Anlageschwerpunkte bei Fonds
Leben & Lifestyle

Anlageschwerpunkte bei Fonds

Bild: Foto: Morn, CC0, via Wikimedia Commons

Die Anlage in Investmentfonds ist oft geprägt vom Wunsch nach einem kalkulierbaren Vermögensaufbau. Doch wie auch bei Einzelwerten unterscheiden sich die Risiken von Fonds zu Fonds gravierend. Wer auf dem Höhepunkt der Dot.com-Hausse einmalig in einen Internet-Fonds investierte, hat bis heute fast ebensoviel verloren wie bei einer Intershop oder Broadvision. Wie bei jedem Investment sollten auch bei der Auswahl des Fonds von vornherein die Anlageziele klar definiert werden.

Die Anlage in Investmentfonds ist oft geprägt vom Wunsch nach einem kalkulierbaren Vermögensaufbau. Doch wie auch bei Einzelwerten unterscheiden sich die Risiken von Fonds zu Fonds gravierend. Wer auf dem Höhepunkt der Dot.com-Hausse einmalig in einen Internet-Fonds investierte, hat bis heute fast ebensoviel verloren wie bei einer Intershop oder Broadvision. Wie bei jedem Investment sollten auch bei der Auswahl des Fonds von vornherein die Anlageziele klar definiert werden.

Im Fondsdschungel den Überblick zu behalten, kann für den Anleger zur Qual der Wahl werden. Gemäß dem Bundesverband Deutscher Investment- und Vermögensverwaltungs-Gesellschaften e.V. (BVI) wurden Ende November 2001 in Deutschland 1.933 zugelassene Investmentfonds gezählt. Fast die Hälfte davon kommen aus dem Segment der Aktienfonds. Wie bereits angedeutet, stellen die Aktienfonds die weitaus wichtigste Kategorie unter den Investmentfonds dar. Wir wollen im Folgenden daher den Fokus ausschließlich auf die Schwerpunkte der Aktienfonds lenken.

Growth und Value-Fonds

Die wahrscheinlich bekanntesten Fonds sind seit Jahrzehnten die Flaggschiffe der großen Investmentgesellschaften: Die Value- oder Growth-Fonds. Die Unterscheidung der Fondstypen erfolgt gemäß der unterschiedlichen Anlagestrategie. So legt der Value-Investor in renommierte Qualitätstitel an, die sich seit Jahrzehnten an den Märkten und in der Wirtschaft bewährt haben; seine Anlagestrategie ist wertorientiert. Warren Buffett, der erfolgreichste Anleger aller Zeiten, ist ein mustergültiger Repräsentant dieser Investment-Schule. Value-Werte sind etablierte Unternehmen in ihrem Segment und meist dividendenstark.

Der Growth-Investor geht den umgekehrten Weg: Er setzt auf das Wachstum neuer Technologien. Damit akzeptiert er ein höheres Risiko bei deutlich höheren Wachstumschancen. Eine klassische Wachstumsbranche ist etwa die Biotechnologie im Vergleich zum Value-Segment der Pharma-Branche. Die Investmentgesellschaft Templeton Franklin hat etwa eine konsequente Trennung dieser Anlagestrategien vollzogen: Während die Templeton-Gruppe wachstumsorientierte Fonds auflegt, wird von Fondsmanagern der Franklin-Gruppe wertorientiert investiert.

Entsprechend der Anlagestrategie eignen sich beide Investment-Richtungen für den langfristigen Investor: Die Risikobereitschaft sollte sich nach dem Lebensalter und der damit verbundenen Ausdauer des Investments richten. Für einen Anleger Mitte zwanzig erscheint ein Growth-Fonds so beispielsweise geeigneter als für einen Rentner.

Länder- und Regionen-Fonds

Seit Bestehen des marktwirtschaftlichen Handels haben bestimmte Länder und Regionen von wirtschaftlichen Aufschwüngen ganz unterschiedlich profitieren können. Die Niederlande des frühen 17. Jahrhunderts erlebten etwa durch die Euphorie des Tulpenhandels einen großen Aufschwung, die USA in der Ära nach dem Ersten Weltkrieg durch die fortschreitende Technologisierung - und nicht zuletzt das Finnland der Neunziger durch den schier ungebremsten Handyboom des nationalen Pioniers Nokia. Die Anlage-Idee, entsprechend in den konjunkturellen Aufschwung eines bestimmten Landes oder einer ganzer Region zu investieren, liegt daher diesem Fondsbereich zu Grunde.

Ein deutlich riskanteres Anlage-Konzept als die Suche nach dem nächsten großen wirtschaftlichen Aufschwung einer Region verfolgen Fonds, die in Schwellenländer, die so genannten "Emerging Markets" investieren. Diese wirtschaftlich (noch) unterentwickelten Länder suchen den Anschluss an die führenden Industrienationen und bieten Investoren daher ein großes Wachstumspotenzial.

Doch Unwägbarkeiten untermauern die Risiken dieses sehr spekulativen Investments. Vor allem die politisch häufig unberechenbaren Bedingungen machen ein Investment manches Mal zum Vabanque-Spiel, das die Streuung des Fonds selten ausgleichen kann, da eine ganze Region betroffen ist. Nur wirklich erfahrene Investoren sollten sich an die Anlage in einen Emerging Markets-Fonds wagen - und das auch nur mit einem streng limitierten Depotanteil.

Branchenfonds

Ähnlich wie beim Erwerb einer einzelnen Aktie trifft der Anleger bei Branchenfonds eine sehr spezielle Auswahl. Das heißt: Wer vom Erfolg eines bestimmten Wirtschaftszweiges überzeugt ist, setzt auf Branchenfonds - mit dem Vorteil, sich im Gegensatz zur Einzelaktie nicht auf den mutmaßlichen Marktführer des Segments festlegen zu müssen.

So konnte die Fondsgesellschaft Nordinvest zur Auflage ihres Nordasia.com-Fonds Anfang 2000 das beträchtliche Anlagevolumen von knapp zwei Milliarden Euro einsammeln. Die Anleger fühlten sich offenbar bei der Frage nach der nächsten “Amazon“ oder “eBay“ der asiatischen Märkte überfordert und zogen es vor, die breiter gefächerte Branchen-Karte zu spielen.

Doch auch die Diversifikation schützt nicht vor dramatischsten Kurseinbrüchen. So beweist der eklatante Absturz bis auf 16 Euro, wie tief auch ein Fonds fallen kann. Der Absturz des einstigen "Reichmacher"-Fondsmanagers Volker Kuhnwaldt beweist: Ein Gefühl für die Marktlage und insbesondere den richtigen Einstiegszeitpunkt sind bei Branchenfonds enorm wichtig für die Entwicklung der Fonds-Performance. Deshalb sind Branchenfonds für Einsteiger nicht unbedingt geeignet.

Themen- bzw. Trendfonds

Eine besondere Gattung der Branchenfonds sind die Themenfonds. Sie spiegeln häufig vorherrschende Börsentrends wider. So durchlief das Anleger-Interesse für Themenfonds synchron zur Marktentwicklung in den letzten Jahren immer neue Moden.

Nachdem sich das Interesse an Internet- und Biotechnologie-Produkten bis Ende 1999 immer weiter gesteigert hatte, versuchten die Fondsgesellschaften ihre Zielgruppen durch eine immer feinere Segment-Untergliederung zu bedienen. Aus Telekommunikations-Fonds wurden WAP- und UMTS-Produkte, aus Internetfonds wurden Venture Capital-Produkte, mit denen Anleger bereits in der Unternehmens-Frühphase in aussichtsreiche Startups investieren konnten. Nach der ersten Flaute der Internet-Wirtschaft wurden wieder ganz andere Wirtschaftszweige wie Ökotechnologie bzw. Logistik entdeckt.

Der Boom der Themenfonds in den Jahren 1999 – 2000 war aus Sicht der Fondsgesellschaften eine durchaus erfreuliche Entwicklung, zumal sie weniger am Erfolg des Fonds als vielmehr an der Verwaltung des Vermögens verdienen. Für Anleger gilt indes noch mehr als bei Branchenfonds, Vorsicht und ein genaues Timing walten zu lassen. Häufig genug fungiert nämlich die Auflage eines Themenfonds als bester Kontraindikator, dass ein Trend seinen Zenit längst erreicht hat.

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite