Olympiastadion bringt Gold
Herausragendes Bauwerk der IX. Sommerspiele war das Amsterdamer Olympiastadion. Für dessen Konstruktion erhielt der einheimische Architekt Jan Wils die Goldmedaille der olympischen Kunstwettbewerbe. Für Unstimmigkeiten sorgten die Veranstalter zum Auftakt der Spiele, als sie die Fotorechte exklusiv an ein Unternehmen vergaben. Um zu verhindern, dass Privatpersonen Fotoapparate in die Stadien einschleusten, wurden beim Einlass Kontrollen durchgeführt, die lange Wartezeiten und zahlreiche Proteste nach sich zogen. Schließlich wurden die Maßnahmen aufgegeben; der Versuch, ein Fotomonopol zu schaffen, war gescheitert.
Johnny Weissmuller in Topform
[[{"type":"media","view_mode":"media_large","fid":"12203","attributes":{"alt":"","class":"media-image","typeof":"foaf:Image"}}]]
Ca. 2700 Teilnehmer (darunter ca. 250 Frauen) aus 46 Nationen sorgten für "weltumfassende" Spiele. Die deutsche Mannschaft, die nach 16 Jahren Zwangspause wieder bei Olympischen Sommerspielen antreten durfte, feierte ein glanzvolles Comeback. Hinter den USA (22 Siege) wurde sie mit zehn Goldmedaillen zweitbestes Team.
Zu den erfolgreichsten Sportlern der Spiele gehörten der US-Schwimmer Johnny Weissmuller sowie der finnische Läufer Paavo Nurmi, der bei seinen dritten Spielen die Olympiamedaillen zehn, elf und zwölf sammelte. Als neuen IOC-Präsidenten begrüßten die Zuschauer im Stadion Henri de Baillet-Latour, der im September 1925 die Nachfolge von Pierre de Coubertin angetreten hatte. Der 65-jährige Coubertin war aufgrund einer Krankheit erstmals seit 1908 nicht vor Ort. Auf Nachrichten aus Amsterdam musste der Schöpfer der olympischen Idee dennoch nicht verzichten: Der Rundfunk informierte direkt aus den Niederlanden.
[[{"type":"media","view_mode":"media_large","fid":"12204","attributes":{"alt":"","class":"media-image","typeof":"foaf:Image"}}]]
In Amsterdam wurden Neuerungen im Protokoll eingeführt, die bis in die Gegenwart Bestand haben: Auf dem Marathonturm vor dem neuerbauten Olympiastadion loderte ein Feuer auf - die olympische Flamme hielt Einzug bei den Spielen. Griechenland führte beim Einmarsch der Nationen die Mannschaften an. Eine Neuerung mit weitreichenden Folgen war die erstmalige Startberechtigung von Frauen in der Leichtathletik. Coubertin war immer gegen die Teilnahme von Frauen gewesen. Bisher war es gelungen, die Frauen aus dem "Stadion" fernzuhalten. Eine Weltfrauenorganisation, die eigene olympische Spiele für Frauen veranstaltete, machte das IOC kompromissbereit. Die Athletinnen bewiesen mit hervorragenden Leistungen, dass sie zurecht in Amsterdam antreten durften. Die Deutsche Lina Radke-Batschauer schaffte, was zuvor nur 1906 die Tauziehmannschaft erreicht hatte: Sie gewann bei einer Leichtathletik-Entscheidung Gold. Die 800m-Strecke durchlief sie in 2:16,8min - Weltrekord. Nach ihr kamen viele Läuferinnen "erschöpft" ins Ziel, was das IOC bewog, den Mittelstreckenlauf für Frauen erst 1960 wieder freizugeben.



