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Bild: Foto: Kızıl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Arbeitgeber finden sich in Versicherungsunternehmen

Arbeitgeber finden sich in Versicherungsunternehmen

Gerade bei Lebens- und Unfallversicherungsverträgen, die für sehr viele Jahre abgeschlossen werden und im Ernstfall vor dem finanziellen Ruin retten sollen, haben finanzielle Spekulationen und Unsicherheiten nichts zu suchen. Weder für die Kunden noch für die Unternehmen. Und genau daran arbeiten Aktuare: Sie entwerfen Szenarien und Modelle, die die Möglichkeiten künftiger Entwicklungen und Risiken auf wissenschaftliche Weise erfassen und für alle Seiten annehmbar gestalten, und setzen diese dann in Kalkulationen um.

Aktuare - oder Versicherungsmathematiker, wie sie auch genannt werden - haben seit vielen Jahren ihren festen Platz in deutschen Versicherungsunternehmen. Bereits Anfang des vorigen Jahrhunderts wurde der erste Aktuarsverein gegründet. Dennoch gehört der Aktuar zu den Berufen, die erst seit etwa fünf, sechs Jahren wieder an Bedeutung gewinnen. Grund sind die Lockerungen auf dem europäischen Versicherungsmarkt, die es Unternehmen seit Mitte der neunziger Jahre erlauben, ihre Tarife wieder selbständig und weitgehend unabhängig von behördlicher Aufsicht zu gestalten. Dadurch entwickelt sich der Wettbewerb, steigt aber auch das Risiko für das einzelne Unternehmen. Per Gesetz muss seitdem jeder Versicherer, der Personenversicherungen (Unfall-, Lebens- und Krankenversicherungen) anbietet, einen so genannten verantwortlichen Aktuar bestellen, der genau diese künftigen Risiken erkennt, analysiert und darauf aufbauend die Prämienkalkulationen sowie die Rückstellungen berechnet. „Damit soll erreicht werden“, so Dr. Alf Neumann, Aktuar bei der Allianz Lebensversicherungs-AG in Stuttgart, „ dass Versicherungen konkurrenzfähige Produkte anbieten, die die Interessen von Kunden und Unternehmen berücksichtigen, aber auch den langfristigen Risiken der Kapitalanlage und der abgedeckten Lebensrisiken Rechnung tragen. Dazu muss jede Versicherung Rückstellungen in einer Höhe bilden, die auch unter ungünstigen Entwicklungen jederzeit die Erfüllbarkeit der eingegangenen Verpflichtungen sicherstellen.“ Ein kompliziertes Unterfangen, „wenn man bedenkt, dass die Auszahlung unserer Lebensversicherungen 30 und mehr Jahre in der Zukunft liegt.“ So lange laufen heute durchschnittlich Lebensversicherungsverträge, die nicht nur der Versorgung von Hinterbliebenen und Absicherung im Fall der Berufsunfähigkeit, sondern vor allem der eigenen Altersvorsorge dienen.

Kurz & bündig

Aktuare sind Wirtschaftsmathematiker, die ökonomische Zusammenhänge und finanzielle Risiken so wirklichkeitsnah wie möglich darstellen und beurteilen. Mit wissenschaftlichen Methoden der Wahrscheinlichkeitstheorie und Finanzmathematik analysieren sie mögliche Entwicklungen, machen sie an Hand von Modellen begreifbar und setzen ihre Erkenntnis in wirtschaftliche und rechtliche Zusammenhänge. Dadurch können Prognosen abgeleitet werden, die die Grundlage für die Gestaltung neuer Produkte und Preise, für Geschäftsstrategien sowie die Gesamtentwicklung des Unternehmens bilden.

Wo arbeiten Aktuare?

Aktuare arbeiten traditionell angestellt in Versicherungsunternehmen, die Lebens-, Renten-, Unfall- und Krankenversicherungen anbieten. Daneben finden sie zunehmend Arbeit im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge und fertigen für Pensionskassen und -fonds von Unternehmen mathematische Gutachten an. Hier sind laut Deutscher Aktuarvereinigung (DAV) vor allem selbständige Aktuare bzw. Mitarbeiter von Beratungsfirmen tätig. Auch Unternehmen im Bereich Bausparen sowie Rückversicherungen und neuerdings auch Banken und Finanzdienstleister benötigen die Unterstützung von ausgebildeten Wirtschaftsmathematikern. Schließlich sind die Sozialversicherung, berufsständische Versorgungswerke und nicht zuletzt auch der öffentliche Dienst (Aufsichtsbehörden, Finanzverwaltungen) interessante Arbeitgeber für Aktuare.

In Stellenanzeigen werden Aktuare auch unter folgenden Bezeichnungen gesucht:

  • Wirtschaftsmathematiker/in,
  • Finanzmathematiker/in,
  • Versicherungsmathematiker/in,
  • Aktuarwissenschaftler/in,
  • Risk-Manager/in,
  • Risiko-Controller/in,
  • Risiko-Analyst.

Was genau machen Aktuare?

Aktuare sind Herren über Zahlen und Statistiken, die mit Hilfe mathematischer Denk- und Verfahrensweisen Risiken beziffern und managen. Sie verfügen über eine wissenschaftliche mathematische Ausbildung, können zugleich wirtschaftlich und unternehmerisch denken und besitzen umfangreiche juristische Kenntnisse auf ihrem jeweiligen Fachgebiet. Damit sind sie in der Lage, künftige Risiken, die sich auf die Geschäftstätigkeit ihres Unternehmens auswirken können, zu analysieren, zu beziffern und zu minimieren, in dem sie praktikable Lösungen anbieten. Sie beobachten den Markt, studieren und erstellen Statistiken und prognostizieren Entwicklungen in Wirtschaft und Demografie.

Bei Versicherungsunternehmen sind sie entscheidend an der Entwicklung neuer Produkte und deren Preise beteiligt. Dem gehen umfassend Marktanalysen, Beobachtung von Wettbewerbern und Kalkulationen voraus. Erwartet werden dabei auch Techniken des Produkt-Controllings, damit sich Versicherungsverträge von den Kosten her tragen. Sie sind an der Erarbeitung von Geschäftsplänen und Jahresabschlüssen beteiligt, machen fundierte Vorschläge für die Überschussbeteiligung der Kunden und Modellrechnungen für die künftige Unternehmensentwicklung. „Allein 40 Mathematiker beschäftigen sich bei uns mit der laufenden Weiterentwicklung unserer Tarife“, erklärt Dr. Neumann. „Für Kunden ist natürlich besonders wichtig, dass eine gerechte Verteilung der erwirtschafteten Überschüsse erfolgt. Die Aktuare müssen dafür Rechenmodelle erstellen, die alle wichtigen Prämissen berücksichtigen und die Auswirkungen aller denkbaren Abweichungen hiervon analysieren. Außerdem sind bei uns sehr viele Mathematiker mit der datenbanktechnischen Umsetzung befasst, andere sind im Rechnungswesen, Controlling, im Vertrieb, im Anlagebereich und in der EDV tätig. Auch mehrere unserer Vorstände sind studierte Mathematiker.“

Bei Banken und Investmentgesellschaften geht es vorwiegend um die Bewertung verschiedener Finanztitel wie Wertpapiere, Aktien, Futures und Optionen und die Analyse ihres Risikos für den Anleger. Bei Pensionskassen ermittelt der Aktuar u.a. die Höhe der erforderlichen Rückstellungen unter Beachtung möglicher wirtschaftlicher Entwicklungen. Dabei muss er handelsrechtliche, ertrags- und vermögenssteuerliche und aufsichtsrechtliche Vorschriften beachten und Aussagen zu den erwarteten Belastungen für das Unternehmen machen. Kommt ein Versicherter in den Genuss seiner Pension, ist der Mathematiker in komplizierten Fällen an der Berechnung der Ansprüche beteiligt. Da die gesetzlichen Bestimmungen und Gerichtsentscheidungen äußerst kompliziert sind, braucht er ebenso profunde Mathematik- wie Rechtskenntnisse.

Wer ist geeignet?

Die Aufgaben eines Aktuars verlangen ein Mathematikstudium oder eine vergleichbare wissenschaftliche Ausbildung, solide Kenntnisse in Statistik und Informationsverarbeitung, ein ausgeprägtes Verständnis für wirtschaftliche Sachverhalte, Branchenkenntnisse und nicht zuletzt juristisches Know-how. Daher ist ein Studium der Wirtschaftsmathematik ideal. Daneben ist Teamarbeit angesagt, d.h. neben dem einsamen Tüfteln am Schreibtisch muss er in der Lage sein, Ergebnisse zu kommunizieren und in Projekten mit anderen Mitarbeitern zusammen zu arbeiten.

Für diesen Beruf eignen sich vor allem:

  • Wirtschaftsmathematiker,
  • Versicherungsmathematiker,
  • Absolventen anderer Mathematikstudiengänge mit Vertiefung oder Weiterbildung.

Wer wie Dr. Neumann reine Mathematik studiert, braucht nicht zu verzweifeln. „Heute bieten viele Unis im Rahmen ihrer mathematischen Studiengänge Versicherungsmathematik, -recht und -wirtschaft an, so dass man sich auch hier während des Studiums bereits vorbereiten kann.“ Er selbst ist den Weg über die Praxis und die spezielle Ausbildung der Deutschen Aktuarvereinigung gegangen.

Wo und wie studieren?

Der Königsweg ist ein Studium der Wirtschaftsmathematik - oder für den, der schon weiß, dass er in der Versicherungsbranche einsteigen will - der Versicherungsmathematik. Wirtschaftsmathematik kann an vielen Unis und Fachhochschulen studiert werden, die Abschlüsse reichen vom Diplom-Mathematiker oec. und Diplom-Wirtschaftsmathematiker über Diplom-Mathematiker (FH) bis hin zum Diplom-Ingenieur, Bachelor und Bakkalaureus. Die Studienorte reichen von A wie Augsburg bis Z wie Zittau. Worauf genau die Wahl fallen soll, kann unter www.studienwahl.de, www.hochschulkompass.de und www.arbeitsamt.de ermittelt werden. Versicherungsmathematik als Schwerpunktfach bieten z.B. die TU Dresden, die Georg-August-Universität Göttingen sowie die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig im Rahmen eines Wirtschaftsmathematikstudiums. Auch die FH Darmstadt (Schwerpunkt Finanz- und Versicherungsmathematik), die FH Flensburg (Business Mathematics), die Uni Köln (Versicherungswissenschaften als Nebenfach im Mathe-Studium) und die FH Regensburg (Mathe mit Schwerpunkt Versicherungen und Banken) sind gute Adressen für künftige Aktuare. Hervorzuheben ist das Angebot der Ludwig-Maximilians-Uni München, die Aktuarwissenschaft im Rahmen des Wirtschaftsmathematikstudiums mitlehrt. Das Studium dauert neun Semester und bietet den großen Vorteil, dass eine Reihe der Prüfungen der DAV, die zum Tragen der Berufsbezeichnung „Aktuar“ berechtigen, hier bereits abgelegt werden können. Ganz heißer Tipp: Der Studiengang Wirtschaftsmathematik an der Uni Ulm, ein anwendungsorientiertes Studium, das die Fächer Mathematik, Wirtschaftswissenschaften, Informatik, Statistik und Operations Research verbindet. Als Zusatzfach kann Aktuarswissenschaften gewählt werden, das auf anerkannte Weise auf die Aktuarsprüfung durch den DAV vorbereitet. Für fünf der sechs vom DAV geforderten Prüfungen können Prüfungsleistungen der Uni anerkannt werden. Ulmer Absolventen finden in der Regel problemlos eine Arbeit.

Wo und wie weiterbilden?

Neben einigen wenigen privaten Instituten bietet vor allem die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) über die Deutsche Aktuar-Akademie Kurse und Seminare an, die auf die vom DAV vorgeschriebene Aktuar-Prüfung vorbereiten. Nur wer diese Prüfungen vor der DAV abgelegt hat, darf den Titel „Aktuar (DAV)“ führen. „Obwohl der Titel kein Kammertitel wie Rechtsanwalt oder Steuerberater ist und nicht Voraussetzung ist, um als Versicherungsmathematiker zu arbeiten“, erklärt Dr. Neumann, „setzt er sich als Qualitätsstandard doch durch.“ Bei Allianz Leben jedenfalls nutzen viele junge Mathematiker die Möglichkeit dieser Zusatzausbildung. Voraussetzungen: Studium, das - so DAV - „mindestens eine mathematische Grundausbildung beinhaltet“ sowie eine dreijährige Berufspraxis als Versicherungsmathematiker nach einem Hochschulstudium und vier Jahre nach einem Fachhochschulstudium. „Für mich war die Vorbereitung auf die Prüfungen mit einem deutlichen Wissenszuwachs verbunden“ so Neumann. „Schon von daher hat sich die Prüfung gelohnt. Und schließlich ist es für mich und mein Unternehmen wichtig, durch die Mitgliedschaft in der DAV als berufsständische Organisation über neueste Entwicklungen informiert zu werden und die eigenen Ansichten in die Prozesse einbringen zu können.“

Kontakt

Deutsche Aktuarvereinigung

Unter Sachsenhausen 33
50667 Köln
Tel.: 0221/ 91 25 54-0
Fax: 0221/ 91 25 54-44
E-Mail: info@aktuar.de

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