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Anlageform Aktie

Bild: Foto: Enno Lenze from Berlin, Germany, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Der Wunsch nach Geld ist so alt wie die Menschheit selbst. Mit Ausnahme der freudianischen Triebmotivationen gibt es wohl kaum eine Bestrebung im Leben eines Menschen, die so ausgeprägt ist wie das Streben nach Reichtum - zumindest: finanzieller Unabhängigkeit.

Auf der Suche nach dem Masterplan

Der Wunsch nach Geld ist so alt wie die Menschheit selbst. Mit Ausnahme der freudianischen Triebmotivationen gibt es wohl kaum eine Bestrebung im Leben eines Menschen, die so ausgeprägt ist wie das Streben nach Reichtum - zumindest: finanzieller Unabhängigkeit.

Wer nicht das Glück hat, durch ein Erbe begünstigt worden zu sein, stellt seine Arbeitskraft in den Dienst, Geld zu verdienen - zuerst, um das eigene Leben zu finanzieren, später, um sich ein Vermögen aufzubauen. Doch die Erfahrung zeigt, dass dies für den durchschnittlichen Arbeitnehmer ein langer, beschwerlicher Weg ist.

Der Wunsch nach einem Instrument, mit dem das gesparte Kapital vermehrt werden kann, wohnt dem Menschen also inne. Diese Hoffnung aufs schnelle Geld nimmt mitunter seltsame Formen an - das Roulette-, Lotto- oder Toto-Spiel stehen stellvertretend für eine ganze Reihe von Glückspielsformen bar jeder Logik.

Doch es gibt auch seriöse Formen des Vermögensaufbaus. Die Immobilie etwa gilt als Sachanlage, die mit der Zeit an Wert gewinnen soll. Sparverträge oder Anleihen gewähren dem Anleger eine Belohnung - die Zinsen.

Die Faszination der Aktienmärkte

Doch die großen finanziellen Erfolgsstories der letzten Jahrhunderte wurden nicht von Sparern geschrieben. Die traditionell höchsten Renditen konnten Anleger in den letzten hundert Jahren durch eine direkte Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens erzielen: Der Königsweg der Geldanlage führte über die Aktie.

Gehandelt werden Aktien, wie andere Wertpapierformen auch, an der Börse - jenem Marktplatz, an dem Kapital vermehrt werden soll. Hier finden Käufer und Verkäufer zu- einander: In Sekundenbruchteilen treffen Anbieter und Nachfrager aufeinander - jeder davon überzeugt, im eigenen Interesse den Gewinn zu maximieren oder den Verlust zu begrenzen.

Der große Spekulant und Aktienkenner André Kostolany hat die Essenz des Börsenhandels, die Differenz zwischen Angebot und Nachfrage, einst metaphorisch als ewiges Ungleichgewicht zwischen “Dummköpfen“ und “Wertpapieren“ beschrieben: Je nachdem, wer in der Überzahl ist, treibt die Kurse.

Dieses Wissen erklärt, warum die Börse als Achterbahn der Emotionen gilt: Sie benimmt sich mitunter wie eine launische Diva - und ist damit noch mehr als jede Institution des öffentlichen Lebens Abbild der menschlichen Psyche, ja Spiegelbild der Seele. Denn an den Börsen wird weit mehr gehandelt als Aktien - nämlich die Hoffnung vom schnellen Reichtum, die Illusion einer besseren Zukunft.

Diese Motivation nährt eine ganze Industrie: Unzählige Fachblätter, Börsenbriefe, Publikationen, TV-Formate haben sich - mal wissenschaftlich fundiert, mal aus dem Bauch heraus argumentiert - der Börse verschrieben. Sie alle haben eines gemein: Sie vermitteln oft den Eindruck, den vermeintlichen Schlüssel zum Börsenerfolg zu kennen.

Die Akteure der Wirtschaft werden beim Tanz ums goldene Kalb, der Börse, oft zu Statisten: Die Arbeitnehmer einer AG haben nur solange eine Perspektive, solange der Aktienkurs stimmt, Vorstandsvorsitzende sehen ihre vorrangige Aufgabe inzwischen weniger im wirtschaftlichen Wachstum des Unternehmens als vielmehr in der Steigerung des Shareholder-Values - ja selbst Politiker wissen sehr wohl, dass ihre (Wieder-)Wahl von der Fügung der Aktienmärkte abhängt.

Andreas Nölting, Chefredakteur vom manager-magazin.de, spitzt den Stellenwert der Aktienmärkte in seiner ersten Buchveröffentlichung griffig zu: “Die Börse hat längst Supermacht-Status erlangt!“

Anleger ohne Strategien sind an den Märkten verloren

Doch auf dem langen Weg zum Börsenerfolg scheitert die große Zahl der Anleger indes an sich selbst - und nicht an den Marktbedingungen. Einem unerfahren Seemann gleich, der aus purer Neugier und Abenteuerlust in See sticht, zerschellen Anleger oftmals an den Klippen der Märkte.

Die Mechanismen der Börse haben sich in den vierhundert Jahren ihres Handels nie geändert. Anleger sollten sich vor der ersten Order mit diesen ewigen Gesetzen der Märkte auseinandersetzen: Es bedarf offenbar eines Planes, einer Strategie, bevor die erste Aktie gehandelt wird.

Ein jeder Anleger, der das mitunter spiegelglatte Börsenparkett betritt, sollte sich von vornherein darüber im Klaren sein, mit welchem Einsatz er an die Kapitalmärkte geht - bzw: wie lange er bereit ist, sein Geld zu entbehren. Denn eines ist gewiss: An den Börsen kommt es - zumindest kurzfristig - meist anders als es die Masse erwartet.

Altmeister André Kostolany bringt diese Börsianer-Weisheit in einem berühmten Bonmot auf den Punkt: “An der Börse verdientes Geld ist Schmerzensgeld.“ Anleger müssen daher a priori mit dem Schlimmsten rechnen - dem Worst-Case-Szenario des Totalverlustes ihres Kapitals.

Zauberwort Diversifikation

Schutz vor dem Verlust finden Anleger in der Diversifikation - eine der ersten Regeln an der Börse, die die Streuung des angelegten Kapitals fordert. Wer etwa sein gesamtes Geld vor zwei Jahren in eine einzige Internetaktie investiert hat, wird heute, aller Wahrscheinlichkeit nach, einen großen Schaden erlitten haben.

Doch was macht den richtigen Mix im Portfolio aus? Sollen es zehn oder zwanzig Aktien sein? Eventuell besser eine Mischung zwischen Aktien und Rentenpapieren? Oder lieber nur Fondsanteile? Soll kontinuierlich oder nur ein einziges Mal gekauft werden?

Fragen, die den Investor zu Beginn seiner Anlegerkarriere zumeist überfordern. Die Gesetze des Börsenerfolgs indes sind in vierhundert Jahren die gleichen geblieben. Ein sinnvoller Vermögensaufbau hängt weitaus mehr von der Persönlichkeit des Anlegers ab, als von den aktuellen Marktbedingungen.

So nützt einem Anleger das beste Investment nichts, wenn er beispielsweise über seine Verhältnisse gekauft hat, und bei Kurseinbrüchen die Nerven verliert und verkauft, weil er das angelegte Kapital schon bald wieder für Sachinvestitionen benötigt.

Anders herum kann auch die beste Aktienwahl zu einem falschen Zeitpunkt erfolgen: Wer in den Siebziger Jahren in qualitativ hochwertige, aber maßlos überteuerte Unternehmen von Weltformat wie McDonalds, Coca Cola oder American Express investierte - die so genannten “Nifty Fifty Stocks“ -, saß mehr als zehn Jahre auf “totem Geld“, ehe die Hausse der 80er die Blue Chips nach oben spülte. Wer als Rentner diese Aktientitel stark übergewichtet hatte, mag so einen sorgenvollen Lebensabend erlebt haben.

Das Beispiel lehrt: Grundsätzlich entscheiden zwei ganz maßgebliche Faktoren über den Investment-Erfolg: Das Anlageziel und der Anlagehorizont. Beides wiederum wird maßgeblich durch das Alter bestimmt.

Das Lebensalter bestimmt die Anlagestrategie

Pointiert bedeutet dies: Im zunehmenden Alter kann sich ein Anleger Misserfolge an den Kapitalmärkten weniger leisten, weil die sinkende Lebenserwartung den Anlagehorizont drückt. Das Anlageziel wird eher auf Sicherung der Kapitalbestände liegen, denn auf risikoreicher Vermehrung.

Im umgekehrten Fall kann zuviel Sicherheitsbestreben einem jungen Anleger gehörig Chancen verbauen: Wer als Studienabgänger in den Neunzigerjahren seine ersten selbst verdienten Märker nicht in die Branchen und Unternehmen der Zukunftstechnologien investierte, konnte am grenzenlosen Erfolg der Jahrhundert-Aktien wie Microsoft, Nokia oder Cisco Systems nicht teilhaben. Er mag damit aus Mangel an Mut eine der größten Bullenmärkte seines Lebens verpasst haben.

Der Börsenaltmeister André Kostolany hat diese feine Balance zwischen dem Anlagehorizont und Anlageziel auf eine griffige Formel gebracht. Das Lebensalter des Anlegers definiert den Grad seiner Risikobereitschaft. Pointiert gilt die Formel: 100 - Lebensalter = der Geldanteil, der in Wertpapiere investiert werden sollte. Ein 25-jähriger Angestellter könnte entsprechend bis zu 75 Prozent seines Kapitals in Fonds investieren. Ein Pensionär von 60 Jahren entsprechend nur noch bis zu 40 Prozent seines Vermögens.

Erst wer diese grundlegenden Voraussetzungen zur Kapitalanlage beherzigt, kann langfristig strategisch planen und über die Auswahl der Anlagemöglichkeiten nachdenken. Das Rüstzeug dafür liefert die Aktienanalyse, die die Kerndaten eines Unternehmens systematisch untersucht und damit Rückschlüsse auf die Börsen-Bewertung zieht.

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