Ali – Straßenarbeiten
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Ali – Straßenarbeiten

Bild: Foto: Kreuzschnabel, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Im Verlauf der 90 Drehtage filmte die Produktion in sechs Städten, vier Bundesstaaten und drei Ländern. 127 Filmsets kamen zum Einsatz. Wann immer es möglich war, drehte Mann an Orten, die tatsächlich eine Verbindung zu Ali hatten.

Im Verlauf der 90 Drehtage filmte die Produktion in sechs Städten, vier Bundesstaaten und drei Ländern. 127 Filmsets kamen zum Einsatz. Wann immer es möglich war, drehte Mann an Orten, die tatsächlich eine Verbindung zu Ali hatten.

Zu den ersten davon gehörten die Sports Arena und das Olympic Auditorium in Los Angeles. Das erste Mal boxte Ali 1962 in der Sports Arena, zuerst im Juli gegen Alejandro Lavorante, dann wieder im November gegen eines seiner Idole, Archie Moore. Beide Male gewann er. Das Olympic Auditorium besuchte er nur als Zuschauer, aber diese Sportstätte ist ganz einfach die berühmteste Boxarena von Los Angeles. Von dort aus wurde in den 50er und 60er-Jahren regelmäßig am Freitag die Boxsendung „Live from the Olympic Auditorium“ ausgestrahlt.

Danach ging es mitten im Winter weiter in Manns Heimatstadt Chicago, wo man vor allem in Alis altem Viertel auf der Südseite der Stadt die Kameras laufen ließ. Zu den Drehorten von ALI zählte das Haus, wo Elijah Muhammad lebte, ganz in der Nähe des Hauses von Ali.

Bei der Suche nach Locations führte Michael Mann und Will Smith der Weg genau in diese Straße, weil sie herausfinden wollten, ob sie einen Blick auf Alis ehemaliges Zuhause in der Jeffrey Street werfen könnten. Die Besitzer führten sie bereitwillig durch das ganze Haus. Ganz beiläufig fragte Mann, ob Ali irgendwelche persönlichen Besitztümer zurückgelassen hätte, als er weggezogen sei. Zu ihrer großen Überraschung antwortete der Besitzer: „Er hat alles dagelassen.“ Ali interessierte sich ganz einfach nie sehr stark für materielle Besitztümer.

An einem eisigen Abend blockierte die Produktion fünf Straßenblocks entlang der 79th Street, um eine Sequenz zu drehen, in der Ali an den Sehenswürdigkeiten seines alten Viertels vorbeiläuft. Alte und junge Fans standen auf den Gehsteigen und sahen dem Dreh zu, der sich bis in die Nacht erstreckte. Während die jungen Zuschauer gekommen waren, um sich anzuschauen, wie Mann seinen Star Smith in Szene setzte, genossen die älteren Semester einen kleinen Spaziergang in die Vergangenheit. Viele konnten sich daran erinnern, wie der echte Muhammad Ali hier entlanggelaufen war. „Ich glaube, ich habe keine Sinclair-Tankstelle mehr gesehen, seitdem Ali weggezogen ist“, vermutete ein Mann aus dem Viertel. „Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Ali hier immer mit seinen Kumpels rumhing.“

Die Tiger Lounge

Die Tiger Lounge war für Ali von besonderer Bedeutung. Dort ging er mit Howard Bingham regelmäßig zum Tanzen. Dort hatte er sein erstes Date mit seiner ersten Frau Sonji. Aber die Filmemacher stießen auf ein kleines Problem beim Dreh der Szene, in der Will Smith und Jada Pinkett Smith in den Fußstapfen des echten Alis durch den Raum schwoften.

„Die Tiger Lounge ist ein perfektes Beispiel für Michael Manns Vorliebe, an realen Orten zu drehen, weil er dort ein Gefühl für Geschichte verspürt“, erklärt Ausstatter John Myhre. „Die Tiger Lounge war einst der angesagteste Laden in ganz Chicago. Wenn Ali in die Stadt kam, fand er dort seine Freunde. Und dort ging er auch zum Tanzen.“

Doch Myhre räumt ein: „Als wir ankamen, mussten wir feststellen, dass die Tiger Lounge bereits seit 20 Jahren geschlossen war. Längst hatte man einen Möbelladen daraus gemacht. Fast die ganze Decke war weggerissen worden. Einige der Wände hatte man ebenfalls entfernt. Aber es gab noch ein kleines Eck in dem Laden, in dem man diese wunderbaren gekurvten Beschläge und beleuchtete Glaseinlagen und einen herrlichen zerbrochenen Spiegel fand, den man an eine wellige Wand gehängt hatte. Natürlich dachten wir uns: Okay, wunderbar, bauen wir den Laden im Studio wieder auf. Aber Michael sagte: ’Keine Chance, wir bauen den Laden nicht nach, wir bauen ihn wieder auf.’“

Michael Manns Philosophie, nach der das Ambiente die Stimmung und die Darstellungen beeinflusst, war der Leitfaden für Myhres Abteilung: Seine Leute schoben die Möbel aus dem Weg, zogen einige Mauern ein und drehten die Szenen an dem Ort, an dem Alis erste Romanze erblühte. An Stelle der Jukebox ließ Mann ein paar Sängerinnen auftreten.

Nachdem die Produktion sich kurze Zeit in New York niedergelassen hatte, um dort einige Szenen zu drehen, in denen Ali mit Malcolm X in Harlem durch die Straßen geht, ging es weiter nach Miami, wo Ali lebte, während er für den ersten Sonny Liston-Kampf trainierte. Eine der ersten Locations dort war der Hinterhof eines Hauses im Overton-Viertel, in dem Ali einst lebte. An einem freien Tag, kurz nachdem der Dreh in dem Haus abgeschlossen worden war, kam Ali in die Stadt. Bingham bot ihm an, ihn in seine alte Nachbarschaft mitzunehmen, wo der Champ immer noch viele Freunde hat.

„Er ließ sich in seinem alten Friseursalon die Haare schneiden, traf ein paar Leute, die er einmal kannte. Dann wollte er sein altes Haus sehen“, berichtet Bingham. „Also trat er gegen die Tür und weckte dadurch den Besitzer. Der kam an die Tür, hielt sich seine Hose mit einer Hand fest und rieb sich mit der anderen die Augen. Als er mitbekam, wer da bei ihm im Hausgang stand, ließ er aus Überraschung fast die Hose fallen.“

5th Street Gym

Ein weiterer legendärer Drehort war die 5th Street Gym in Miami, die im Besitz von Angelo Dundee war, der den jungen Herausforderer Cassius Clay für seinen ersten Meisterschaftskampf trainierte.

„Die 5th Street Gym ist ein wichtiger Bestandteil unserer Geschichte, aber leider wurde sie bereits vor 15 Jahren abgerissen“, sagt Myhre. „Angelo Dundee, der dem Film als Berater zur Seite stand, lebt immer noch im Süden von Florida. Er half uns dabei, ein anderes Gebäude zu finden. Als wir eines gefunden hatten, das wir in die engere Auswahl nehmen wollten, ging er mit uns durch die Räume und sagte: ,Yeah, das hier riecht genau richtig. Das könnte es sein. Das haut hin.‘ Außerdem erklärte er uns, wie eine richtige Trainingshalle auszusehen hat.“

„Ich habe früher schon an historischen Filmen gearbeitet, aber meistens sind die beteiligten Personen dann schon ein paar hundert Jahre tot“, fährt Myhre fort. „Aber bei diesem Film, mit Angelo und Howard Bingham stets an unserer Seite, konnten wir einfach den Telefonhörer abnehmen und fragen: ,Welche Farbe hatte dieses Auto?‘ oder ,Auf welcher Seite der Straße befand sich das Haus?‘ Im Falle der Trainingshalle ließ uns Angelo wissen: ,Nein, nein, der Boxring befand sich in dieser Ecke‘ oder ,Ich hatte keinen edlen Schreibtisch, nur einen kleinen, der in der Ecke stand.‘“

Von Miami aus war es eine 17-stündige Reise nach Johannesburg in Südafrika. Und von dort war es noch eine weitere Flugstunde nach Maputo, Mosambik, wo man die Dreharbeiten fortsetzte.

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