburg bis Füssen, die Deutsche Märchenstraße von Hanau bis Bremen etc.
Manche Burgen wurden zu Jugendherbergen umgebaut. Dort können Sie mit der Familie günstig ihr Nachtlager aufschlagen.
Tipps und Reiseziele finden sie unter dem Stichwort „Burgen“ bei der Deutschen Tourismuszentrale.



