Abraham Lincoln und der Beginn eines modernen Amerikas
Leben & Lifestyle

Abraham Lincoln und der Beginn eines modernen Amerikas

Bild: Foto: Gerd Eichmann, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Lincolns Wahl zum Präsidenten und ihre Folgen

Lincolns Wahl zum Präsidenten und ihre Folgen

Zwar wollte Lincoln, ein vor seiner Ernennung zum Präsidenten weitgehend unbekannter Republikaner, die Sklaverei nicht völlig aufheben. Sein Bestreben war es lediglich, den Sklavenhandel zu unterbinden und eine weitere Ausdehnung der Sklaverei zu verhindern. Dennoch wurde seine Wahl zum neuen US-amerikanischen Präsidenten als Nachfolger des Demokraten James Buchanan im November 1861 zum Auslöser im Konflikt um die Sklavenfrage.

Jeder einzelne der 180 Wahlmänner, die für Lincoln votiert hatten, stammte aus den sklavenfreien Nordstaaten. Die Südstaaten, die sich von Lincolns angekündigter Politik stark benachteiligt fühlten, lehnten den Republikaner dagegegen geschlossen ab. So kann es nicht verwundern, dass die Wahl Lincolns umgehend scharfe Proteste in mehreren Südstaaten auslöste. Ein Konvent South Carolinas in Columbia beschloss einstimmig am 20. Dezember 1860 den Austritt aus der Union der amerikanischen Staaten. Noch zwischen Januar und Mai 1861 folgten die anderen Baumwollstaaten Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana, Texas, Virginia, Arkansas und Tennessee sowie North Carolina. Diese Staaten werden Sezessionsstaaten genannt, da sie die Absonderung bzw. Trennung (Sezession) von der Union vollzogen.

Am 4. Februar 1861 schlossen sich die Delegierten der ersten sieben Sezessionsstaaten in Montgomery (Alabama) zu den "Konföderierten Staaten von Amerika" zusammen. Sie wählten vier Tage später Jefferson Davis zu ihrem Präsidenten. Am 11. März 1861 gaben sie sich eine eigene Verfassung, die sich weitestgehend an der Konstitution der Vereinigten Staaten orientierte. Auch Lincoln konnte weder mit seiner Antrittsrede vom 4. März 1861, in der er sich bemühte, die Einheit der Union und der Nation zu beschwören, noch mit seiner um Vermittlung bemühten Politik diese Entwicklung aufhalten.

Ungleiche politische und soziale Bedingungen

Der Bruch zwischen den Nord- und Südstaaten der Vereinigten Staaten von Amerika hatte sich bereits lange vor der Wahl Lincolns zum Präsidenten angekündigt. Die Entwicklung im Norden und Süden war einfach zu unterschiedlich verlaufen. So lagen in den Nordstaaten nicht nur der wirtschaftlich-industrielle Schwerpunkt, eine reiche Lebensmittelproduktion und die meisten Verkehrsverbindungen, sondern auch zahlreiche aufstrebende Städte. Dagegen fehlte es den Südstaaten an einer Unternehmerschicht und an mobilem Kapital. Der ländlich geprägte Süden war bestrebt, den Grundbesitz zusammenzuhalten. Durch die Aufrechterhaltung der Sklaverei suchte er nicht nur seine wirtschaftliche Grundlage zu erhalten, sondern auch die Herrenstellung der Weißen.

So entstanden auch unterschiedliche politische und soziale Bedingungen. Gegen den Willen des Südens strebte der Norden eine raschere Verteilung des öffentlichen Grundbesitzes an, um ihn an kleine Siedler verteilen zu können. Auch richtete sich die Einwanderung aus Europa nach Norden und Westen, da die Einwanderer nicht mit den Sklaven im Süden konkurrieren wollten.

Sklavenfrage spitzt sich zu

Nach jahrzehntelangen Erörterungen über die Auflösung der Union verschärften sich die Kontroversen wegen der Sklavenfrage durch die sog. Nullifikationstheorie. Danach bestritten die Südstaaten die verfassungsrechtliche Verbindlichkeit der Bundesgesetze, die im Widerspruch zur eigenstaatlichen Gesetzgebung standen. Dass nun mit Abraham Lincoln ein Mann zum Präsidenten gewählt worden war, der die Südstaaten ganz offensichtlich zu benachteiligen schien, war für sie der letzte Tropfen in einem übervollen Fass. Daran konnte auch die Versicherung Lincolns, nicht gegen die Sklaverei im Süden vorgehen zu wollen, nichts ändern.

Der Bürgerkrieg (1861 bis 1865)

Abraham Lincoln war davon überzeugt, dass die Republik unteilbar sei. Folglich weigerte sich die Bundesregierung, ihre militärischen Anlagen im Süden zu räumen. Die Konföderierten beschossen daraufhin am 12. April 1861 Fort Sumter in Charleston Harbor. Der Amerikanische Bürgerkrieg war eröffnet.

Bis 1863 bestimmten die Südstaaten im Osten das militärische Geschehen. Und das obwohl sie mit deutlich weniger Einwohnern als der Norden auch erheblich weniger Soldaten stellen konnten. Zu Kriegsbeginn kämpften 1082119 Soldaten der Konföderierten gegen 1556678 Soldaten der Union. Doch aufgrund der Tapferkeit ihrer Truppen und der militärischen Überlegenheit ihrer Führung waren die Südstaaten lange im Vorteil. Vor allem ist hier der General Robert E. Lee zu nennen.

Nach und nach gewannen jedoch die wirtschaftlich überlegenen Nordstaaten die Oberhand. Ihren ersten entscheidenden Sieg in der Schlacht bei Gettysburg konten die Truppen der Union vom 1. bis 3. Juli 1863 erkämpfen. Schließlich erfolgte bei Appomattox Court House am 9. April 1865 die bedingungslose Kapitulation durch General Lee. Der blutige Bürgerkrieg war beendet. Die Nordstaaten hatten 280000, die Südstaaten über 300000 Tote zu beklagen. Die nationale Verschuldung schnellte durch die vier Kriegsjahre enorm in die Höhe. Der Krieg kostete mindestens 10 Milliarden Dollar. Zwischen 1865 und 1877 wurden die Südstaaten durch die "Rekonstruktion" zur Rückkehr in die Union gezwungen.

Lincoln erklärt die Sklaven für frei

Schon Anfang 1863 hatte Lincoln in der sog. Emancipation Proclamation die Sklaven in den Südstaaten mit sofortiger Wirkung für frei erklärt. Diese nicht unumstrittene Erklärung leitete nach dem Bürgerkrieg die endgültige Befreiung der Sklaven ein: Der 13. Zusatz ("amendment") zur Verfassung vom 18. Dezember 1866 schrieb die Abschaffung der Sklaverei im gesamten Unionsgebiet fest. Das 14. amendment vom 28. Juli 1868 garantierte die bürgerlichen Rechte der Schwarzen gegen ungünstige Staatengesetzgebungen und forderte deren Wahlrecht. Fortan war zwar die Skalverei verboten, doch bis es in den USA zu einer Gleichberechtigung von Wieißen und Schwarzen kommten sollte, war es noch ein weiter Weg.

Südstaaten-Fanatiker erschießt Präsidenten

Lincoln dagegen, der bereits 1863 in der "Gettysburg Rede" sein Bestreben nach einer amerikanischen Demokratie, einer Demokratie durch alle und für alle, deutlich gemacht hatte, wurde 1864 mit großer Mehrheit erneut zum US-Präsidenten gewählt. Er büßte jedoch Stimmen in den Grenzstaaten ein, da er sich vehement gegen eine Benachteiligung des besiegten Südens eingesetzt hatte. Lincolns Anliegen war es, die durch den Bürgerkrieg entstandene Kluft zwischen Nord- und Südstaatennicht nicht noch weiter wachsen zu lassen. Daher forderte er beide Seiten zur Versöhnung auf, die er selbst nicht mehr erleben sollte. Abraham Lincoln wurde nur eine Woche nach Ende des Krieges am 14. April 1865 während einer Theatervorstellung in Washington durch zwei Schüsse des fanatischen Anhängers der Südstaaten John Wilkes Booth lebensgefährlich verletzt. Einen Tag später war der Präsident, der das Ende der Sklaverei in Amerika durchgesetzt hatte, tot.

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite